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umfangen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

umfangen

Bd. 23, Sp. 865
umfangen und umfahen (vgl. teil 3, 1236), vb., untrennbar; in älterer zeit vereinzelt in getrennter gestalt, z. b. umzefahen bibel (1483) 307a; ümgefangen Harsdörfer gesprächsp. 7, B 2a, vgl. Sanders 1, 410b. nicht selten findet sich pf im anlaut der zweiten silbe: umbpfahen Hulsius (1618) 263a; umpfänget bei Knittel poet. sinnenfr. (1677) 27; umpfienge Abr. a s. Clara etw. f. alle (1699) 2, 336; noch bei Spielhagen umpfing 1, 98. zuweilen schwach flektiert: umbgefengt S. Münster (1578) 165; er umbfangte Schupp schr. (1663) 758. 11) 'umarmen' stets mit personalem subject; im 17. und 18. jahrh. durch umarmen, vgl. sp. 807, zurückgedrängt, wie dieses gefühlsbetont. 1@aa) amplexari empsig oder vast umbfahen oder umbfassen, annemen, lieb gewünnen, halsen Frisius (1556) 88a; imbracciare umbhälsen, umbfangen, umbgreifen Hulsius (1618) 2, 192b; gern mit charakterisierender adverbieller bestimmung wie minniglich, lieblich, in ... liebe, herzlich, mit freuden u. a. m.: dô musten sie sich balde scheiden, daz dâ anders nicht was geschên wen helsen unde ane sên und minneglîch ummevân Eilhart v. Oberge 5345 Lichtenstein; dô der künec die minne und die küneginne von in zwein gesâhen und vriundes umbevâhen Hartmann v. Aue Iwein 7508; wie dik wund du (Maria) die hende din ... und sinen (des kreuzes) stammen umb fiengde mit jamerlichem mänigen kusse K. v. Helmsdorf spiegel 2190 Lind.; sô (die tiger) ... die spiegel ansehent, sô wænent si, iriu kint sitzen dâ, ... und küssent die (spiegel) und umbvâhent si Konrad v. Megenberg buch der nat. 161 Pf.; Jacob geet ein, die mutter laufft entgegen, umbfecht ihn H. Sachs 1, 107 K.; mich hat ein edler ritter mit züchtiger und ehrlicher liebe umbfangen buch der liebe 241; er ... bezeugte mit umbfahen, wie geneigt er sey, mir zuhelffen Grimmelshausen Simplic. 327 Kögel; das grüszen (hat) nicht in blosen worten bestanden, sondern in viel cerimonien, küssen, umbfangen Dannhawer catechismusmilch 2, 174; er ... in des herzens überdrang die kerkerwand umfieng Blumauer ged. (1782) 19; dürft ich sie umfahn und küssen auf den rosenrothen mund Uhland ged. (1898) 1, 173; umfahe mich, geliebte, (sprach der conrector lachend zu seiner erzürnten frau), aber lasz endlich meinen hals los W. Raabe Horacker (1876) 195; häufig mit armen, auch in die arme u. ä. umfangen: Genelun naher gie, mit den armen er in umbevie Rolandslied 100, 15 Gr.; (die mutter) mit aufgethon armen in umbfinge Arigo decam. 101 lit. ver.; (Maria hat) die gebenedeyten frucht irs leibs in ire arm umbfangen der hertzmaner 192b; da fande er Tristranten vor dem bett stehen, die königin in seim arm gantz freundtlich umbfangen buch der liebe (1587) 88a; da rief der bischof: 'willkommen ...', umfing ihn mit seinen armen brüder Grimm deutsche sagen3 2, 65. auch euphemistisch: guoter wân tuot mich michels wæger denne eins alten umbevân. waz hülfe mich ein træger, solte er mit mir slâfen gân? bei Neidhart LI, 21 Haupt-Wieszner; komm, sie (die braut) endlich zu umbfangen, es ist schon umb die mitternacht Königsberger dichterkreis 150 ndr.; auch die mutter wuszte nicht, dasz sie den eignen sohn umfieng. so gab ich kinder meinem kind Schiller 6, 123 G.; gelegentlich ein knie umfangen für gewöhnliches umfassen, s. sp. 873; so bald Adgawester ... verstoszen seyn würde, wären sie alle erbötig, des königs kniee zu umfangen Lohenstein Arminius 2, 1386a; soll dein kind dein knie so ganz umsonst umfangen? Gottsched