versticken,
verb. 11)
allgemein gebräuchlich zu sticken '
mit kleinen stichen erhabene figuren auf einen stoff nähen'. 1@aa) '
zum sticken anwenden, gebrauchen': sie verstickt nicht allein baumwollengarn, sondern auch seide und goldfäden Campe; nicht die ... seide zu spinnen, zu färben und zu appretiren, sondern sie zu blumen zu versticken Göthe
gespräche 2, 113
Biedermann. '
verarbeiten, hineinarbeiten': was fingen die guten .. weiber wohl an ohne ihre 'weibliche arbeit', in welche sie zorn, liebe, bosheit .. zu verstricken, zu ver- und zu ersticken verstehen Holtei
erz. schriften 35, 213. 1@bb) '
stickend verbrauchen, alle machen': alle vorräthige seide ist verstickt Campe; Sallmann
Esthland 73
a. 1@cc)
reflex. sich versticken,
sich beim sticken im muster irren ebd. 22)
in der bedeutung '
ersticken',
trans. wie intrans., ist es mhd. und mnd.: versticken
mhd. wb. 2, 2, 627
b; Lexer 3, 252;
suffocare Diefenbach
gloss. 565
a;
prefocatus 454
a;
mnd. vorsticken Schiller - Lübben 5, 463
b;
mnl. versticken Verdam 638
b;
praefocare, suffocare, extinguere .. suffocari, extingui Kilian 605
a.
heute nur in westdeutschen mundarten. 2@aa)
trans.: ick vorstickede se unde dodede se
1 Sam. 17, 35
in der Halberstädter bibel (1522); wan betrübnisse ist ein gros hindernisse, es verstiket das leben, es verdunstert das liecht und verlöschet das fúr der minne Tauler 365, 11
Vetter; da erzürnet sich das weib, höret nicht auff, mit mott dem Sudauen in das maul, ohren und nasen zu stopffen, bis sie in gar versticket Hennenberger
preusz. landtaffel (1595) 56;
vgl. Nic. v. Jeroschin
preusz. chron. 14782 (
vgl. sp. 1657); er empfing ihn .., bekannt mit dessen einhauender stimme und kriegsgurgel, verstickte aber dessen feldgeschrei durch die dampfkugel, die er so warf Jean Paul
flegeljahre 4, 33.
die heutigen obd. mundarten weisen das trans. in der form verstecken
auf (
s. oben sp. 1658
und Fischer 2, 1363).
nur das elsäss. kennt fleisch versticken '
dämpfen' Martin-Lienhart 2, 580
b;
mitteldeutsch frštikə Hentrich
Eichsfeld 10;
ostfries. Doornkaat 1, 468
a. 2@bb)
intrans., in älterer periode nicht obd. bezeugt, heute gerade dort heimisch; früher nieder- und mitteldeutsch: enes vyssches grade de was em gevallen in den hals, dar he ynne vorsticken wolde
lüb. pass. 57
a; it was sere heis in der kisten dae si laegen, dat si binae verstickt waren
d. städtechron. 13, 574, 30 (
Köln); ende mitten steert sijns pissens dou sloech hi hem in sijn oghen so dicke, dat Isegrijn wel waende versticken
Reinaert 7050
Martin; und zwischen zwein bretin prestin sî sô lange den hals im mit getwange, unz er alsô vorstikte Nic. v. Jeroschin
preusz. chron. 11035; das sie sollen götzen opffer, blut, versticktes und hurerey meiden Luther 26, 572
Weim.; sie liesse mir die mehriste waaren im hause vermodern und verschimlen: wo sie dieselbe loben solte, da sagte sie, es wären verlegne, verstickte, verfälschte waaren Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 363.
im heutigen westmittel- und oberdeutschen: lothring. verštìkə
n neben ərštekə
n Follmann 154
b;
elsäss. Martin-Lienhart 2, 580
b;
schweiz. Seiler
Basel 113
a;
schwäb. lieber verstickt als verfrore
n; der verstickt no
ch an der dummheit, vor faulheit, im dreck Fischer 2, 1363.
auch von pflanzen: hanf verstickt,
geht nicht auf; versticktes holz,
morsch, verfault ebd.; ebenso elsäss. a. a. o. 33) versticken
für verstecken
findet sich in älteren mitteldeutschen quellen. trans. Lexer 3, 252 (
vgl. sp. 1642
unten);
reflex.: den kleinen fischlin setzt er dermaszen nach, dasz er sich ins kaat verstickt, und lest nichts herfür regen, denn die strüszle seiner ohren, nasen Heyden
Plinius 357.
schweiz.: aber auch bei dem flottmachen des verschlagenen, sich aufdämmenden holzes .. werden sie gar oft eine beute ihres berufes .. (
es) waren vier flöszer in der Plessurschlucht beschäftigt, versticktes (2.
aufl. verstecktes) holz in gang zu bringen Berlepsch
die Alpen (1861) 364.
übertragen: ich bin so was wie ein g'studirter, aber wer ist denn der vetter Ambros? der ist ... seines handwerks ein verstickter student (
der stecken geblieben ist). da hat er's nicht weit gebracht Scherr
Graziella 1, 66.