lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

verthun

nhd. bis sprichw. · 4 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
4 in 4 Wb.
Sprachstufen
2 von 16
Verweise rein
1
Verweise raus
12

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verthun verb.

Bd. 25, Sp. 1895
verthun, verb. , schon in ahd. zeit reich belegt: fartôn, fertuon, firduon Graff 5, 321 f.; mhd. vertuon mhd. wb. 3, 145b; Lexer 3, 278; verthuen, verthun, verthon voc. inc. teut. ii 6a; Diefenbach gloss. 606c, 462c, 6a; schweiz. verthuon Frisius (s. unten); Maaler 434ab. sonst verthun Alberus, Calepinus (s. unten); Stieler 2359; Kramer 2, 1083b; Dentzler 314b; Frisch 2, 374a; Adelung; Campe. altsächs. fardôn Gallée vorstudien 63; mnd. vordôn Schiller - Lübben 5, 340b; mnl. verdoen Verdam 618b; Kilian 584b; nl. verdoen. vgl. altengl. fordôn, perdere, destruere, interficere, seducere, scelerare Bosworth-Toller 304b. lautlich bemerkenswerth ist der alem. conj. präs.; schweiz.: das er nit mer auff diser fart über sein lehen oder eynkommen verzeere und verthüye, accommodet Frisius 19b; elsäss.: (dasz der papst) das gelt .. von den leüten schind und schab, und verdieg daʒ unnützlich Murner an den adel 50 neudr.; schwäb.: das er so vil gelt verthie quelle v. 1601 bei Fischer 2, 1392. vereinzelt taucht die unorganische weiterbildung verthunen auf: abortire Diefenbach gloss. 636a; ihrem verthunen gemesz bei Fischer. im bair. erscheint die fortbildung vertuenitzen (Schmeller 1, 577) bei Sachs: mit schiesen ich nit vil verthu; ich musz dir teglich sehen zu, wie du mir thust vil geldts verschmieszen (var. verthunitzen) 21, 94, 12 Götze. den lebenden mundarten ist verthun allenthalben geläufig: schweiz. verthue, verthoh Tobler Appenzell 189b; Seiler Basel 107; Stalder 1, 280; elsäss. vertuen Martin-Lienhart 2, 641a; schwäb. vertun Fischer 2, 1391 f.; österreich. fatan Castelli 125; tirol. verthuen, vertüen Schöpf 788, 773; ostfränk. vertun Spiess Meiningen 269; hess. fadon Schöner Eschenrod 91; fərdón, fərdúe.n Leihener Cronenberg 33b; luxemb. verdin, verdôen, verdunn; siebenbürg. verdân lux. wb. 458ab; waldeck. ferdoun Bauer-Collitz 32a. nd. verdoon: ostfries. Stürenburg 310a; Doornkaat 1, 444a; brem. wb. 1, 227; hamb. Richey 36; pomm. Dähnert 519ab; aber neumärk. farduun zeitschr. f. d. mundarten 4, 74. die reiche bedeutungsverzweigung läszt in verthun mehrere richtungen unterscheiden, die auf eine fair- bzw. fra-type zurückweisen. nur die letztere ist verbreitet. AA. trans. gebrauch in verbindung mit seltenerem intransitiven. A@11) verthun als verstärktes thun. A@1@aa) intrans.: ob sye sollichs billich oder unbillich an uns forderen, übel oder wol verthuond Eberlin v. Günzburg 3, 103 neudr. stärker 'alles thun, was in seinen kräften, in seinem vermögen steht', nur auf grund des Lessingschen sprachgebrauchs von Campe, aber als ungewöhnlich verzeichnet: anstatt von einer critik zu beweisen, dasz sie falsch ist, beweisen sie, dasz sie zu strenge ist, und glauben verthan zu haben! 10, 191 (dramaturgie 96). vielleicht nach dem vorbilde Luthers: ein lauter euszerlich gebete, da man ... meinet, wenn so viel gelesen odder gesprochen sey, so habe man verthan, so doch das hertz nicht einmal erferet, was der mund redet 28, 78, 21 Weim.; wenn ich das thue, so ists gut und ich hab verthan 28, 286, 31; 26, 169, 30; 432, 35; wenn du dem nachlebest, so hastu vertahn, rite mandata executus es, si, quod imperatum est, facis Stieler 2359; wenn wir demnach das jenige thun, was er für nöthig zu thun erachtet, .. so haben wir verthan Sperling Nicodemus (1719) 2, 516. lebendig im elsäss., 'dafür sorgen': indëm han ich verdon, dasz er nimm geht gehn stëhlen! Martin-Lienhart; auch noch thüring. (anmerkung in der Weim. Lutherausgabe 26, 432); haben sie das buch — nun gut; so habe ich vertan, wie die Thüringer sprechen F. L. Jahn briefe 493. A@1@bb) trans. 