deutsche schaubühne 2, 218; fiel er seinem befreier zu füszen und umfing sein knie Musäus volksmärchen 1, 30 Hempel; aus umfangen als symbol der begrüszung konnte sich leicht die bedeutung 'begrüszen' entwickeln, vgl. empfangen: das ich hiedurch üch und sie alle sehen, umbfachen und mich mit üwer vetterlichen lieb ... mag ergötzen (1475) Steinhausen privatbr. des mittelalters 1, 150; Rhemetalces umbfing den priester ... mit einer ehrerbietigen höflichkeit Lohenstein Arminius 1, 414b; als 'aufnehmen': da sant Paulus bekeret ward, da was sant Barnabas gar fro und umbfyeng in tzuo den zwelfboten summerteil der heyl. leben (1472) 52b. bildlich in religiöser sphäre: da dat ewige leven sal an mir nemen overhant, da mich de guode Jhesus umbeve bit siner zesuer hant die lilie 63 Wüst; wer aber Jesum umbfahet, der wird ohn ende gestärcket J. Arnd Thomas a Kempis nachf. Christi (1631) 49; liebe mich und treib mich an, dasz ich dich ... ümbfang und liebe P. Gerhardt in Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 300; ebenfalls übertragen, mit subjectsverschiebung: wan mich umbfacht ir friuntlichait, so waisz ich nichtz umb hertzenlaid Hätzlerin liederbuch LXXIII; ich wils auch nit thun, wiewol mich ir lieb und gewonheit heftig umbfangen hat (me graviter tenet) Boltz Terenz deutsch (1539) 121b; so auch: wer aber auf den herrn hoffet, den wird die güte umbfahen psalm 32, 10. 1@bb) im sinne von 'umgreifen', 'umfassen', auch von der hand, ohne das gefühlsmoment: den (Esau) het der bruoder (Jacob) lîse umbe vangen bî der verse Milst. genesis u. exodus 46 Diemer; dô het er umbevangenden vanen mit einer hant Ortnit 315 Amelung; er (Daniel) umme vienc den kunic, das er niht gienc in den tempel uf ein spen (spähen) Daniel 7991 Hübner; so er peste mochte, (er) den kasten mit den armen umbfinge Arigo decamerone 76 Keller; (er) schlug beide arme (dem vater) umb den leib und umbfieng ihn, dasz er desto gewisser sitzen möchte eselkönig 319; umbfacht die hörner (des wütenden ochsen) mit den armen buch der liebe (1587) 227; Nereus, mit feuchtem frost umbdecket und behenget, das kalt und hart erdreich mit einer hand umbfenget Tobias Hübner (1661) siebentageszeit 59; mit einer hand hielt ich mich an den mastkorb, mit der andern umfieng ich herrn Aurelius Bucholtz Herkuliskus (1665) 35; sie ... hob das kind auf den schosz, dasselbe mit den armen fest umfangend G. Keller 6, 109; der bursch kletterte flink den glatten baumstamm empor, diesen mit den armen umfangend Rosegger I 3, 101; spitzschrofen, deren wipfel der arm (beim klettern) umfängt H. v. Barth Kalkalpen 453; etwas anders: also dasz zween mann einen (weinstock) haben umbzufahen Seb. Franck weltbuch (1534) 6a; die grösze des baums was wie vier mann möchtind umbfahen Frisius dict. (1556) 660a; auch sonst von lebewesen: helphanten, die mit ihrem umbfahen die löwen umbringen Seb. Franck weltbuch (1534) 17a; dann er (der polyp) umbfahet den menschen, saugt im ... das blut usz H. v. Eppendorff Plinius (1543) 118; die (feinde) machen es, wie der fisch polypus zu thun pflegt, der umbfangt ein ding und nimpt es gleichsam in die arme Zinkgref apophthegmata (1628) 191; der entstehung nach hierhin auch ein abgeblaszter gebrauch ohne präpos. bestimmung: eure brust ist umfangen ... ich will euch eine schaale thee machen Pfeffel pros. vers. 7, 23. auch in den nachfolgenden belegen ist umfangen in seinem eigentlichen sinne gebraucht: ranunculus amplexicaulis habnenfusz mit blättern, die den stamm umfangen C. C. L. Hirschfeld theorie der gartenkunst (1779) 4, 145; umfangend, amplexicaule, (ist das blatt), das mit seiner blatthaut selbst den stängel umgibt Illiger thier- u. pflanzenreich (1800) 357. 