übereilen,
v. ,
überfallen, überhasten. mhd. überîlen,
erst vom 14.
jahrh. an belegt. nl. overijlen;
dän.-norweg. overile
und schwed. öfverila
aus mnd. entlehnt, untrennbare verb. Campe
bucht für die bedeutung hinübereilen das verb. als trennbare verbindung, dieser gebrauch läszt sich nur ganz vereinzelt nachweisen (
vgl. Hölderlin 1, 197, 35). AA.
transitiv: A@11)
überfallen Schiltberger 17, 15;
opprimere, obruere Schönsleder
prompt. M 4
a;
sopragiungere sorprendere Kramer (1678) 1067
a;
meist mit dem nebensinn des unvermutheten, plötzlichen. die wbb. bringen dies auch vielfach zum ausdrucke: iungere allo improuisto Hulsius (1605) 143
a;
opprimere aliquem inopinantem Steinbach 1, 325;
ertappen, erhaschen Kramer
hochniederd. wb. (1719) 218
a. A@1@aa)
mit persönlichem subject: eilet, das wir gehen, das er (
Absalom) uns nicht übereile und ergreiffe uns und treibe ein unglück auf uns
2 Sam. 15, 14; (
der teufel) sihet, wo er uns heimlich und meuchling übereilen und berücken möge Luther 34
2, 381, 16
Weim.; lug in gutem deins vortheyls, das dich der feind nit werlosz übereil Franck
sprüchwörter (1545) 1, 59
a; wann da er das vernam, da was er eilentz auf, ehe die feind sich gar versamleten und zusammen kamen, da übereylt er sie, und gewan den Volscen eyn groszen streit ab Carbach
Livius 59; so wolten wir die Schweitzer im Schwaderloch übereilt und geschlagen haben Berlichingen
lebensbeschrbg. 15; der lanzknecht übereilt den Schweizer mit dem spies, stach in in ein greblein Wilw. v. Schaumburg 124; das ist gottes sonderbare güte, dasz er die sünder nicht alsbald mit der straff übereilet, sondern gibt ihnen zeit zur busz Schupp
schrift. 185; sprach ich: Venus thet übereylen mich mit ihren unsichting pfeylen Hans Sachs 3, 391, 28
Keller; (
Hercules) thät den mörder übereilen, mit spitzigen und scharpfen pfeilen Spreng
Äneis 157
b;
pass.: aber sein pferd fiel auf eim glatten eisz, do ward er übereilet von denen, so do verborgen lagen Münster
cosm. 342; die soldaten ... wurden von Türcken übereilet und nidergehauen Stumpf
Schwytzerchr. 26
a; es kan auch eine stat ohne laytern übereilet werden Wallhausen
kriegsmanual (1616) 63; die Janitscharen ... sind ... von den kayserlichen übereilet worden Birken
verm. Donaustrand 229; sein freund kommt an die stätte des verbrechens, sieht die leiche, sieht das schwert, nimmt es in die hand und wird so von Lysander's dienern übereilt Börne 1, 143. A@1@bb)
mit sachsubject: es sol auch ein mensch ... nicht zu milde seyn, auf das ihn die armut nicht übereile Agricola 750
teutscher sprichwörter F 2
a; da du (
gott) sie (
die Ägypter) aber ansahest, wurden sie verzagt, und die tieffe übereilet sie, und das wasser erseuffet sie
Judith 9, 7; ehe die not und letzten züge uns übereilen Luther 32, 535, 7
Weim.; der schrecken, so mich übereilet Grimmelshausen
vogelnest 492, 15
Keller; wofern ihr was verweilt, so wird der grosze tag der zum gerichte ruft, euch plötzlich übereilen Gryphius
poet. wälder 1, 87; bescher mir, herr, nur meinen theil, das keine noth mich übereil
Fischer-Tümpel evangel. kirchenlied 1, 114;
pass. mit etwas übereilt werden: (
ich ward einst) mit dem regen überylt, dasz ich über die knüw im waszer gieng Felix Platter 259; als er nun mit dieser jemerlichen und erschreckenlichen hinfart und verderben übereilt ward Zach. Müntzer
bepstl. gesch. (1566) 245; ward er doch mit kranckheit dermaszen übereilet Stumpf
Schwytzerchr. 200
a.
der gebrauch schränkt sich seit dem 18.
