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verschwören

nhd. bis sprichw. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verschwören verb.

Bd. 25, Sp. 1227
verschwören, verb. , eine alte zusammensetzung: altnord. fyrirsverja scheint nach fremdem muster gebildet zu sein,n. frasværge und forsværge, norweg. forsverja, schwed. försvärja, ags. forswerian, engl. to forswear, fries. forswera (Richthofen altfries. wb. 1116a), nld. verzweren, altsächs. forswerian, mnd. vorsweren Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 469b; nachtrag 309a; neuniederd. verswären Dähnert plattdeutsches wb. 528a. Schambach wb. der nd. mundart von Göttingen-Grubenhagen 267b. Woeste wb. d. westfäl. mundart 296a. ten Doornkaat Koolman ostfries. wb. 1, 469a, ahd. farsweren Graff 6, 895; mhd. verswern mhd. wb. 2, 2, 772b. Lexer mhd. handwb. 3, 262; verschweeren, abjurare, ejurare. Maaler 430b; verschweren, forjurer. Hulsius dict. (1616) 355a; abjurare, verschweren; conjurare, sich zusammen verschweren. Corvinus fons latin. (1660) 337b; ejurare, verschweren 338a; verschweren Schottel 647a; verschweeren, ejurare, et abjurare. Stieler 1978; verschweren Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 720b; ich verschwere Steinbach 2, 553; etwas verschweren, ejurare. Frisch 2, 249c; verschwören bei Adelung und Campe. in der entwicklung der flexion, der einführung des ö für das alte e in den präsensformen folgt das zusammengesetzte wort durchaus dem verbum simplex, es kann deshalb auf die bemerkungen zu schwören th. 9, sp. 2733 ff. verwiesen werden. einige gebrauchsweisen hat das wort gegenüber der älteren sprache eingebüszt, dafür auch sein gebiet erweitert; so hat sich die bedeutung sich verschwören, conjurare erst in neuerer zeit entwickelt. 11) verstärktes schwören (vgl. unten 12, b, β, ββ): verschwür einer der nit sonders unterscheid wist, es wer ein recht guoter schafhund. Schade sat. u. pasqu. 3, 25, 3; hierauf wolte der junge hertzbruder verschwören, sich an dem Olivier zu rächen oder darum zu sterben. Grimmelshausen Simpl. 1, 200, 25 Kurz; darin lag mancher lantzknecht frisch, das het der könig verschworen, er sprach sie solten die stat auffgeben, sey wär sunst schon verloren. Soltau volksl. 288; der liebe wahren zweck verschwuren sie zu hassen. Haller 134 Hirzel. verschworen, eidlich gelobt: zu thun, was sich gebührt und was eine verschworne pflicht und schuldigkeit ist. Keller ges. werke 4, 204. 22) zuschwören, zusichern: dann der bapst läst keynen keyser sein, er fal jm dann vor zuo fuosz ... vorschwere jm auch das italianisch reych unnd die statt Rom. Hutten 4, 176 Böcking; so wirstu gebenedeyt nach dem dir vor langer zeit dein got hat verschworenn. Wackernagel kirchenlied 3, 237 (263, 9); des weibes samen, nach Adam verschworn dem Abraham ist kommen, 242 (270, 2); kind, ehgemahl und was die welt verlassen schätzt, folgt mir, und wüntscht den sitz den gott uns selbst verschworen. A. Gryphius 2, 374 (1698); zu brechen die mir verschworne pflicht. 400 (1663); Rosîne sprach diesz wort mit solcher energie, dasz er (zumahl so nah an ihrem bette) ihr tropfenweis' sein blut verschworen hätte. Wieland 21, 338 (Klelia und Sinibald 7, 193). 