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überliefern

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

überliefern v.

Bd. 23, Sp. 396
überliefern, v. , untrennbare verbindung. wie das simplex (s. d.) seit dem 15. jahrh. gebraucht. formen: überlibbern (z. b. A. Corvinus; W. Gerstenberg); -libern (z. b. Carbach), -lüfern (z. b. Steinhöwel; Jac. Frey; C. Hedio; Wilw. v. Schaumburg); -liffern, -liffern (z. b. E. Alberus, Schwartzenbach u. a.); -liefern, seit jeher die herrschende form. bedeutung: 11) tradere, reddere, überantworten Maaler 445a; Schwartzenbach syn. (1571) 15a; Hulsius (1605) 143b; Sattler (1617) 346; offerre, übergeben Schöpper syn. giija. 1@aa) einen brief überliefern, presentare Kramer (1678) 1071a; ich gab im ... auch brief an mein vatter, die er überlüfert hatt Felix Platter tagebuch 240; denselbigen (verständigen kriegsmann) mag er zu einem schultheissen machen, und ihm den stab überlifern Fronsperger kriegsb. 1, A ia; (sie) liessen dem könig ein supplication überliferen Stumpf Schwytzerchron. (1606) 271b; wie sehr ich aber wünschte ihnen das wirklich schätzbare kunstwerk des Leo von Arezzo ..., in abgusz zu überliefern Göthe IV 31, 92 Weim.; als das jahr herum war, überlieferte er ihm (seinem herrn) die ganze herde und kein stück fehlte Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 170; ich musz dem herrn doctor selbst den schlüssel überliefern Storm 4, 118; ja freilich, diesen brief musz man sogleich dem könig überliefern Schiller 52, 394. 1@bb) jemanden dem feind, dem gericht ü., ausliefern, preisgeben in wörtl. u. bildl. sinne. 1@b@aα) constrictum aliquem dedere hostibus, übergeben und überliefern Frisius dict. 371b; keiner sol den, so zu ime geflohen ist, anzeigen, oder überlieffern Friedrich Wilhelm sprichwörterregister (1577) cij; demselben Pilato ... habent sye überliffret und überantwurtet den herren Keisersberg postille 2, 40a; nemmt ihn hin und überlieffert ihn der justitz! Grimmelshausen vogelnest 2, 393, 6 Keller; kleine diebe überliefert man der strafenden gerechtigkeit Rabener 4, 71; dem gericht ü. Holtei erzähl. schr. 2, 173; der strafe theater d. Deutschen (1768 ff.) 18, 456; dem schwert 7, 216; auch mit präpos.-verbindung: einen einem in die hend überlifern oder in seinen gewalt gäben Maaler a. a. o.; da war einmahl einer, der sich gegen den könig setzte, weszhalben ihn der fürst in die hände seines feindes überlieferte, und ihn zu tödten befahl persian. baumgarten 9, 14; er beschlosz, sich in die hände des herzogs zu überliefern Heinse 3, 251 Schüddekopf; die braut in die hände des bräutigams ü. Grimm kinder- u. hausmärchen 2, 16. an jemanden: (da) überlieferten wir zuvörderst an die beide burgermeistere ... das mitgebrachte römische frauenzimmer A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 178. 1@b@bβ) in weiterer verwendung: das heist dem teufel überliefert und in seine hende gegeben Luther 34 II, 336 Weim.; es ist mir so bang, als wenn ich von meinem schutzgeiste verlassen, feindseeligen mächten überliefert wäre Göthe I 39, 69 Weim.; ich kann hoffen, dasz ich der religion und der wahren moral keine gemeine rache verschafft habe, wenn ich diese muthwillige schriftverächter ... dem abscheu der welt überliefere Schiller 2, 10. 1@cc) reflexiv: sich ü., hingeben: daher reitzen sie (die genies) die geringsten gegenstände, daher überliefern sie sich ihnen mit so vieler hitze, weil sie allemal neue erkenntnisse davon zurückbringen Ramler einl. in d. schön. wissenschaften (1758) 1, 14; sein (Rudolphs II.) geschmack an der sternkunst verirrte sich in astrologische träumereyen, denen sich ein melancholisches und furchtsames gemüth, wie das seinige war, so leicht überliefert Schiller 8, 25. 