'zustande bringen, ausrichten': Dominicus sprach, das er hett so viel (geld), das er die reis verthet Fischart S. Dominici leben 342; ein dichter kann viel gethan, und doch noch nichts damit verthan haben Lessing 10, 122 (dramaturgie 79); nachdem er dergestalt seine zärtlichkeit für mich vertan, hat er später nichts weiter von mir wissen wollen Storm briefe in die heimath 63. lebendig im schwäb. 'fertigbringen, bewältigen': ich kann's allein nit vertun Fischer. A@1@cc) in sinnlicher anschauung 'auseinander thun': schweiz. 'ausbreiten, auseinanderlegen' Stalder; schwäb. die mah den 'auseinanderschütteln' Fischer. A@22) eine fra-type wie vergeben ist verthun in der bedeu tung 'wegthun, hingeben, austheilen'. A@2@aa) mit sächlichem object: erogo, auszgeben, auszteilen, verthuon (schweiz.) Frisius 481a; locare, elocare, auszleihen, auszthun, verthun, verpachten Apherdianus methodus (Köln 1601) 205; verthun ein gut, transferre Haltaus 1905; seine waaren verthun, consumare, vendere Kramer; mnd. 'vertheilen, verheuern' Schiller-Lübben; 'vermiethen' brem. wb.; ostfries. Doornkaat. überhaupt mehr nd. und md. als obd. verbreitet. elsäss. beim kartenspiel 'drücken, für eine aufgehobene karte eine andere ablegen' Martin-Lienhart; ouch gap künec nie einer zuo sîn selbes hôchgezît so manegen rîchen mantel tief unde wît, noch sô guoter cleider, der si mohten vil hân, die durch Kriemhilde willen wurden alle vertân Nibelungenlied 1309, 4; dasz si vil kilchen-kleinot musztend vertun, die narung ze überkommen Tschudi helvet. chron. 1, 30; wenn die wein vortan werden Iglauer stadtbücher bei Jelinek 853; wenn das ding (gerücht von der toten katze im bier) unter die leute kommen wäre, wir hätten keinen tropffen bier verthan Weise comödienprobe 240; welche ... ein hausz an der strasze auferbaut haben, damit sie ihre messer daselbst besser verthun könten Zinzendorf kl. schriften 740; wer klug ist, mag sein pfund verthun und guten wucher treiben Günther ged. 34; weil er credit hatte, den weinbauern ihre vorräthe abnahm, ihn (den wein) einzeln an die benachbarten landwirthe verthat Merck ausgew. schr. 233. A@2@bb) in perfectivem sinne von verlagsartikeln, die 'völlig abgesetzt, vergriffen' sind: demnach aber dasselbe (lobgedicht) .. zu unterschiedenen malen bey mir gesucht und begehrt, solches aber vor etlichen jahren schon verthan worden, die kupferblate auch von handen kommen Neumark palmbaum 330; wann ich denn von dem verleger vernommen, dasz die ersten exemplaria dieses werckleins bey nahe schon verthan wären Schmidt rockenphilosophie 2, 4. A@2@cc) weiter verbreitet ist der gebrauch persönlichen objects: das aber etliche kinder werden zuweilen verthan und weg geschickt und ihr eltern nicht gewis kennen ihr lebenlang Luther 26, 151 Weim.; dasz man hier die töchter noch anders zu verthun weis, als blosz allein an sie d. schaubühne 4, 101 Gottsched. in der form des subst. inf.: denn jugend dient zur zucht, und schönheit zum verthun; sind diese beide weg, so läst man sie (die jungfern) wol ruhn Logau sinnged. 100 (412; vgl. Lessing 7, 406); den liebenden war kein verthun bewust, als das man im bemühn zur gegen-liebe spür'te poesie der Niedersachsen 1, 324 Weichmann. elsäss. 