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trübsal

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

trübsal f.

Bd. 22, Sp. 1209
trübsal, f. , älter auch n. und m. form und verbreitung. 11) mit dem suffix -i-sal (urgerm. -i-sla) vom vb. trüben abgeleitetes subst. (Kluge nom. stammbild. § 143, Wilmanns gr. 2, 272 f., H. Paul gr. 5, 73). ahd. truobisal, n. (oder m.), mhd. trüebesal, n., m., f., mnd. nicht belegt, nhd. trübsal; ältere alem. nebenformen: trübsali dtsche historienbibeln 117, 3 Merzdorf, trüebseli Apollonius (15. jh.) 125, 35 C. Schröder, trübsäli Steinhöwel Äsop 94 Öst. 22) in mhd. trüebesal sind das neutrum (bzw. mask.) und das fem. (ahd. *truobisala) zusammengefallen, daher schwankt das geschlecht bis ins 19. jh. hinein; doch hat sich in schrift- und umgangssprache heute das fem. durchgesetzt. das neutr. und das mask. sind nicht immer zu scheiden, eindeutig für mask. sprechen z. b.: der trüebesal ..., den sie habent mystiker 1, 317 Pf.; was grossen trübsal wurdest du uns zuofügen Wickram w. 2, 315 Bolte-Scheel, vgl. aber in der trübsal vergibstu gschwind 6, 85; bei Luther: unsern trübsal 2. Kor. 1, 8 u. ö., vgl. C. Franke schriftspr. Luthers2 2, 84; der trübsal H. Schöpf institutiones (1625) 49; Marie hat ... trübsal erfahren, der ihre genesung aufhalten musz lebensnachr. über B. G. Niebuhr (1838) 2, 62; in heutiger mundart z. b. trövsal, m., Hönig Kölner ma. (1905) 183a; mit beziehung auf ein persönliches subjekt du armen dréibsal! du armer kerl! Follmann lothr. 103a. — als fem.: sô grôziu trüebesal v. Antichrist 331 in: ztschr. f. dt. altert. 6, 378, diu jæmerlîche trüebesal 347 ebda 379; die trüebsal H. Vintler pluemen d. tugent 414 Zingerle; die verdrängung des in älterer sprache geläufigeren n. durch das f. beginnt schon im 15. jh., vgl. z. b. Jes. 8, 22: daz trúbsal und die vinster erste dtsche bibel 8, 378, 40, aber die trübsal Augsburger bibeln von Zainer bis Otmar (1518); auch Luther schwankt zwischen f. und n., vgl. z. b. offenb. 2, 22: ich werffe sie in grosse trübsal septemberbibel (1522) und ausg. v. 1546, dagegen offenb. 7, 14: aus grossem trübsal beide bibeln, doch scheint in der bibelübers. das n. zu überwiegen; aber: illa sol die grosse trubsal sein 34, 2, 432 W. (pred. v. 1531), vgl. 18, 178. wohl unter dem einflusz der Lutherbibel behauptet sich das n. bis ins 19. jh. hinein, vgl. auch Adelung 4 (1801) 704: dieses mein trübsal Hutten opera 1, 413 Böck.; so wohl auch in den folgenden belegen: des trübsals rauhe stürme brausen Gottsched ged. (1751) 1, 76; einigermaszen erholte sich unser geist von alle dem trübsal und jammer Göthe 33, 323 W.; im lande des trübsals Gervinus gesch. d. dt. dicht.4 (1853) 5, 43. 33) neben der im plur. durchgedrungenen starken flexion des neutr. oder mask., vgl. solche trübsal ... als sie nie gewesen sind bis her Marc. 13, 19, alle trübsale diser welt Arigo decam. 254 K., unsere trübsale Butschky Pathmos (1677) 45, alle vorigen trübsale G. Forster s. schr. (1843) 2, 345, begegnen bis in neuere zeit hinein auch schwache formen: die trübsalln meyns hertzenn Luther 10, 2, 422 W., ungestümmigkeit der trübsaln Aegid. Albertinus Lucifers königreich 4 nat.-lit., häufig im 18. jh.: grund öffentlicher trübsalen Gottsched d. neueste (1751) 8, 16; die alle würkliche trübsalen hinwegzaubernde phantasie Gleim briefw. 