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umgreifen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

umgreifen vb.

Bd. 23, Sp. 923
umgreifen, vb. AA. untrennbar. A@11) rings umgreifen, umfassen, in der gegenwart vornehmlich von der hand, ältere sprache dagegen verwendet das wort für jegliches umarmen, umschlingen; amplecti umbgriffen mit beiden henden, mit den armen Diefenbach 31b; circumcapere umbgriffen 122a: thaz swert er umbegreif Rolandslied 75, 15; daz swert daz underlief er dô ... und umbegreif in alzehant mit armen und mit henden Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 4196; umbgreift er (der fisch) ain staindel, daz in die wazzerschuck iht auzwerfen Konrad v. Megenberg buch d. natur 251 Pfeiffer; (die drachen) seind so grosz, das sie die elephanten leichtlich umbgreifen Eppendorf Plinius (1543) 47; die tisch seind ins gemein ... sulcher dicke, das ein mansperson dieselbe mit beiden armen umbgreifen kan G. Braun beschreib. (1574) 5, 6a; wo der hertzog seines pferdts halsz nicht umbgriffen Amadis 387 lit. ver.; der middelste ind der groesste (mast) konten vier man niet umbgrifen ritter v. Harff pilgerfahrt 61 Groote; (der vogel die 'beerruten') mit seinen füszlein umbgrifen kan Aitinger jagdbüchlein (1681) 246; konnte den apfel mit einer hand umgreifen Simrock heldenbuch (1843) 4, 440; übertragen: der gott von allen zeiten, ... der wasser, see und meer umbgreift mit seiner hand Opitz opera (1690) 3, 276; alleinstehend zu greifen II als 'ringsum betasten': Maria ... umbgreiff Brigitte gelider uberal summertheil der heiligen leben (1472) 87b. A@22) in der bedeutung 'umarmen' auch mit dem warmen gefühlston dieses wortes (s. sp. 807); inbracciare umbhelsen, umbfangen, umbgreiffen Hulsius (1618) 2, 192b: mit armen umbegreif er in und enphienc in bî der zît Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 5382; (er) ummegreif in als ein vrunt passional 603, 37 Köpke; des wart mir von ir ein umbfang, sie umbgreif mich mit armen blang meister Altswert 27 lit. ver.; unde grep ene umm unde kussede quelle des 15. jahrh. bei Schiller-Lübben 5, 6; da der geile Pan die Syrinx noch umgreift Paul Fleming deutsche ged. 1, 482 lit. ver.; das männchen ..., wenn es sich mit ihr paart, durch sein zu brünstiges umgreifen Triller poet. betracht. (1750) 1, 156; bildlich: so ist sin uuinstra unter minemo hoibete unte sin zeseuua umbegriffet mih Williram 11 Seem.; noch mehr entsinnlicht: o du erwirdige speis, die allermeniclich anbeten ..., ummegreifen und werdeclichen derheben sal J. v. Neumarkt Hieronymus 87; also hat centurio Christum geistlich umbgriefen und empfangen Carlstadt zeichen des heil. sacraments (1521) a 2a. A@33) als 'geistig erfassen, begreifen': die hochgelehrten, die umbgreifen mit ihrem verstandt alles, was in der gantzen natur erschaffen Guarinonius grewel (1610) 1027; mit einem talente, das alles umgreift Laube 5, 122. als participiales adjectiv: dessen weit umgreifender geist Göthe II 4, 132 W.; in dieser adjectivischen form durchaus selbständig, angrenzend an 'gründlich, tiefgehend', ohne dasz sich noch die anwendung im einzelnen falle an das verbum anschlieszen liesze: wie ... die wissenschaftliche, ideelle, umgreifendere behandlung sich mehr und mehr freunde wirbt II 11, 142 W.; die feinste und umgreifendste kenntnis der menschen Tieck 20, 135; der grosze weltweise gehört in seinen umgreifendsten wirkungen ganz der friedensperiode an Immermann 19, 175 Boxb. A@44) bereits mhd. beschränkt sich die bedeutung jedoch nicht auf das umfassen, umarmen im eigentlichen oder geistigen sinne, sondern erweitert sich zum begriff 'umgeben' schlechthin mit reichverzweigten einzelbedeutungen. A@4@aa) die vorstellung 'mit den armen, händen umgreifen' ist noch deutlich fühlbar, wenn die aussage von einem langgestreckten gegenstande gilt, der einen anderen umschlieszt: (David) hiez wurken ain starken raif, den paum er dâ mit umbgraif Heinrich v. Freiberg in Pfeiffer übungsbuch 33; darnach soll er mit einem gebognen kompasz gemeldtes stück auswendig hinden bei dem zündtloch umbgreiffen J. Th. de Bry archelei (1614) 124; häufig mit einem zaun, einer mauer umgreifen: alse vil alse mit der zunraeiten umbevangin ist und umbegriffin (1281) quelle bei Fischer schwäb. 6, 91; uf die selbe zit wart Rome zuo einre stat gemaht und mit einre muren umbegriffen (ca. 1400) städtechroniken 8, 249; welche schlieszung (durch tranchées) das läger also umbgreifet, dasz keine luck oder auszgang ... gefunden wirdt A. Freitag architectura militaris (1631) 142; als 'einbeziehen': erwiterend die von Basel ir stadtrinckmuren und umbegriffend das frouwencloster ... in den infang der statt Tschudi chron. Helvet. 