umfangen und umfahen (
vgl. teil 3, 1236),
vb., untrennbar; in älterer zeit vereinzelt in getrennter gestalt, z. b. umzefahen
bibel (1483) 307
a; ümgefangen Harsdörfer
gesprächsp. 7, B 2
a,
vgl. Sanders 1, 410
b.
nicht selten findet sich pf
im anlaut der zweiten silbe: umbpfahen Hulsius (1618) 263
a; umpfänget
bei Knittel
poet. sinnenfr. (1677) 27; umpfienge Abr. a
s. Clara
etw. f. alle (1699) 2, 336;
noch bei Spielhagen umpfing 1, 98.
zuweilen schwach flektiert: umbgefengt S. Münster (1578) 165; er umbfangte Schupp
schr. (1663) 758. 11) '
umarmen'
stets mit personalem subject; im 17.
und 18.
jahrh. durch umarmen,
vgl. sp. 807,
zurückgedrängt, wie dieses gefühlsbetont. 1@aa)
amplexari empsig oder vast umbfahen oder umbfassen, annemen, lieb gewünnen, halsen Frisius (1556) 88
a;
imbracciare umbhälsen, umbfangen, umbgreifen Hulsius (1618) 2, 192
b;
gern mit charakterisierender adverbieller bestimmung wie minniglich, lieblich, in ... liebe, herzlich, mit freuden
u. a. m.: dô musten sie sich balde scheiden, daz dâ anders nicht was geschên wen helsen unde ane sên und minneglîch ummevân Eilhart v. Oberge 5345
Lichtenstein; dô der künec die minne und die küneginne von in zwein gesâhen und vriundes umbevâhen Hartmann v. Aue
Iwein 7508; wie dik wund du (
Maria) die hende din ... und sinen (
des kreuzes) stammen umb fiengde mit jamerlichem mänigen kusse K. v. Helmsdorf
spiegel 2190
Lind.; sô (
die tiger) ... die spiegel ansehent, sô wænent si, iriu kint sitzen dâ, ... und küssent die (
spiegel) und umbvâhent si Konrad v. Megenberg
buch der nat. 161
Pf.; Jacob geet ein, die mutter laufft entgegen, umbfecht ihn H. Sachs 1, 107
K.; mich hat ein edler ritter mit züchtiger und ehrlicher liebe umbfangen
buch der liebe 241; er ... bezeugte mit umbfahen, wie geneigt er sey, mir zuhelffen Grimmelshausen
Simplic. 327
Kögel; das grüszen (
hat) nicht in blosen worten bestanden, sondern in viel cerimonien, küssen, umbfangen Dannhawer
catechismusmilch 2, 174; er ... in des herzens überdrang die kerkerwand umfieng Blumauer
ged. (1782) 19; dürft ich sie umfahn und küssen auf den rosenrothen mund Uhland
ged. (1898) 1, 173; umfahe mich, geliebte, (sprach der conrector lachend zu seiner erzürnten frau), aber lasz endlich meinen hals los W. Raabe
Horacker (1876) 195;
häufig mit armen,
auch in die arme
u. ä. umfangen: Genelun naher gie, mit den armen er in umbevie
Rolandslied 100, 15
Gr.; (
die mutter) mit aufgethon armen in umbfinge Arigo
decam. 101
lit. ver.; (
Maria hat) die gebenedeyten frucht irs leibs in ire arm umbfangen
der hertzmaner 192
b; da fande er Tristranten vor dem bett stehen, die königin in seim arm gantz freundtlich umbfangen
buch der liebe (1587) 88
a; da rief der bischof: 'willkommen ...', umfing ihn mit seinen armen brüder Grimm
deutsche sagen3 2, 65.
auch euphemistisch: guoter wân tuot mich michels wæger denne eins alten umbevâ
n. waz hülfe mich ein træger, solte er mit mir slâfen gân?