1, 5 Körte; warum fliehe ich trübsalen (= lat. mala), in die ich mich bereits geschickt? Lessing 6, 207 M.; die trübsalen der langenweile Zimmermann über die einsamkeit (1784) 1, 25, vgl. weitere belege bei Paul dtsche gr. 2, 114 anm. 44) das wort verbreitet sich besonders unter dem einflusz der Lutherbibel, vgl. dazu Fischer schwäb. 2, 409: trübsal und vinsternis Jes. 8, 22 gegenüber quale und vinsternisse Claus Cranc prophetenübers. (Ziesemer); wenn trübsal da ist, so suchet man dich Jes. 26, 16 gegenüber in engsten Cranc; aus alle seinem trübsal apostelgesch. 7, 10 gegenüber uz alle synen noten ostdtsche apostelgesch. (Ziesemer); in dem trübsal 11, 19 gegen van des kummers wegen der echtunge ostdtsche apostelgesch.; bande und trübsal apostelgesch. 20, 23, aber bande und manchirleyde ungemach ostdtsche apostelgesch.die frühnhd. bibeln des 15. jhs. (s. oben form 2) verwenden das wort noch verhältnismäszig selten, erst Luther zeigt eine besondere vorliebe für trübsal, vgl. z. b. richter 11, 17, Tobias 2, 12, Phil. 1, 17, Hebr. 11, 37 u. s. w.in der nd. Lübecker bibel v. 1533 tritt statt trübsal das nd. dröffnisse ein; droeffsal und bedroeffsal scheint erst aus Luthers trübsal übernommen und verniederdeutscht: de uns troestet in allen unsen droeffsalen, dat wy trosten können de dar sint in allerley bedroeffsalen (1534) B. Rotmann restitution 114 ndr. bedeutung und gebrauch. nur vereinzelt zu trübe I B 2 gehörig als 'trübheit, undurchsichtigkeit': alsam der erde swere und ir dunkil vinsterbere daz zuo des luftes truobsal tuot och zuo der helle val Hugo v. Langenstein Martina 211, 51. dagegen seit ahd. zeit entsprechend trübe II A-D bzw. trüben B 1 u. 2 für äuszere und innere (seelische) zustände in gebrauch, die als trübe gekennzeichnet werden. zufrühest ist trübsal für den äuszeren zustand, der eine entsprechende seelenlage verursacht, bezeugt (s. unten 1) und wird noch in heutiger sprache (im anschlusz an den biblischen gebrauch) so verwendet; doch wird das wort seit dem mhd. auch als bezeichnung für den seelenzustand gebraucht und lebt ebenfalls in dieser verwendung weiter (s. unten 2). der hauptsächliche anwendungsbereich ist von anfang an die religiös-biblische sprache, aus der sich grösztenteils der gebrauch des wortes auch in neuerer literarischer verwendung herleitet. 11) als meist kollektiv empfundene (s.a) bezeichnung für an den menschen herantretende drangsale, leiden, übel, plagen, anfechtungen u. dgl., die einen inneren zustand der trauer, sorge, furcht, verzweiflung u. s. w. verursachen, vgl. molestiae triebsali (15. jh., obd.) Diefenbach gl. 365, trubsal calumnia voc. theut. (1482) h h 2b, trübsal calamitas Alberus nov. dict. (1540) x 4a; theologisch auch von erfahrungen des inneren lebens, die eine ähnliche wirkung haben.in älterer sprache vereinzelt aktiv als ausdruck einer schädigenden handlung, was jedoch stilistisch zu bewerten ist: (ihr ritter) lât âne trüebesal diu gotes hiuser über al, daz iuwer sêle niht verlorn werden von dem gotes zorn buch d. rügen 1101 (zs. f. dt. altert. 2, 77). sonst tritt das passive moment völlig in den vordergrund, vgl. alles truobisales wâga (von den höllenqualen) bei Steinmeyer kl. ahd. sprachdkm. 154, 41; in demo tage des truobisalis (in die tribulationis, Habac. 3, 16) Wiener Notker in: Notker 3, 367 P.; ein helfære in den gezimelichen — gevellichlichen — in dem tribesale — in der note (adjutor in opportunitatibus, in tribulatione) psalm 9, 9 Windberger ps. 26 Graff. 