1@cc) bei abstractem object 'sich innerlich aneignen, sich bekennen zu', häufig um die innere bejahende einstellung zu einer ansicht, einem bekenntnis wiederzugeben; in der gegenwart ungebräuchlich; das gefühlsmoment tritt meist stark hervor, die vorstellung des umarmens dagegen verblaszt mehr und mehr, bleibt jedoch fühlbar; zunächst noch bildlich: der zuo der ee wolt haben griffen und ist beliben zuo umbvahen iunckfrawliche keuscheit erste deutsche bibel 2, 470 lit. ver.; so er durch gehorsam in herten und scharpfen dingen umbfahet die gedult A. v. Eyb spiegel der sitten (1511) B 4a; die evangelisch leer und fryheit trülich umbfahen und zuo üch trucken Zwingli freiheit d. sp. 3 ndr.; da fiengen sy an wider die geistlichen zuo predigen und die waldensisch sect zuo umbfahen S. Franck chron. zeytb. (1531) 407b; umbvachent das getreuw wort erste deutsche bibel 2, 234; er wölle fürhin die kindtheit sampt aller boszheit auszziehen ... und alle tugent umbfahen S. Franck chron. Germ. (1538) 114; welche (Epicureer) dise lehr der Epicurern wo nicht mit worten, doch mit der that umbfahen Albertinus Lucifers königreich 182 v. Liliencron; hierdurch wird er veranlasset, die tugend selber zu ümfangen, damit er sich aus dem vermeinten credit nicht sätzen möchte Butschky Pathmos 630; der schwache kann das vollkommene nicht umfangen G. Forster 3, 75. 22) neben sachlichen begriffen wandelt sich die vorstellung des 'umarmens' in die bedeutung 'ringsum umgeben', die vorstellung des geschehens geht über in die einer räumlichen ordnung, besonders gebräuchlich ist die form des part. perf. umfangen sein mit etwas. der anwendungsbereich ist auszerordentlich weit, in der gegenwart wenig üblich: 2@aa) in der bedeutung 'umgeben' von mehreren gegenständen, die um einen mittelpunkt liegen oder von einem körper, der einen anderen ganz oder teilweise umschlieszt: das herze hat umbe vangen leber unde lungelen Milst. genesis u. exodus 6, 10 Diemer; (der garten) umfangen mit eim graben Maximilian Theuerdank 8 Gödeke; dabei ligt des bapsts pallast, welcher herrlich mit einem schönen lustgarten umfangen volksbuch von dr. Faust 59 Braune; auf der rechten seiten die leber ist, weliche den magen umbfangt Guarinonius greuel (1610) 1282; gern in geographischen angaben: dasselbige landt ist mit sümpffen, seen und verhauenen gehöltzen dermaszen umbfangen und verwaret, dasz es nur einen eingang und ausgang hat B. Faber Saxonia (1563) 253b; die insel Minorca ... ist am meer mit hohen bergen umbfangen M. Quad enchiridion cosmogr. (1604) 11; überdies nehme das Caspische ringsum mit der erde umfangene meer funffzehn hauptflüsse ein Lohenstein Arminius (1689) 1, 588a; ein stück des meeres, das mit land umfangen, nur einen eingang hat allgem. haushaltungslexikon (1749) 2, 290; die länder, welche die Hudsonsbai gegen abend umfangen G. Forster s. schr. 4, 130; auch ohne ergänzende bestimmung: grosze flieszende wasser ... die umbgefangnen see ... an vilen orten eintragen, kleineren und etwa gar ausfüllen Stumpf Schweizerchronik (1606) 390a; häufig von der umschlieszenden mauer: (eine mauer) die stat zirckelweis umbfieng H. Sachs 9, 338 lit. ver.; zu einer hohen, dichten, schwarzgrünen mauer, die das wasser umfängt Stifter s. w. 1, 250 S.; häufiger: das die stat Konstantinopel ... umbfangen (ist) mit der rinckmauer Schiltberger reisebuch 45 lit. ver.; nicht allein mit einer ringkmaur umbfangen, auch sehr mechtig und gewaltig D. Federman