jahrhundert auf einzelne redensarten ein, z. b.: der tod, die nacht, der abend übereilt jemanden: der tod übereile sie, und müssen lebendig in die helle faren
ps. 55, 16; reinige dich mit der busze, ehe dich der todt übereilet Olearius
vermehrte reisebeschr. (1696) 118; so übereil sie (
die feinde) bald der tod und las, herr, schnell hinunter fahren
Wackernagel kirchenlied 3, 185; thut bus, ehe denn mit seinem pfeil, der schrecklich todt euch übereil Ringwalt
christl. warnung K 8
a; und ob der gerecht schon zeitlich stirbt und mit dem todt übereilt wirt Scheit
frölich heimfart A 3
b; wie will sich dann jemand mit fug beklagen, dasz er plötzlich übereylet werde durch den todt? Moscherosch
ges. (1650) 449; wann mich der tod hätte gäh übereilet, so wer ich ewig verlohren Abraham a. S. Clara
Judas d. ertz-schelm 3, 495; nicht weit von Zara übereilte ihn (
Mansfeld) der tod Schiller 8, 125;
in diesem sinn auch prägnant übereilt werden
für sterben: und mache sein testament, auf das, ob der herr anklopfet und er übereilet würde, ehe denn pfarher oder caplan dazu komen kundten, er gleichwol seine seele versorget Luther 23, 370, 26
Weim. er sorget, so in die nacht übereilet, er mocht noch ferrer in dem wald verirren Wickram 2, 302, 7; wie oft hat ihn (so er den lauf der stern ... abents zu erforschen anfieng) der tag übereilt Schwartzenberg
teutsch Cicero (1535) 32
b; Petrus der Dennemärcker ritte einsmals mit dem hertzogen (
von Polen) auf das gejägte, als aber die nacht sie beide übereilete, musten sie Rätel
chronica d. herzogth. Schlesien (1607) 50; weil uns die ebbe übereilte, so konnten wir nicht stracks nach Hamburg hinein wandern Lichtenberg
br. 1, 294; eines sonntagmorgens, da die mutter von dem geläute übereilt ward Göthe 21, 22, 13
Weim.; oft wan sie sich verweilet, auf gar zu blosem feldt vom abend übereilet Spee
trutznachtigall (1649) 131; der wanderer, übereilt von nacht und dunkler schwärze, flucht der verschlosznen tühr Drollinger
ged. 163. A@22) ein fehler, ein affect übereilt uns,
für hinreiszen, überwältigen: mit blinder lust und begierde übereilet werden
caeca cupiditate rapi Faber
thesaurus (1587) 122
a; so ein mensch von einem fehl übereilet würde
Gal. 6, 1; und gab ihr zu verstehen, dasz ihn der zorn übereilet
polit. maulaffe 46; hernach ... hat mich der trunk übereilet Schweinichen
denkwürd. 39; (
sie) glauben einen guten mann aufs lindeste mit dem ausdruck zu entschuldigen: es habe ihn die menschlichkeit übereilet Herder 17, 136; mit recht nennen sie Shaftesburi einen edeln schriftsteller; ob ihn gleich hie und da, sein stand, ich möchte sagen, seine lordschaft übereilte 158; unzufriedenheit, die manchmal wohl fromme ... übereilt hat Kästner
verm. schr. 2, 155; o vergib dem vater, der vom zorne übereilt ward Tieck
schr. 8, 215.
