vertändeln,
verb. ,
seit ende des 17.
jhs. nachzuweisen, beliebt zur bezeichnung verschiedener arten leichtsinnigen thuns und durchbringens (fra-
type).
es gehört zum subst. tand
und verb. tändeln (
th. 11
1, 103; 105)
und bezeichnet ursprünglich '
in kleinigkeiten verkaufen und durchbringen': vertandeln, vertändeln,
vendere alla rigatteria e frà i ferra-vecchi Kramer 2, 1050
b;
österreich. dieser mensch tandelt gern, vertandelt alles Höfer 3, 211; die verwirrte freundschaft ist restauriert, wie ein vertandeltes ahnenbild Nestroy 2, 262; denen hat sie lassen kleider machen, einem als jäger, einem als läufer, einem als lakey; und hat des seligen papas seine kleider darüber vertändelt J. E. Schlegel 3, 551.
dann verallgemeinert es sich in der bedeutung: vertenteln,
mora damnum contrahere, stulte disperdere, dilapidare res suas Stieler 2255; vertändeln,
ad res ineptas et inutiles conferre Frisch 2, 361
c; Adelung, Campe.
schwäb. vertändle
n '
geld und zeit vergeuden'
neben vertänderle
n, verdenderle Fischer 2, 1374;
dieses auch schweiz. Seiler
Basel 106.
älteste quelle Abraham a St. Clara.
abweichend in form und bedeutung mhd. vertanten '
tändelnd verdecken, beschönigen' Lexer 3, 266. 11) '
auf leichtsinnige art sich um etwas bringen, verlieren, verthun': ich vertändle viel von meinem einkommen Göthe IV 3, 258
Weim.; ich erwartete von dir, dasz du den kaufpreis nicht vertändeln würdest Hebbel 2, 247 (
Herodes 2, 3).
edlere gaben und güter: als er umb ein geringes affenspiel der welt so ohnweiszlich das ewige vertändlet Abraham a St. Clara
Judas 1, 12; damit der Deutsche der grosze geistige spiegel der welt bleiben könne, musz er seine eigenthümlichkeit nicht verschleifen noch vertändeln Arndt
an s. l. Deutschen 1, 380; wir vertändelten unsere besten gefühle Raabe
Abu Telfan 2, 154. '
leichtsinnig hingeben': wenn ich den schlüssel zu meinem weiblichen heiligthum an dich vertändle Schiller 3, 124 (
Fiesko 4, 12). '
leichtsinnig versäumen': die mahlzeit Adelung. 22) '
die zeit leichtsinnig hinbringen, vergeuden': in thörichter freyheit hüpft sie ungebändigt umher und vertändelt ihr unbrauchbares leben Wieland 3, 75
akad. ausg.; die weiber, die weiber! man vertändelt gar zu viel zeit mit ihnen Göthe 11, 51
Weim. (
Clavigo 1); wozu den lieben schönen augenblick, den uns ... der zufall angewiesen, mit wortgefecht vertändeln? Schiller 5
1, 110 (
Dom Karlos 2, 9). '
unschuldig, harmlos verleben': es ist die letzte blüthe ihrer vertändelten, freieren jugend Herder 13, 327; dann wird der rest des tages mit kegeln, scheibenschieszen, essen .. vertändelt Bismarck
an braut u. gattin 361. 33)
in gutem sinne '
etwas tändelnd überwinden, scherzend über etwas unangenehmes hinwegkommen oder einem anderen darüber hinweghelfen': wir haben vertändelt das irdische leid und versenkt in die tiefen der wogen Hoffmann v. Fallersleben
werke 3, 32; sie wäre wie geschaffen, ihm den rest seiner tage zu vertändeln Gutzkow
zauberer 1, 291.
vgl. vertanzen 5. 44) '
etwas tändelnd verderben, vernachlässigen': wie er die pflanze vertändelt hat, die ich so sorgsam gewartet habe Iffland
herbsttag 5, 9; woher geschiehts, dasz dieser höchst tragische stoff gewöhnlich zu lustspielen vertändelt wird? Börne 1, 148. '
einen menschen verzärteln': seine frau verpappelt und vertändelt ihn auf ihrem schosz Arndt
wanderungen 136 (
Meyers volksbücher). '
sich mit tand
befassend, leichtsinnig': ein vertändeltes, gottloses, unehrbares weib Herder 9, 400. 55)
reflex. '
sich auf eine leichtsinnige und unbedachtsame art zur ehe versprechen',
im gemeinen leben auch sich verplämpern (
sp. 973) Adelung. '
sein herz leichtsinnig verschenken': schwarze raben, weisze raben! und ich habe mich vertändelt; ach, am ende war ich könig, aber ohne königin! Keller 10, 203.