1@aa) als begriff der biblisch-christlichen vorstellungswelt kollektiv für die leiden des irdischen daseins, die oft als von gott verhängte prüfungen, anfechtungen oder züchtigungen aufgefaszt werden, sowie für die inneren bedrängnisse und nöte des glaubens und des sittlichen lebens. häufig neben sinnverwandten ausdrücken, vgl. crux peyn, kestigung, plag, trübsal Frisius dict. (1556) 347 und ebenso verwendetes kreuz (teil 5, 2177ff.). 1@a@aα) äuszere und innere leiden als ein ganzes zusammen gesehen und bewertet; swer van got getrostet ville werden, der sol ... liden uzene und innene drubesal und ungemach d. heil. regel 56, 4 Priebsch; wildtu wissen ob du got liebest, so nym war, wenn bekümmernus, trübsal und leiden auf dich fellet Tauler sermones (1508) 128b; eya wie torlich sich die menschen erzaigen, die in irem laid u. trübsal von gott fliehen u. hilff u. trost allain suochen in d. creaturen Geiler v. Keisersberg granatapfel (1510) a 6a; zum ersten sol man die leut leren, das alle trübsal, nicht allein geistliche, sondern auch leybliche als armut, kranckheit, fahr der kinder, fahr der güter, vihesterben, hunger uns von gott zugeschickt werden. umb der ursach willen, das uns gott damit vermane und zur busse reitze Luther 26, 212 W.; des geysts trübsal ist die sund und bösze gewissen, aber des fleyschs truobsal ist eusserlich ungemach, mühe und unlust ebda 12, 137 (nach 1. Cor. 7, 28); wer gott dienet, der wird nach der anfechtung (probatio) getröst, und aus der trübsal (tribulatio) erlöset Tob. 3, 22; das gott ... seine kinder ... und ihren glauben prüfe mit vielerley anfechtung, trübsal, creutz und leiden Fischart binencorb (1588) 102b; so oft gott über seine kinder verhänget, dasz sie in angst und trübsal eingeführet werden, so ... Jac. Böhme theosophia revel. (1715) 1, 1491; in trübsal ist der herr dem seinen nah, und in der prüfung wird er ihm erscheinen A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 230. gern gepaart mit kreuz (vgl. teil 5, 2178): denn gleichwie ein irdischer baum in wind, regen, kälte und hitze wächset, also auch der baum der bildnisz gottes unter creutz und trübsal, in angst und quaal Jac. Böhme theosophia revel. (1715) 1, 1492; in allem creutz und trübsal Schupp schr. (1663) 130. von innerer, religiöser zerknirschung: er ... vastet gar vil mit groszer trübsal d. heyl. leben summerteil (1472) 103a. 1@a@bβ) besonders häufig von überwiegend äuszeren drangsalen, nöten, übeln: diu jæmerliche trüebesal in der werlt überall belîbet vierdehalp jâr Antichrist 347 (zs. f. dt. altert. 6, 379); esz lebet auch nymant auff erden der alwege rue und fride habe on trubsal und widerwärtigkeit deutsch theologia 18 Uhl; die waisen und widwen in irem trübsal besuchen Jacob. 1, 27; heut hat angesehen gott der herr seines volcks trübsal und beschwer bei Bäumker kirchenlied 1, 285; ... gott (läszt) ihm seine kinder, wenn not und trübsal blitzen in seinem schoosze sitzen Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 333a; ach, sie sind nun auf immer der trübsal des sterblichen lebens, sind auf immer dem schmerz der staubbewohner entrissen! Klopstock Messias (1780) 271. so vielfach auch auszerhalb der geistlich-religiösen sphäre, doch mehr oder minder deutlich von dieser beeinfluszt: die ander sach der vorcht ist die daz sich ain mensch von etleichem trüebsal mer fürchtet denn es sol Hans Vintler pluemen d. tugent 4378 Z.; du (die tote) hast gelassen alle trübsale diser welt Arigo decam. 