'versorgen, verheirathen' Martin-Lienhart. A@33) in perfectiver verwendung. A@3@aa) 'verbrauchen, verzehren': attenuo, verthuon, verzeeren Frisius 134a; absumo, consumo, insumo, verzehren, verthun, verbrauchen, anwenden, auszgeben Calepinus 14a, 322b, 744b; älter mittelfränk. vgl. Germania 25, 353; gar seltten würt verdient der lon der vor verzert ist und verthon Brant narrenschiff 113; nicht jedem freund solt trauen bald, du habst dann vor ein scheffel saltz mit ihm verthan, in eyer und schmaltz Eyering proverb. 1, 644; dem kompthur zu Thorun vor syne zerunge, die her mit unserm homeister vortet Marienburger treszlerbuch 316, 35; man verthut im winter viel liechter, viel holtz Kramer. mittel zum leben: haben sie so viel hundert tausent gülden so lange verkleidet, verthan odder versamlet, sollen sie auch ein mal eine busze davon geben Luther 302, 181 Weim.; meynt ihr, wan der Teütschen saurerworbenes gut nicht alles nach Parisz für solche närrische neue trachten ubermacht würde, es könte sonst nicht verthan werden? Moscherosch Philander 2, 78; ein mann, der durch arbeit sein brod verdient, lebt die meisten tage über sparsam und verthut gemeiniglich nur wenige groschen Rabener 4, 161; dasz, wer in Paris nicht viel zu thun oder zu verthun hat, sich in der länge nicht sonderlich da befindet Knebel nachlasz 2, 377. mit präpos. zusatz in etwas: in kleidern verthut der bursche in Gieszen .. blutwenig Laukhard leben 1, 98. von stoffen und dingen, die verbraucht oder abgenutzt werden: dieweil der berg nun brennet, und seine gegend stets vom wasser wird berennet, so dasz, wann hartz, alaun und schwefel sind verthan, ihr samen widerumb sich doch erholen kann Opitz opera 1, 44; von dem feuer, das nichts thut, als verthun und verzehren Eichendorff werke 3, 436; als die (spiesze) vertan, griffen die helden zu den schwertern Wilwolt v. Schaumburg 157; er sprach 'ôwê war kom mîn sper ...? 'hêrre, eʒ ist mit tjost vertân' Wolfram v. Eschenbach Parzival 302, 20. 'verarbeiten': die maurer haben allen kalk, die zimmermeister alles holz verthan Adelung; die butter ist verthan Campe; doch heute nur der volkssprache recht geläufig. A@3@bb) meistentheils 'ohne noth und auf unnütze art verwenden', ein geringerer grad von verschwenden Adelung; verthun ist allgemeiner als durchbringen, verschwenden, vergeuden, verschleudern Eberhard-Lyon nr. 392; daʒ er sin guot vertaen hab ane ere und unadelichen Schwabenspiegel lehenrecht 156; der 25. abt war liederlich, verthett vil mit weybern Stumpf Schwytzerchron. 524a; derselbig hett sein gut verthan mit prassen, bulerey und spiel Sachs 17, 240, 4 Keller-Götze; als aus dem teuren golde, des mancher mehr vertut, als er sein hat zu solde Fleming d. ged. 1, 166; einen liederlichen kerln, der mehr geld verthun als erwerben kan Weise erznarren 71 neudr.; man klagt über geldmangel und verthut, was man hat Herder 16, 183; da die beute nicht nur vertheilt, sondern zum theil schon verthan war Niebuhr m. geschichte 2, 237; das verthun der letzten habe, das hänseln der gläubiger .. (wird) gepriesen Keller 3, 33. übertragen: man läszt ihr toben wüthend hausen, schon ist die halbe welt verthan Göthe 15, 12 Weim. (Faust 4828); du warst mein alles! jetzt verthust du nicht (var. nichts) mehr von deinem eigenthum Schiller 3, 477 (kabale 5, 1); wären es die häupter unserer brüder, wir hätten nicht tollere jagd um sie reiten können. jetzt ist die kraft verthan Freytag werke 8, 306. in sprichwörtlichen verbindungen seit alters beliebt: vil verthon und wenig gewunnen Murner schelmenzunft 61 neudr.; dann nichts gewinnen, vil verthon, macht ein zuoletzst betteln gohn Fischart praktik 8 neudr.; denn viel verthun, und wenig werben, ist ein guter weg zum verderben Rollenhagen Froschmeuseler g iiia; wie gewunnen, so verthon, wie es kompt, so wider gon Murner narrenbeschwörung 242 neudr.; ubel gewonnen, böslich verthan Eyering proverb. 