bei Neidhart LI, 21
Haupt-Wieszner; komm, sie (
die braut) endlich zu umbfangen, es ist schon umb die mitternacht
Königsberger dichterkreis 150
ndr.; auch die mutter wuszte nicht, dasz sie den eignen sohn umfieng. so gab ich kinder meinem kind Schiller 6, 123
G.; gelegentlich ein knie umfangen
für gewöhnliches umfassen,
s. sp. 873; so bald Adgawester ... verstoszen seyn würde, wären sie alle erbötig, des königs kniee zu umfangen Lohenstein
Arminius 2, 1386
a; soll dein kind dein knie so ganz umsonst umfangen? Gottsched
deutsche schaubühne 2, 218; fiel er seinem befreier zu füszen und umfing sein knie Musäus
volksmärchen 1, 30
Hempel; aus umfangen
als symbol der begrüszung konnte sich leicht die bedeutung '
begrüszen'
entwickeln, vgl. empfangen: das ich hiedurch üch und sie alle sehen, umbfachen und mich mit üwer vetterlichen lieb ... mag ergötzen (1475) Steinhausen
privatbr. des mittelalters 1, 150; Rhemetalces umbfing den priester ... mit einer ehrerbietigen höflichkeit Lohenstein
Arminius 1, 414
b;
als '
aufnehmen': da sant Paulus bekeret ward, da was sant Barnabas gar fro und umbfyeng in tzuo den zwelfboten
summerteil der heyl. leben (1472) 52
b.
bildlich in religiöser sphäre: da dat ewige leven sal an mir nemen overhant, da mich de guode Jhesus umbeve bit siner zesuer hant
die lilie 63
Wüst; wer aber Jesum umbfahet, der wird ohn ende gestärcket J. Arnd
Thomas a Kempis nachf. Christi (1631) 49; liebe mich und treib mich an, dasz ich dich ... ümbfang und liebe P. Gerhardt
in Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 300;
ebenfalls übertragen, mit subjectsverschiebung: wan mich umbfacht ir friuntlichait, so waisz ich nichtz umb hertzenlaid Hätzlerin
liederbuch LXXIII; ich wils auch nit thun, wiewol mich ir lieb und gewonheit heftig umbfangen hat (
me graviter tenet) Boltz
Terenz deutsch (1539) 121
b;
so auch: wer aber auf den herrn hoffet, den wird die güte umbfahen
psalm 32, 10. 1@bb)
im sinne von '
umgreifen', '
umfassen',
auch von der hand, ohne das gefühlsmoment: den (
Esau) het der bruoder (
Jacob) lîse umbe vangen bî der verse
Milst. genesis u. exodus 46
Diemer; dô het er umbevangenden vanen mit einer hant
Ortnit 315
Amelung; er (
Daniel) umme vienc den kunic, das er niht gienc in den tempel uf ein spen (
spähen)
Daniel 7991
Hübner; so er peste mochte, (
er) den kasten mit den armen umbfinge Arigo
decamerone 76
Keller; (
er) schlug beide arme (
dem vater) umb den leib und umbfieng ihn, dasz er desto gewisser sitzen möchte
eselkönig 319; umbfacht die hörner (
des wütenden ochsen) mit den armen
buch der liebe (1587) 227; Nereus, mit feuchtem frost umbdecket und behenget, das kalt und hart erdreich mit einer hand umbfenget Tobias Hübner (1661)
siebentageszeit 59; mit einer hand hielt ich mich an den mastkorb, mit der andern umfieng ich herrn Aurelius Bucholtz
Herkuliskus (1665) 35; sie ... hob das kind auf den schosz, dasselbe mit den armen fest umfangend G. Keller 6, 109; der bursch kletterte flink den glatten baumstamm empor, diesen mit den armen umfangend Rosegger I 3, 101; spitzschrofen, deren wipfel der arm (
beim klettern) umfängt H. v. Barth
Kalkalpen 453;
etwas anders: also dasz zween mann einen (
weinstock) haben umbzufahen Seb. Franck
weltbuch (1534) 6
a; die grösze des baums was wie vier mann möchtind umbfahen Frisius
dict. (1556) 660
a;
auch sonst von lebewesen: helphanten, die mit ihrem umbfahen die löwen umbringen Seb. Franck
weltbuch (1534) 17
a; dann er (
der polyp) umbfahet den menschen, saugt im ... das blut usz H. v. Eppendorff
Plinius (1543) 118; die (
feinde) machen es, wie der fisch polypus zu thun pflegt, der umbfangt ein ding und nimpt es gleichsam in die arme Zinkgref
apophthegmata (1628) 191;
der entstehung nach hierhin auch ein abgeblaszter gebrauch ohne präpos. bestimmung: eure brust ist umfangen ... ich will euch eine schaale thee machen Pfeffel
pros. vers. 7, 23.
