tuffstein,
m.,
dass. wie 1tuff (
sp. 1544).
von lat. tōfus (
in glossen auch tufus),
das früh ins dt. entlehnt und verdeutlichend mit stein
zusammengesetzt wurde (
vgl. analoge bildungen wie bimsstein; walfisch; waisenkind: rentier).
in hd. glossaren ab 11.
jh. reichlich in schwankender wiedergabe begegnend als tofstein
ahd. gl. 2, 480, 51; 4, 103, 17; topstein 4, 103, 30; tufstein 2, 430, 26; 2, 633, 4; 2, 654, 65; 2, 722, 4; 4, 103, 17; dufstein 3, 718, 41; tuphstein 2, 458, 36; tubstein 2, 479, 27; 2, 543, 51; 2, 505, 8; 2, 633, 4; 2, 673, 28; 2, 688, 50; 3, 262, 15; 4, 103, 17; dubstein 4, 209, 59; tupstein 2, 402, 58; 2, 430, 26; 2, 708, 6; 4, 103, 17.
formen mit gutturalem stammauslaut s. unter tugstein.
nur selten tritt kompositionsfugenvokal auf (
vgl. Gröger
kompositionsfuge 50)
in tubisteinna
ahd. gl. 2, 535, 49; tubistein 3, 607, 29.
ursprüngliche vokallänge aufgrund der lat. form (
vgl. 1tuff)
beweisen in Vergilgl. tuupstein
ahd. gl. 2, 697, 64
und wohl auch jene schreibungen, in denen nach diphthongierung die stammschlieszende konsonanz verklungen ist: tuosteine
ahd. gl. 2, 644, 72; duuostein 2, 700, 22; duuanstein 2, 717, 34 (
vgl. ferner unten).
auch in nhd. zeit laufen diese verschiedenen formen bis ins 18.
jh. nebeneinander her: es schreiben tuffstein Kramer
dt.-ital. 2 (1702) 949; Kirsch
cornucopiae (1718) 296
b; Kramer
hd.-nd. (1719) 1, 74 c
usw.; duffstein Henisch (1616) 762, 33; Kramer
hd.-nd. (1719) 1, 74
c; toffstein Faber
thes. (1587) 874
a; topffstein Frischlin
nomencl. (1616) 58, tofstein Calepinus (1605) 1471; Henisch (1616) 762, 33; Stieler
stammb. (1691) 2140; 2347; Kramer
dt.-ital. 2 (1702) 1098
b; Rädlein (1711) 880; topfstein Kirsch
cornucop. (1718) 1087; toffstein Weismann
germ.-lat. (1698) 376; dofstein Kramer
dt.-ital. 2 (1702) 949
c; tobstein Maaler (1561) 404; Henisch (1616) 762; topstein Faber
thes. (1587) 874
a.
auslautendes -b
statt lat. ital. -f
ist als deutsche entsprechung des romanischen -v
anzusehen Lessiak
beitr. z. gesch. d. dt. conson. (1933) 204, -p
als deren auslautverhärtung aufzufassen. die beziehungslose fremdheit des bestimmungsworts hat zu verschiedenen volksetymologischen anknüpfungen an deutsches sprachgut geführt, sodasz sich die geschichte des worts als auszerordentlich verwickelt erweist (
vgl. Lessiak
a. a. o.): 1)
das bestimmungswort wird im blick auf die wolkige lockerheit des porösen gesteins auf mhd. frühnhd. tuft, duft '
reif, nebel, dunst, feiner nieaerschlag'
bezogen: tufftstein, dufftstein Diefenbach
gloss. 587
c (1487, 1516); Maaler (1561) 93; Schönsleder (1647) l 7
a; tufftstein
noch bei Hohberg
georgica cur. 1 (1687) 106
und in ollapatrida (1711) 90
ndr., toftstein
bei Brockes
ird. vergn. 9, 47 (
vgl. unten)
; vgl. 2tuft,
sp. 1553. 2)
die ursprüngliche länge des stammvokals führt zur spätmhd. diphthongierung als taufstein (
teil 11, 1, 1, 194),
wobei die klangähnlichkeit zwischen ital. tufo '
tuff'
und ital. tuffo '
das eintauchen'
den vermeintlichen zusammenhang mit taufen
befördert haben mag; vgl. tugstein. 3)
ursprüngliches ō
stellt lautgleichheit mit nd. dōf '
taub'
her und führt mit rücksicht auf die unfruchtbarkeit des vulkanischen gesteins zur deutung seiner bezeichnung als taubstein. 4)
die kürzung des alten ō
läszt das wort als nd. entsprechung des hd. topfstein (
teil 11, 1, 1, 863)
erscheinen: Corvinus (1646) 890; Pomey (1720) 91; Prätorius
anthropodemus plutonicus (1666) 1, 56.