Niderlandes beschreibung (1581) 219; der gantze umkrais ist schier mit mauren umfangen Happel akad. roman (1690) 205; vgl. auch etwas mit einer mauer usw. umfangen unter 2c. von stricken, banden umfangen: der hölle bande umfingen mich 2. Sam. 22, 6; stricke des todes hatten mich umfangen ps. 116, 3, seither öfter so in der literatur; auch sonst: das kindt in muter leib mit krancken panten umfangen, die sich gar leicht und palt zureiszend proplemata Aristotilis (1492) 28b; je mehr ich sie ansehe, je mehr ich mit liebesbanden gegen sie werde umbfangen engl. comedien (1624) B 7a; (der wanst) wo ihn der gurt umfing Bürger 168 Bohtz; in älterer rechtsformel: den (verbrecher) sol man in hinaus antwurten, als er mit gurtl umbvangen ist (ca. 1423) österr. weisth. 6, 3 u. ö.; doch sol man einen ingessenen allein überliefern, wie er mit der gürtel umfangen ist Hohberg georg. cur. 1, 35; auch: den dieb sol man bringen gehn Einödt, ..., mit dem er umbfangen ist (1686) niederösterr. weisth. 2, 1019, d. h. nur mit den kleidern, die er am leibe hat. auszerhalb der genannten gruppen: so der mensch mit kainer creatur weder tode noch lebendig umbessen und umfangen ist Joh. Tauler sermones (1508) 87b; und der möcht in keins (wild) darvon, wanne es doch mit den volg umbfangen was E. Windecke denkwürdigkeiten (1893) 91 (a. d. j. 1442); es scheint, ich sei ringsum von feinden ganz umfangen Gottsched deutsche schaubühne 2, 32; hier im sinne von 'umringen', 'umstellen', eine bedeutung, die umfangen auch in anderer verbalform hatte: si ranten alle sament zû und umbefîngen in dô Herbort v. Fritzlar 7742; so dich fünfzig gewaltige deines lebens und bluots durstige feind ringsweis umbfangen hetten Schaidenreiszer Odyssea (1537) 84b. 2@bb) in der bedeutung 'ringsum mehrseitig bedecken', 'umhüllen', besonders von kleidungsstücken, amictus umwangen, amicta umgewangen Diefenbach nov. gloss. 20: mit sîdîme cleide was er ummevangen passional 235, 38 H.; die windeln, die dich allgemach umbfiengen in der wiegen Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 368; alle gliedmaszen, die der stahl umfängt Görres ges. schr. 2, 99; lind und weich von heller seide ist dein schlanker leib umfangen N. Lenau s. w. 58 B.; aber auch sonst: des menschen hirn ... ist umbvangen mit zwain häutlein Konrad von Megenberg buch der natur 7 Pfeiffer; am zieraht, der da gantz die schöne pfort umbfienge D. v. d. Werder rasender Roland (1636) ges. 6, str. 71; die achseln (des Atlas) deckt ein ewger schnee. es starrt von tausendjährgem eis umfangen des greisen schauervoller bart Schiller 6, 397 G.; vom umgebenden raum, so häufig vom himmelsgewölbe: wie des himmels gewölbe ewig mit dem wanderer geht, ihn immer ... umfängt Schiller in schr. d. Göthegesellschaft 9, 40; übertragen: dasz wir mit dem schönen himel der gnaden bedeckt und umbfangen sind Luther 34, 1, 74 W.; und sonst: hier liegt Egyptens heil, die freiheit Roms umfangen (grabinschrift) Lohenstein Cleopatra (1689) 105; um ein brautgemacht war ich ausgegangen und ein tollhaus umfing mich Kürnberger novellen 1, 70; die grosze stube umfieng mit ihren schneeweiszen wänden hell und freundlich das wohlgeordnete ganze H. v. Chézy erzählungen 2, 8; (das tal) umfängt sammetne wiesen und einen kleinen see Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 131; hier bereits mehr inhaltliche bestimmung, noch deutlicher mit abweichender construction: dasz dieselb landtschaft fast fruchtbar und aller wollust umbfangen Fronsperger kriegsbuch (1573) 2, 30a. 2@cc) nur ältere sprache kennt die dem voraufgehenden entsprechende