33) etwas verschwören, im eide zum pfande setzen: er verschwört leib und seele, dasz er ihm helfen wolle. hier wendet sich der sinn des wortes schon leicht ins übele, die vorstellung wird wirksam, dasz das zur betheuerung genannte aufs spiel gesetzt werde, durch leichtsinnigen oder falschen schwur dem schwörenden verloren gehe, heiliges durch miszbrauch im eide, fluch oder falscheid verletzt werde: Israhel dyn godes naema scheltu naet forswerra, ner to nene ydelnisse op tyaen sonder ned. Richthofen fries. rechtsquellen 438, 14; sô swerst dû dar zuo sô vil ... und alle heiligen verswerst dû mê danne zehenstunt oder drîʒicstunt, got und alle sîne heiligen, umbe fünf schillinge wert koufschatzes. Berthold v. Regensburg 1, 148, 37; (Christus spricht:) man schiltet mich, man verswert mich und alliu diu gelide, diu an mir sint. Germ. 3, 228b; das wir got alse gar übele mit verswerende handelnde sint; (ein zorniger) verswert und verfluochet die gelider Christi. belege bei Schmidt els. wb. 403b; schweret er nun (falsch), so verschweret er seine seele. Schuppius schriften 622; dasz er mein singen, während alle andern stillschwiegen, bis an den himmel erhob, und seine arme seele verschwor, kein sterbender schwan singe so lieblich. Wieland Lucian 1, 94; verschwört seine seele in den tiefsten abgrund der hölle. Freytag ges. werke 4, 62; ich wil lîp und êre und al mîn heil verswern. Walther v. d. Vogelweide 61, 24; daʒ du niht versweren salt gotes namen umbe niht. erlösung 6429; Blandula schwert gar nicht gerne, doch verschwert sie haut und haar, wissenschaft sey von jhr ferne wenn sie eine jungfer war. Logau 1, 62, 48; jhm ists eine kleine sach ob er zum heuchler wîrd, er fraget nichts darnach ob er gleich leib und seel, ja gott dazu verschwehret (hier übergehend in die bedeutung abschwören, verleugnen). Rist poet. lustg. (1638); um keinen preis verletze das heilge wort, das du gegeben; ehr' und treue glänze dir schöner als gold und perlen. ein sieger, der den himmel und sich verschwur, ist ein besiegter. Herder 27, 110 Suphan. 44) sich verchwören, mit eid betheuern, sich durch eid binden (mhd. sich verswern eines dinges, eidlich auf etwas verzichten, s. unten). er hat sich verschworen, (hoch-verschworen), dasz er; ich mag mich nicht verschweren, mich nicht durch einen eid binden. Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 720b c; sich verschwören, 'im gemeinen leben, mit eidschwüren betheuern, wie vermessen, so dasz ver hier eine intension bezeichnet.' Adelung; er het-si hailig ferschwore, er sig nitt derbi g'si. Seiler die Basler mundart 112b. Hunziker Aarg. wb. 83; ebenso im niederd., vgl. Schambach wb. d. nd. mundart von Göttingen-Grubenhagen 267b; Woeste wb. d. westfälischen mundart 296a; promissorisch: ik heb' mî d'r up ferswaren, dat ik fan nu of an dat spölen laten wil. ten Doornkaat Koolman ostfries. wb. 1, 469a. sich verschwören wird im nhd. oft mit verstärkenden zusätzen verbunden, der schwur ist dann also ein nachdrücklicher, eine heftige betheuerung. doch ist diese nebenvorstellung auch in neuerer sprache nur gelegentlich entwickelt; der ursprüngliche sinn ist: sich selbst beim eid als pfand einsetzen, s. z. b. unten die stelle aus Wieland's Lucianübersetzung, in der sich verschwören mit sich verfluchen verbunden ist; für die ältere sprache vgl. Lexer mhd. handwb. 3, 263; dasz sie sich verschwuren, nicht nacher hausz zu kehren, sie hätten dann was erdappet. Moscherosch gesichte 2, 600 (1650); hoch und theur sich verschwörend, er wolte mich nach Amsterdam ins zuchthaus thun. Grimmelshausen Simpl. 1, 431, 23 Kurz; dieses machte den einfältigen gesellen noch begieriger, dasz er nicht allein viel hefftiger anhielt, sondern auch bey allen engeln und heyligen sich verschwur, im geringsten nichts davon zu verrathen. Weise erzn. 30 neudruck; man hätte sich verschworen du wärest es selbst. Wieland Lucian 3, 399; es war sein glück, sagt man, dasz Perdikkas, um ihn zu retten, sich bey allen göttern und Hephästion selbst verschwor und verfluchte, der gott sey ihm auf der jagd erschienen. 