254, 33 Keller; lieber christ, ... nimb freud und trübsal (sinnbildlich für 'jenseits' und 'diesseits') gegen einander, besich sie eygentlich! Montanus schwankbücher 43 Bolte; verknüpffe mit desz friedens bande der armen kirchen schwache schaar, nim weg von unserm vaterlande verfolgung, trübsal und gefahr Opitz opera (1690) 3, 180; (der dichter sang) von ... dem ende der trübsale, der verjüngung der natur und der wiederkehr eines ewigen goldenen zeitalters Novalis schr. 4, 93 M.; er habe wohl gefühlt, wie Urbino ... durch den gedanken gelitten habe, ihn so alt und einsam in dieser verrätherischen welt der trübsal zurücklassen zu müssen Herman Grimm Michelangelo (1890) 2, 383. mit besonderer note bei Nietzsche, der den begriff der trübsal in seiner christlichen ausprägung als diesseitsfeindlich, weltverneinend bekämpft: Zarathustra (sah) ... jemanden am wege sitzen, ... einen schwarzen langen mann ... wehe, sprach er ..., da sitzt vermummte trübsal, das dünkt mich von der art der priester ges. w. 13, 326 Musarionausg.; wenn es auf erden auch ... dicke trübsal gibt: wer leichte füsze hat, ... tanzt wie auf gefegtem eise 13, 384. 1@a@gγ) in fest gewordenen bildlichen wendungen, meist biblischen ursprungs oder gepräges, vielfach als umschreibung für ein höchstmasz irdischen leidens; meer (bad) der trübsal: (gott,) der mich ... meyner sunden halber so wol ynn dem bade des trübsals weschet, das ich schyr meyn leben ausblass Karlstadt bei Luther 18, 439 W., vgl. Sacharja 10, 11; wer das ruder muthig fast, macht der schiffahrt bald ein ende, welche man in dieser welt durch das meer der trübsal hält Joh. Chr. Günther s. w. 2, 5 Krämer; edle frauen bewahren eine heilige geduld im erdulden zugefügten unrechtes, sie müssen so oft untertauchen im meere der trübsal Seb. Brunner erzähl. u. schr. (1864) 2, 98. wasser und brot der trübsal (vgl. 1.n. 22, 27): denn da (in der garnison) ist keiner anders als ein gefangener, der mit wasser und brod der trübsal sein armseelig leben verzögert Grimmelshausen Simplicissimus 317 Scholte. nacht der trübsal, wohl auf klagel. Jer. 1, 2 beruhend: (gott brachte) durch dicken trübsals nacht mich an den schein der sonnen Weckherlin 2, 45 Fischer; ein lied, das meine seele reiszt urmächtig aus der trübsal nacht Arent mod. dichterchar. (1885) 11; kelch der trübsal (nach Hesek. 23, 33): den kelch der trübsal, den ihr anderen bereitet habt, mögt ihr nun selber trinken Raupach dram. w. ernster gatt. (1835) 5, 165. schule der trübsal (vgl.des kreuzes schule teil 9, 1933 s. v. schule): die ehre des erlösers, die er sich in der schweren schule der trübsal durch leiden ... erworben briefe, die neueste litt. betr. 17 (1764) 25; jene zeiten, wo der protestantismus eine schule der trübsal durchmachen muszte Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 3, 25. sturm (ungewitter) der trübsal (wohl nach Jes. 54, 11): wie wann der Thetis zaum durch Aeols macht zerreiszt, ... so werd ich durch den sturm der trübsal umgeführt Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 2, 6; das ungewitter der trübsal und anfechtung Scriver seelenschatz (1737) 1, 381b. feuer (ofen) der trübsal (nach Sir. 2, 5): schicke ihnen viel feuer der trübsalen zu G. Arnold kirchen- u. ketzerhist. (1699) 44; da ist christenthum, geprüft im ofen des trübsals J. G. Möller aus d. Herderschen hause (1881) 99. 