verbindung etwas mit einem gegenstande umfangen: stipare undersetten vel umbfangen mit stecken Diefenbach 553a; dieser gebrauch ging mhd. auszerordentlich weit: den (turm) man mit gold umbevie Jans Enikel 22036 Strauch; mit der hut schalme ju beslân al heit unde den buk umbevân Magdeburger Äsop 55, 82; du strech an (Paulus) got danider und ummevieng in mit sime lichte paradisus animae intelligentis 39, 33 Strauch; das er in umbevie mit manunge und mit lere passional 211, 4 K.; fortgelebt hat dieser gebrauch fast nur in der häufig belegten verbindung eine stadt mit mauern umfangen: he leit dusse stad ilende ummevangen mit leimwenden und toch gegen de Romer (ca. 1375) städtechron. 7, 8; wan er si (die stadt) mit weite der mauren umbfangen hat Ulrich Füetrer bayr. chron. 8 Spiller; er liesz Passau in gar kurzen tagen mit einer gar neuen maur umfahen Aventin 1, 223 Lexer; denselben lustplatz der künig mit einer mauren umfahen liesz Wickram 1, 206 lit. ver.; (da) umbfach er das läger ... mit einer mauer Conr. Dietz annales (1621) 179; die euszerste mühle (ward) mit einer eigenen geschlossenen sternschanze umbfangen Chemnitz schwed. krieg (1648) 67; in besonderer bedeutung: es soll auch in der alben dehainer dem andern das sein noch dehain gemain nicht umfahen. wil er aber das sein umfahen, das sol er tuen mit vorwissen unseres bropst österreich. weist. 6, 271, das heiszt durch einzäunen zu seinem besitz machen; nur selten begegnet der gebrauch auch auszerhalb dieses bezirkes: mit solchen schnürlein sol er das stück hinden bei dem zindloch umfangen J. Th. de Bry archeley (1614) 125; und ohne die ergänzung: die füsz werden im (dem elefanten) uf der lincken seiten umbfangen Eppendorf Plinius (1543) 46. 33) bei abstracten, überhaupt weniger concreten begriffen als subject ist auch in der gegenwart umfangen im sinne von 'umgeben', 'umschlieszen' gebräuchlich geblieben: 3@aa) (es) hatten mich umfangen die schmerzen des todes 2. Sam. 22, 5; mitten wir im leben sind mit dem todt umbfangen M. Luther bei Wackernagel kirchenlied 3, 10; es ist alles dem todt uberlieffert und mit dem todt umbfangen Paracelsus opera (1616) 2, 431 Huser; warum springt der mensch ... aus der zeit heraus, die ihn umfängt? Athenäum 3, 206; der nächste schritt ist ebenso wenig mit schwierigkeit umfangen Lavater physiognom. fragm. 1, 62; das ist das schicksal auch des fruchtbarsten menschlichen geistes, dasz er mit ort und zeit umfangen, in gewissen ideen gleichsam aufwächst Herder s. w. 16, 460 S.; von der bürgerlich umfangenden enge gerührt Göthe 41, 2, 332 W.; (verderbnisse), die ihn von allen seiten umfangen Schiller 10, 300 G.; die dringende gefahr, womit die hierarchie sich umfangen sah 7, 147; dasz auch der mächtigste staat oft nur als ein glied der gesamtheit erscheint, von ihren schicksalen umfangen und beherrscht Ranke s. w. 38, 3; wer sich aber hinein gefunden hat in diese subjective welt, den umfängt sie auch wie ein zauberkreis Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 85. formelhaft mit diensten umfangen d. i. 'bedienstet': ist verpotten, das kainer in der herrschaft frembde noch unbekande leut ..., die nicht angeseszen oder mit diensten umbfangen sein, aufhalten noch beherbergen soll uber ain tag österr. weist. 6, 299 u. ö. in älterer sprache: do warde er krank und mit tötlicher kranckait umbfangen Fortunatus 75 ndr.; sogar: so ein pferdt erkaltet und mit zittern umbfangen were Seutter hippiatria (1599) 97. 