ungefällig,
adj. adv. ,
im allgemeinen gegentheil von gefällig.
ahd. ungafellig Graff 3, 465.
mhd. ungevellic (ungevallig
th. 4, 1, 1, 2109), -lich, lîche.
mnd. ungevallich, -vellich.
mnl. ongevallich (-lic;
ein adj. ongevalle
wb. 5, 721. 719), -vellich, -like.
nl. ongevallig. Staub-Tobler 1, 763; Seiler
Basel 299; Bühler
Davos 1, 186;
lux. 315
a. ungefelig Götze
gl. 124
a.
vgl. unfällig, misz(ge)fällig. II.
gegentheil von gefällig I. I@11)
wie gefällig I 1.
abruptus abgebrochen, abgefallen
vel ungefellig Diefenbach 4
c (
zweimal).
vgl. abrupta ungevelle
ebd. th. 4, 1, 1, 2116.
veraltet. I@22)
gegentheil von gefällig I 2,
doch sind noch vielfach sinnlichere grundvorstellungen erkennbar. vgl. unfall I.
so ungefällig werden
sich körperlich schwer verletzen, umkommen Staub - Tobler
a. a. o. (unfall I 1).
von mädchen, die ein uneheliches kind bekommen, ebd. (unfall I 2). u. im stall
ebd. (unfall I 3. 4), auf der ungefälligen seite,
ein pechvogel, sein
ebd. (unfall I 6).
statt ungefälliges geld
kommt ungefallenes geld
vor (
s.ungefallen
part.-adj.).
allgemein wie mhd., mnd., mnl., nl. unglücklich, parum foelix, infoeliciter, infortunatus Frisius, Maaler: sie het ain muoter von erberm geschlAecht, aber ungefellig, wann sie ward ... zuo dem tod verdammnet Stainhöwel
ber. fr. 215, 22; in allen dingen ein ungefelliger mann Stumpf
chron. 561
a; er sei ein geborner unglücksvogel, klagte er oft, und 'ungefällig' über die maszen Gotthelf
Joggeli (1893) 81.
schriftsprachlich im 17.
jh. veraltet. Stieler 419.
auch nl. veraltet; wb. 10, 1671. I@33)
misellus, succiduus, krank, elend, schwach, arm; aporinus, apompeus, arm, onselich, ... ongevellich Diefenbach 43
b: ungevellich deite
städtechron. 7, 307, 2,
nl. gespuis, pöbel (
mnl. wb. 5, 721, 2. 3).
ebenso unfällig 4. 5 (arm und gar unfelig Sachs 7, 84, 34
Keller),
das noch mundartlich (
unwohl Müller-Fraureuth 2, 597
b)
lebt. mnd. wb. 5, 55
a.
sonst ziemlich unentwickelt. I@44)
auch unglückbringend und maledictus (
mnl. wb. 5, 721, 2): ungefellige ding Schwarzenberg
Cic. 27; ein ungefelliger oder verworffener tag Frisius 191
b; durch ungevellig fewr entzündet Stumpf 557
a; in solchen ungefälligen ziten Tschudi
chron. 1, 35; Staub - Tobler
a. a. o. veraltet. I@55)
wie einerseits gefällig 5
beifallend, beistimmend, heiszt anderseits u. in der wahrheit sein
nicht genau bei der w. bleiben Staub-Tobler
a. a. o.; vgl. mhd. wb. 3, 225
b; der mann stutzt auff, wardt halber schellig, sprach: bin ich denn so ungefellig, oder ob du sunst zu ubel hOerst, das du mir stets die wort verkerst? Waldis
Esopus 1, 412
Kurz. [] das neuere sprachgefühl legt '
pech habend'
hinein. schriftsprachlich veraltet. IIII.
gegentheil von gefällig II. II@11)
unpassend, unzutreffend, unangemessen, ungehörig: uuâren daranâh zeladonne ... alliu diu goto manegi âne die ungefelligin, sô manes sint unde discordia
absque inpertinentibus Notker 1, 734, 30
Piper; mhd. wb. 3, 225
b; unvellich Lexer 2, 1949; an den ungfelligen stunden
quelle des 15.
jh. bei Staub-Tobler 1.
vgl. gefällig II 1.
veraltet. II@22)
gegentheil von gefällig II 2. 3,
nicht gefallend, nicht wohlgefällig, widerwärtig. ingratus, ungefellig, miszfällig, unbeheglich Schöpper
syn. e 1
b;
mnd. wb. 2;
mnl. wb. 4; solh furpet .. sein got mitsambt der person ungevellig B. v. Chiemsee 580; wer gott gefällig ist, der ist den menschen ungefällig Lehman
flor. 1, 28; ich ... hoffe etwas gott nicht ungefälliges damit zu thun Solger
nachgel. schr. 1, 402; wenn auch sein rauhes versmaasz ... den späteren sein gedicht u. machen mochte Niebuhr
r. gesch. 1, 295.
vgl. 7.
heute üblicher miszfallend, miszfällig. II@33)
gegentheil von gefällig II 4
gefallen erweckend und ausdrückend (4 e): das allzeit vor den augen leit und uns allweg ist ungevAellig Steinhöwel
spiegel m. lebens 85
a; so schreib ich hierinn vielen viel zu schwer, vielen viel ungefelliges Paracelsus 2, 273 C; 'das ist mir ungefällig; miszfällig
sagt mehr' Adelung; eine ungefällige sache Campe; Krünitz 196, 241;
doch nicht beliebt. wie gefällig II 4 e: der gutsherr sah ihn nicht ungefällig an Alexis
Isegrim 1, 16.
vgl. unwohlgefällig.