formelhaft: die zunge übereilt jemanden
für unbedacht sprechen: dasz zu gar unbescheidenlich ir zung sie übereilet
Amadis 1, 226; ausz dieser rott haben sich etlich ihr maul übereilen lassen Paracelsus
opera 1, 252 c; das war gut, dasz ich ein langen halsz het, sonsten mich, mein sprach bald übereilet hett, das ich zuviel allhier gered W. Spangenberg
ausgew. dichtungen 102;
der sinn von zuvorkommen (
s. u. 6),
ist erst secundär dem ausdrucke untergelegt worden: die zung soll die gedancken nicht übereilen,
ne lingua praecurrat mentem Dentzler
clavis ling. lat. 294
a; da die zunge von den gedanken oft übereilet wird Butschky
Pathmos (1677) 551; wann für den mann das weib spricht in der handelunge, so ists, wie wann den sinn oft übereilt die zunge Logau
sinnged. 52
Eitner; ach, immer und immer übereilte sie (
die zunge) mich, ist stets dem gedanken zuvor gelaufen Tiedge 7, 180; übereilt werden,
in moralischem verstande für sich hinreiszen lassen: ich setzs, da einer übereilet würde und ein fluch eraus liesze Luther 32, 97, 7
Weim.; denn es thut oft einer ein ding, das er zuvor ins gemüthe nicht gefasset hatte viel weniger in willen zu thun, und wird doch alsobald übereilet Böhme (1620) 3, 187; engel sind wir ja nicht, sondern menschen, ... werden zuweilen übereilt, und fallen, indem uns dünkt, wir stehen gar feste H. Müller
erquickst. 385. A@33)
übervortheilen, schädigen, durch verengung des begriffes aus 1)
erwachsen: damit irer Majestät land und leut in den dingen destmynder vergewaltiget, oder übereilt werden mügen
urkunden z. gesch. d. schwäb. bundes 231; damit ... der unschuldig wider recht nit übereilt werde
Carolina 47; demnach bis anhero in den arresten die schuldner zur ungebühr oft übereilet worden
Breslauer polizei-ordnung a. 1577; Ambrosius leret keiser Theodosium, er solle kein urtheil in dreiszig tagen exequiren, oder volziehen lassen, damit niemand übereilet würde Mathesius
Sarepta 217
a; und derhalben wegen der dritten fürfallenden verhinderung niemanden im rechten verkürtzet oder übereilt werden solle Sattler (1617) 346; damit also keinem theil unrecht geschehe oder jemand unverschuldet übereilet und verurtheilet werde
Reinicke Fuchs (1650) 87; (
der verkäufer eines gutes musz sich vorsehen) damit er in einen und andern nicht vervorthelt, übereilet (
werde) Hohberg
georgica curiosa (1682) 1, 15; hast nit acht auf in fleisziglich, so wird er übereilen dich Hans Sachs 19, 79, 41
Keller-Götze; man sicht ein menschen auszen nur; desz hertz, gedancken und natur kan man nit sehen sonder probirn, und man musz subtill procedirn, dasz man nicht jemand übereil Ayrer
dramen 462, 3. A@44)
jemanden zu allzu groszer eile antreiben, drängen: meister, lasz mir wol derweil, meister, ir solt mich nit übereiln!
hist. volksl. 118, 18
Liliencron; sag her an vorcht, nim dir die weil, denck nit, das ich dich übereil Folz
fastnachtsp. 1206; man will dich übereilen, königin! Schiller 12, 535; nun fing er an, schwatzte allerlei verkehrtes zeug, das darauf hinaus ging: ihr hättet ihn übereilt Göthe 8, 71, 24
Weim.; was das schreiben anlangte, so ging auch aus seinen (
des schulmeisters) händen dieser und jener hervor, der den eigenen namen zu stande zu bringen wuszte, wenn man ihn nicht übereilte, sondern ihm die nöthige zeit liesz Immermann 1, 72; sie sollen zu nichts übereilt werden Gervinus,
in briefw. zw. J. u. W. Grimm etc. 2, 296.
durch eile überanstrengen: die ochsen mit arbeit übereilen, übernötigen, zefast brauchen,
conterere boves Frisius
dict. (1556) 163
b; (
es ist auszerordentlich schädlich für ein pferd) wo man es über vermögen antreiben, übereilen und anstrengen wolte Hohberg
georgica cur. aucta III 8, 94
a; der fürst übereilte seine leute,
princeps ministros suos celeritate opprimebat Steinbach 1, 325; einen arbeiter übereilen,
to overhurry, to flurry, to fluster a workman Hilpert (1845) 635
b; das man im vierden jar die kind wol an mag füren, doch fein lind, das man sie gar nit übereil Wickram 4, 191, 1945; wann es (
das kind) dann fahet an zu gehn, so soltu es mit fleisz gewen. übereil es doch zum ersten nicht, auf dasz im da kein schad geschicht am rücken und den füszen klein Ruoff
hebammenbuch (1580) 256; der fehler des eiteln pädagogen, der sein kind lieber übereilen und mit ihm prahlen, als gründlich unterrichten will Lessing 13, 418; ich dachte daran, dasz die natur ... ihre kinder nicht übereile, sondern langsam erziehe Herder 23, 443.
