verlauten,
verb. laut werden. schon in früher zeit zeigt sich, wie oben 6, 372. 375
nachgewiesen, beim einfachen zeitworte im oberd. die nicht umgelautete und die umgelautete form, ohne dasz anfänglich die bedeutung sich scheidet; doch schon im mhd. beginnt eine trennung der bedeutungen, indem lauten
die allgemeinere des klingens, hörbar werdens besonders in menschlicher rede übernimmt, während läuten
besonders das tönen der glocken bedeutet. doch ist die scheidung bis in die neueste zeit durchaus keine ausnahmslose. ähnlich ist es bei der zusammensetzung, doch hat die bedeutung sich erst später als im simplex geschieden. so bringt Lexer 3, 166 verliuten
als verkünden mit zahlreichen beispielen belegt. es scheint ein im gerichtswesen beliebter ausdruck gewesen zu sein, z. b.: lesst eyn bürger dem andern gebieten vor gerichte, berichten sich dy, ere dy clage vorlut wirt vor gerichte, do hat der richter keyn rechte ane.
stadtr. von Rudolstadt (1404),
bei Michelsen
rechtsd. 215, 57; die ê vorluten herren darin gesatzt haben. Grimm
weisth. 5, 300; ingelegte antwort dar inne er verlutet had, dy sachen .. in gute beruhn und anzustehen laszen.
Ernest. ges. arch. (1465);
auch mnd.: ok wart in den sulven dedingen vorlutet, wu dat godeshus de breve hedde, das man neinen rat setten moste, me moste denn dem bischope erst antworden.
städtechron. 7, 209.
daneben freilich mit allgemeinerer nicht dem gerichtswesen angehörender bedeutung. im nhd. ist verlauten,
soweit bis jetzt nachgewiesen, stets in der heutigen bedeutung gebraucht worden: den 1. julii .. hat die kays. maj. 6 articul proponirt, welche alle verlautet, fried und einigkeit im reich zu machen. Schärtlin 81; wiederlauten,
resonare, sonum referre, reddere et quod frequentissimum est: verlauten
rumore spargi, disseminari sermone vulgari Stieler 1093; es verlauten schlechte sachen von dir
duriores de te rumores dissipantur ebenda; aus späterer zeit: ich verlaute
audior Steinbach 194 (1724); er hat sich verlauten lassen. Frisch 1, 589; von dem verhältnisse zu Eduard hatte zwar etwas verlautet. Göthe 17, 285; frau von X verdrieszlich, dasz durch die indiscretion ihres arztes ihr zustand in die nachbarschaft hatte verlauten wollen, dachte .. sich wieder in ansehen zu setzen. 20, 230; nun verlauteten die Baseler friedenspräliminarien und ein schein von hoffnung gieng dem nördlichen Deutschland auf. 31, 52; wenn von der geschichte etwas verlautet, so wird Rothsattel keine ursache haben, sich zu freuen. Freytag
soll u. haben 1, 459; sorgt für die sicherheit der vestung, sind jene (
generäle) oben, schliesz ich gleich die burg, dasz in der stadt nichts von der that verlaute. Schiller 12, 343 (
Wallenst. tod 4, 8); sechs monde weilt mein vater schon entfernt, nichts will von seinem theuren haupt verlauten, nichts von dem orte selbst, der ihn verbirgt.
Phädra 1, 1.
öfters unpersönlich: es verlautet durch die ganze stadt
rumor tota urbe pervulgatus est, fama de hac re oppidum peragravit. Stieler 1093; eine holde schaam hatte sie hinaus in die kammer getrieben, es will aber verlauten, sie habe zum ersten male in ihrem leben durch das schlüsselloch geguckt. Kotzebue
kleine schriften 60 (1811); je nun, wenn ich nur weisz .. dasz es hübsch unter uns bleibt, denn ihr wiszt wohl wenn es verlauten thäte, dasz .. Tieck 3, 58; so wollte es nach einiger zeit verlauten, als wenn der general diesmal dem zufall oder schicksal ein wenig nachgeholfen hätte.
ges. nov. 2, 240; welch ein ende der flüchtling gefunden, ist bis auf den heutigen tag nicht verlautet. Heyse
moral. nov. 175 (1878); weil doch mein brüderchen von linker hand euch bleibt, der, wie verlauten will, euch stolzen sultaninnen oft insgeheim die zeit vertreibt. Wieland 5, 195. 3)
beliebte zusammenstellung verlauten lassen: wer bin ich, dasz ich meine anklage verlauten lasse? Bettina
briefe 2, 149; doch ach! mir fehlts an freunden und vertrauten, und bei den menschen, die gesellig schwärmen, schleich ich vorbei, und lasse nichts verlauten. Platen 181.
sich verlauten lassen, das object ein abhängiger satz: darumb Hasdrubal sich gegen den seinen verlauten liesz, er wolt sich seines unfalls desto weniger verschwären. Kirchhof
wendunm. 4, 94
Österley; (
er) wante, er hette sich verlauten laszen, er hatte es auch nicht anders eingenommen und verstanden, dasz man ihm so und so viel batzen würde darzu darlegen. 4, 366
Österley; darüber sich der bischoff verlauten lassen .. daran solt ihm genü
gen. 4, 193
Österley; (
Cäcilie) die doch von hertzeleid und unfall von sinnen kommen wolte, sich mit hochtheuren eydschwüren verlauten liesz, sie sey gantz unschuldig.
Simpl. 2, 306, 11; der zeit aber siehest du, dasz ein straffwürdige und ungeschickte art der grammatisten allenthalben regiert auch winckel, in welchen sie mehr schaden als lehren, mit gar erbärmlichem geschrey allenthalben sich verlauten lassen. Schuppius 743; drumb hätten die censores auch sich verlauten lassen: sie wolten lieber einen bloszen postillen reiter haben. Weise
erznarren 188
neudruck; er hat sich verlauten lassen, er wolle mich abwürgen. Liscov
x y z 283; allein ich liesz mich verlauten, dasz ich meine visite bey demselben noch etliche tage aufschieben wolle.
Felsenb. 1, 14; er brachte auf dem landtage 1733 von neuem vielerlei sonderbare dinge vor, unter anderm liesz er sich so verlauten .. Klopstock 12, 120; Agathyrsus habe .. sich mit einigem nachdruck verlauten lassen: wie er nicht gesonnen sei .. Wieland 20, 26; wer dieses amt erhält, liesz er (
Granvella) sich im staatsrath verlauten, wird hoffentlich einsehen, dasz er Brabant mit dem könige von Spanien theilt. Schiller 7, 113; ein alter mandarin, der viel bey hofe galt, liesz sich ausdrücklich einst verlauten, dasz seine bücher ihn vor andern sehr erbauten. Lichtwer 114 (1775).
das object im genitiv: er lässet sich wunderlicher wort verlauten.
pers. rosenth. 5, 4.
im acc.: ein dorf ... beklagte sich, dasz sich ihr pfarrer letzten sonntag die bedenkliche worte habe verlauten lassen, aus ihrer ganzen hochansehnlichen gemeinde werden kaum hundert seelen selig werden. Zimmermann
nationalstolz 34 (1783); ich habe mich .. etwas von einer kleinen naturgabe verlauten lassen, die ich mit ... Swedenborg gemein habe. Wieland 27, 5.