2, 179; verthun wirs alls für unserm endt, so gibts ein richtig testament Sandrub kurzweil 88 neudr.; unrecht guth will zween schelmen haben: einen der es gewinne, den andern der es verthue Moscherosch Philander 1, 417 (ähnlich Rachel satyr. ged. 64); jung's blut, verthu dein gut, wer weisz, wie's im alter thut Schellhorn sprichw. 142. schwäb. sprichwörter bei Fischer. A@3@cc) mit dativ der person, 'einem andern etwas durchbringen, ihn um etwas bringen': dan es ist gar ein gantzen wuost, daszt mir min vetterlich erb vertuost neujahrspiel 68 (2, 381 Mone); der nit nur seinem bisthum vil entzogen, sunder auch andren stifften und kirchen vil verthan hat Münster cosmographey 783; ein wollüstiger kerl verthut im hausstande sich und seinem weibe alle das ihrige Thomasius kl. d. schriften 136; er war .. ein böser bub, verthat seiner mutter viel geld H. L. Wagner theaterstücke 124. A@3@dd) von der zeit: die zeit mit müsziggang verthun Kramer; sô vertet er sîner stunde vil an iegelîchem seitenspil Gottfried v. Straszburg Tristan 2094; da ich in schnöder lust, in toller eitelkeit und grimmer angst verthan die beste lebenszeit! Gryphius trauersp. 271 (Cardenio 1, 7); so sei die zeit in fröhlichkeit verthan! Göthe 15, 21 Weim. (Faust 5058). A@44) in anderweitigem üblen sinne. A@4@aa) mit persönlichem object 'abthun, verderben', nur mhd.: dîn tugende sint sô reiner art, daʒ du den sünder niht vertuost Winsbeke 71, 11. bis etwa 1700 vom abtreiben der frucht: abortire Diefenbach gloss. 636a; ein kind, eine frucht verthun Kramer; die sich selbs döten, oder hencken, und kynd vertuont, und die ertrencken Brant narrenschiff 93, 31; so ein frau ein kind vertuot, sol sie lebendîg in das erdrich begraben .. werden tirol. quelle v. 1573 bei Schöpf; hat man .. baders tochter mit schoben auszundt, weil sie ein kind verthun schwäb. quelle des 17. jhs. bei Fischer; die die kinder vortuen ... e das sie geborn werden böhm. quelle bei Jelinek 853. in subst. form: wer sich mit gifft oder kinder-verthun vergreifft Hohberg georgica 1, 35a. A@4@bb) mit sächlichem object, 'verderben, zunichtmachen': welt ir iwer werdekait also gar an mir vertuon? iwer adellicher ruon würde an mir gekrenket Joh. v. Würzburg Wilh. v. Österreich 15 825; bey welchem geschöpf kann die macht seyn, gottes unsterbliches werk zu verthun; woferne das tod heiszt? Bodmer Noah 6, 348 (von Schönaich ästhetik 353 verspottet). schwäb.: das mehl, die arbeit ist vertan Fischer. mit dativ der person: als etwa neun soldaten dem bauren einen hahn verthaten Logau sinnged. 140 (611). schwäb.: vertue mir die sache nicht; dem hat man's vertan Fischer. österreich.: ich verthu' dir schon dein versteckenspiel! Anzengruber 4, 57; du muast ma main 'n rock nöt fatan Castelli 125. niedersächs.: die frau .. tröstete sich damit, dasz der 'alte kerl' ihrem kinde nun nichts mehr 'vertun' könne Sohnrey im grünen klee 70. österreich. 'geringschätzig behandeln, verachten, verschmähen': had sein huimát vorthán und sitdem had a' d' naoth Stelzhamer dichtgn. 1, 31, 11; die ich geliebt habe, sind tot und hin — auf das lieb gotteswort seind sie gestorben. auch ich will's nit vertun Handel-Mazzetti arme Margaret 50. elsäss. 