1@a@dδ) häufig in sprichwörtern und sinnsprüchen biblischer herkunft und prägung, namentlich im älteren nhd.: also gebirt trübsal geduld (nach m. 5, 3) Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, 120a; dieweil die welt trübsal vol, sol ein jeder das seine gedüldig tragen Fr. Wilhelms sprichwörterreg. (1577); trübsal macht gleubig Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, 23b; das creutz ist schwer, das end ist gut, trübsal die crone bringen thut Petri d. Teutschen weish. (1604) 1, a 6b; trübsal ist die rechte werckstat der hoffnung ebda 1, f 2b; trübsal lehrt auffs wort mercken ebda; die tisch- und glücksfreunde in der zeit der trübsal sich entziehen (nach Sir. 6, 10) Harsdörffer teutsche secret. (1656) 1, 13; so bald es aber anfängt kahl herzugehen ..., die trübsal beim fenster ausschaut, ... so fliehen diese freund wie die schwalben Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 92, vgl. auch Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 255a; auf anderer linie, an B anklingend: smêr di med geduld und deck di med dräufsal tau Woeste-Nörrenberg westf. 57a. 1@a@eε) zeit, tag der trübsal: gott, der mich erhöret hat zur zeit meines trübsals 1. Mose 35, 3, ebenso richter 10, 14, Jes. 33, 2; weil ich eben zu der zeit irer trübsal (sterbestunde) ... (mit) ir ... gewesen bin Casp. Scheit fröl. heimfart 4 Strauch; selbst in zeiten der mühe und trübsal Herder 24, 541 S.; sammelt euch in frohen und gesunden tagen ... einen schatz ... auf die zeit der trübsal und der krankheit! Miller pred. fürs landvolk (1776) 1, 37; ein tag des trübsals Jes. 37, 3; (schulmeister:) o du tag der trübsale! erschrecklicher tag! Meisl theatr. quodlibet (1820) 6, 194. 1@bb) ohne die christlich-theologische note mehr mit betonung der widrigen äuszeren umstände und oft auf einzelne geschehnisse bezogen, daher objektiv 'unglück, übel, unfall, miszgeschick, gefahrvolle lage'; heute in dieser anwendung kaum mehr gängig, da der biblische gebrauch das wort für sich gewonnen hat: als iemen leit und ungemach oder ein trüebesal ouch geschach, den half sî (Maria) mit triuwen klagen bruder Philipp Marienleben 8839 Rückert; das holczwercke von dem schiffe, segel, grosze paume, taffeln, als sich in sölcher trübsal (schiffbruch) gern begibt, in dem grausamen mere hin und her swummen Arigo decam. 75, 33 Keller, vgl. 78, 17; und hast mich in diesem trübsal verlassen (me in his deseruisti malis) Boltz Terenz deutsch (1539) 67a; ein unbeschreibliche trübsal ware anno 1381 zu Prag, dasz ... auff einen tag tausend einhundert und sechszehen menschen begraben worden Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 27; (Ulysses zu Achilles:) ist diese trübsal denn (windstille bei der ausfahrt der Griechen) die angenehmste zeit zu deiner hochzeitslust? Gottsched dt. schaubühne (1741) 2, 8; in trübsalen ist nichts besser als ein guter muth ('in re mala animo si bono utare, adiuvat' Plautus, captivi ii 1) Lessing 4, 93 M.; in jüngerer sprache oft mit stärker subjektivem gehalt von 2 her beeinfluszt für dinge und ereignisse, die betrübnis, verdrusz u. s. w. verursachen: mit der aussicht auf die trübsal (verdrieszlichkeiten) der Salzburger verhältnisse wurde in ihm (Mozart) die besorgnisz wach, dasz ... O. Jahn Mozart 2, 337; weil die postwagenreisen mit so vielen trübsalen (unbequemlichkeiten) verbunden sind Lichtenberg verm. schr. (1800) 1, 90; es gehört zu meinen trübsalen hier nur die Allgemeine Zeitung zu lesen Hebbel tageb. 