selten bei concretem sachobject: ein haffen, der wüst ist, sol man den schön machen, so bedarf man lenger zeit darzu, dan zu eim, der nit wüst ist; wolt man in aber übereilen und ze hert angreiffen, so het man bald ein loch dardurch gemacht Keisersberg
baum. d. seligk. 38
b. A@55)
ein geschäft, eine angelegenheit zu hastig durchführen, allgemein: praecipitare Schönsleder
prompt. a. a. o.; Kirsch (1723) 298
a; du solt nichtz übereilen Hätzlerin
liederb. 162; aber den baiden zu urteiln darf ich die sach nit übereiln an sunder fleiszige verhör Hans Sachs 3, 11, 31
Keller; wiltu rechte ordnung in nutzlichen heylsamen predigen wissen, so lere vom anfang an mit gutem verstand das volck, wirdestu kein leer übereilen Eberlin v. Günzburg 2, 89
neudr.; so sollen wirsz gern hören, und die sach nicht übereilen Hartm. v. Cronberg
schr. 143
neudr.; übereils nit! Franck
sprüchw. (1545) 1, 50
b; es laszt sich ein ding nit übereilen, es wil sein zeit haben,
qui nimium properat, serius absoluit klugreden (1548) 62
a; ich übereilte alles, that immer zu viel oder zu wenig Knigge
umgang mit menschen 1, 29; dasz er in seiner unternehmung nichts übereile und klugheit anwende Bode
Mich. Montaignes ged. u. mein. 2, 14; das erstemal übereilte er (
der junge schauspieler) die rolle zu sehr Göthe IV 16, 150, 13
Weim.; Vulpius ist gut und brav, aber seine thätigkeit an zwei journalen läszt ihn die dinge ... übereilen IV 28, 142, 16
Weim.; indem ich eine sache übereile, wird es sein gegenteil Novalis 3, 44; die Franzosen ... mit ihrem geschwinden und windigen wesen, das von natur alles übereilen musz Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen 2, 335; ich bitte dich dringend, deine abreise nicht zu übereilen Moltke
schr. u. denkw. 4, 220; (
frau Unwirsch) liebte die ordnung in allen stücken und übereilte nichts Raabe
hungerpastor 1, 116;
substantivierter inf.: es geht um mich sehr wild zu, so dasz ich in die beiden gröszten menschlichen fehler zu verfallen in gefahr bin: in's versäumen und übereilen Göthe IV 42, 152, 13
Weim.; o geh' zurück, gesteh' dein übereilen, es läszt der schaden sich noch immer heilen Tieck 2, 144. A@66)
vorkommen, prevenire, venir davanti Hulsius (1605) 143
a;
jemandem zuvorkommen Hilpert (1845) 635
b; da der aff sahe, dasz die katze (
im wettlauf) ihn übereilen würde
eselkönig 204; ein wetteläuffer wäre befugt alle äuszerste kräften anzugewehren, nicht aber denen ihn übereilenden ein bein unterzuschlagen Lohenstein
Arminius 1, 352
a; auf, Akle, die den fuchs erhascht, auf, Sphinx, und, der die hirschkuh übereilt, Alektor H. v. Kleist 2, 134;
bildlich: gott übereilte ja den kummer mit erbarmen, und gab dir, eh er schlug, ein trostpfand in die armen Günther 801; und stets der zweite wunsch den ersten übereilet Dusch (1754) 313; ein schlanker tannenbaum sie (
die bäume) sämmtlich übereilt, und durch sein grünes haupt die leichten wolken theilt Zachariae 1, 61; so hab ich die zeit um eine stunde übereilt Arnim 16, 143; der geflügelte sieg übereilte die hoffnung selbst Hölderlin 2, 163, 22; indem er (
Franz v. Assisi) die ganze erde ... in seine liebe zu gott inbegriff, übereilte er das mittelalter Hesse
Peter Camenzind 154. A@77)
über etwas hinübereilen: es mocht in alter zeit der alten Deutschen heer die Alpen übereilen Hoffmannswaldau
etc. ged. 5, 142. BB.