3@bb) gern bei der darstellung der umgebenden auszenwelt, der natur; bestimmte verbindungen sind besonders üblich: (ein licht) umbfieng sant Paulus Joh. Tauler sermones (1508) 12a; do erscheen und ummefenck den jungen ein vuer van den hemmel B. Rotmann restitution 167 ndr.; wann ... die finsternisz sie umfing, wie kunnten sie denn gewahr werden, dasz sie in einer tiefen hölen begriffen wären J. W. Valvasor herzogthum Crain (1689) 1, 250; so mich nun die einsamkeit widerumb umbfangen bei Creizenach schauspiele engl. comödianten 244; wen hat die umfangende nacht nicht mit einem unheimlichen grausen geschüttelt? Göthe 37, 317 W.; und doch war es ein goldner tag, der auf dem Cynthus mich umfing! Hölderlin 2, 74 Litzmann; die dämmerung, die bei meiner töne klage mich hat umfangen Müllner dram. w. 2, 7; (er) drang hinauf bis in die länder, wo ewiger schnee die erde deckt und eine lange lange nacht die menschen umfängt L. Aurbacher volksbüchlein (1835) 15; vom nebel umfangen, stille nebeneinandersitzend, fuhren wir lange dahin J. Rank erinn. 124; bald umfing der friede der nacht schlummernde und wachende v. d. Steinen naturvölker Zentralbrasiliens 124; ein köstliches lager, das mir da bereitet worden ... wohlige ruhe umfing mich Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 251; bildlich und übertragen: dem manne ist der weg verborgen und ist umbevangen mit vinsternisse Tauler pred. 257, 3 Vetter; da mich finsternis umfieng, muszte mich dein (gottes) licht umfassen B. Schmolcke sämtl. trost- u. geistr. schr. 1, 24; wer schatten stets auf schatten häuft, sieht endlich sich von düstrer nacht umfangen Göthe 5, 44 W.; (da) war plötzlich mein gemüth wie mit betäubenden nebeln umfangen Bettine Günderode 1, 27. 3@cc) angst, traurigkeit, freude, glück, liebe u. s. w. umfängt jemanden: mit jâmer umbevangen was sîn tugentrîcher muot Konrad v. Würzburg Engelhard 3472; und umbfecht in solch angst und schmertz, dasz er wird trostlos und verzaget H. Sachs 18, 496 lit. ver.; (Maria klagend:) groisze herczeleit hot mich umbfangen Alsfelder passionsspiel 211 Grein; betrübt ist meine seel in mir, angst hat mich gantz umbfangen G. Werner bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 26; die inwohner schwebten indessen in groszer uneinigkeit und mit ungemeiner furcht umfangen O. Dapper Asia (1681) 1, 290b; ... mich hat der schmertz und todesangst ümbfangen P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 303; Tisiphone verstummt von groszer furcht umbfangen M. Opitz teutsche poemata 190 ndr.; mich umfängt ein banger schauer Göthe 11, 276 W.; sie selbst ist von tiefer trauer umfangen Cl. Brentano 7, 255; ein nuwe freude ummevieng die rechtgeloubigen alhie passional 129, 22 K.; ihm wart sein herz mit ainer solichen wollustigkeit umbfangen Fortunatus 103 ndr.; das glügk ... macht dasz, so es umbfangen hat, auch blind Schwarzenberg Cicero (1535) 73b; so pfleget ein hertz, dasz mit liebe umfangen ist, zu thun, das es nichts sihet, denn das, dazu es lust und liebe hat Luther 28, 438 W.; amantemente, amorosamente, con affettione, matorie mit stattlicher groszer lieb und eifer umbpfangen sein Hulsius dict. (1618) 2, 23a; ich (bin) mit ... grosz inbrünstig liebe gegen euch umfangen engl. comedien (1624) N 3b; die lieb hat mich umfangen so segensreich und zart M. Schneckenburg deutsche lieder 42; wie es mich in ihrer nähe mit aller sehnsucht der liebe umfängt L. Tieck schr. 9, 161; im passiv auch ohne die präpositionale ergänzung: nun ist mein sinn, mein wesen streng umfangen; ich lebe nicht, kann ich sie nicht erlangen Göthe Faust 7444; ältere sprache verwandte u. in dieser art auch bei angabe sittlicher mängel: das ander laster