untröstlich,
adj. adv.,
nicht oder wenig tröstlich (
s. d.);
mhd. untrôstlich, -trœstlich, -lîche;
mnd. untrostlik;
mnl. ontroostelijc, -like;
nl. ontroostelijk;
dän. utrøstelig;
schwed. otröstlig.
vgl.untröstbar,
misztröstig.
ohne umlaut untrostlich
der ew. weisheit betb. (1518) 90
b;
korrespondenz Moritz v. Sachsen 1, 599; Frisius 709
a; Dentzler (1716) 332
a;
veraltet. für inconsolabel Kinderling, Campe; Voigt.
vgl.ungetrost, -tröstet. a)
activ. α)
schaden (
vgl.untrost d)
bringend, schädlich: so sollt es auch e. l. nach gelegenheit aller umstende nicht untrostlich sein, und mochten dadurch dise stifte lenger bei dem hause bleiben (1543)
korrespondenz Moritz v. Sachsen 1, 599; Pithagoras sagt, man soll die bonen nit essen, dann man finde untrOestliche und traurige buchstaben an irer blet Herr
feldbau (1551) 50
b.
veraltet. β) u.
das nicht trost gibt Hulsius-Ravellus (1616) 383
a: und dieser menschenlehre nun, die in sich widersprechend, u. ... sei, setzt man das ewige gotteswort entgegen Ranke
s. w. 2, 65;
das buch sol handtwercksleuten nicht u. sein P. Rebhuhn
klag d. armen mannes (1540) 4. Heynatz
antibarb. 2, 538
tadelt eine untröstliche nachricht, beschreibung.
in der schwächeren bed. unerfreulich, unergiebig, trübselig u. dgl. ist u.
Göthes eulogismus willkommen: untröstliches militarisch politisches gespräch III 5, 64
W.; rauchende stellen untröstlichen anblicks I 33, 298
W.; endlich fühlt er sich gedrungen, in die alleinigkeitslehre zu flüchten, wodurch so viel gewonnen als verloren wird, und zuletzt das so tröstliche als untröstliche zero übrig bleibt 7, 69
W.; diese wanderschaft däuchte mich sehr u. IV 40, 5
W.; I 41, 2, 98
W.; dasz ich mich freue, wenn ich zurückkomme und das untröstliche vergesse, das ich hier (
vor Mainz 1793) täglich und stündlich sehen musz IV 10, 80
W.; das untröstliche ..., das durch den gröszten theil des buches (
Kants anthropologie) herrscht IV 13, 347
W.; ich habe von jeher alle zahlensymbolik ... als etwas gestaltloses und untröstliches gemieden und geflohen IV 23, 197
W.; der anfang fiel mir diesmal als eine untröstliche wiederholung schwerer G. Keller 3, 57;
zum geflügelten wort geworden (Büchmann [1910] 234)
ist Uhlands
vers: untröstlich ists noch allerwärts (
im politischen leben)
gedichte (1864) 93 (
am 18.
oktober 1816); noch nach dreiszig jahren würde es jener geist, von dem Uhland sang, wenn er herniederstiege, allerwärts u. finden Gervinus
gesch. d. d. dicht. (1853) 5, 617; die rücksiedelung nach Deutschland, ein ding, vor dem ich mich halb fürchte, denn u. ists noch allerwärts Ruge
briefw. 2, 328
Nerrlich. trostlos
wäre viel stärker. b)
passiv, untröstbar
b entsprechend. α)
von personen. nicht leicht oder kaum zu trösten, für trost unempfänglich, keinen trost annehmend; omni solatio carens Wiederhold (1669) 394
a;
inconsolabel Kinderling, Campe.
die person umschreibend: dyn ellendes hertz was von allen menschen untrostlich
der ew. weisheit betb. (1518) 90
b (H. Seuse
d. schr. 321, 8
B.); mein verwöhnter, untröstlicher sinn Hölderlin 2, 129
L.; du siehest ihn (
den tag), empfindest schon den holden schimmer, und wolltest dennoch immer untröstlich seyn? Zimmermann
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen 6, 183; aber B., warum hörst du noch nicht auf, dich so u. zu bezeigen? Lessing 2, 345
M.; C. stellt sich u. über den zorn der wittwe 3, 258
M.; die geschichte einer untröstlichen mutter, deren kind im see ertrunken sei Göthe 23, 275
W.; untröstliche gattin J. J. Engel 2, 160, witwe
u. s. w.; F. wuszte wohl, wie u. ein liebendes mädchen ist Eichendorf 2, 124; am untröstlichsten ist aber ohm P. Auerbach 4, 69; untröstlicher wittwer Ebner-Eschenbach 4, 199; den untröstlichen Scherer
kl. schr. 1, 64.
oft conventionell abgeschwächt: sie waren gestern u., als ich von der zwiebelsuppe nicht asz Göthe IV 8, 39
W.; Tasso 2340; I 3, 266
W.; Schiller 14, 204
G.; er würde u. seyn und bis an die ohren erröthen, wenn man ihm sagte, er spreche französisch wie die bauern von Auvergne E.
M. Arndt (1845) 1, 425; ich bin u., wenn ihr recht habt Laube 2, 12; Polenz
Grabenhäger 1, 134.
β)
von nichtpersönlichem wie lat. maeror inconsolabilis: ein jAemerlich, untrOestlich klagen Fickler v. Weyl
Olai magni hist. (1567) 125; meinem unglaublichen und schier untrOestlichen schmertzen St. Hosius (1591) 334; wehmuth, gram
u. s. w. Gottsched
das neueste 5, 284; Schopenhauer 2, 550
Gr. c)
adverbial, doch meist kaum vom prädicativum zu scheiden. im geistlichen sinne: wenn der mensch darinn (
im leiden) untrOestlich steet ..., so kompt denn Jhesus Tauler
serm. (1508) 31
b; kam ihnen in ihrer höchsten not und sorg nicht untrostlicher zu hilf als vor zeiten Camillus den Römern Stumpf
Schweizerchron. 590
a; untröstlich ächzte sie: sie sind, sie sind nicht mehr Herder 26, 338
S.; sie that dabey so wehmütig und u. Klinger 3, 89; die mutter stand u. daneben Immermann 5, 83
H.; untröstlichbetrübt Hermes
Sophiens reise 5, 211.
dazu untröstlichkeit, f.: ihr, die ihr bey kleinigkeiten oder beym gütigen geschick in unmuth und u. (
vgl.untrost) verfallt
portraits (1779) 191; Häuszer
d. gesch. 3, 208. —