'verlegen, so dasz ein gegenstand nicht zu finden ist': hühner verthun die eier Martin - Lienhart. diese vereinzelt auftauchenden gebrauchsarten werden sich jedenfalls auch in andern mundarten belegen lassen. A@4@cc) absolut 'eine that vergebens thun, eine verfehlte handlung vornehmen', erst spät und nur vereinzelt nachzuweisen; von Paul wb. 613b als volksthümlich bezeichnet: ein neuer narr — zu neuer pein — wo kommt er her — wie kam er ein — der alte fiel — der hat verthan — Göthe 15, 9 Weim. (Faust 4759); der hat verthan und versungen ganz R. Wagner 7, 192 (meistersinger). obd. ei mein, dö dummheiten hab'n bei uns für alle zeiten verthan Anzengruber 5, 85; das hat verthan für alle zeit ('damit ist es aus') 2, 27. in jüngster sprache: wer diese probleme philologisch faszt .. — der allerdings hätte bei mir von vornherein vertan kunstwart 27, 190 (november 1913). neben einem er hat verthan 'es ist aus mit ihm' kommt auch er ist verthan ('abgethan') vor: kömmst du mir noch mit dem dummen bauerkerl? du weist ja, dasz er so gut als verthan ist Weisze komische opern 3, 251. BB. der ausgedehnte reflexive gebrauch schlieszt sich theils an die einzelnen arten des transitiven an, theils vereinigt er mehrere von diesen. B@11) 'sich vergeben' (vgl.A 2 c) ohne schlechten nebensinn. von mädchen, 'sich aus dem hause begeben, heirathen; zu einem manne kommen': das mädchen will sich gar nicht verthun Albrecht Leipziger mundart 231a; auch schles. Drechsler in germ. abh. 11, 265; ich gebe Julien ... das recht wieder, sich selbst zu verthun und ihre hand zu vergeben neue Heloise 3, 49 (zeitschr. f. d. wortforschung 12, 62). von arbeitern, 'sich verdingen': mnd. vor sine misdat, dat he sik twen heren vordan (var, vormedet) heft lüb. urk. bei Schiller - Lübben. nhd. sich verthun zu einem herrn Kramer. dazu ein part. prät.: mit der arbeit bin ich für die ganz wochen verthan Ludwig 2, 55. B@22) zu einer fair - type (vgl.A 1), mit leichtem übergang zu üblem nebensinn. 'sich umthun, sich vorwagen': an profiant und futter (war) grosz mangel, so dasz sein volck etwas weiter sich auff die fütterunge verthun muste Schütz preusz. chron. 2, m iv f; sechzig knecht ... vertetten sich zu weit, wurden der merertail erstochen Wilwolt v. Schaumburg 115; doch durften die unsern sich nicht zu weit vertuhn, weil von unterschiedlichen orten her sich starker entsaz merken lies Bucholtz Herkuliskus 28; das man nicht aus seinem beruffe schreitte, und sich zu weit verthue Pape bettelteuffel d 7 r. pomm. ik hebb mi mit em to wiid verdaan, 'ich habe mich mit ihm zu weit eingelassen'; ik kann mi nig wiid verdoon, 'nicht weit wagen' Dähnert; konfusionsräthe haben in meinen geschäften .. so viel angerührt, dasz ich mich nicht weit verthun kann Arndt briefe an eine freundin 104. landschaftlich obd. wie nd. 'sich gleichsam auseinanderthun, sich breitmachen, groszthun' Campe; schweiz. Stalder, Tobler: si verthue wie dreu eier im chrätli; hamb. holst. verdoh dy man nich to veel, 'mache dich nur nicht zu breit' Richey, Schütze. das brem. wb. verzeichnet 'sich vergnügen': sik up sine egen kanne beer verdoon, 'auf eigne kosten'. Paul und Heyne bezeugen als obd. 'die zeit hinbringen'. B@33) zu der perfectiven fra-type (vgl.A 3). 'sich verflüchtigen, verziehen': am saume hin zog sich der pulverrauch und wollte sich nicht gleich vertun Fontane 6, 74; die besten man ûʒ holde und bat die mit dem künege gân, dâ er ir rât wolde hân. in einer kemenâten si sich schiere vertâten Dietrichs flucht 824; es gläubt es jederman, dasz die vollkommenheit sich gantz in euch verthan Fleming d. ged. 506. 'sich völlig ausgeben, bankrott machen': (der bischof) het sich also verthon, das sein zerung und des bistumbs auffheben kaum das halb jar kleckt Franck chron. Germaniae 131b (141b); da verthet sich der graf und machet fül schulden schwäb. quelle des 16. jhs. bei Fischer; sô vertuont aber die dînen sich. der man hat durch dich vertân al sîn rîchtum liedersaal 1, 528, 352 Laszberg. 