verbittern,
verb. acerbare, mhd. selten und erst spät nachgewiesen: vür des honges sueʒikeit füer ich gar verbittert leit. Lassberg
lieders. 1, 90, 40;
die bedeutung des einfachen bittern
ist durch ver
nur verstärkt, ähnlich wie erbittern,
doch letzteres heute nur von personen angewandt; verbittern
und erbittern
haben das einfache bittern
verdrängt. 11)
intransitiv, bitter werden, vergl. erbittern
theil 3, 726,
nur in übertragener bedeutung: er verbittert, das gemüth versauert und verbittert immer mehr. 22)
transitiv, sauer, unsüsz machen, acerbitatem afferre Maaler 414
d: man schmecket die anmut einer süszen speise nicht besser, als wenn hernach der mund mit wermut und gallen verbittert wird. Butschky
Patmos 202; der Genueser syglich that, herr, euch den mund verbittert hat. Schwarzenberg 112, 2 (
es wollte ihm keine speise schmecken); das podagra, der krampf, die gicht verbittern dir den steinwein nicht. Hagedorn 1, 103; keiner setze voll dich (
pokal) wieder hin, sag ihm, dasz er sonst der enkelin deines herrn den hochzeitwein verbittert. Gökingk 3, 60. 33)
übertragen: eine sach verbitteren,
acerbitatem afferre. Maaler 414
d; wie hoch der gegentheil die sach verbittert. Spalatin
bei Luther 5, 37
b; da dienen zu die bittern .. teufelsbreute, welche, wenn sie ein wort von einer hören, das spitzen, scherffen und verbittern sie auffs allerergste gegen andern. Luther 5, 360
b; zeuch hinauff wider das land, das alles verbittert hat.
Jerem. 50, 21; da sol der der gschrift stark anhangen und das joch Christi und lychten burde nit lassen verbittren. Zwingli 1, 15; klagte ich auch ... über mein unglück und bezüchtigte dasselbige, dasz es mir die nächte verbitterte.
Simpl. 1, 333
Kurz; das lob, welches mir aber aus neid etlicher knesen verbittert ward. 2, 105, 13; wenn uns der allmächtige dieses alles .. durch erschröckliche erdbeben, sturmwinde ... und anderes ungemach verbittert.
Felsenburg 4, 262; ich lief gefahr meine frau zu verlieren, welcher verlust mir den rest meines lebens sehr verbittert haben würde. Lessing 12, 498; liebe hatte jener armen schwester schicksal verbittert. Gotter 3, 35; (
das gewissen soll) erregt (
werden), wenn es stumpf, unthätig, unwirksam dahin brütet, beschwichtigt, wenn es durch reuige unruhe das leben zu verbittern droht. Göthe 21, 123; Ahasverus, durch diese erzählung keineswegs zur milde gestimmt, verbittert vielmehr noch den zustand des armen exapostels. 26, 311; eine den frieden verbitternde schuldenlast. Kant 5, 424; was damals meine seeligkeit verbitterte, war heilsame vorbereitung. Schiller
hist.-krit. ausg. 4, 38; (
er wuszte) dasz er den gedanken nicht tragen könne, dem leichnam die todesminuten verbittert zu haben. J. Paul 2, 131; ach narr, wer doch uff erd ein freid, die wert ein tag und nacht on leid, das sie nit wurt verbittert dir. Brant
narrensch. (43) 7
Zarncke; was die welt acht uffs allerbest, das würt verbittert doch zuolest. (56) 79; der welt trinkgelt ist gallen trank, welcher verbittert allen dank. Fischart
dicht. 2, 11, 311
Kurz; von allem, was bei hof das leben uns verbittert, von zwang und langer weile, frei. Wieland 18, 171; bald wär ihr leben gekürzt und ihnen die heirath verbittert. Voss
Odyss. 1, 266; ob sie (
die gemsen) nur angst durchzittert, dasz man die weide ihnen so verbittert. Lenau
neuere ged. (1838) 16;
part. praet. adjectivisch: darauf fingen wir ein solch ernstlich spiel mit einander an, so eines jeden verbitterte stärke zu erkennen gab.
Simpl. 1, 411, 4
Kurz; verbittert machen: auff dasz der starke feind, der schwartze fürst der nacht, desz leibes süsze ruh uns nicht verbittert macht. Logau 1, 5 (8, 16
Eitner);
besonders gern von gemütsbewegungen gesagt: das herz, gemüt
u. s. w. verbittern; das herz verbittern und verwunden. Maaler 414
d; biszweilen verbitterten die bösen geister der potentaten hertzen wider die unschuldigen und gehorsamen christen. Mathes.
Sar. (1587) 86
b; das jugendliche herz war keineswegs so verbittert, um nur hasz und unversöhnliche leidenschaft zu athmen. Gutzkow
nov. u. skizzen 161; diese gefangenschaft brach die gesundheit seiner gattin und verbitterte das gemüth seiner einzigen tochter.