6, 113; (sich verschwören auf etwas:) ein zeitalter kann sich nicht verbünden und darauf verschwören, das folgende in einen zustand zu versetzen u. s. w. Kant 1, 115; als ich mich verschworen hatte, einem schlafenden kinde einen apfel aus der hand zu schieszen. Brentano märchen 2, 36 (1879); verschwört sich bei seiner seele seligkeit mit lautem geschrei, er könne nicht unter 41. Freytag ges. werke 4, 61; vil tîur er sich verswuor, er müeste von im hân, swaʒ daʒ kunicrîch gehôrt an. Ottokar reimchr. 91826; in jahresfrist, verschwor (später in verschwur geändert) sich Nickel Fein ein reicher, reicher mann zu seyn. Lessing3 1, 15; nein wahrhaftig! verschwur sich der bär, es ist ernstlich gesprochen. Göthe Reinecke fuchs 2, 65 (50, 19 Weim. ausg.); nicht ein härchen ist ihm verletzt, verschwur sich der falsche. 6, 296 (50, 83). mit zusätzen, durch die das verbum den sinn von 'sich durch eid hingeben' erhält:n. forsværge sig til djævelen. morgen liebe, was bis heute nie der liebe sich verschwor. Bürger 124a (1835). zu sich verschwören, sich durch einen eid binden kann das participium verschworen im activen sinne (Grimm gramm. 4, 70, vgl. unten 7) gebildet werden: er ist ein verschworener anhänger der mäszigkeit. doch ist verschworen häufiger im feindseligen sinne, s. unter 7; vgl. übrigens den gebrauch von geschworen (geschworen 2, th. 4, 1, 2, sp. 4008 und schwören 12, th. 9, sp. 2745). brachylogisch: versworen (ghesworen) maendagh, montag nach h. drei könige, quod tunc in magistratum electi jusjurandum praestent. Kilian (1777) 2, 716a. vgl.montag th. 6, sp. 2515. 55) eine besondere entwicklung nimmt sich verschwören, wenn es auf mehrere bezogen wird und der begriff der gemeinsamkeit sich geltend macht; zunächst dem sinne nach nicht anders als wenn es von einem einzelnen gebraucht wird, dann deuten zusätze wie zusammen (sich zusammen, mit einander verschwören) die gemeinsamkeit an; nun aber verengt und verschlimmert sich der sinn, es bezieht sich auf feindselig gegen andere gerichtete verbindung unter eid; so wird sich verschwören im neuhochd. oft, aber nicht immer (vgl. z. b. unten Immermann 17, 18 und unter 6) prägnant gebraucht, oft übertragen auf unpersönliches (alle elemente haben sich gegen mich verschworen); die vorstellung der schwurverbindung tritt dabei ganz zurück vor der der feindseligkeit; daher kann sich verschwören in diesem feindseligen sinne auch wieder auf einen einzelnen bezogen werden. conjurare, sich zusammen verschweren, vereinigen, ut: conjurare contra aliquem. Corvinus fons lat. (1660) 337b; sich verschweren wider jemand. Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 720c; sich wider den staat verschweren; einen um zu bringen sich verschweren. Steinbach 2, 553; sich verschweren mit einem, conjurare. Frisch 2, 249c; sich mit jemandem verschwören; 'am häufigsten in engerm verstande, sich auf solche art zu einer bösen sache verbinden.' sich wider jemanden, zu jemandes untergange verschwören; sie verschworen sich ihn ums leben zu bringen. Adelung; es haben unsere bapstrotte bisher so offt sich zusamen verschworen, und beschlossen diese lere zu tilgen. Luther 7, 183b; zu schawen, wie disz grosz mord und übel zu rechen oder darumb zu sterben; verschwuren sich dessen durch einen harten eyd zusammen. Kirchhof wendunmut 4, 58 Österley; aber es währte nicht lange, so hatte sich das ganze haus gegen mich zusammen verschworen. Wieland 8, 351 (Danischmend kap. 42); das spielzeug einer bande leichtfertiger weibsstücke gewesen zu seyn, die sich zusammen verschworen hatten, ihren muthwillen mit seiner unschuld und aufrichtigkeit zu treiben. 27, 213 (Peregrinus Proteus 2, 3); und wenn gleich die halbe welt sich gegen sie verschwüre. 31, 268 (gespräche unter vier augen 7); was? auch bettler wider mich verschworen? Schiller räuber 5, 1 schauspiel; der bürger hinter seinen mauern, der ritter auf dem felsennest verschwuren sich uns auszudauern und halten ihre kräfte fest. Göthe Faust II, 1 (15, 1, 12 Weim. ausg.); die haben auf dem kreuz zu Brixen sich verschworen österreich'sch zu sein und bleiben. Immermann 17, 18 Boxberger. 