'sich verzetteln, verplempern': freilich, wenn man alles nachmachen will, verthut sich viel Petrasch lustspiele 1, 723; in kleinen fehden und wegelagereien verthat sich ihr (der ritter) kriegerischer muth Freytag werke 18, 41; unsere aufgabe war nicht, uns hier .. in .. knäuelkämpfen zu vertun Fontane 1, 521; dasz manche leute im land enttäuscht sind von meiner heirat und sagen, ich hätte mich vertan und sei hinabgestiegen Th. Mann königl. hoheit 180. B@44) im üblen sinne (vgl.A 4) 'eine falsche oder schlechte handlung begehn, sich vergreifen, sich irren'; schon in ältester zeit gebräuchlich (Gallée 64; Graff 5, 321a): altsächs. ne uerduo thi an thesamo guoden manna ('habe du nichts zu schaffen mit diesem gerechten') Essener glossen Matth. 27, 19; ahd. daʒ siê sih án demo (lîchamen) fertâtin, ut saevirent in eum Notker ps. 68, 12. sprichwörtlich: man hat sich eh verredt, dann verthon (von der bürgschaftsleistung) Franck sprüchw. (1541) 1, 112b; schöne weise klugreden (1548) 6b, 24b, 40b; Eyering proverb. copia 3, 190; derhalb man spricht, sich hab ein man viel eh verredet, dann verthan Sachs 3, 364, 15 Keller. alterthümelnd: der mesner hat's ja eh gewuszt; es kann ihm doch einer einmal vertun Handel-Mazzetti Jesse und Maria 1, 363; die leute sollten französisch können, verthaten sich aber noch zuweilen Immermann werke 20, 128. mundartlich 'sich irren, fehlgreifen' schwäb. Fischer; Leihener Cronenberg; Bauer-Collitz Waldeck; neumärk. 'sich verfassen, versehen, falsch zugreifen' zeitschr. f. d. mundarten 4, 74. nicht übertragen, 'sich verirren': dasz aber die schwalbe sich in hohen bergen verthue, solches lassen wir uns leichtlich .. überschwatzen Prätorius winterflucht 70; wie auf bergen ohne bahn das volck der thiere sich verthan (rara per ignaros errent animalia montes) Overbeck Virgils hirtengedichte (1750) 103 (eclog. 6, 40). zu A 4 a gehört mnd. mnl. nl. 'sich entleiben, sich umbringen'. CC. das part. prät. verthan ist in älterer sprache als adj. verbreitet, doch erlischt der gebrauch mit dem 16. jh. es gehört offenbar zu einem reflex. verbum (vgl.B 3, 4). C@11) ahd. fertâno, firdâno, sceleratus, publicanus, sacrilegus, perditus, reus, perversus, scelestus, profanus, deterrimus Graff 5, 322; mhd. 'verbrecherisch, schuldig, verflucht, böse' Lexer 3, 279; älter schwäb. 'verdorben' Fischer 2, 1392. als adj. gebraucht: in dágon eines kúninges joh hárto firdánes Otfrid I 4, 1; (da) was ein bürger Eberl Schmid, ein vertan mensch d. städtechron. 15, 26, 17; die Winden und menig vertaun volk Richental Constanzer concil 112. subst. gebraucht: diê in íro súndôn ióh pegráben sint állero mánno fertânosten Notker ps. 67, 7; fîâ fîâ fîe, fî ir vertânen! Wolfram v. Eschenbach Parzival 284, 15. C@22) im 16. jh. 'verschwenderisch, liederlich': zu vil milt ist verthan Franck sprüchw. 1, 26; disser ... was ein costelich verdoin man, ind verdede der kirchen goit d. städtechron. 14, 692, 23 (Cöln); der verthan sun, der in fern land gezogen und widerumb haimkomen ist zue seinem vater Berthold v. Chiemsee theologey 132; dasz du lausiger sophist nicht den monarchen der Arcanen für einen unwissenden narren und verthonen geuder haltest Paracelsus opera 1, 922 a; das sie abhieb den kessel sider, und heist mich ein verthonen buben Sachs 3, 68, 15 Keller. C@33) vereinzelt ist schwäb. vertan sein, 'aus der ordnung gebracht, verwettert, fassungslos vor schmerz durch anstrengung und ärger, erschöpft oder verstimmt' Fischer. DD. der subst. inf. das verthun ist vereinzelt gebräuchlich (vgl.A 2; Avé-Lallemant gaunerthum 2, 27).
21850 Zeichen · 368 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verthun

