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tüttel

mhd. bis Dial. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

tüttel m.

Bd. 22, Sp. 1949
tüttel, m. (vereinzelt n., s. u.), pünktchen, tüpfel; in älterer sprache finden sich auch i-formen, die teils unmittelbar an lat. titulus anschlieszen (s. u.), teils jüngere entrundung zeigen: tittel, titel titellus Diefenbach gl. 585c; titel (neben tütel) Luther 32, 359 W.; Wieland (s. u.); tittel Tilo v. Kulm, Bode und Hebbel (s. u.); mit anlehnung an die engl. form (s. Murray 10, 1, 81): tittle (1781) Leisewitz br. in: Herrigs arch. 31, 407. ferner: tuttel, tutel (15. jh.) Diefenbach a. a. o.; Luther 6, 302 u. 305 W. (neben tüttel 18, 114; tütel u. titel s. o.). mnd. als tuttel, tytel bezeugt (s. Schiller-Lübben 4, 634), woraufn. tøddel zurückgeht (s. Falk-Torp 1314). — tüttel ist wohl ebenso wie gleichbedeutendes ndl. tittel, mndl. titel, tittel, tuttel (s. Franck-van Wijk-van Haeringen etym. wb. suppl. 169; Verwijs-Verdam 8, 375), engl. tittle, title (s. Murray a. a. o.) und anord. titull, adän. titul, titel, aschwed. titil (s. Cleasby-Vigfusson 633; Kalkar 4, 398 u. Söderwall 2, 1, 660; über die neudän. form tøddel s. o.) aus lat. titulus entlehnt, jedoch schon früh in volksetymologischer umdeutung (?) mit 1tüttel, n., 'kleine brustwarze' (s. o.) vermischt worden (kaum von vornherein damit identisch, wie noch Kluge-Götze annimmt, den genus- und bedeutungswandel unerklärt lassend) und daher im frühnhd. vereinzelt auch als neutrum belegt: das kleinste titel Luther 32, 355 W. — 'kleines schriftzeichen, pünktchen, tüpfel' (gegenüber pünktchen und tüpfel[chen] jedoch nicht allgemein im sprachgebrauch durchdringend; bereits Adelung 4 [1780] 989 bezeichnet es als 'veraltet, ausser dasz im gemeinen leben und bey gemeinen schreibmeistern das punct ... noch zuweilen ein titel und nach einer unrichtigen schreibart tüttel genannt wird'): iuweri (verzierten) buecher habent niut dester minder tütlen (14. jh.) altdt. pred. 207 (70, 238) Wackernagel; titellus ... tutel in der geschrifft voc. v. j. 1515 bei Diefenbach gl. 585c (ähnlich in md. u. nd. glossaren d. 15. jhs., s. ebda); das(z) xps, das ist, ix pe es tütel, Christus haisse (hier 'abkürzungszeichen' wie lat. titulus, s. Habel mlat. gl. [1931] 402) Ickelsamer gr. 324 Kohler; apex ein tttel nomencl. (1634) 295; Zehner nomencl. (1645) 8; der punkt ist ein tttel, welcher unten an der letter also (.) gezeichnet wrd Bellin hd. rechtschreibg. (1657) 94. insbesondere für den i-punkt bzw. die umlautzeichen über a, o, u: apices literarum die tttel oder tpffel ber den buchstaben, als ber dem i und u etc. Corvinus fons. latin. (1646) 62; ob der buchstabe i allemahl den tüttel habe Claudius w. (1819) 1, 2, 23; nun aber wäre ohne titel dies hochgeborne excellenzen-vieh so ziemlich das, was ohne tittel der buchstab i Hebbel s. w. 8 (1891) 123; de tüddel wer 't i i-punkt Mensing schlesw.-holst. 5, 212 (ähnlich bei Dähnert plattdt. 498 u. Schmidt-Petersen nordfries. 143b); 0 ist eine unterscheidung von o in der art der tüttel unseres ö oder der punkte, die im alten schriftwesen unter einzelbuchstaben deren tilgung anordnen Baesecke frühgesch. d. dt. schrifttums (1950) 25; für das oberhess. bezeugt Crecelius der düttel 'punkt, tintenklecks' 318. — mit tüttel (wie mit sinnverwandtem jota, stüpflein und tüpfel, s. dort sowie unter buchstabe teil 2, sp. 481) verband sich früh der beisinn 'geringste kleinigkeit', der in neuerer sprache von tüttelchen (s. dort) übernommen worden ist: so geen wir auch eins tutels nicht weyter, dann wie die schrift innen wird halten (3. 1. 1474) markgr. Albrecht Achilles br. in: fontes rer. Austr. II 46, 252; bis das himel vnd erde zurgehe, wird nicht zurgehen der kleinest buchstab, noch ein ttel vom gesetze Matth. 5, 18 (im gegens. zur fassung der ersten dt. bibel: ein punckt oder ein buochstap vber geht nit von der ee 1, 18 Kurr.); nehmen auch keinen brieff ... an, wo der geringste tttel im titel versehen oder ihnen unbekandt ist Olearius verm. reisebeschr. (1696) 96; kennten im Homer jeden tüttel Voss antisymb. 1 (1824) 363; er ... brachte den gantzen schatzprozess, vom anfang bis zu ende, treulich zu papiere, damit ihm kein tüttel davon aus dem gedächtnis entschwinden möchte Musäus volksmärchen 5 (1826) 123; der könig hatte versprochen, keinen tüttel nachzulassen von seinen forderungen, die er an die kammern gestellt Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 7, 40; die vorstellung eines schriftzeichens ist völlig geschwunden: Moysi, dem manne reyn, got in vlammes vur erschein in eines pusches mittel, dem ni gebrach ein tittel. er sach, als er bekante, daz der pusch lichte brante und der pusch doch ni verbran Tilo v. Kulm 7 ingesigel 1550 Kochendörffer; auff ... das vnseelige critisiren, grüblen in worten, geben sie (die weiber) nicht ein tüttel, nicht ein dudenierel Moscherosch gesichte (1650) 1, 154; ich (hatte) alles, was sie gesagt, bis auf den letzten tittel vergessen Bode Yoricks empf. reise 1 (1768) 137; und als sie ihm hierauf, dasz nicht ein titel fehlt, was ihr begegnet war, erzählt Wieland s. w. 21 (1796) 330; so besonders in nd. ma. noch lebendig: d'r is gên tüttel fan to sên Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 454 (vgl. den gebrauch von nordfries. tyttel Jensen 649); ni'n tüddel! keen tüddel! nicht ein biszchen, nicht Mensing schlesw.-holst. 5, 212 (ähnlich bei Leithäuser Barmen 158; s. auch im brem.-nieders. wb. 2 nachtr. 380); im sinne von 'überflüssiges, nicht mitzählendes ding': he is man'n tüddel wer't i ebda.; im bad. findet sich düttli, didl(i), n., 'kleinigkeit, pünktchen' bad. wb. 1, 619, im henneb. tüttel, tüttelein (döttele) 'eine kleinigkeit' Spiess 261.
5644 Zeichen · 160 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    tüttelswf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)