66) freiere und übertragne anwendung der unter 5 belegten bedeutung; zu beachten ist, dasz der feindselige sinn oft schwindet: alle elemente haben sich wider ihn verschworen. Adelung; von ihrer geburt an scheinen sich alle umstände wider ihr glück verschworen zu haben. Wieland 15, 217; ich bin kein dieb, der sich mit schlaf und mitternacht verschwört. Schiller räuber 2, 3 schauspiel; selbst ihr schreckliches element, das meer, mit ihrem unterdrücker verschworen, droht ihrem zarten anfang ein frühzeitiges grab. schriften 7, 11; wir verschwören uns gar zu gern mit dem irrthum gegen das natürlichwahre. Göthe dichtung und wahrheit 4, 20 (29, 185 Weim. ausg.); heut' ist mein augentrost, heut ist meîn licht gebohren, in der vollkommentlich zusammen sich verschworen die dinge, so doch sonst gar selten freunde sind: dîe schönheit und die zucht. Opitz 2, 154 (1690); ein augenblick, wo die natur sich mit der liebe verschwört, die nichts besorgenden herzen uns in die hände zu spielen. Wieland 5, 64 (d. neue Amadis 14, 5); verschwört sich hasz und liebe, mich zu schrecken. Schiller Maria Stuart 3, 6. frei auf ein einzelnes bezogen: (die natur) verschwor sich wider mich schon in der stunde meines werdens. — wohlan! so verschwör ich mich hier wider sie auf ewig. Schiller räuber 1, 1 trauerspiel. sich verschwören nähert sich hier wieder der unter 4 behandelten bedeutung. natur deutlich collectivisch, in gutem sinne: die ganze natur scheint sich zum vortheile seines ruhms zusammen verschworen zu haben. Wieland 7, 234 (der goldne spiegel 2, 10). 77) sehr häufig wird das participium verschworen in dem unter 5 und 6 behandelten activen sinne (Grimm gramm. 4, 70) gebraucht, es kann dabei völlig substantivisch verwendet werden (vgl. verschwörer): ein haufen zusammengeschworner, conjurationis turba. Steinbach 2, 553; die verschwornen, 'welche sich zu einer den gesetzen zuwider laufenden that eidlich verbunden haben, oft aber auch nur von solchen, die sich zum nachtheil des staates und dessen verfassung verbinden.' Adelung; der tyrann gegen welchen aller menschen herzen zusammen verschworen waren. Wieland 32, 376 (Agathodämon 6, 3); eine bande zusammen verschworner minister. Wieland 7, 402 (der goldne spiegel 2, 16); verschworner republikaner. Schiller Fiesko, personenverzeichnis; glück, zufall und natur zu ihrem fall verschworen. Wieland 22, 6 (Oberon 1, 5); verschworen kam sie gegen Englands glück, der spanischen Maria blut'ge zeiten zurück zu bringen. Schiller Maria Stuart 1, 1; verschworen seien die katholischen, die Stuart aus dem kerker mit gewalt zu reiszen. 4, 7; und durch den starken wellenschlag der see, die gegen mich verschworen, geht mir von euerem gesang, wenn auch gedämpft, kein ton verloren. Keller ges. werke 10, 120; Bourgognino. verschworner; Kalkagno. verschworner; Sacco. verschworner. Fiesko personenverzeichnis; die verschwornen (welche zumal hereintreten). 4, 13. vgl. die zusammensetzung mitverschworen th. 6, sp. 2429; ein andres verschworen s. unter 10. 88) verschwören mit scharfer verschlimmerung der bedeutung des verbum simplex, falsch schwören, einen meineid schwören: perjurare, verswern. Diefenbach gloss. 427c; in diesem sinne wird ags. forswerian gebraucht, ebenso mnd. vorsweren, vgl. Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 469b. 6, 309a, n. forsværgelse, meineid. 