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ungefaellig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungefällig adj. adv.

Bd. 24, Sp. 667
ungefällig, adj. adv. , im allgemeinen gegentheil von gefällig. ahd. ungafellig Graff 3, 465. mhd. ungevellic (ungevallig th. 4, 1, 1, 2109), -lich, lîche. mnd. ungevallich, -vellich. mnl. ongevallich (-lic; ein adj. ongevalle wb. 5, 721. 719), -vellich, -like. nl. ongevallig. Staub-Tobler 1, 763; Seiler Basel 299; Bühler Davos 1, 186; lux. 315a. ungefelig Götze gl. 124a. vgl. unfällig, misz(ge)fällig. II. gegentheil von gefällig I. I@11) wie gefällig I 1. abruptus abgebrochen, abgefallen vel ungefellig Diefenbach 4c (zweimal). vgl. abrupta ungevelle ebd. th. 4, 1, 1, 2116. veraltet. I@22) gegentheil von gefällig I 2, doch sind noch vielfach sinnlichere grundvorstellungen erkennbar. vgl. unfall I. so ungefällig werden sich körperlich schwer verletzen, umkommen Staub - Tobler a. a. o. (unfall I 1). von mädchen, die ein uneheliches kind bekommen, ebd. (unfall I 2). u. im stall ebd. (unfall I 3. 4), auf der ungefälligen seite, ein pechvogel, sein ebd. (unfall I 6). statt ungefälliges geld kommt ungefallenes geld vor (s.ungefallen part.-adj.). allgemein wie mhd., mnd., mnl., nl. unglücklich, parum foelix, infoeliciter, infortunatus Frisius, Maaler: sie het ain muoter von erberm geschlAecht, aber ungefellig, wann sie ward ... zuo dem tod verdammnet Stainhöwel ber. fr. 215, 22; in allen dingen ein ungefelliger mann Stumpf chron. 561a; er sei ein geborner unglücksvogel, klagte er oft, und 'ungefällig' über die maszen Gotthelf Joggeli (1893) 81. schriftsprachlich im 17. jh. veraltet. Stieler 419. auch nl. veraltet; wb. 10, 1671. I@33) misellus, succiduus, krank, elend, schwach, arm; aporinus, apompeus, arm, onselich, ... ongevellich Diefenbach 43b: ungevellich deite städtechron. 7, 307, 2, nl. gespuis, pöbel (mnl. wb. 5, 721, 2. 3). ebenso unfällig 4. 5 (arm und gar unfelig Sachs 7, 84, 34 Keller), das noch mundartlich (unwohl Müller-Fraureuth 2, 597b) lebt. mnd. wb. 5, 55a. sonst ziemlich unentwickelt. I@44) auch unglückbringend und maledictus (mnl. wb. 5, 721, 2): ungefellige ding Schwarzenberg Cic. 27; ein ungefelliger oder verworffener tag Frisius 191b; durch ungevellig fewr entzündet Stumpf 557a; in solchen ungefälligen ziten Tschudi chron. 1, 35; Staub - Tobler a. a. o. veraltet. I@55) wie einerseits gefällig 5 beifallend, beistimmend, heiszt anderseits u. in der wahrheit sein nicht genau bei der w. bleiben Staub-Tobler a. a. o.; vgl. mhd. wb. 3, 225b; der mann stutzt auff, wardt halber schellig, sprach: bin ich denn so ungefellig, oder ob du sunst zu ubel hOerst, das du mir stets die wort verkerst? Waldis Esopus 1, 412 Kurz. [] das neuere sprachgefühl legt 'pech habend' hinein. schriftsprachlich veraltet. IIII. gegentheil von gefällig II. II@11) unpassend, unzutreffend, unangemessen, ungehörig: uuâren daranâh zeladonne ... alliu diu goto manegi âne die ungefelligin, sô manes sint unde discordia absque inpertinentibus Notker 1, 734, 30 Piper; mhd. wb. 3, 225b; unvellich Lexer 2, 1949; an den ungfelligen stunden quelle des 15. jh. bei Staub-Tobler 1. vgl. gefällig II 1. veraltet. II@22) gegentheil von gefällig II 2. 