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ungeschoren

mhd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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11 in 11 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungeschoren part.-adj.

Bd. 24, Sp. 857
ungeschoren, part.-adj. zu scheren. ahd. ungescoran; mhd. ungeschorn (mnd. ungeschoret); mnl. nl. ongeschoren; an. úskorinn; altschwed. oskurin; n. uskaaren; schwed. oskuren; überwiegend, wie auch nhd. allgemein, in der bed. v. scheeren I 1, 2. nach scheeren 1 4: a) unverletzt (vgl.ongescoornesse incorruptio mnl. wb. 5, 678), unangefochten, unangetastet, unbeeinträchtigt, ruhig, ohne weiteres (scheeren I 4 a—d, h): op dat si bliven ongescoren Reinaert II 7509, hs. b des 15. jhs. für onbescoren; in den deutschen verbindungen überwiegen die mit lassen, und diese werden, wohl auch zeitlich, regelmäszig von c beeinfluszt: dasz er doch Frankreich möchte u. lassen Prätorius phil. colus (1662) 474; damit sie (die alten Teutschen) nehmlich von denen nachstellern und miszgönnern mochten u. bleiben glückstopf (1669) 420; dieweil sein wohlgeführtes leben, und alle redlichkeit und treu, schon von der kraft und nachdruck sey, ihm ungeschoren, recht zu geben Triller betr. 1, 304; den wilden ... u. der natur überlassen allg. d. bibl. 95, 347; nur wenige stücke blieben u. Chrysander Händel 1, 220; u. wegkommen Varnhagen tageb. 6, 147; u. geht er von uns, er soll auch u. seine strasze ziehn Freytag 9, 85; wo ... die flüchtigen gemslein u. über die stillen alpenweiden ziehen Steub wand. i. b. geb. 172; berghöfe, welche von geistlicher und weltlicher obrigkeit u. sich eines stillen unbekannten separatismus erfreuen drei sommer 1, 209; wenn das individuum vom staate möglichst u. bleibt Kürnberger siegelringe 490. Schiller unter c. b) vielleicht nur auf dem umwege über c (a) erscheint die bed. scheeren I 4 e prellen: dasz sie .. mich .. mit ihren spitzbübereien u. lassen sollten A. G. Meissner Adolph (1792) 1, 72. c) nicht unnöthig geplagt, bemüht, in anspruch genommen, ungefoppt (zs. f. d. wortf. 10, 247), zufrieden, nach scheeren I 4 f, g. syn. ungeheiet, ungevexirt Rädlein 981a; ra. jemanden u. lassen von Adelung als den niedrigen sprecharten eigen, von Campe als landschaftlich und der leichteren, scherzhaften schreibart angehörig verzeichnet. 'ihm keine unnöthigen mühen und beschwerden verursachen, jemanden in ruhe lassen, nicht aus seiner ruhe reiszen, ihn nicht mit nutzlosen kleinigkeiten aufhalten, damit er seine zeit zu nützlichern arbeiten verliere' Krünitz. irrig ist zurückführung der ra. aufs mhd. (Lexer hat 2, 1865 eine unmögliche voreilige vermuthung W. Grimms altd. wäld. 2, 190, 59, welche dieser im verzeichnis der druckfehler und verbesserungen selbst zurückgezogen hatte, für echten text gehalten, Weigand-Hirt und das mnl. wb. haben diese angabe weiter verbreitet), unbewiesen und unwahrscheinlich der seit Frisch behauptete zusammenhang mit der alten strafe des haarabschneidens (Günther recht u. spr. 137). sie erscheint vielmehr lit. erst in der 2. hälfte des 17. jhs., wurzelt im badehumor der handwerksspr. (H. Kaufringer 9, 100 ff., Uhland volksl. 287, 10) und erhält ihre prägung und schlagkraft (wie ungehobelt, ungeschliffen) aus der deposition, bei der auch haar und bart bearbeitet, mit hölzernem messer rasiert wurde u. dgl. wahrscheinlich geht hierauf die bed. einer unnützen, überflüssigen, muthwilligen, lästigen, verdrieszlichen quälerei zurück (vgl. schererei, schorist). scheren 1 4 c im geschlechtlichen sinne liefert inhaltlich einen schwachen einschlag (vgl. ungeheit, ungebrüht, ungesorten; formell haben die verb. ungeheit u. s. w. lassen eingewirkt), verstärkt den kraftwortcharakter und erklärt die 'niedrigheit' des ausdrucks, der sich erst im 19. jh. zu unbedenklicherer brauchbarkeit für anspruchlose oder familiäre redeweise abschleift. der bereits gefestigten ra. flieszt durch zurückgehen auf sinnliche vorstellung immer wieder neuer lebendiger inhalt zu (Eichendorff 3, 33): zu dem siehe ich euch auch vor kein scherergesindel an? darum lasset mich u. Simpl. 637 Kögel; sine me indetonsam jus potandi (1668) e 1b (zs. f. d. wortf. 10, 247); lasset mich u., oder ich gebe eine garstige antwort J. Riemer pol. guckuck (1684) 272; Chr. Reuter harl. 50; der duellant mich bath, dasz ich ihn u. lassen solt (nicht die nase abhauen, vgl. scheren I 4 h α) Schelm. 121 ndr.; ey, nimm doch warnung an und lasz sie (das mädchen) u. Günther 401; B. Neukirch (1744) 147; ihr ungeheuren wünsche! geht und laszt mich ungeschoren Stoppe Parn. 176; Wieland Luc. 2, 274; macht was ihr wollt; nur laszt mich ungeschoren! Göthe 2, 276 W.; Hanswursts hochz. 111; da waren sie bald still und lieszen mich u. gespr. 3, 240; ist jemand hier erfroren, ersäuft, geköpft, gehenkt, er bleibt nicht u., er wird anatomirt Schiller 11, 301 (eigentlich a); Heine 1, 292; Strachwitz 6; wenn du es (küssen) nicht willst, so lasse ich dich so u. wie meine groszmutter, wenn ich mit ihr zur kirche fahre Frenssen Jörn Uhl 462; da haben sie ihr geld, nu lassen sie mich u. Hirschfeld mütter 27. Hügel Wien 176; Sartorius Würzb. 128; Niebergall 170; Crecelius 845; Schmidt westerw. 283; obers. 2, 419a (auch ungeschabt); aus Franken und Schlesien Wander 4, 1435; lux. 316a; Bauer-Collitz 179. auf a zurückweisend, ganz verallgemeinert: nun laszt mich mit allen anstalten u. Möser 2, 350; Hügel 176; allgemein; also lasz mich über dieses thema u. Pückler br. 1, 110; in Keller 3, 177. man lasse eines andern mannes sein steckenpferd u. Bode Schandi 1, 26; laszt Damons nase u. portraits (1779) 180; laszt die schönen wissenschaften u. Claudius 3, 22. —
5456 Zeichen · 141 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    ungeschoren(Part. Prät.=)Adj.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    ungeschoren , (Part. Prät.=)Adj. nhd. ungeschoren, ungeschnitten, unbelästigt Hw.: vgl. mnl. ongeschoren, mnd. ungeschōr…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ungeschōrenadj.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    ungeschōren , -geschār(e)n , adj. : (übertr.:) nicht beschimpft, unbelästigt, „ Ick bin ein ehrlick Medken gebahren, Lae…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungeschoren

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Ungeschoren , adj. et adv. nicht geschoren, in den niedrigen Sprecharten als ein Nebenwort auch im figürlichen Verstande…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    ungeschoren

    Goethe-Wörterbuch

    ungeschoren [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. modern
    Dialekt
    ungeschoren

    Elsässisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    ung e schore n Part.-Adj. wie hochd. übtr. 1. Er kummt nit u. d e rvo n nicht ohne Strafe, ohne Schaden Dü. 2. Loss mi c…

  6. Sprichwörter
    Ungeschoren

    Wander (Sprichwörter)

    Ungeschoren 1. Kann man mich denn nicht ungeschoren lassen, sagte der Krämer, als ihn die Gläubiger mahnten. Holl. : Het…

  7. Spezial
    ungeschoren

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    ungeschoren ungeschoren bleiben - остаться чистеньким разг. ; на кого-л. не пала тень подозрения идиом. , книж. ungescho…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungeschoren

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von ungeschoren

un- + geschoren

ungeschoren leitet sich vom Lemma geschoren ab mit Präfix un-.

Zerlegung von ungeschoren 2 Komponenten

ung+e+schoren

ungeschoren setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ungeschoren‑ als Erstglied (1 von 1)

ungeschorenheit

DWB

ungeschoren·heit

ungeschorenheit , f. : seien sie so freundschaftlich, niemandem meine adresse zu verrathen; ich bedarf der vollkommensten u., um weiter exis…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „ungeschoren". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/ungeschoren/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „ungeschoren". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/ungeschoren/dwb. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „ungeschoren". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/ungeschoren/dwb.
BibTeX
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