auch in den nachfolgenden belegen ist umfangen
in seinem eigentlichen sinne gebraucht: ranunculus amplexicaulis habnenfusz mit blättern, die den stamm umfangen C. C. L. Hirschfeld
theorie der gartenkunst (1779) 4, 145; umfangend, amplexicaule, (
ist das blatt), das mit seiner blatthaut selbst den stängel umgibt Illiger
thier- u. pflanzenreich (1800) 357. 1@cc)
bei abstractem object '
sich innerlich aneignen, sich bekennen zu',
häufig um die innere bejahende einstellung zu einer ansicht, einem bekenntnis wiederzugeben; in der gegenwart ungebräuchlich; das gefühlsmoment tritt meist stark hervor, die vorstellung des umarmens dagegen verblaszt mehr und mehr, bleibt jedoch fühlbar; zunächst noch bildlich: der zuo der ee wolt haben griffen und ist beliben zuo umbvahen iunckfrawliche keuscheit
erste deutsche bibel 2, 470
lit. ver.; so er durch gehorsam in herten und scharpfen dingen umbfahet die gedult A. v. Eyb
spiegel der sitten (1511) B 4
a; die evangelisch leer und fryheit trülich umbfahen und zuo üch trucken Zwingli
freiheit d. sp. 3
ndr.; da fiengen sy an wider die geistlichen zuo predigen und die waldensisch sect zuo umbfahen S. Franck
chron. zeytb. (1531) 407
b; umbvachent das getreuw wort
erste deutsche bibel 2, 234; er wölle fürhin die kindtheit sampt aller boszheit auszziehen ... und alle tugent umbfahen S. Franck
chron. Germ. (1538) 114; welche (
Epicureer) dise lehr der Epicurern wo nicht mit worten, doch mit der that umbfahen Albertinus
Lucifers königreich 182
v. Liliencron; hierdurch wird er veranlasset, die tugend selber zu ümfangen, damit er sich aus dem vermeinten credit nicht sätzen möchte Butschky
Pathmos 630; der schwache kann das vollkommene nicht umfangen G. Forster 3, 75. 22)
neben sachlichen begriffen wandelt sich die vorstellung des '
umarmens'
in die bedeutung '
ringsum umgeben',
die vorstellung des geschehens geht über in die einer räumlichen ordnung, besonders gebräuchlich ist die form des part. perf. umfangen sein mit etwas.
der anwendungsbereich ist auszerordentlich weit, in der gegenwart wenig üblich: 2@aa)
in der bedeutung '
umgeben'
von mehreren gegenständen, die um einen mittelpunkt liegen oder von einem körper, der einen anderen ganz oder teilweise umschlieszt: das herze hat umbe vangen leber unde lungelen
Milst. genesis u. exodus 6, 10
Diemer; (
der garten) umfangen mit eim graben Maximilian
Theuerdank 8
Gödeke; dabei ligt des bapsts pallast, welcher herrlich mit einem schönen lustgarten umfangen
volksbuch von dr. Faust 59
Braune; auf der rechten seiten die leber ist, weliche den magen umbfangt Guarinonius
greuel (1610) 1282;
gern in geographischen angaben: dasselbige landt ist mit sümpffen, seen und verhauenen gehöltzen dermaszen umbfangen und verwaret, dasz es nur einen eingang und ausgang hat B. Faber
Saxonia (1563) 253
b; die insel Minorca ... ist am meer mit hohen bergen umbfangen
M. Quad
enchiridion cosmogr. (1604) 11; überdies nehme das Caspische ringsum mit der erde umfangene meer funffzehn hauptflüsse ein Lohenstein
Arminius (1689) 1, 588
a; ein stück des meeres, das mit land umfangen, nur einen eingang hat
