vertanzen,
verb. ,
ähnlich vertändeln (fra-
type) '
tanzend hinbringen'.
mhd. vertanzen
mhd. wb. 3, 14
a; Lexer 3, 266.
nhd. saltando perimere Stieler 2256; Kramer 2, 1051
c; Adelung, Campe.
elsäss. in deminutivform vertänzle
n,
auch '
durch tanzen zertreten' Martin-Lienhart 2, 697
a.
ostfries. ferdansen Doornkaat 1, 442
b;
nl. vertansen.
dem deutschen entlehnt schwed. fördansa sig,
dän. fordandse sig '
zuviel tanzen, sich durch tanzen schaden'. 11)
für das üblichere austanzen: der brautkranz war vertanzt worden Boy-Ed
in Velhagen u. Klasings monatsheften (1901) 1, 658; die musik wurde dort im thale aufgefangen von hundert leblustigen menschen und frischweg vertanzt und verstrampft Rosegger
schriften 12, 328. 22) '
tanzend verbrauchen': da habt ihr einen gulden! den vertanzt künftigen sonntag auf meine gesundheit
d. schaubühne 6, 305
Gottsched; ich hätte wohl lust könig zu werden und auszumachen, wo die königstöchter ihre schuhe vertanzten Grimm
hausmärchen 2, 241; da hab' ich manch paar kleine schüherln vertreten und später dort in dem gasthof manch ein gröszeres zur kirchweih vertanzt Anzengruber 3, 67. 33) '
sich durch tanzen um etwas bringen, tanzend einbüszen, verthun': glück, ehre Stieler, Kramer; die witwe, die ihm das seinige vertändelte, verputzte, vertanzte, verschmauste Engel 12, 32; der eine verlor sein geld, der andere versoff oder vertanzte den gewinnst Zschokke 14, 121. '
über dem tanzen versäumen': die mahlzeit Adelung; wenn der prinz zu ungestüm wird, so sag' ihm, man müsse in jedem dinge masz halten, und so vertanze die antwort
Shakespeare, viel lärm um nichts 2, 1. 44) '
die zeit tanzend hinbringen',
älteste bezeugte verwendung: swer sîne zît verballet und vertanzet unde vertopelt ..., der wirt jâmeric stên an der reitunge Berthold v. Regensburg 1, 20, 6; verschleffts (
das mägdlein) und vertantzet und verspielet es doch wol mehr zeyt Luther 15, 47
Weim.; wollüstlinge, welche die mitternächtlichen stunden in unsinniger frölichkeit vertanzten Wieland 2, 331
akad. ausg. 55)
in gutem sinne '
tanzend über etwas hinwegkommen, etwas unangenehmes tanzend vertreiben, verwinden und vergessen' (
vgl. vertändeln 3): sich eine krankheit, die üble laune vertanzen Adelung, Campe; derowegen sey der ungmut und ungfall ... zu versingen, verspringen, verdantzen .., und auff andere weg zu verkurtzweilen und zu verjagen Fischart
Eulenspiegel 15
Hauffen; glückliches volk! ... welches die bürden der trübsal vertanzt, verscherzt und versingt Bode
Yoricks empfindsame reise 2, 103; Tannhäuser zieht den schwarzen frack an und die gefirniszten tanzstiefel und vertanzt sich das gebrochene herz Gutzkow
zauberer 7, 5. vertanzen
kann noch heute in allen bedeutungen gebraucht werden.