3, nicht gefallend, nicht wohlgefällig, widerwärtig. ingratus, ungefellig, miszfällig, unbeheglich Schöpper syn. e 1b; mnd. wb. 2; mnl. wb. 4; solh furpet .. sein got mitsambt der person ungevellig B. v. Chiemsee 580; wer gott gefällig ist, der ist den menschen ungefällig Lehman flor. 1, 28; ich ... hoffe etwas gott nicht ungefälliges damit zu thun Solger nachgel. schr. 1, 402; wenn auch sein rauhes versmaasz ... den späteren sein gedicht u. machen mochte Niebuhr r. gesch. 1, 295. vgl. 7. heute üblicher miszfallend, miszfällig. II@33) gegentheil von gefällig II 4 gefallen erweckend und ausdrückend (4 e): das allzeit vor den augen leit und uns allweg ist ungevAellig Steinhöwel spiegel m. lebens 85a; so schreib ich hierinn vielen viel zu schwer, vielen viel ungefelliges Paracelsus 2, 273 C; 'das ist mir ungefällig; miszfällig sagt mehr' Adelung; eine ungefällige sache Campe; Krünitz 196, 241; doch nicht beliebt. wie gefällig II 4 e: der gutsherr sah ihn nicht ungefällig an Alexis Isegrim 1, 16. vgl. unwohlgefällig. vereinzelt. II@44) keine gefälligkeit erweisend, zu gefälligkeiten nicht bereit, undienstfertig, unliebenswürdig u. dgl. Staub-Tobler 2. lux. 315a. vgl. gefällig II 4 c. d. incomplacens, poco compiacente, disobbligante, desobligeant, disobliging. neben II 7 b, c, d heutige hauptbedeutung. für incomplaisant Campe verd. 370a: da ich mich ... unfreundlich und ungefällig gegen sie bezeige Schwabe bel. 1, 489; dem ungefelligsten gesellen auf der welt Lessing 3, 53 (Nathan 2, 2, 297); damit ihr aber nicht denkt, dasz ich in einer solchen kleinigkeit u. sein könne Göthe 43, 119, 19 Weim.; das ist aber, so viel ich merk', eine ungefällige stadt (im wortspiel bed. 2 einmischend) Nestroy 1, 60; ihr werdet doch nicht so u. sein? Gutzkow ritter v. geiste 7, 424; als meine basen mich aufforderten ... einen tanz zu thun, suchte ich ungefällig ... auszuweichen Keller 1, 234. II@55) gegentheil von gefällig II 5, nicht gut dünkend: aber den grossen heuptern .. ungefellig, die geistlichen mit steuer zu beladen H. v. d. Planitz berichte 50. veraltet. II@66) nicht beliebend, gegentheil von gefällig 6: ja sie sind berait dem bapst und keiser leids zuo thuon, wo sie etwas in ungefellig underston wolten Eberlin v. Günzburg 1, 100 neudr.; abgeschwächt in der sprache der ergebenheit und höflichkeit: aber wo e. kö. ma. nicht ungefellig Amadis 1, 231 Keller; wäre es durchlaucht der herzoginn nicht u., so würde ich .. Göthe IV 20, 279, 24 Weim.; es ist mir u. zu ihm zu gehen Campe. heute unüblich. II@77) wie gefällig 7 selbständig, ohne dat. entwickelt: II@7@aa) gegentheil von gefällig 7 a: mit hunden solt man sie (die jungen affen) auszhetzen, zum scheutzel in die bonen setzen vor allen thieren ungefellig Waldis Esopus 2, 31 Kurz. veraltet. II@7@bb) allgemein: die ... nit muosz habent einer langen predig zuozehOeren ... noch grober ungevelliger tAeding statt zegeben, wenn sy begirlicher schOener frOewlin lieplichs geswAetzes ... warnemend Riederer l IIb; am ungefälligsten ist der autor, wo ... (am wenigsten gefällt er) Herder 5, 435; den ungefälligen arbeiten (die keine freude machen) 20, 377; die höchsten kunstwerke sind schlechthin ungefällig (verzichten auf wohlfeiles gefallen, [] es wird aber zugleich die undulistenforderung einer charakterlosen anmuth abgewiesen), sie sind ideale, die nur approximando gefallen können und sollen, ästhetische imperative Göthe gespr. 