allgem. haushaltungslexikon (1749) 2, 290; die länder, welche die Hudsonsbai gegen abend umfangen G. Forster
s. schr. 4, 130;
auch ohne ergänzende bestimmung: grosze flieszende wasser ... die umbgefangnen see ... an vilen orten eintragen, kleineren und etwa gar ausfüllen Stumpf
Schweizerchronik (1606) 390
a;
häufig von der umschlieszenden mauer: (
eine mauer) die stat zirckelweis umbfieng H. Sachs 9, 338
lit. ver.; zu einer hohen, dichten, schwarzgrünen mauer, die das wasser umfängt Stifter
s. w. 1, 250
S.; häufiger: das die stat Konstantinopel ... umbfangen (
ist) mit der rinckmauer Schiltberger
reisebuch 45
lit. ver.; nicht allein mit einer ringkmaur umbfangen, auch sehr mechtig und gewaltig D. Federman
Niderlandes beschreibung (1581) 219; der gantze umkrais ist schier mit mauren umfangen Happel
akad. roman (1690) 205;
vgl. auch etwas mit einer mauer
usw. umfangen
unter 2c. von stricken, banden umfangen: der hölle bande umfingen mich
2. Sam. 22, 6; stricke des todes hatten mich umfangen
ps. 116, 3,
seither öfter so in der literatur; auch sonst: das kindt in muter leib mit krancken panten umfangen, die sich gar leicht und palt zureiszend
proplemata Aristotilis (1492) 28
b; je mehr ich sie ansehe, je mehr ich mit liebesbanden gegen sie werde umbfangen
engl. comedien (1624) B 7
a; (
der wanst) wo ihn der gurt umfing Bürger 168
Bohtz; in älterer rechtsformel: den (
verbrecher) sol man in hinaus antwurten, als er mit gurtl umbvangen ist (
ca. 1423)
österr. weisth. 6, 3
u. ö.; doch sol man einen ingessenen allein überliefern, wie er mit der gürtel umfangen ist Hohberg
georg. cur. 1, 35;
auch: den dieb sol man bringen gehn Einödt, ..., mit dem er umbfangen ist (1686)
niederösterr. weisth. 2, 1019,
d. h. nur mit den kleidern, die er am leibe hat. auszerhalb der genannten gruppen: so der mensch mit kainer creatur weder tode noch lebendig umbessen und umfangen ist Joh. Tauler
sermones (1508) 87
b; und der möcht in keins (
wild) darvon, wanne es doch mit den volg umbfangen was E. Windecke
denkwürdigkeiten (1893) 91 (
a. d. j. 1442); es scheint, ich sei ringsum von feinden ganz umfangen Gottsched
deutsche schaubühne 2, 32;
hier im sinne von '
umringen', '
umstellen',
eine bedeutung, die umfangen
auch in anderer verbalform hatte: si ranten alle sament zû und umbefîngen in dô Herbort v. Fritzlar 7742; so dich fünfzig gewaltige deines lebens und bluots durstige feind ringsweis umbfangen hetten Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 84
b. 2@bb)
in der bedeutung '
ringsum mehrseitig bedecken', '
umhüllen',
besonders von kleidungsstücken, amictus umwangen,
amicta umgewangen Diefenbach
nov. gloss. 20: mit sîdîme cleide was er ummevangen
passional 235, 38
H.; die windeln, die dich allgemach umbfiengen in der wiegen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 368; alle gliedmaszen, die der stahl umfängt Görres
ges. schr. 2, 99; lind und weich von heller seide ist dein schlanker leib umfangen
N. Lenau
s. w. 58
B.; aber auch sonst: des menschen hirn ... ist umbvangen mit zwain häutlein Konrad von Megenberg
buch der natur 7
Pfeiffer; am zieraht, der da gantz die schöne pfort umbfienge D. v.