99) altbezeugt in der bedeutung falsch schwören ist sich verschwören: gif hwylc læwede man hine forswerige, fæste IV geár. quelle bei Bosworth-Toller 319b; altnord. fyrirsverja sik, n. forsværge sig, einen falscheid schwören. ni fursuueri thih, non perjerabis. Tatian 30, 1; be diu neuuile got den menniscen sueren, den er uueiʒ sih mugen fersueren. Notker ps. 109, 4; dune solt dich be ime niht vorswern. Schönbach pred. 1, 25, 9; oc is an them euua giscriBan ... that mithe mennethosmancunnes gihuilic, ne forswerie ina selBon. Heliand 1505; thaʒ man sih ni firsuerie,thaʒ, wan ich, wiʒod werie. Otfrid 2, 19, 7. in der späteren entwicklung der sprache wird dieser gebrauch aufgegeben. 1010) zu der unter 8 und 9 behandelten anwendung des verbums stellt sich in activem sinne (vgl. oben 7) das part. verschworen: ags. forsworen, perjurus; perjurae, forsuorenero. Wadstein kleinere alts. sprachd. 113, 22; want si meindedich sint unde versworen, haint si eren scheffendoim verloren. d. städtechron. 12, 62, 1434; versworen, perjurus, Kilian (1777) 2, 730a. passivisch zu 8: versworen eed, perjurium. ebenda. perjuratus, virsworen. Diefenbach gloss. 427c. 1111) verhexen: die büchse verschwören, dasz sie nicht mehr trifft. Schöpf tir. idiotikon 663; vgl. verswerunge, adjuratio unter verschwörung. mit dem dativ in gleicher bedeutung: þone synscaðan ænig ofer eorðanîrenna cyst, gûðbilla nângrêtan nolde; ac hê sigewæpnumforsworen häfde, ecga gehwylcre. Beowulf 805. schwächer, verwünschen, verfluchen: daʒ Crist der süeʒe niemer mê bescholten würde noch versworn. Konrad v. Würzburg Silvester 1884; wer dich mit vluoche bert, unt dich verswert, schande in gar verhert. minnes. 2, 257b Hagen. im sinne von beschwören: der teuffel begab sich auff die flucht, denn er wuste wol, so starck hatte ich ihn verschworen. Olearius pers. baumgarten 7, 8. 1212) besonders wichtig für die bedeutungsentwicklung von verschwören im nhd. ist die anwendung in dem sinne, dasz der schwörende durch den eid versichert, dasz etwas nicht sei, dasz er etwas nicht thun werde, dasz er etwas leugne oder sich von etwas abkehre, etwas abtrete, darauf verzichte (vgl. verloben, verreden, versagen u. ä.); im freieren gebrauch kann die vorstellung des schwörens dabei völlig schwinden. 12@aa) leugnen, versichern, dasz etwas nicht ist: verschweeren, löugnen mit dem eydschwuor, abjurare, ejurare. Maaler 430b; sy hat mit dem eyd erhalten dasz sy nit schuldig sey, sy hat die schuld verschworen, abjuravit creditum; verschworen gält, das einer mit dem eyd gelöugnet hat, pecunia abjurata 430c; abjurare, verschweren, abschweren, mit einem schwur leugnen. Corvinus fons lat. (1660) 337b; verschweren, jurando rejicere, ut: judicem ejurare, schweren, dasz jhm dieser richter verdächtig sey. 338a; sô solt dû sîn doch niht verswern, daʒ im ander liute sô vil drumbe iht gæben (so viel für die ware wie du). Berthold v. Regensburg 1, 149, 34; wir wollen nichts verschwören, Laiska. Wieland 35, 278 (Aristipps briefe 3, 29), nichts für unmöglich halten; ich will nichts verschwören wird ebenso auch promissorisch (12, b) gebraucht: der bauer glaubt es nimmer recht, noch minder hätt' er es verschworen. v. Droste-Hülshoff 1, 134 Schücking; 12@bb) ausgehend von dem promissorischen sinne des verbums schwören. 12@b@aα) mit dem accusativ verbunden, schwören, dasz man abtritt, verzichtet, entsagt. schon in älterer sprache in freierem sinne, sodasz von einem eigentlichen schwören, von einer abgegebenen versicherung nicht mehr die rede ist; der feste entschlusz, etwas aufzugeben, zu meiden, bleibt übrig, aber der eigentliche sinn kann jederzeit auch in neuerer sprache wieder hervortreten. verzichten auf, abtreten etwas, das man hat oder auf das man anspruch macht: en eigi til konungdóms, hann hafði áðr þar fyrir svarit. Heimskr. 