ist wol ze scheltende, dasz die edeln von natur umbfachet ..., dasz sie so übermütig seind Steinhöwel spiegel menschl. lebens (1479) 28b; das in das nidisch rachsam laster umbfieng Riederer rhetoric (1493) C 1a; hofart hat mannichen menschen also umbfangen Albr. v. Eyb spiegel der sitten (1511) A 6b; so seind die ersten artzt gar einfeltig leuth gewesen, und mit keiner listigkeit oder betrug umfangen Paracelsus opera (1616) 1, 718A Huser; noch ist es dem ein schwere pein, den spilsucht hat umfangen Forster teutsche liedlein 53 ndr. 3@dd) zauber, verblendung, trug, schlaf u. s. w. umfängt jemand: in der gegenwart fand ich mich so überschwenglich beglückt, wie von einem anmuthigen zauber umfangen H. Steffens was ich erlebte 1, 142; eine seltsame verblendung hatte bisher seine augen wie mit einem zaubernebel umfangen Eichendorff s. w. 3, 151; gefallen ist der trug, der mir das haupt umfing Grabbe w. 1, 151; der traum umfing mich zum dritten male Herder 24, 58 S.; umfängt mich aber auch nur ein toller wahn und spuk E. Th. A. Hoffmann s. w. 1, 215 Grisebach; Orest ist aus seiner betäubung erwacht, aber noch umfangen ihn traumhafte wahnvorstellungen Bielschowsky Göthe 1, 432; von träumen zart umfangen L. Tieck schr. 1, 64; allgemein üblich: da in umbfieng ein senfter schlaf H. Sachs 2, 148 lit. ver.; als mich ... der süsze schlaf umfangen durch die nacht Opitz teutsche poemata 94 ndr.; schlaf umfing ihn weich und linde Fr. W. Weber Dreizehnlinden 354. 44) besondere ausdrucksweisen älterer zeit, um die ausdehnungsweite anzugeben. 4@aa) umfangen 'sich ausdehnen', ursprünglich wohl 'in sich schlieszen, umfassen'. statt des objectes steht eine adverbielle bestimmung: man jah ir ie der tugende besten: die begunden ouch esten und vil wîten umbe vâhen Wernher Maria 67 Wesle; sein (des hags) leng nit weit umbfieng Hätzlerin liederbuch 243; als weit und breit die markung zum Ginolfs begriffen und umbfangen hat (1508) weist. 6, 42; s. auch 6, 43; auff der höhe des berges, so weit es (das haus) umbfangen hat, sol es das allerheiligst sein Hes. 43, 12; ampla civitas ein statt, die weit umbfangen hat Corvinus fons lat. (1646) 52; refl. sich umfangen 'sich ausdehnen': diese stuck gehen und umbfangen sich nit weiters, dan wie sie jezo eingezeunt ... sein (1586) österr. weist. 6, 522; der keyser hatt die stadt, so weit sie sich umbfienge, versehen wol mit kraut, mit lot und allem dinge Dietrich v. d. Werder ras. Roland 14. ges., 83. str. 4@bb) umfangen als part. adj. 'sich ausdehnend': das die stad ... drey tagereyse gros sey, verstehen ettliche also, das sie ym ringe so weyt umbfangen sey gewest, das man ynn drey tagen habe mugen umbher gehen Luther 19, 234 W.; die statt (Padua) were gar weit umbfangen und weren vil leut darin Forberger Guiccardini (1574) 261b; die mitte, da der baum am stercksten ist umbfangen Fischart Garg. 341 ndr.; das nest war in die 60 griechische meilen umbfangen Gabr. Rollenhagen ind. reisen (1603) 95; seiner (Afrikas) groszen, sehr weit ümfangenen wüsteneien und einöden Dapper Africa (1671) 36a; eine forstgräntze ist ... so zu verstehen, ... wie weit eines försters revier umbfangen J. Täntzer Dianen jagtgeh. (1682) 1, 45; der hoff ist ein weit umpfangener platz Mandelslo morgenl. reisebeschr. 42 Olearius.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Umfángen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Umfángen , verb. irreg. act. (S. Adelung Fangen ,) ich umfange, umfangen, zu umfangen, auf allen Seiten einschließen. 1)…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    umfangen