reflexiv: B@11)
sich sehr beeilen, übermäszig eilen: praefestinare Dentzler
a. a. o.;
zich overhaasten, verhaasten Kramer
hochniederd. wb. (1719) 218
a; frawen und man sich übereilten in die kirchen zu komen
städtechron. 3, 68, 18; (
der bilger) ibereilt sich am ersten nit oder ibergat sich nit; er gat den ersten tag gemach Keisersberg
bilgersch. 282
Dacheux; das hertze schlug ihm wie eine sich übereilende uhr Lohenstein
Arminius 2, 111
b; aber diese advocaten funden die practic so gut, dasz sie sich nicht zu sehr übereileten, die partheien zu einem accord zu bringen Happel
akad. roman (1690) 48; übereilen sie sich nicht, wir wollen das werk mit kaltem blute untersuchen Gerstenberg
Hamb. neue zeitg. 11, 26; übereile dich nicht, kind, dasz du mir das instrument nicht im tragen verstimmest Klinger
werke 1, 412; ein jeher mann solt esel reiten, auf das er sich nit übereil, und nemb ihm wohlbedacht der weil Hans Sachs 2, 279, 13
Keller; so lehre mich denn auch zu reden, was du wilt, du weist, wie sich der mund sonst leichtlich übereilet Besser (1732) 2, 826; bedenke wohl die erste zeile, dasz deine feder sich nicht übereile Göthe
Faust 1231. B@22)
in moralischem verstande: die sich am leichtesten übereilen, sind nicht die schlechtesten menschen Lessing 13, 99, 19; ich lege mir aber selber oft solche buszen auf, wenn ich mich übereilt habe Lavater
verm. schr. 2, 194. B@33) sich in einer sache übereilen,
precipitarsi in qualche affate Kramer (1678) 1067
a; des richters ampt ist, ... sich im urtheilen nicht übereilen Nigrinus
von zäuberern etc. 287; viele gegenwärtige dinge stöhren unsere aufmerksamkeit auf unsere handlungen, dasz wir ... uns in unserem urtheile übereilen Wolff
gedanck. v. d. m. thun u. l. (1720) 109; der mann, der gegen Urias und Bathseba sündigte, kann sich auch in worten übereilen Herder 12, 209. B@44) sich mit etwas übereilen: übereile dich nicht mit reden
Sir. 5, 13
bei Teller 2, 47; er hat ursache um vergebung seiner sünden zu bitten, dasz er sich so sehr mit dem schwören übereilet Pistorius
thesaurus (1716) 107; gib meinen kindern bedachtsame hertzen, dasz sie sich mit unzeitigem urtheilen und tadelei nicht übereilen Moscherosch
insomnis cura parentum 69
neudr.; diese betrachtung hätte den herrn Voltaire vermögen sollen, sich mit dem geschwinden schlusz nicht zu übereilen Bodmer
abhandl. v. d. wunderbaren 22. B@55)
sich überanstrengen: die sich mit weibern übereilet haben die sterkt es (
das arzneiwasser) und kräftigt die lebern und die nieren
apoth. 18. CC.
intransitiv: übereilen
nennt man es, wenn ein hirsch die fährte des hinterlaufes vor die fährte des vorderlaufes setzt Dombrowski 8, 34
a;
hier auch beleg dieser bedeutung aus dem 15.
jahrh.; vgl. auch Fleming
vollkomm. teutsch. jäger (1719) 95; das thier, so ein hirschkalb trägt, übereilet auch oft mit dem lincken hinterlauft Döbel
jägerpractica (1754) 1, 17. DD.
part. präs. in adjectivischer und adverbieller function: hastig, unbedacht: ferner hob der pabst alles auf, was der kaiser ... verfügt hatte, und nannte ihn dabei einen ... übereilenden fürsten Raumer
gesch. d. Hohenst. 4, 191; sie werden mich öfters übereilend, öfters leichtsinnig finden Schiller 1, 25; ein bey der jugend gewöhnliches übereilendes wesen Holberg
dän. schaubühne 1, 49; um um seine übereilende thätigkeit in wirkung zu setzen Arnim 1, 176; laszt diesen händedruck die wunde heilen, die meine zunge übereilend schlug Schiller 13, 231. EE.
part. prät.: übereilet, übereilt. E@11)
überbürdet, sehr beschäftigt: ich hatte willen, in einem buch alles zu verantworten, aber ich bin übereilet, und es wil zu gros werden Luther 18, 125
Weim. E@22)
überhastet, unüberlegt, voreilig; seit dem 18.
jahrh. in attributiver prädicativer und adverb. function ganz allgemein, z. b.: übereilter rat, schritt; übereilte art, handlung, folgerung, heirat, flucht, abreise; übereiltes lob, urteil, gelübde; übereilte reformen, wünsche usw.; es würde also sehr übereilt sein, die wahrheit des charakters unsers helden in verdacht zu ziehen Wieland
Agathon vorbericht; und doch sind wir andern so übereilt, diese mystischen geschenke der katholischen religion als armselige kleinigkeiten zu verschreien Thümmel
reise 4, 120; volksherrschaft war immer vermessen und übereilt, schwindlich und unbeständig Zimmermann
über die einsamkeit 1, 389.
adverbiell: die feier meines geburtstags, zu der ich etwas übereilt meine einwilligung gab Göthe IV 33, 182, 2
Weim.; weil die richter sich vom stande des klägers verleiten lieszen, übereilt zu verfahren Tieck
schr. 4, 286; (
Hamlet) handelt übereilt, wo er hätte besonnen prüfen müssen Hegel 10
2, 205.