unberufen,
part.-adj. adv. ,
nicht oder wenig berufen;
mnd. unberopen
unbescholten Schiller-Lübben 5, 19
a;
mnl. onberoepen
wb. 5, 250; Staub-Tobler 6, 710; Martin-Lienhart 2, 240; Albrecht
Leipz. 227
a;
lux. 313
b;
Elberf. 114
b; Woeste 280
b; Danneil 175
a; Bauer-Collitz 178; unbrüffen H. Sachs 15, 110, 7
Keller-Götze; unberuft
von Frisius
bis Dentzler (1716)
verzeichnet; unberüft Niclas v. Wyle
transl. 157, 19
Keller; unbhrüfft H. Sachs 1, 121, 24
Keller; unberüeft Aventin 4, 778, 15; unberiefft
Terenz (1499) xxxvii
a; unberieffet Murner
adel 37
neudr.; unberuofft Franck
sprüchwörter 1, 113
b. Dentzler
gibt unberuft
neben unberuffen 322
b; onberuff
lux. 313
b.
dann veralten die schwachen formen und bleiben mundartlich. s. th. 8, 1398. 11)
ungerufen, nicht berufen, ungeladen: die im dann unberüeft selbs komend, lieber wǎren dann berüffet Niclas v. Wyle
transl. 157, 19
Keller; du kombst unberuffen H. Sachs 7, 212, 1
Keller; dann sie unberüfft (
non delegati), ungeordeniert und ungeweyhet sein Nas
antip. 4, 328
b; ain general conzilium, doch unberufen zu Trident, podagricum Fischart
trostb. 12, 18
Hauffen; er .. unberuffen nicht kommen dorfte Anton Ulrich
Octavia 2, 1082; Ayrenhoff 1, 254, 19; unberufen und ungefragt Göthe IV 26, 84
Weim. 22)
ungetadelt, unbescholten, unbehelligt, unangeklagt: unbesuchet und unberuffet
lehnsurk. Schlesiens 1, 371; das er .. mich unberuffen .. vordampt Luther 7, 88
Weim.; sonsten er den gesellen wol wirde unberuffen haben vorüber streichen lassen Moscherosch
ges. 81; damit sie mochten unberuffen bleiben Prätorius
glückstopf 420; zeiten, wo der h. geist nicht einmal unberufen ein viertelstündchen bei einem
brüten kann Bettine
dies buch 1, 43; (
das heer) .. siegreich zog gen norden, unberufen Rückert 1, 19; er bleibt keine stunde unberufen
ostpreuszisch. 33)
als gegensatz von berufen berühmt: zwar ein unberuffener, aber ein verstendiger ... mensch Schütz
hist. rer. Pr. 6, c iv d; in einem geringen und unberuffenen flecken Rätel
chr. 277; glückliches, unberufenes loos Pückler
br. 6, 48.
niederd. keinen üblen ruf habend Adelung. Campe
für unberüchtigt. 44)
innere oder äuszere eignung und berechtigung verneinend oder einschränkend. ursprünglich ohne vocation Zedler 49, 1105.
mit zusätzen: unberufen zum scherz Klopstock
od. 1, 79, 1; wie unberufen nun Wickram war mit diesem alten gedicht etwas vorzunehmen J. Grimm
kl. schr. 7, 305.
meist ohne solche: den unberuffenen prediger Carlstad Luther 18, 102
Weim.; alle die ... seind falsch prediger, unberüft Eberlin v. Günzburg 2, 128; diese zeit hat viel .. unberuffener .. lerer Mathesius
w. 3, 379, 11; die unberuffene und unerforderte richter und urtheiler Sandrub
kurzw. 3
neudr.; vgl. 1; diese unberufenen neuen propheten Triller
betr. 3, 97; das unberufene verdienst
allg. d. bibl. anh. 53—86, 741; berufene und unberufene barden Göthe 40, 272, 17
Weim.; die unberufne hand Schiller 12, 497; die unberufenen 11, 180; diesen unberufnen sieg H. v. Kleist 3, 88; je unberufener ein pseudo-künstler, so eitler Grabbe 4, 188; dasz die einmischung .. eine formell unberufene war Mommsen
r. gesch. 1, 702; vor der unberufenen neugierde Jhering
geist 3, 1, 265; ganz unberufene Scherer
kl. schr. 1, 174; von berufner und unberufner seite Bismarck
ged. 2, 264; unberufne hintertreppen-einflüsse 1, 108. 55)
nicht alt scheint unberúfen (
s. o. sp. 34)
als absolutes part.: alles musz unberufen geschehen
unbeschrien, unberedet, mit bezug auf abergläubische handlungen Staub-Tobler 6, 711; unberüeft, unberueffen
als beschwörungsformel ebd.; unberufen! abergläubische formel bei der erwähnung glücklicher umstände Brendicke 187
a; noch jetzt hütet sich das volk, irgend ein übel zu berufen, oder fügt bei unvermeidlicher nennung die formel unberufen hinzu J. Grimm
Reinh. Fuchs liii.
man klopft dabei dreimal unter den tisch, volksthümliche verstärkungen wie unberufen, unbeschlabbert, dreimal über den besen gespuckt
in Hessen allgemein; schlesisch ungerupft, ungezupft
zeitschr. f. d. a. 53, 137: ich habe letzten herbst die kalte wasserkur gebraucht, die mir einen so erträglichen, ja guten winter eingebracht hat, wie ich ihn lange nicht erlebte. unberufen! Gervinus
an W. Grimm br. 2, 60;
gesch. d. d. dicht. 5, 538; welch unglückliche frage kommt dir da in den mund! gleich setze hinzu: unberufen, unberufen! König
selts. gesch. 237; es sieht somit unberufen ganz hübsch hier aus H. v. Bülow 5, 24; Moltke 4, 44; 5, 10; Bismarck
br. a. s. br. 429; übrigens ist sie, unberufen und unbeschrien, recht gut Fontane
fam. br. 1, 113.
das adv. hat besonders die bedeutungen 1
und 4
und steht auf der grenze participialer geltung: würdest du unberiefft zuo ir kumen
ultro ad eam venies Terenz (1499) xxxvii
a; unberüfft sich auffraffen Nas
antip. 3, 5
a; und in der hohen häupter spahn und streit sich unberufen, vielgeschäftig drängen, bringt wenig dank Schiller
br. v. Messina 1778; so unberufen eingetreten zu sein Hauff 3, 99, 2; die regierung mischt sich unberufen hinein Droste-Hülshoff
an L. Schücking br. 84; in alles unberufen hineinstänkern Bismarck
ged. 1, 278. —