4, 77 Werner. 1@cc) folgende fälle stehen auf der grenze zwischen a und b, da sie zwar sachlich und in der bewertung des wortes nicht mehr dem bereich biblischer ausdrucksweise zugehören, aber doch ohne diese tradition kaum möglich erscheinen: (Priamus,) welchen der vater Kronion ... vertilgt im herbesten trübsal Bürger w. 235 Bohtz; ihr beiden, die ihr mir so oft, in not und trübsal, beigestanden Göthe 14, 9 W. (Faust 34); folgt mir durch kampf, durch trübsal und beschwerde Bauernfeld ges. schr. (1871) 6, 46; aus trübsal und gefahren steigt ein neues leben empor Freytag ges. w. (1886) 13, 60; o trübsal die ich hier erlitt! o bittrer tod den ich erstritt! in flämschem sand streck ich mich aus und mit mir fällt mein ganzes haus A. Miegel ged. u. spiele (1920) 8; sie erkannten, dasz sie in besondere trübsal geraten seien Hans Grimm volk ohne raum 2, 520; mit erläuternder bestimmung: Persien ... sucht er ... mit dem neuen trübsal einer überschwemmung heim J. D. Falk satiren (1800) 2, 14; nach so langen trübsalen theologischer streitigkeiten und des dreiszigjährigen krieges Herder 18, 127 S.; poetisch vereinzelt 'freudloses leben': (Talbot:) in Woodstock wars und in des Towers nacht, wo dich der gnädge vater dieses landes zur ernsten pflicht durch trübsal auferzog Schiller 12, 457 G 22) für die seelische verfassung, den inneren zustand, der durch schmerzliche geschehnisse hervorgerufen wird; also sinnverwandten ausdrücken wie etwa trauer, betrübnis, trostlosigkeit, trübsinn entsprechend, doch im allgemeinen als besonders heftige gemütsbewegung dieser art empfunden. 2@aa) 'traurigkeit, betrübnis': da von si (Elisabeth) drubesal gewan Elisabeth 6892 Rieger; etelîche unwîse liute, so in der trüebesal vergên wil, den sie habent mit einem smæhen worte ..., sô habent sie sich wider unde bindent ez ze herzen mystiker 1, 317 Pf.; so fürcht ich dasz du ..., nach sitt der menschen, mit etlicher trübseli dins gemüts bewegt werdest N. v. Wyle transl. 104, 25 Keller; das ich laider u. f. g. min bekumernus, trubsall und herzlaid des abgangs miner liben gemachell, ... nitt verhalten kan (v. j. 1496) privatbriefe d. mittelalters 1, 318 Steinhausen; da kam ich ... aus freuden in trübsal und jammer H. v. Schweinichen denkwürd. 219 Österley; so in einem anligen des gemühts und trübsal stecken Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 106; es schien, dasz die nymphe viel trübsal in ihrer seele verschlösse maler Müller w. (1811) 1, 153; sie versetzt euch in solch trübsal und leid, dasz ihr gefahr lauft, darüber den verstand zu verlieren E. T. A. Hoffmann 12, 77 Gr.; während die armen frauen in trübsal und trauer zu hause säszen Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 186; in der trübsal trösten tritt häufig in fester verbindung auf: zuo Abrahams diern Agar kam ir engel und hat sy in irem trebsal getrOesst Berth. v. Chiemsee t. theol. 