1, 226. reflexiv und ohne nähere bestimmung: da der grebe von Simpaul lag mit sinen luden, da hatten sie sich umbegriffen Limburger chronik 87 Wyss; zuständlich, der umschlieszende gegenstand ist subject: dez obersten waltzhimels gürtel, dar ümb daz er dez selben himels lauf ze mittelst ümbgreift Konrad v. Megenberg sphära 16 Matthäi; dasz der krantz den spiegel umbgreiffet Paracelsus opera (1616) 1, 355; die Oder umgreift die stadt wie eine silberspange den köstlichen topas Kolbenheyer Pausewang 31. A@4@bb) unsinnlicher, 'ab-, begrenzen', bes. umgriffen; districtus ein umbgriffener ort der jurisdiction ..., ein kreisz Corvinus fons latinitatis (1646) 842: gemeldte herrschaft, wie die in ihren greniczen umgriefen (ist) a. d. j. 1524 in lehnsurkunden Schlesiens 1, 298; hier noch verbal, jedoch adjectivisch im sinne von 'sich ausdehnend', vgl.umfangen 4 d: disz erdreich war umbgriffen in der weit bei die acht teutsche meil weges Rollenhagen indianische reisen (1603) 94; Persien ... ein grosz und weit umgriffenes königreich Olearius pers. reisebeschr. (1696) 348; gern beim ausdruck der göttlichen unendlichkeit: die maasz der gottheit ist ... an keinem ort umbzeinet oder umbgriffen Öcolampadius M. Luters bekentnusz (1528) 144b; wie kan ein geendigtes gemüthe dasjenige begreifen, welches mit keinem ende umgriffen ist Knorr v. Rosenroth pseudodoxia (1680) 276; nahestehend, doch an d erinnernd, als 'in sich fassen': den (Jesum) hœhe tiefe breite lenge umbgrîfen mohte nie Walther v. d. Vogelweide 36, 27. A@4@cc) 'umzingeln, umringen, umstellen': alsô was er durch nîdes haz mit liuten umbegriffen Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 34 659; die unseren haben das schloss ... berennt, umbgriffen quelle von 1476 bei Staub-Tobler 2, 714; (ins holz geflüchtetes wild) musz er ... bei der dickung mit seinem hunde umgreifen ...; finden sich nun auf diesem umgreifen und besuch keine ausgangsfährten aus der dickung Heppe lehrprinz (1751) 35. A@4@dd) quantitativ bestimmend als 'in sich fassen', mit dem blick auf den inhalt; concret von der fläche: vier künigriche, diu die werilt soldin al umbegrifen Annolied 190 Rödiger; wie wol Hungern nidern Pannoniam von dem flusz Leitha bis an die Saw umgreift G. Alt buch der croniken (1493) 269a; sich intransitivem gebrauch nähernd: (der see) ümgreift auf anderthalb meilwegs S. v. Birken ostländischer lorbeerhain (1657) 63; auch abstract: das du umfangen hast das wort, das gar umbgreift der himmel ort Hätzlerin liederbuch 259; in alle deme rechte, alz der (hof) von alderz ümmegriffen hat (1385) Freiberger urkundenbuch 1, 100 Ermisch; einer ganz Teutschland umgreifenden ... verfassung Görres ges. schr. 2, 49. A@4@ee) wie umfangen, umfassen, umgeben von seelischen zuständen im sinne von 'erfüllen': di sele, di ummegriffin ist mit deme fure der warin minne paradisus animae 62 Strauch; sin heilic minender sinn ummegreif in alzehant passional 241, 83 Hahn; den umbegreif diu reine tugent in v. d. Hagen minnesinger 3, 333a; sogar: mit groszem herzenleide umbegreif er in da passional 80 Hahn; nur vereinzelt geht der weitere gebrauch von umfangen, umgeben bei abstracten (s. d. sp. 869 u. 902) auch auf umgreifen über: von ungewiter maniger slaht daz her wart umbegriffen Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 24125; was ich auch fürchte, das hat mich umgriffen Luther 18, 349 W.; halbschlummer, welcher nicht alle nerven zu umgreifen scheint Laube 11, 27; vom grünen land, das ein zauber umgreifet Stefan George übersetzungen 1, 42. BB. trennbar, um sich greifen, sich ausdehnen im umfang oder in der wirkung: ein ungegätet unkraut greift um und wurzelt tiefer Dusch verm. w. (1754) 93; diabasische struktur mit ineinander und umgreifen gewisser ... zersetzungsprodukte Lueger 7, 952; bildlich: die zeugnisse rastlos umgreifender jugendkraft Herder 12, 368 S.; furcht? — die hofnung läszt sie nicht umgreiffen Schiller 2, 59 G.; ein menschlich strenger und herber sinn (begann) umzugreifen J. Grimm kl. schr. 2, 217; als bewusztsein politischer grösze und danach proportioniertem umgreifen der leidenschaft O. Ludwig 5, 260 E. Schmidt.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Umgreifen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Umgreifen , verb. irreg. act. (S. Adelung Greifen ,) ich umgreife, umgriffen, zu umgreifen, mit dem Griffe, mit der inne…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    umgreifen

    Goethe-Wörterbuch

    umgreifen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    umgreifenst.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    um-greifen st. : 'mit der Hand oder den Armen umfassen', -greife [ KU-Schmittw/O ]. —

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Cotta, M. (2026). „umgreifen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 20. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/umgreifen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „umgreifen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/umgreifen/dwb. Abgerufen 20. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „umgreifen". lautwandel.de. Zugegriffen 20. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/umgreifen/dwb.
BibTeX
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