d. Werder
rasender Roland (1636)
ges. 6,
str. 71; die achseln (
des Atlas) deckt ein ewger schnee. es starrt von tausendjährgem eis umfangen des greisen schauervoller bart Schiller 6, 397
G.; vom umgebenden raum, so häufig vom himmelsgewölbe: wie des himmels gewölbe ewig mit dem wanderer geht, ihn immer ... umfängt Schiller
in schr. d. Göthegesellschaft 9, 40;
übertragen: dasz wir mit dem schönen himel der gnaden bedeckt und umbfangen sind Luther 34, 1, 74
W.; und sonst: hier liegt Egyptens heil, die freiheit Roms umfangen (
grabinschrift) Lohenstein
Cleopatra (1689) 105; um ein brautgemacht war ich ausgegangen und ein tollhaus umfing mich Kürnberger
novellen 1, 70; die grosze stube umfieng mit ihren schneeweiszen wänden hell und freundlich das wohlgeordnete ganze H. v. Chézy
erzählungen 2, 8; (
das tal) umfängt sammetne wiesen und einen kleinen see Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 131;
hier bereits mehr inhaltliche bestimmung, noch deutlicher mit abweichender construction: dasz dieselb landtschaft fast fruchtbar und aller wollust umbfangen Fronsperger
kriegsbuch (1573) 2, 30
a. 2@cc)
nur ältere sprache kennt die dem voraufgehenden entsprechende verbindung etwas mit einem gegenstande umfangen:
stipare undersetten
vel umbfangen mit stecken Diefenbach 553
a;
dieser gebrauch ging mhd. auszerordentlich weit: den (
turm) man mit gold umbevie Jans Enikel 22036
Strauch; mit der hut schalme ju beslân al heit unde den buk umbevân
Magdeburger Äsop 55, 82; du strech an (
Paulus) got danider und ummevieng in mit sime lichte
paradisus animae intelligentis 39, 33
Strauch; das er in umbevie mit manunge und mit lere
passional 211, 4
K.; fortgelebt hat dieser gebrauch fast nur in der häufig belegten verbindung eine stadt mit mauern umfangen: he leit dusse stad ilende ummevangen mit leimwenden und toch gegen de Romer (
ca. 1375)
städtechron. 7, 8; wan er si (
die stadt) mit weite der mauren umbfangen hat Ulrich Füetrer
bayr. chron. 8
Spiller; er liesz Passau in gar kurzen tagen mit einer gar neuen maur umfahen Aventin 1, 223
Lexer; denselben lustplatz der künig mit einer mauren umfahen liesz Wickram 1, 206
lit. ver.; (
da) umbfach er das läger ... mit einer mauer Conr. Dietz
annales (1621) 179; die euszerste mühle (
ward) mit einer eigenen geschlossenen sternschanze umbfangen Chemnitz
schwed. krieg (1648) 67;
in besonderer bedeutung: es soll auch in der alben dehainer dem andern das sein noch dehain gemain nicht umfahen. wil er aber das sein umfahen, das sol er tuen mit vorwissen unseres bropst
österreich. weist. 6, 271,
das heiszt durch einzäunen zu seinem besitz machen; nur selten begegnet der gebrauch auch auszerhalb dieses bezirkes: mit solchen schnürlein sol er das stück hinden bei dem zindloch umfangen J. Th. de Bry
archeley (1614) 125;
und ohne die ergänzung: die füsz werden im (
dem elefanten) uf der lincken seiten umbfangen Eppendorf
Plinius (1543) 46. 33)
bei abstracten, überhaupt weniger concreten begriffen als subject ist auch in der gegenwart umfangen
im sinne von '
umgeben', '
umschlieszen'
gebräuchlich geblieben: 3@aa) (
es) hatten mich umfangen die schmerzen des todes
2. Sam. 22, 5; mitten wir im leben sind mit dem todt umbfangen
M. Luther
bei Wackernagel
kirchenlied 3, 10; es ist alles dem todt uberlieffert und mit dem todt umbfangen Paracelsus
opera (1616) 2, 431
Huser; warum springt der mensch ... aus der zeit heraus, die ihn umfängt?
Athenäum 3, 206; der nächste schritt ist ebenso wenig mit schwierigkeit umfangen Lavater
physiognom. fragm. 1, 62; das ist das schicksal auch des fruchtbarsten menschlichen geistes, dasz er mit ort und zeit umfangen, in gewissen ideen gleichsam aufwächst Herder
s. w. 16, 460
S.; von der bürgerlich umfangenden enge gerührt Göthe 41, 2, 332
W.; (
verderbnisse), die ihn von allen seiten umfangen Schiller 10, 300
G.; die dringende gefahr, womit die hierarchie sich umfangen sah 7, 147; dasz auch der mächtigste staat oft nur als ein glied der gesamtheit erscheint, von ihren schicksalen umfangen und beherrscht Ranke
s. w. 38, 3; wer sich aber hinein gefunden hat in diese subjective welt, den umfängt sie auch wie ein zauberkreis Treitschke
hist. u. polit. aufs. 1, 85.