3, 301, 8 Jónsson; mit dem dativ, einem etwas unter eid abtreten: ok fyrsvór landit Nóreg Oláfi œilífliga. Ágrip 43, 13; he moste vor sik unde vor alle sine erfnamen to ewiger tit vorsweren de ansprake der cronen. quelle bei Schiller-Lübben 5, 469b; unde vorlovede unde vorswor mit al den besten van sime lande dat lant to Holtzaten. d. chron. 2, 1, 246, 5; dwang den koning darto, ... dat he dat lant to Lothringen verswor. 165, 10; aldar versworen se sic beide, verzichteten auf einander, trennten ihre ehe. 199, 20; verswoiren dat lant van Lothringen zo ewigen dagen. d. städtechron. 13, 441, 21; daʒ er daʒ lant und daʒ wîp ê iemer möhte verswern. Heinrich v. d. Türlin krone 20449; im mhd. auch sich versweren mit dem gen., verzichten auf, s. Lexer mhd. handwb. 3, 263. das land, das reich, die stadt verschwören, schwören sie zu meiden: de stad vorsweren uppe 10 mile na nicht to kamende. beleg bei Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 470a; unde verswor dat lant do dren jaren. darna to sente Jacopes missen vor he to Engelant, unde was dar dru jar. d. chron. 2, 1, 232, 2; dat etlike borger ute Brunswigk ... dii statt Brunswigk vorkoren unde vorsworen hebben. d. städtechron. 16, 502, 15; hierzu das part. vorsworen, eigentlich activisch verschworen habend, dem sinne nach wie 'verwiesen': den sulven vorkoren und vorsworen borgeren ute Brunswigk. 502, 28; Demuot von Richenwilr het dise stat und eine mile darumbe iemer me eweclich versworn. beleg bei Schmidt els. wb. 403b; so will ich mein leben langk Franckreich verschweren, und barfüssig zum heyligen landt geen. Aimon (1535) s 3a; das Knigge der stadt verweiset wurdt und dieselb ewiglich vorschwören muszte. Sastrow 3, 36; nu hebdi dit lant versworen in te wonen nemmerme, eer ghi coomt over se, ende hebt palster ende scaerpe ontfaen. Reinaert 3176; ich wolde rômisch rîche verswern und mîden manic jâr. Eraclius 2866; der vürste sprach; nû lât in gân. heiʒet in verswern diu lant und saget im, daʒ er werde verbrant ob er zuo uns kom immer mê. Mai und Beaflor 174, 7; sô solt du im gebietendaʒ er diu lant verswer und ouch den hof mir rûme. Wolfdietrich A 227, 2; dô wart von im daʒ lant versworn. lieders. 3, 228, 399. ebenso in allgemeiner anwendung mit accusativen verbunden, entsagen; versprechen, sich selbst geloben, dasz man etwas meiden will: den wein verschweren, giurare di abbandonare il vino. Hulsius dict. (1616) 355a; hä het den brannewîn verswôren. Woeste wb. d. westfäl. mundart 296a; er hat's sauf'n va'schwôr'n. Schöpf tirol. idiot. 663; das spielen, das trinken verschwören. 'seltener und nur im gemeinen leben von personen, jemandes gemeinschaft eidlich entsagen.' Adelung; ich habe es ein vor alle mahl verschworen. Steinbach 2, 553; ich wills nicht verschwören, vielleicht thu ichs. dann wieder feierlicher: er hat seine religion verschworen, sich durch eidschwur von ihr los gesagt. Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 720b; eine ketzerey verschwören. Adelung; in solchen wendungen handelt es sich zugleich um assertorische versicherungen, aber die vorstellung einer versprochenen willensbethätigung ist doch das wesentliche dabei. ein weib wird zur hexe, indem sie die formel spricht: ek löæwe an düsen nîen pot un verswere ûsen hergod. seinen irrtum verschwören, ihm absagen. eigenthümlich mit dem dativ: gott und dem himmel verschweeren, abjurare gratiam divinam æternamque beatitudinem. Stieler 1978; unde versageten im alle crêatûre unde verswüeren ime. myst. 2, 559, 13. anders der dativ neben dem accus. oder abhängigen satz, einem versichern, dasz man etwas lassen will: hier na so dedi hem versweren bede roven ende stelen. Reinaert 1684; daʒ der kunic von in geleit wurd ab dem wege der unfuor, die er dem bâbst und in verswuor, dô er gevangen was. Ottokar reimchron. 