    tüttel , tütele swf. 1. sauge an der brust. Schmeller 1,405. Stalder 1,333. 2. schmeichele. ir tüteten unt ir geriune da…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Tüttel

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Tüttel , ein Punct, S. Adelung Titel .

  3. modern
    Dialekt
    Tüttelm.

    Mecklenburgisches Wb.

    Tüttel m. 1. Pünktchen: dei Baukstaw mit den Tüttel das gedruckte kleine I Ha Belsch ; Rda.: em lett dat up 'n I-Tüttel …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit tuettel

26 Bildungen · 25 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von tuettel 2 Komponenten

tuet+tel

tuettel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

tuettel‑ als Erstglied (25 von 25)

tüttelære

BMZ

tutte·laere

tüttelære stn. schmeichler. verwâʒen sîn die tütelære H. zeitschr. 8,555. adulator zutütler Diefenb. gl. 14.

Tüttelbuckse

RhWB

tuettel·buckse

Tüttel-buckse (s. S.) f.: 1. einer, der tüttelt. — 2. tot- verwöhntes Kind Geld-Wetten , Emmerich (das Zeitw. fehlt).

tüttelchen

DWB

tuettel·chen

tüttelchen , n. , ndl. titteltje; diminutivbildung zu tüttel ' pünktchen ' ( s. dort, sowie unter tüttelein u. vgl. tüpfelchen): so weiss ic…

tüttelein

DWB

tutte·lein

tüttelein , n. , ' pünktchen ' ( s. 2 tüttel u. tüttelchen); vereinzelt im frühen nhd.: es haben die juden das alte testament ... mit solche…

tüttelen

WWB

tuet·telen

tüttelen V. die Arbeit nicht richtig anpacken ( Alt Al). ¶ RhWb 8,1505: tutteln II, tütteln ; HnVwb 4,190: tutteln¹ .

Tüttelfönes

RhWB

Tüttel-fönes tøtələf:nəs Düss-Stdt m.: Kleinigkeitskrämer.

tüttelgeld

DWB

tuettel·geld

tüttelgeld , n. , steir. duttelgeld ' geld, das die stallmagd erhält, wenn der bauer ein kalb verkauft ' ( Unger-Khull 181): es ( das kalb )…

Tüttelgetüns

RhWB

Tüttel-getüns -jəd:nts ebd. n.: das Tütteln.

t(ü)tt(e)lig

DWB

t ( ü ) tt(e)lig , adj. , mundartlich für ' empfindlich, verzärtelt, verzogen, zimperlich ' Hönig Köln 184 a ( vgl. tüttlichkeit, sp. 1953);…

Tüttel II

RhWB

Tüttel II = Zimperliese s. bei tutteln II, tütteln;

tüttelîn

BMZ

tutte·lin

tüttelîn , tüttel stn. dimin. mamilla tutli voc. o. 1,150. diu milch in ir tüttelîn Parz. 111,5. vgl. Hätzl. 2,65,32. diu küngîn nam dô sund…

Tüttelkram

RhWB

tuettel·kram

Tüttel-kram -əltskr:m Allg. m.: Kleinigkeitskram, albernes, dummes Zeug.

Tüttelmann

RhWB

tuettel·mann

Tüttel-mann m.: 1. tutəl- kindischer Mensch Schleid-Hellenth . — 2. tyləlmę·n.χə einer, der sehr empfindlich gegen Kälte ist Wippf-Kreuzbg .

tüttelskram

DWB

tuettel·s·kram

tüttelskram , m. , ' kleinigkeitskram ' ( s. 2 tüttel), vereinzelt mundartlich nachweisbar ( Hönig Köln 184 a ).

Ableitungen von tuettel (1 von 1)

betüttelen

WWB

be-tüttelen V. [verstr.] (bes. Kinder) (zu sehr) bemuttern, umsorgen, verwöhnen. ⟨ - tütteln [WMünsterl Bri Olp], -›tüᵉteln‹ ( Olp Dh ); - t…