    Goethe-Wörterbuch

    umfangen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    umfangen

    Schweizerisches Idiotikon · +1 Parallelbeleg

    umfangen Band 1, Spalte 717 umfangen 1,717

  4. Sprichwörter
    Umfangen

    Wander (Sprichwörter)

    Umfangen Einen herzlich umfangen, wie die Jungfer zu München die armen Sünder. Von einem kirchlichen Folterapparat.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit umfangen

2 Bildungen · 0 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

umfangen als Zweitglied (1 von 1)

unumfangen

DWB

unumfangen , part. adj. , unbefangen: ein jeder unumfangener leser quelle (1722) bei Staub-Tobler 1, 717 ; ein unumfangenes gemüth Kramer-Mo…

Ableitungen von umfangen (1 von 1)

unumfangen

DWB

unumfangen , part. adj. , unbefangen: ein jeder unumfangener leser quelle (1722) bei Staub-Tobler 1, 717 ; ein unumfangenes gemüth Kramer-Mo…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „umfangen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/umfangen/dwb?formid=U03538
MLA
Cotta, Marcel. „umfangen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/umfangen/dwb?formid=U03538. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „umfangen". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/umfangen/dwb?formid=U03538.
BibTeX
@misc{lautwandel_umfangen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„umfangen"},
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  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
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