naturgemäsz halten sich diese umdeutungen und nebenformen am nachdrücklichsten in den maa.: tuftstein Schmeller-Fr.
bair. 1, 590; Hunziker
Aargau 64; Lenz
Handschuhsheim 72; duftstein
Fischer schwäb. 2, 106
s. v. tauchstein;
bad. wb. 1, 588; Mensing
schlesw.-holst. 1, 898; duffstein Gutzeit
spr. Livlands 204;
doch wird schriftdt. tuffstein
immer allgemeiner; s. Fischer 2, 106;
schweiz. id. 11, 898;
so allein gebucht luxembg. ma. 445; Doornkaat-Koolman
ostfr. 1, 354.
als wiedergabe von tofus (
das ahd. gl. 2, 688, 50
als '
lapis asperrimus'
erläutert wird),
pumice oder murice, vereinzelt von silex ahd. gl. 2, 633, 4;
cylindro 2, 700, 22;
scaber 3, 607, 29
wird das wort synonym mit bimsstein
verwandt. in älter-nhd. zeit herrscht die dem lat. wort entsprechende form mit o
vor; sie behauptet sich bis zum ausgang des 18.
jhs.: derowegen denn ein gantz heilsamer brunnen, so ausz einem groszen felsen und tofstein entspringt, durch lange hltzerne rinnen in das stAettlin wird geleitet Peter Uffenbach
atlas minor (1609) 267; oft findet man pisoliten, welche noch eine äuszere rinde von toffstein haben
allg. dt. bibl. (1765) 20, 362; die geschichte von dem famosen stein, der den herzog seit 8 tagen so glücklich gemacht hat, wiewohl es nur ein armer toffstein von höchstens 50 centnern ist (1782) Wieland
an J. H. Merck, in: s. br. 341
Wagner; dann hat sich unter dem einflusz des ende des 17.
jhs. neu entlehnten einfachen tuff
das bis dahin nur gelegentlich begegnende u
des italienischen durchgesetzt: auch findet man unferne von Nickelspurg in Mähren den tufftstein in einem hohlen berge, so allenthalben in die gärten, zu den grotten gebraucht wird Hohberg
georg. cur. 1 (1687) 106; die zunächst an der stadt Weimar, nicht weniger in der umgegend, besonders im tuffstein sich findenden fossilen knochen Göthe II 8, 245
W.; tuffstein kommt in ziemlicher höhe, besonders aber in der fläche unterhalb Tennstädt vor
ebda 13, 359; so ist es zugegangen, das neu ich auferstand. der tuffstein zum basalte — so stieg ich schroff und rauh; mit risz und mauerspalte beherrsch ich neu den gau Freiligrath
ges. dicht. (1870) 2, 48; als thon rieth ich die farbe eines nicht gar alten sandsteines oder tufsteines Stifter
s. w. 14 (1901) 259; ihre mauern bestehen nicht aus plumpen granitblöcken, sondern aus einem leberbraunen, sehr porösen tuffstein H. Allmers
marschenb. (
31900) 321; stelen aus obermoseler kalkstein, die in einen sockel aus vulkanischem tuffstein eingelassen sind
forschg. u. fortschr. 9 (1933) 18;
gern wird der tuffstein
für künstliche anlagen in gärten und parks verwendet: musz, um wasser wohl zu fassen, sich der rauhe toftstein nicht gebrauchen lassen? Brockes
ird. vergnügen 9, 47; eine ebenfalls natürlich zusammengestellte pyramide von tufstein J. G. Jacobi
s. w. (1807) 6, 120; auch ist ein kleiner altar von runder form aus tuffstein vorhanden Schelling
w. (1856) I 9, 144; herr Kortüm stieg mühsam von seinem tuffstein (
vor dem hause) und trat ein paar astern nieder Kluge
Kortüm (1938) 40;
und besonders beliebt sind künstlich getürmte tuffstein
grotten: die alten weiber, deren stirn dergestalt durchgraben mit falten, dasz sie wie ein brach-acker aussehen, die wangen beederseits wie eine grotta von tufft-stein (1711)
ollapatr. 90
Wiener ndr.; marmorbilder lauschen aus der myrthenhecke, die nymphe aus der von tuffstein gethürmten grotte Gaudy
s. w. (1844) 6, 59; zwischen den drei fliederbüschen erhob sich ein felsen aus tuffstein gemauert ... in gefahr, mit der nase in den zackigen tuffstein zu fallen G. Freytag
ges. w. 6 (1887) 26.
dazu: tuffsteinart Göthe I 47, 61
W.;