8, 178; widerlegung meiner ungefälligen bemerkungen (die niemand zu gefalle gemacht werden, keine 'gefälligkeiten', vielleicht miszliebig sind) Hegner 1, 17. vom äuszern: C. war .. häszlich und u. Göthe 44, 12, 18 Weim.; ein ungefälliges oder wohl gar finsteres ansehen Wackenroder herzenserg. 83. maxime Gentz 2, 153; das an H. ungefällige Gutzkow ritter v. geiste 1, 391; dazu redeten sie, in einfältiger nachahmung ihrer prediger, unbeholfen und u., ja befehlshaberisch in hinsicht auf das bei jedem zweiten wort wieder geforderte glauben Keller 5, 345. II@7@cc) gegentheil von gefällig II 7 c, bes. ungraziös: ein strenges, obgleich nicht ungefälliges wesen Göthe 40, 368, 15 Weim.; correctheit J. G. Jacobi 1, VII; formen dieser poesie F. Schlegel museum 4, 301; sitten E. M. Arndt schr. 1, 366; stellen R. Wagner 5, 130. zwei .. zwiebelkuchen, die mein vater, um nicht ungefällig (vgl. 4 und 8) zu sein, annehmen muszte Kerner bilderbuch 138; einen mürrischen, ungefälligen landjunker Holtei erz. schr. 2, 131. II@7@dd) unschön in der bei gefällig 7 d angedeuteten beschränkung: auch hat er nacher noch einiges nicht ungefällige geleistet Göthe IV 39, 21 Weim.; eine grosze, nicht u., lichthelle kirche Gutzkow zauberer 5, 198; ungefügere, ungefälligere mittel J. Grimm kl. schr. 5, 86; farbe Laube 15, 46; ein altes, herbes, ungegefälliges system war verdrängt worden durch ein system hoher schönheit Justi Winckelmann 2, 2, 130. II@88) gegentheil von gefällig II 9, also eigentlich nicht zu gefallen lebend: das namlich jhr das hauszgesind ... erst noch mehr machet hinderstellig mit ewrem kitzlen ungefällig Fischart flöhhatz 1508; eine ungefällige (abschlägige) antwort persische historia (1592) 230; jenes mädchen, das der liebe u. war Herder 18, 448; inhuman, grausam, unbarmherzig, unmenschlich, ungefällig Kinderling 283; vgl. II 4; wie sollten die götter u. genug seyn das familienfest zu stören Göthe IV 29, 111 Weim.; mit ungefälliger kritik Schiller 10, 405; Pansner schimpfwb. 73a. —
8627 Zeichen · 253 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungefällig

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Ungefällig , -er, -ste, adj. & adv. der Gegensatz von 2 gefällig. 1. Kleinen Gefallen erweckend, von Sachen. Ein Gott un…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    ungefällig

    Goethe-Wörterbuch

    ungefällig [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    ungefälligAdj.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    un-gefällig Adj. : 'unfreundlich, nicht entgegenkommend'. Sei net so ung'fällich! [ BZ-Dernb ]. —

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungefaellig

2 Bildungen · 1 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von ungefaellig 3 Analysen

un- + gefaellig

ungefaellig leitet sich vom Lemma gefaellig ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+gefaell+-ig ungefaell+-ig

Zerlegung von ungefaellig 2 Komponenten

ung+e+faellig

ungefaellig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ungefaellig‑ als Erstglied (1 von 1)

ungefälligkeit

DWB

ungefaellig·keit

ungefälligkeit , f. , gegentheil der gefälligkeit. mnd. ungevallicheit elend ( wb. 5, 55 a ) wie ungefällig I 2; elendes los städtechron. 13…

ungefaellig als Zweitglied (1 von 1)