39831. jm zuo got und den heiligen zuo vorschweren, das sye nimmer daran sein wöllen. Hutten 4, 179 Böcking. do wir die welt allererst verswürent und verlobent; (Judas hatte) wip nit versworen alse ein priester nuo het. belege bei Schmidt els. wb. 403b; er wird euch auch nicht annemen ... jr verschweret denn obgedachte zween artikel, aber alle die, so sie verschweren werden, sollen wissen, ... das sie den herrn Christum verschweren. Luther 2, 144b; die sich bessern wöllen, und jre jrrthum verschweren. 184b; wer nun ein huderbutz will sein, der verschwer den wein. Fischart Garg. 141 neudruck; ja es verschwur Mestiboy gäntzlich den christlichen glauben. Micraelius altes Pommerland (1639) 1, 196; warumb müssen etliche den taback verreden und verschweren, wollen sie anderst bey der liebsten keinen korb kriegen. Weise erzn. 157 neudruck; nur ein geringes und schlechtes lumpen geld, so sind sie bereit ihren glauben zu verschweren. Sperling Nicodemus quaerens et Jesus respondens 2, 209 (1719); die von einer lanze gerizte Venus steigt weinend zum Olymp, und verschwört alle gefechte. Schiller 10, 153; dasz ich dergleichen possen auf ewig verschwor, mir aber doch leider in der folge manchmal etwas ähnliches habe zu schulden kommen lassen. Göthe dichtung und wahrh. 2, 9 (27, 244 Weim. ausg.); dasz er ganz mürbe wurde und das wiederkommen auf immer verschwur. Bechstein märchenbuch 45; juwe almysse schole gy gerne geven unde vorsweren yuwe böʒe leben. Reinke de vos 1618; alle valsche rætehet sîn herze versworn. er was stæt und getriuwe. Alpharts tod 79, 2; ich hân dich und alle frouwenunz an mînen tôt versworn. Wolfdietrich A 490, 2; minne nieman darf verswern, si kan sich selbe ân eide wern. Vridanc 99, 5; sîn herze hâte versworn valsch und alle törperheit. Hartmann von Aue d. arme Heinrich 50; ich verswuor ouch fleisch, wîn unde brôt. Wolfram v. Eschenbach Parz. 480, 16. die lûte sâ verswûren durch daʒ zeichen ir abgote. passional 203, 69 Hahn; daʒ er verre ûʒ dem satele vûr und rîten immer mê verswûr. livl. reimchr. 1129; o herr, bedenck die sach gar eben, dasz du verschwerst, was du kanst halten. H. Sachs 20, 5, 32 Keller-Götze; die nur umb zeitlich gewin und ehr ihn hie verläugnen und verschweren. Fischart 1, 27, 945 Kurz; dasz du die wahr lehr wolst verschweren. 1, 56, 2100 sünd und unrecht sey verschworen. Chr. Gryphius poet. wälder 2, 20; verschwöre treu und friede, wer mit den sünden trutzt, der macht die rache müde. Günther 498; wie? sprîchst du, soll ich schon den zeitvertreib verschwören. v. Canitz 93 (1727); wo mich dein herz nicht hört, den Römern sich ergiebt, und seinen sinn verschwört. J. E. v. Schlegel 1, 341; morgen liebe, was bis heute süszer liebe lust verschwor. Bürger 123b (1835); kein frauensmensch bei uns gebohren wird, wie dame Kieselstein, die alle männer verschworen hätte. Schiller Turandot 2, 2. 12@b@bβ) mit abhängigem satze oder abhängigem infinitiv, durch einen vorausgehenden unbestimmten accus. angedeutet: ich habe es verschworen, ich wil dich nicht mehr grüszen. Weise erzn. 209 neudruck. 12@b@b@aaαα) verswären, eidlich behaupten, dasz man nie das oder jenes thun will. Dähnert plattd. wb. 528a; ich wot wol verschwören min lebtag mehr ein mann zunehmen. Moscherosch gesichte 1, 79 (1650); (er) verschwur jemals irgend eine stelle anzunehmen. Göthe dichtung und wahrheit 1, 2 (26, 113 Weim. ausg.); dasz sie es laut verschwor, in so ein altweiberhospiz hineinzuheiraten. Anzengruber ges. werke 4, 124; der abhängige satztheit ist zu ergänzen: do ist eyn so guot landt verlorn daz ez all weltt möht han verschworen. (es verloren gehen zu lassen). Brant narrenschiff 99, 30. 