vereinzelt. II@44)
keine gefälligkeit erweisend, zu gefälligkeiten nicht bereit, undienstfertig, unliebenswürdig u. dgl. Staub-Tobler 2.
lux. 315
a.
vgl. gefällig II 4 c.
d. incomplacens, poco compiacente, disobbligante, desobligeant, disobliging. neben II 7 b, c, d
heutige hauptbedeutung. für incomplaisant Campe
verd. 370
a: da ich mich ... unfreundlich und ungefällig gegen sie bezeige Schwabe
bel. 1, 489; dem ungefelligsten gesellen auf der welt Lessing 3, 53 (
Nathan 2, 2, 297); damit ihr aber nicht denkt, dasz ich in einer solchen kleinigkeit u. sein könne Göthe 43, 119, 19
Weim.; das ist aber, so viel ich merk', eine ungefällige stadt (
im wortspiel bed. 2
einmischend) Nestroy 1, 60; ihr werdet doch nicht so u. sein? Gutzkow
ritter v. geiste 7, 424; als meine basen mich aufforderten ... einen tanz zu thun, suchte ich ungefällig ... auszuweichen Keller 1, 234. II@55)
gegentheil von gefällig II 5,
nicht gut dünkend: aber den grossen heuptern .. ungefellig, die geistlichen mit steuer zu beladen H. v.
d. Planitz
berichte 50.
veraltet. II@66)
nicht beliebend, gegentheil von gefällig 6: ja sie sind berait dem bapst und keiser leids zuo thuon, wo sie etwas in ungefellig underston wolten Eberlin v. Günzburg 1, 100
neudr.; abgeschwächt in der sprache der ergebenheit und höflichkeit: aber wo e. kö. ma. nicht ungefellig
Amadis 1, 231
Keller; wäre es durchlaucht der herzoginn nicht u., so würde ich .. Göthe IV 20, 279, 24
Weim.; es ist mir u. zu ihm zu gehen Campe.
heute unüblich. II@77)
wie gefällig 7
selbständig, ohne dat. entwickelt: II@7@aa)
gegentheil von gefällig 7 a: mit hunden solt man sie (
die jungen affen) auszhetzen, zum scheutzel in die bonen setzen vor allen thieren ungefellig Waldis
Esopus 2, 31
Kurz. veraltet. II@7@bb)
allgemein: die ... nit muosz habent einer langen predig zuozehOeren ... noch grober ungevelliger tAeding statt zegeben, wenn sy begirlicher schOener frOewlin lieplichs geswAetzes ... warnemend Riederer l II
b; am ungefälligsten ist der autor, wo ... (
am wenigsten gefällt er) Herder 5, 435; den ungefälligen arbeiten (
die keine freude machen) 20, 377; die höchsten kunstwerke sind schlechthin ungefällig (
verzichten auf wohlfeiles gefallen, [] es wird aber zugleich die undulistenforderung einer charakterlosen anmuth abgewiesen), sie sind ideale, die nur approximando gefallen können und sollen, ästhetische imperative Göthe
gespr. 8, 178; widerlegung meiner ungefälligen bemerkungen (
die niemand zu gefalle gemacht werden, keine '
gefälligkeiten',
vielleicht miszliebig sind) Hegner 1, 17.
vom äuszern: C. war .. häszlich und u. Göthe 44, 12, 18
Weim.; ein ungefälliges oder wohl gar finsteres ansehen Wackenroder
herzenserg. 83. maxime Gentz 2, 153; das an H. ungefällige Gutzkow
ritter v. geiste 1, 391; dazu redeten sie, in einfältiger nachahmung ihrer prediger, unbeholfen und u., ja befehlshaberisch in hinsicht auf das bei jedem zweiten wort wieder geforderte glauben Keller 5, 345. II@7@cc)
gegentheil von gefällig II 7 c,
bes. ungraziös: ein strenges, obgleich nicht ungefälliges wesen Göthe 40, 368, 15
Weim.; correctheit J. G. Jacobi 1, VII; formen dieser poesie
F. Schlegel
museum 4, 301; sitten E.
M. Arndt
schr. 1, 366; stellen R. Wagner 5, 130. zwei .. zwiebelkuchen, die mein vater, um nicht ungefällig (
vgl. 4
und 8) zu sein, annehmen muszte Kerner
bilderbuch 138; einen mürrischen, ungefälligen landjunker Holtei
erz. schr. 2, 131. II@7@dd)
unschön in der bei gefällig 7 d
angedeuteten beschränkung: auch hat er nacher noch einiges nicht ungefällige geleistet Göthe IV 39, 21
Weim.; eine grosze, nicht u., lichthelle kirche Gutzkow
zauberer 5, 198; ungefügere, ungefälligere mittel J. Grimm
kl. schr. 5, 86; farbe Laube 15, 46; ein altes, herbes, ungegefälliges system war verdrängt worden durch ein system hoher schönheit Justi
Winckelmann 2, 2, 130. II@88)
gegentheil von gefällig II 9,
also eigentlich nicht zu gefallen lebend: das namlich jhr das hauszgesind ... erst noch mehr machet hinderstellig mit ewrem kitzlen ungefällig Fischart
flöhhatz 1508; eine ungefällige (
abschlägige) antwort
persische historia (1592) 230; jenes mädchen, das der liebe u. war Herder 18, 448;
inhuman, grausam, unbarmherzig, unmenschlich, ungefällig Kinderling 283;
vgl. II 4; wie sollten die götter u. genug seyn das familienfest zu stören Göthe IV 29, 111
Weim.; mit ungefälliger kritik Schiller 10, 405; Pansner
schimpfwb. 73
a. —