formelhaft mit diensten umfangen
d. i. '
bedienstet': ist verpotten, das kainer in der herrschaft frembde noch unbekande leut ..., die nicht angeseszen oder mit diensten umbfangen sein, aufhalten noch beherbergen soll uber ain tag
österr. weist. 6, 299
u. ö. in älterer sprache: do warde er krank und mit tötlicher kranckait umbfangen
Fortunatus 75
ndr.;
sogar: so ein pferdt erkaltet und mit zittern umbfangen were Seutter
hippiatria (1599) 97. 3@bb)
gern bei der darstellung der umgebenden auszenwelt, der natur; bestimmte verbindungen sind besonders üblich: (
ein licht) umbfieng sant Paulus Joh. Tauler
sermones (1508) 12
a; do erscheen und ummefenck den jungen ein vuer van den hemmel B. Rotmann
restitution 167
ndr.; wann ... die finsternisz sie umfing, wie kunnten sie denn gewahr werden, dasz sie in einer tiefen hölen begriffen wären J. W. Valvasor
herzogthum Crain (1689) 1, 250; so mich nun die einsamkeit widerumb umbfangen
bei Creizenach
schauspiele engl. comödianten 244; wen hat die umfangende nacht nicht mit einem unheimlichen grausen geschüttelt? Göthe 37, 317
W.; und doch war es ein goldner tag, der auf dem Cynthus mich umfing! Hölderlin 2, 74
Litzmann; die dämmerung, die bei meiner töne klage mich hat umfangen Müllner
dram. w. 2, 7; (
er) drang hinauf bis in die länder, wo ewiger schnee die erde deckt und eine lange lange nacht die menschen umfängt L. Aurbacher
volksbüchlein (1835) 15; vom nebel umfangen, stille nebeneinandersitzend, fuhren wir lange dahin J. Rank
erinn. 124; bald umfing der friede der nacht schlummernde und wachende v.
d. Steinen
naturvölker Zentralbrasiliens 124; ein köstliches lager, das mir da bereitet worden ... wohlige ruhe umfing mich Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 251;
bildlich und übertragen: dem manne ist der weg verborgen und ist umbevangen mit vinsternisse Tauler
pred. 257, 3
Vetter; da mich finsternis umfieng, muszte mich dein (
gottes) licht umfassen B. Schmolcke
sämtl. trost- u. geistr. schr. 1, 24; wer schatten stets auf schatten häuft, sieht endlich sich von düstrer nacht umfangen Göthe 5, 44
W.; (
da) war plötzlich mein gemüth wie mit betäubenden nebeln umfangen Bettine
Günderode 1, 27. 3@cc) angst, traurigkeit, freude, glück, liebe
u. s. w. umfängt jemanden: mit jâmer umbevangen was sîn tugentrîcher muot Konrad v. Würzburg
Engelhard 3472; und umbfecht in solch angst und schmertz, dasz er wird trostlos und verzaget H. Sachs 18, 496
lit. ver.; (
Maria klagend:) groisze herczeleit hot mich umbfangen
Alsfelder passionsspiel 211
Grein; betrübt ist meine seel in mir, angst hat mich gantz umbfangen G. Werner
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 26; die inwohner schwebten indessen in groszer uneinigkeit und mit ungemeiner furcht umfangen O. Dapper
Asia (1681) 1, 290
b; ... mich hat der schmertz und todesangst ümbfangen P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 303; Tisiphone verstummt von groszer furcht umbfangen
M. Opitz
teutsche poemata 190
ndr.; mich umfängt ein banger schauer Göthe 11, 276
W.; sie selbst ist von tiefer trauer umfangen Cl. Brentano 7, 255; ein nuwe freude ummevieng die rechtgeloubigen alhie
passional 129, 22
K.; ihm wart sein herz mit ainer solichen wollustigkeit umbfangen
Fortunatus 103
ndr.; das glügk ... macht dasz, so es umbfangen hat, auch blind Schwarzenberg
Cicero (1535) 73
b; so pfleget ein hertz, dasz mit liebe umfangen ist, zu thun, das es nichts sihet, denn das, dazu es lust und liebe hat Luther 28, 438
W.; amantemente, amorosamente, con affettione, matorie mit stattlicher groszer lieb und eifer umbpfangen sein Hulsius
dict. (1618) 2, 23
a; ich (
bin) mit ... grosz inbrünstig liebe gegen euch umfangen
engl. comedien (1624) N 3
b; die lieb hat mich umfangen so segensreich und zart
M. Schneckenburg
deutsche lieder 42; wie es mich in ihrer nähe mit aller sehnsucht der liebe umfängt L. Tieck
schr. 9, 161;
im passiv auch ohne die präpositionale ergänzung: nun ist mein sinn, mein wesen streng umfangen; ich lebe nicht, kann ich sie nicht erlangen Göthe
Faust 7444;
ältere sprache verwandte u.