159 Reithm.; wilt mich trösten in meinem trübsal Schaidenreiszer Odyssea (1537) 19a. in negativem ausdruck ohne trübsal 'in freude': du hast mit ihm (deinem gemahl) gelebt ohn trübsal ohn schmertz Morhof unterricht v. d. dt. sprache (1682) 2, 227; für die laute äuszerung der trauer, 'klage': do er in die puerkch cham und die trübsal (wegen Philipps tod) do vernam die in seins vaters landt was Seierit Alexander 1142 Ger. 2@bb) seit dem mhd. auch in anderen bedeutungsabarten verwendet; 'furcht': er (der engel) sprach: habe dehæin trüebsal! Servatius 1965 Fr. Wilhelm; von schwermütiger, elegischer gemütshaltung, ähnlich wie trübsinn 1: welt rühme, was du wilst! ich musz die trübsal preisen, die trübsal, die uns lehrt voll sanffter sinnen seyn A. Gryphius ged. 91 Palm; (Meyer an Göthe:) wollen sie meine trübsal lindern, mein gemüth erheitern so schencken sie mir zuweilen eine ... zeile schr. d. Götheges. 5, 201. 2@cc) trübsal blasen 'trüben gedanken nachhängen, miszmutig sein, und diesen gefühlen durch klagen und jammern ausdruck geben', auch 'traurig dasitzen', ist eine auch mundartlich verbreitete redensart, die wohl wie die variante trauer blasen (Fischer schwäb. 1, 1159) auf die einen trauerfall anzeigende blasmusik vom turm zurückgeführt werden kann (gegensatz: freud blasen schweiz. id. 1, 1274), vgl. etwa: 2 turnergesellen (türmer) zu pferd, welche mit sortindln in den trompeten mitleidigst blasen (alter brauch bei der karfreitagsprozession) Schmeller-Fr. 2, 623 s. v. turn und die syntaktisch analoge wendung feind blasen städtechron. 2, 281; die redensart ginge demnach von trübsal 1 b aus, wird aber seit ihrem auftreten für den gemütszustand und dessen äuszerungen gebraucht; Heyne dt. wb. 3, 1059 hält sie für eine erinnerung an das lied ich schell mein horn in jammers ton Forster fr. teutsche liedlein 176 ndr., vgl. 118. gern mit erweiterungen: tr. bl. und elend geigen Fischer schwäb. 2, 409, langweil geigen und tr. bl. Schöpf tirol. 761 u. 43, tr. bl. und demuet chöuen schweiz. id. 5, 143; anders abgewandelt: bləist tribsal op nugden (noten) rhein. wb. 1, 749, vgl. lux. ma. 70a u. 72a und unten Görres. literarisch seit dem 18. jh. vielfach bezeugt und variiert: man sihet, was für saiten die herren jesuiten gegen den päpstlichen stuhl ... aufzeuhen wurden, wann die herren päpste nicht weltlich-gescheid wären ... und die Jansenisten trübsal blasen lieszen (v. j. 1741) schweiz. id. 5, 143; ich armselige (Eva König) habe so lange in Wien trübsal geblasen, und nun ich gerne da seyn wollte, sitze ich hier (in Heidelberg) brief v. 1775 an Lessing in: Lessing 21, 72 M.; das (allerhand dichterische einfälle) ist aber alles in haferschleim untergegangen, und ich habe, wie gesagt, statt poesie trübsal blasen müssen A. v. Droste-Hülshoff briefe an L. Schücking 297; während sie zu bette liegend trübsal auf noten blasen muszten Görres ges. briefe 3, 633; dann legten wir uns ermüdet an einem rasenhügel nieder und bliesen trübsal um fingerlein und füszlein (jammerten über schmerzen) Gust. Gerok Karl Gerok (1892) 201; am heiligabend 1881 sasz ich an diesem stammtisch einsam und allein und blies trübsal G. Steinhausen aus d. tagebuch e. unbedeutenden 5; in den maa. oft objektiver im sinne 'in not sein, bedürftig sein, ein trauriges dasein führen' Albrecht Leipz. 225b, Martin-Lienhart elsäss. 2, 740b, Fischer schwäb. 2, 409. trübsal spinnen trübe gedanken und gefühle hegen, vgl. Dornseiff d. dtsche wortschatz nach sachgruppen (1934) 301.
23453 Zeichen · 554 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Trübsal