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Verthun , verb. irreg. act. S. Adelung Thun . 1. * Verderben, ingleichen unglücklich machen, eine alte Bedeutung. Das du…

  2. Sprichwörter
    Verthun

    Wander (Sprichwörter)

    Verthun 1. Alles verthan vor seinem End macht ein richtig Testament. – Lehmann, II, 33, 25; Braun, I, 4410. 2. Heut alle…

Verweisungsnetz

13 Knoten, 9 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 2 Kompositum 9 Sackgasse 2

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verthun

3 Bildungen · 3 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von verthun

ver- + thun

verthun leitet sich vom Lemma thun ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verthun 2 Komponenten

vert+hun

verthun setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verthun‑ als Erstglied (3 von 3)

verthunis

DWB

verthunis , verthunung , verthuung , f. , seltene substantivbildungen zu verthun, ' verschwendung ': verthunüs Jelinek 853 ; unser herren ha…

verthunisch

DWB

verthun·isch

verthuisch , verthunisch , adj. , auch mit umlaut, ' verschwenderisch ' : mhd. vertuonisch Lexer 3, 279 ; unnütz, verthunisch Meichszner han…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „verthun". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verthun/dwb?formid=V05419
MLA
Cotta, Marcel. „verthun". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verthun/dwb?formid=V05419. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „verthun". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verthun/dwb?formid=V05419.
BibTeX
@misc{lautwandel_verthun_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„verthun"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/verthun/dwb?formid=V05419},
  urldate      = {2026-05-10},
}