12@b@b@bbββ) der alten neigung der sprache zu doppelter negierung ist es angemessen, wenn der abhängige satz oder satztheil auch negiert wird; scheinbar nimmt hier also verschwören wieder positiven sinn an, und da diese bedeutung auch sonst bezeugt ist (oben 1), so ist in älterer sprache bisweilen nicht auszumachen, wie verschwören aufgefaszt ist, positiv oder negativ: und verswere ich dem wucherer, daʒ ich eʒ niemande sage: der eit ist niht reht. Schwabenspiegel 140, 3 Gengler; vorswor vor unz myt zynen upgerichteden vyncgeren ... so dat he alle de wile, de he leved, ere vyend nummer werden en wil. beleg bei Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 470a; daʒ die Teutschen versburen, daʒ chainer mer dahin solt chomen. d. chron. 2, 1, 362, 3; und muoste versweren, das er weder an sin bistum noch gein Rome niemer me keme. d. städtechron. 9, 544, 17; daʒ die selben denne versweren muostent daʒ siu niemant niut dâ von seitent. Wackernagel leseb. 941, 1 (1839); da muszt ich verloben und verschweren, weder mit worten, wercken, noch schrifften, ichtes was mehr zu thun, mich aus der geistligkeit zu wircken. Luther 2, 384a; zuo gott und den heiligen zuo vorschweren, das sye nimmer daran sein wöllen. Hutten 4, 179 Böcking; er verschwur offt nicht zu trincken. Fischart Garg. 284 neudruck; hatte wohl 10. mal in willens wieder umzukehren und bey meiner frau mutter zu bleiben, wenn ich solches nicht so lästerlich verschworen gehabt, nicht eher wieder zu ihr zu kommen, bis dasz ich ein brav kerl geworden wäre, doch hätte ich mich endlich auch nicht grosz an das verschweren gekehret, weil ich sonst wohl eher was verschworen, und es nicht gehalten hatte. Reuter Schelmuffsky 13 neudruck; (ich) habe es verschworen, den fusz nicht eher wieder nach Braunschweig zu setzen, bis man eben so von freyen stücken die sache zu ende bringt, als man sie angefangen hat. Lessing2 12, 393; sagen sie mir nichts von dem abscheulichen geschöpf! rief der alte, ich habe verschworen, nicht mehr an sie zu denken. Göthe Wilhelm Meisters lehrjahre 2, 7 (21, 177 Weim. ausg.); eigentlich möchte man verschwören, nichts mehr bekannt zu machen. Niebuhr leben 2, 259; dem könig sagt ich von eim jahr, in welchem ich verschworen hett, dasz ich mir kein mann nemen thet. Ayrer 3, 1505, 5 Keller; verschworen? was? Tinette, verschworen nicht zu freyn? Lessing3 1, 178. 1313) verschwören mit dem accus. eines zeitbegriffes, schwörend hinbringen, miszbilligend: swer sîne zît verballet und vertanzet unde vertopelt und vermærsaget oder verspotet oder verswert oder verschiltet oder verfluochet, der wirt jâmeric stên an der reitunge. Berthold von Regensburg 1, 20, 6.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verschwören

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Verschwören , verb. irreg. S. Adelung Schwören , welches auf doppelte Art vorkommt. 1. * Als ein Neutrum mit dem Hülfswo…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verschwören

    Goethe-Wörterbuch

    verschwören [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    verschwörenst.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    ver-schwören st. : 1. sich v. 'schwören', sich ve (r) schweere [verbr.]. Verstärkt im Wortpaar: Er dut sich veʳhaaße un …

  4. Sprichwörter
    Verschwören

    Wander (Sprichwörter)

    Verschwören 1. Es verschwert offt einer jhm selbst vnd seinen Haussgenossen glück vnd heil. – Henisch, 1662, 22. 2. Man …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verschwoeren

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Ableitung von verschwoeren

ver- + schwoeren

verschwoeren leitet sich vom Lemma schwoeren ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verschwoeren 2 Komponenten

ver+schwoeren

verschwoeren setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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