verfaulen,
verb. faul werden, faulend zu grunde gehen, mhd. vervûlen,
mnd. vorvûlen;
verstärktes faulen. 11)
intransitiv, imputrescere, faul, stinkend werden: putrefio, ich verfaul Alberus E 4
a; verfaulen, etwarinn faul werden Maaler 418
b; verfaulen,
vitiari rancore Stieler 446. 1@aa)
von organischen wesen: mhd. unde sagete .. .. wie die werlt unde ir habe mit leide gêt den lûten abe unde wie si gar unwerde vervûlen in der erde mûʒen an deme lîcham.
passional 189, 52
Hahn; nhd. behte dich gott, o welt! dann obwol der leib bei dir eine zeit lang in der erde ligen bleibet und verfaulet, so wird er doch am jüngsten tag wieder aufstehen.
Simplic. 2, 116, 24
Kurz; ist doch schon manches universalgenie, das die welt hätte reformiren können, auf dem schindanger verfault. Schiller
hist.-krit. ausg. 2, 43 (
räuber 1, 2); die reichen soffen und spielten im gefängnisz, indessen die armen darin verfaulten. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. 2, 225; da doch jedweder wurm, die schwache schnecke sich, die sich nur, dasz sie nicht verfaulen soll, beweget, die waffen bei gefahr in ihren schalen reget. Lohenstein
Agrippina 87, 420; und wo die freunde verfaulen, das ist ganz einerlei, ob unter marmorsaulen, oder im rasen frei. Göthe 4, 344; wir haben zu viel lebensart, um hier mit euch zu maulen; doch hoff ich, sollt ihr jung und zart, so wie ihr seid, verfaulen. 12, 226; die guten kindlin ... haben grosz hitz vom zanwee ehe sie auszzanen, so musz man dann den kalck mit wein leschen .. darumb verfaulen den teutschen todtenköpffen die zähne am letzten von wegen des weins weihe.
Garg. (1590) 213; in solcher peisse (
beitze) liesz man uns sitzen, bisz die zierde unserer ohn das bereits verwelkten blätter folgends verfaulte.
Simpl. 2, 277, 23
Kurz; hier bildet sich eine wahre wildnisz: bäume und gesträuche, kräuter und ranken wachsen wie sie wollen, verdorren, stürzen um, verfaulen. Göthe 28, 5;
P. wer ist, der ihr umbs grab cypresz und rosen flicht?
Mn. welch absehn hat ein geist auff bald verfaulte blätter? Lohenstein
Agripp. 91, 527;
bildlich: gute arbeit gibt herrlichen lohn, und die wurtzel des verstandes verfaulet nicht.
weish. Sal. 3, 15. 1@bb)
von andern dingen: wo es aber gilt zu kirchen, stifft, ablas und andern dingen, die gott nicht geboten hat, da ist niemand so scharfsinnig noch so vleiszig auszurechnen, ob der kirchen ehe zu geben sei, die ziegel fallen denn vom dach, die balcken verfaulen, das gewelb fall ein .. Luther 1, 192; mir aber wurden meine enge croatische kälberhosen so voll junger hunde gegauckelt, dasz ich solche abziehen und weil mein hemd im wald vorlängst verfaulet war, nackend dastehen .. muste.
Simpl. 1, 197, 17
Kurz; verfault ist längst das holz der dauben, der weinstein schuf dem wein ein fasz. Göthe 41, 20. 22)
allgemeiner, zu grunde gehen: mhd. dô sîn vater und sîne frûnt sâhen, wie her sich stalte, dô nâmen si in heimelîchen und strâfeten in gar sêre und droweten ime und vlêheten ime, daʒ her sich hilde zû werlde, .. entête her des nicht, so wolden si im nemen sîn veterlîch erbe und wolden in legen, dar dô her vervûlete.
mystiker 1, 213, 22
Pfeiffer; nhd. mit meinem mann du frist und seuffst, und lest mich armes weib dormaulen, das ich möcht hungers halb verfaulen. H. Sachs 1, 480 (5, 61, 26
Keller); jedoch so war ist, was wir lesen, das wein vor fäule bhüt, so wird des Rabeles nam und wesen nimmer verfaulen nit, dann er ie wol beweinet war, sein leib und därm durchweint.
Gurg. (1590) 11; alles (
in bezug auf den plan der herausgabe einer bibliotheca graeca mitgetheilte) bleibt übrigens bei mir und verfault in meinem bauche.
F. A. Wolff an C. G. Schütz (1792)
in Schütz
C. G. Schütz (
Halle 1834) 1, 452. 33)
transitiv, faul, krank machen: wann der feber schar, wann scharffe pestilentzen verfaulen land und lufft und schlieszen alle gräntzen. Opitz 2, 54. 44)
faulenzend aufbrauchen, von der zeit (
hinbringen); der verfaulet sein tag, etlich werden alt und graw. Frank
chron. 101
b; du fauleŕ arbeiter, der du gern den hund (
fahrkasten) anhengst und verfaulest dein geding .. gehe zur ameise und lern von ir. Mathesius
Sar. 21
a;
von andern dingen, durchbringen: sie (
meine schwester) ist aber anno (15)44 zu einer gar ungeschlachten frei geraten mitt Christoffer Meyern ... war ein ungeschlachter mensche vorschmuckede, vorfaulte und vorbanketirte alles was er hette. Sastrow
herkommen u. s. w. 1, 23
Mohnike.