1@dd) eine stadt, ein reich, einen besitz ü., abtreten bzw. ausliefern, preisgeben: (Tetricus) schrib Aureliano, er wölle sein reich und heere den Römern schenken und überliveren Seb. Franck chron. Germ. (1538) 35b; dasz er dasselbe gottshusz ... dem herr gott ... ze rechtem eigenthum überlüffert, gegabet und überantwurtet hat Tschudi chron. Helvet. 1, 51; sie wolten ... die stadt überliefern Heilmann gesch. d. Pelop. krieges (1760) 341; das schlosz ward mit seinen ganzen vorräthen ohne weiteres überliefert Ranke 2, 84; dem urtheile der welt, dem ich diese blätter überliefere Kant 8, 7. 22) aus 1) entwickelt: eine nachricht ü., schriftlich oder mündlich zur kenntnisz bringen: ihre neue schrift (W. v. Humboldt über 'Hermann und Dorothea'), in welcher sie uns einen solchen schatz von ideen und beobachtungen überliefern Göthe IV 13, 216 Weim.; die sage, welche Diogenes der Laertier uns überliefert Kant 3, 9 (akademieausg.); die väter haben die kunde den kindern überliefert Chamisso 2, 258; seit dem ende des 12. jahrhunderts haben die handschriften manchen unschätzbaren zug aus dem leben des bauern überliefert Freytag ges. werke 18, 50; ich verlange ..., dasz unsre gesinnung rein und ungefälscht der folgenden zeit überliefert werde briefw. zw. J. u. W. Grimm u. s. w. (1885) 1, 72. das griechische leben ward uns in seiner edelsten bewegung, nach auszen wie nach innen, nur durch Plato überliefert Schlosser weltgesch. 2, 254. auch verengt für mündliche mittheilung von geschlecht zu geschlecht, entsprechend dem theol. begriffe der tradition, der schriftlichen entgegengesetzt: denn gründen alle (religionen) sich nicht auf geschichte? geschrieben oder überliefert! Lessing 3, 92, 460; er hatte in seiner kindheit aus dem munde eines knappen ... ein märchen gehört, das von geschlecht zu geschlecht überliefert worden war Hauff sämtl. werke 1, 163, 37. 33) part. überliefert für überkommen, sodann für herkömmlich, traditionell: das ganze scheint mir aus alter überlieferter waare, aus eignen unbestimmten ansichten und aus lappen der neuen philosophie zu bestehen Göthe IV 13, 13 Weim.; man fühlte das bedürfnisz, die überlieferte psychologie einer neuen revision zu unterwerfen jahrbuch der Grillparzergesellsch. 8, 227; ihm (Göthe) war aller überlieferte begriff ein greuel, denn nur das angeschaute hatte leben für ihn Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung (1853) 5, 72; man ... hielt sich nicht mehr an die alten überlieferten formen Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 7, 63; nach den überlieferten gebräuchen G. Keller ges. werke 1, 268. substantiviert: nicht das ererbte, überlieferte sollte fürder voranstehen, sondern das persönlich erarbeitete Riehl die deutsche arbeit 307; am alten und überlieferten hängen Jahn Mozart 2, 486; voll ... pietät für das alte und überlieferte Häusser deutsche gesch. 1, 96.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Überlḯefern

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Überlḯefern , verb. reg. act. überliefert, zu überliefern, körperlich in den Besitz eines andern liefern, übergeben. Sei…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    überliefern

    Goethe-Wörterbuch

    überliefern [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    überliefern

    Rheinisches Wb.

    über-liefern  Allg.: wie nhd.

  4. Spezial
    überliefern

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    über|lie|fern vb.tr. (den nachfolgenden Generationen weitergeben) dé inant, porté inant, surandé (-dá).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ueberliefern

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Zerlegung von ueberliefern 2 Komponenten

ueber+liefern

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