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Trübsal , plur. die -en, oder das Trübsal, des -s, plur. die -e, von trüben, in der veralteten figürlichen Bedeutung…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Trübsal

    Goethe-Wörterbuch

    Trübsal [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Trübsalm.,, n.

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Trübsal m., n. 1. Unglück, Elend: wenn uns' Herrgott ... mi ut desen Trübsal helpt Reut. 3, 337; Rda.: dor nutzt kein Tr…

  4. Sprichwörter
    Trübsal

    Wander (Sprichwörter)

    Trübsal 1. Trübsal beklemmt (verwundet) das Herz. Lat. : Artat mesticie spina cor arta vie. ( Reuterdahl, 66. ) Schwed. …

  5. Spezial
    Trübsal

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Trüb|sal f. (-,-e) 1 tribolaziun (-s) f. 2 crusc f. 3 malinconia (-ies) f. 3 (Betrübnis) tistëza f. ▬ Trübsal blasen las…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit truebsal

16 Bildungen · 16 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von truebsal

trueb + -sal

truebsal leitet sich vom Lemma trueb ab mit Suffix -sal.

truebsal‑ als Erstglied (16 von 16)

trübsalbläser

DWB

truebsal·blaeser

trübsalbläser , m. : arme einsamkeitsschlucker und trübsalbläser Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 5, 270 ; die trübsalbläser fallen ihr ( der …

trübsalblasen

DWB

truebsal·blasen

trübsalblasen , n. , vgl. trübsal 2 c: verlernt mir trübsalblasen und alle pöbeltraurigkeit! Nietzsche 13, 373 Musarionausg.; jetzt lasz das…

Trübsalblaser

PfWB

truebsal·blaser

Trübsal-blaser m. : ' wer Trübsal bläst ', Triebsalblooser [Feierowend Nr. 22/1956]; vgl. Tranfunzel 2, Seltenfröhlich .

trübsal(s)band

DWB

truebsal·s·band

trübsal(s)band , n. : der du unsr herr bist und heiland, komm löse uns von trübsalband P. Widmann hortulus (1627) 1, 132 ; befreit von allen…

trübsalsfeuer

DWB

truebsal·s·feuer

trübsalsfeuer , n. ( nach Sir. 2, 5 , vgl. trübsal 1 a γ ): wer gott zum freunde weisz, den macht kein schrecken kalt, kein trübsalsfeuer he…

trübsalsflut

DWB

truebsal·s·flut

trübsalsflut , f. ( vgl. trübsal 1 a γ ): wenn ich in thränenwellen, und trübsalsfluthen schwimme Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (172…

trübsal(s)hitze

DWB

truebsal·s·hitze

trübsal(s)hitze , f. ( vgl. trübsal 1 a γ ): du ( heilger geist ) hast von kindheit auf mich immerdar erleuchtet; hast in der trübsalhiz auc…

trübsalsmeer

DWB

truebsal·s·meer

trübsalsmeer , n. ( vgl. trübsal 1 a γ ): sie ( die verstorbenen ) kamen aus dem trübsalsmeer der streitenden gemeine gr. Zinzendorf in: Kna…

trübsalsnacht

DWB

truebsal·s·nacht

trübsalsnacht , f. ( vgl. trübsal 1 a γ ): vertreibe dise trübsalsnacht Weckherlin ged. 2, 115 Fischer; ( ich ) theilte mit meinem waffenbru…

trübsal(s)reich

DWB

truebsal·s·reich

trübsal(s)reich , adj. : so flöszt es ( das unglück ) ihr ( der tugend ) nur gröszres wachsthum ein, und saubert, wie das gold, durch trübsa…

trübsalstag

DWB

truebsal·stag

trübsalstag , m. ( vgl. trübsal 1 a ε ): nach angst und plagen, nach trübsalstagen kommt endlich des gemüthes ruh auf mich selbst zu Kopp vo…

trübsalswetter

DWB

truebsal·s·wetter

trübsalswetter , n. ( vgl. trübsal 1 a γ ): nun schützt er uns von oben, wenn trübsalswetter toben Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) …

trübsalszeit

DWB

truebsal·s·zeit

trübsalszeit ( vgl. trübsal 1 a ε ): wozu wir deine hülff der gnaden, die nicht weit, zu sehen hoffen, und verkürtzt die grosze trübsallszei…

trübsalung

DWB

trueb·salung

trübsalung , f. , ' betrübnis ' ; seltene ältere variante zu trübsal: von so getaner angest unde trovbesalunge ( um 1150) spec. eccles. 102 …

trübsalwasser

DWB

truebsal·wasser

trübsalwasser , n. ( vgl. trübsal 1 a γ ): ... verschaff, dasz keyne zeit in dise liebesflamm eyn trübsalwasser spritze J. M. Schneuber ged.…