Hohenschwangau 1, 197;
daher partic. praet. mit adjectivischer bedeutung: verbitteret gemt,
acerbus animus Maaler 415
a; der alle ding durch ein geferbet glas ansihet und urteilet, nach seinem verbitterten und falschen hertzen. Luther 3, 52; solch ein verbittert, gifftig, blind hertz der Jüden. 8, 49
b; wo nicht, und ihr sterbet mit verbittertem, unversöhntem hertzen, so habt ihr kein theil am himmel. Schuppius 278; (
er macht) dasjenige zum hauptverbrechen, was nichts als die wirkung eines verbitterten gemüths war. Lessing 6, 281.
von personen, jemand in unfreundliche stimmung bringen, exulcero Dasyp. 262
b: haben unser gegenteil .. keis. maj. jr verlegung uberantwortet .. damit sie, die unverschempten leute, jr keis. maj. wol plagen und verbittern. Spalatin
bei Luther 5, 36; und ist von mir auch darumb geschrieben .. der meinung, das ich die schlangen und böse würme nur ja wol reitzete und verbitterte. Luther 6, 116
b; sie haben jn verbittert mit jrem raht. Reiszner
Jerus. 2, 21
a; sagten auch unverholen, dasz blosz meine gestalt .. bei einer jungfer das wort besser thun könne als alle andere complimenten ... welches die anwesende noch mehr verbitterte.
Simpl. 1, 291, 31
Kurz; wegen erzehlung dieser ... histori wurden die Calvinisten so verbittert, dasz sie die zähne aufeinander bissen. 3, 315; die Lutitier sind dermaszen verbittert gewesen, das sie ihn aus dem lande verjageten. Micrälius 2, 196; die Insubrier wurden hierdurch aufs heftigste verbittert. Lohenstein
Armin. 1, 813; derhalb müssen allein wir den könig verbittern und verhetzen heimlich, das er in thu zusetzen. H. Sachs 3, 1, 137 (11, 9, 31
Keller);
der oder das den zorn erregt, wird mit präpositionen zugefügt: (
der papst) hat sie verfolget mit schwert und bann .. ein könig wider den andern verbittert. Luther 8, 220; und gern viel leut wider uns verbittern. Melanchthon
apol. Augsb. conf. 134 (
corp. doctr. christ.); auf das euer liebte und ir aber verstehen muget, was bei uns furgeben wird, als ob der keiser auff uns nit so hart verbittert sei, so .. Rommel
Philipp d. gr. urkb. 132; es sein viel ketzereien daher erwachssen, das prediger auff einander sind verbittert worden. J. Jonas
bei Luther 6, 405
a; die leute auch so verbittert auf mich wären. Schweinichen 1, 275; ein gefangener, der auff dich verbittert wird.
pers. baumgarten 1, 33; denn es seind der orientisch und occidentisch keiser gegen einander verbittert, hat keiner den andern mögen leiden. Sleidan
reden 18 (
Stuttg. lit. ver. 145); verhofft nicht, dasz seine fromme oberkeit so gantz gegen jhn verbittert und mit ... zorn bewegt sein soll. Kirchhof
milit. disc. 245; ier sind leider sunst zfast über einander verbittert. Th. Platter 58;
das part. praet. in adjectivem gebrauche: verbitterter böser geschender und hinterreder oder schwätzer,
acer in absentes linguae iactator. Maaler 415
a; und eben darumb wurde ich desto verbitterter, ja gleichsam halb unsinnig.
Simpl. 3, 19, 24
Kurz; gesetzt, dasz sie auf Rom verbittert ihn verhetzet. Lohenstein
Sophon. 2, 191. einen verbittert machen: nachdem er sie verbittert gemacht, hätten sie ihn in gegenwärtig fasz gesteckt.
Simpl. 1, 50, 14
Kurz; ich kan die leute ... so verbittert machen.
causenmacher 93; solche treulosigkeit machte die barbaren äuszerst verbittert. Hahn
hist. 1, 263.
heute wird zwischen erbittern
und verbittern
geschieden, indem ersteres nur '
eine vorübergehende',
letzteres '
eine dauernde miszstimmung hervorbringen'
heiszt. für einfaches in zorn versetzen (
bei menschen)
steht heute nur erbittern. 44)
reflexiv, sich verbittern,
sich in einen zustand der bitterkeit versetzen. in der ältern sprache noch von rasch vorübergehenden erregungen: wenn sich die wölffe unter einander verbittern und beiszen, so kann das unschuldige schaaff sicher entwischen.
pers. baumg. 1, 33;
heute auch im reflexiv nur noch von langdauernden zuständen: damit im unglück unser herz sich nicht verhärte und verbittere. Lücke
nachr. v. Göttinger waisenhause (1842) 6; seit Humboldts sturz hatte sich die stimmung in den beamtenkreisen noch mehr verbittert. Treitschke
d. gesch. 3, 69; als nachher der streit sich verbitterte. 1, 637.