in dieser art auch bei angabe sittlicher mängel: das ander laster ist wol ze scheltende, dasz die edeln von natur umbfachet ..., dasz sie so übermütig seind Steinhöwel
spiegel menschl. lebens (1479) 28
b; das in das nidisch rachsam laster umbfieng Riederer
rhetoric (1493) C 1
a; hofart hat mannichen menschen also umbfangen Albr. v. Eyb
spiegel der sitten (1511) A 6
b; so seind die ersten artzt gar einfeltig leuth gewesen, und mit keiner listigkeit oder betrug umfangen Paracelsus
opera (1616) 1, 718
A Huser; noch ist es dem ein schwere pein, den spilsucht hat umfangen Forster
teutsche liedlein 53
ndr. 3@dd) zauber, verblendung, trug, schlaf
u. s. w. umfängt jemand: in der gegenwart fand ich mich so überschwenglich beglückt, wie von einem anmuthigen zauber umfangen H. Steffens
was ich erlebte 1, 142; eine seltsame verblendung hatte bisher seine augen wie mit einem zaubernebel umfangen Eichendorff
s. w. 3, 151; gefallen ist der trug, der mir das haupt umfing Grabbe
w. 1, 151; der traum umfing mich zum dritten male Herder 24, 58
S.; umfängt mich aber auch nur ein toller wahn und spuk E. Th. A. Hoffmann
s. w. 1, 215
Grisebach; Orest ist aus seiner betäubung erwacht, aber noch umfangen ihn traumhafte wahnvorstellungen Bielschowsky
Göthe 1, 432; von träumen zart umfangen L. Tieck
schr. 1, 64;
allgemein üblich: da in umbfieng ein senfter schlaf H. Sachs 2, 148
lit. ver.; als mich ... der süsze schlaf umfangen durch die nacht Opitz
teutsche poemata 94
ndr.; schlaf umfing ihn weich und linde Fr. W. Weber
Dreizehnlinden 354. 44)
besondere ausdrucksweisen älterer zeit, um die ausdehnungsweite anzugeben. 4@aa) umfangen '
sich ausdehnen',
ursprünglich wohl '
in sich schlieszen, umfassen'.
statt des objectes steht eine adverbielle bestimmung: man jah ir ie der tugende besten: die begunden ouch esten und vil wîten umbe vâhen Wernher
Maria 67
Wesle; sein (
des hags) leng nit weit umbfieng Hätzlerin
liederbuch 243; als weit und breit die markung zum Ginolfs begriffen und umbfangen hat (1508)
weist. 6, 42;
s. auch 6, 43; auff der höhe des berges, so weit es (
das haus) umbfangen hat, sol es das allerheiligst sein
Hes. 43, 12;
ampla civitas ein statt, die weit umbfangen hat Corvinus
fons lat. (1646) 52;
refl. sich umfangen '
sich ausdehnen': diese stuck gehen und umbfangen sich nit weiters, dan wie sie jezo eingezeunt ... sein (1586)
österr. weist. 6, 522; der keyser hatt die stadt, so weit sie sich umbfienge, versehen wol mit kraut, mit lot und allem dinge Dietrich v.
d. Werder
ras. Roland 14.
ges., 83.
str. 4@bb) umfangen
als part. adj. '
sich ausdehnend': das die stad ... drey tagereyse gros sey, verstehen ettliche also, das sie ym ringe so weyt umbfangen sey gewest, das man ynn drey tagen habe mugen umbher gehen Luther 19, 234
W.; die statt (
Padua) were gar weit umbfangen und weren vil leut darin Forberger
Guiccardini (1574) 261
b; die mitte, da der baum am stercksten ist umbfangen Fischart
Garg. 341
ndr.; das nest war in die 60 griechische meilen umbfangen Gabr. Rollenhagen
ind. reisen (1603) 95; seiner (
Afrikas) groszen, sehr weit ümfangenen wüsteneien und einöden Dapper
Africa (1671) 36
a; eine forstgräntze ist ... so zu verstehen, ... wie weit eines försters revier umbfangen J. Täntzer
Dianen jagtgeh. (1682) 1, 45; der hoff ist ein weit umpfangener platz Mandelslo
morgenl. reisebeschr. 42
Olearius.