trübsal,
f. ,
älter auch n. und m. form und verbreitung. 11)
mit dem suffix -i-sal (
urgerm. -i-sla)
vom vb. trüben
abgeleitetes subst. (Kluge
nom. stammbild. § 143, Wilmanns
gr. 2, 272
f., H. Paul
gr. 5, 73).
ahd. truobisal,
n. (
oder m.),
mhd. trüebesal,
n., m., f., mnd. nicht belegt, nhd. trübsal;
ältere alem. nebenformen: trübsali
dtsche historienbibeln 117, 3
Merzdorf, trüebseli
Apollonius (15.
jh.) 125, 35
C. Schröder, trübsäli Steinhöwel
Äsop 94
Öst. 22)
in mhd. trüebesal
sind das neutrum (
bzw. mask.)
und das fem. (
ahd. *truobisala)
zusammengefallen, daher schwankt das geschlecht bis ins 19.
jh. hinein; doch hat sich in schrift- und umgangssprache heute das fem. durchgesetzt. das neutr. und das mask. sind nicht immer zu scheiden, eindeutig für mask. sprechen z. b.: der trüebesal ..., den sie habent
mystiker 1, 317
Pf.; was grossen trübsal wurdest du uns zuofügen Wickram
w. 2, 315
Bolte-Scheel, vgl. aber in der trübsal vergibstu gschwind 6, 85;
bei Luther: unsern trübsal
2. Kor. 1, 8
u. ö., vgl. C. Franke
schriftspr. Luthers2 2, 84; der trübsal H. Schöpf
institutiones (1625) 49; Marie hat ... trübsal erfahren, der ihre genesung aufhalten musz
lebensnachr. über B. G. Niebuhr (1838) 2, 62;
in heutiger mundart z. b. trövsal,
m., Hönig
Kölner ma. (1905) 183
a;
mit beziehung auf ein persönliches subjekt du armen dréibsal!
du armer kerl! Follmann
lothr. 103
a. —
als fem.: sô grôziu trüebesal
v. Antichrist 331
in: ztschr. f. dt. altert. 6, 378, diu jæmerlîche trüebesal 347
ebda 379; die trüebsal H. Vintler
pluemen d. tugent 414
Zingerle; die verdrängung des in älterer sprache geläufigeren n. durch das f. beginnt schon im 15.
jh., vgl. z. b. Jes. 8, 22: daz trúbsal und die vinster
erste dtsche bibel 8, 378, 40,
aber die trübsal
Augsburger bibeln von Zainer bis Otmar (1518);
auch Luther
schwankt zwischen f. und n., vgl. z. b. offenb. 2, 22: ich werffe sie in grosse trübsal
septemberbibel (1522)
und ausg. v. 1546,
dagegen offenb. 7, 14: aus grossem trübsal
beide bibeln, doch scheint in der bibelübers. das n. zu überwiegen; aber: illa sol die grosse trubsal sein 34, 2, 432
W. (
pred. v. 1531),
vgl. 18, 178.
wohl unter dem einflusz der Lutherbibel behauptet sich das n. bis ins 19.
jh. hinein, vgl. auch Adelung 4 (1801) 704: dieses mein trübsal Hutten
opera 1, 413
Böck.; so wohl auch in den folgenden belegen: des trübsals rauhe stürme brausen Gottsched
ged. (1751) 1, 76; einigermaszen erholte sich unser geist von alle dem trübsal und jammer Göthe 33, 323
W.; im lande des trübsals Gervinus
gesch. d. dt. dicht.4 (1853) 5, 43. 33)
neben der im plur. durchgedrungenen starken flexion des neutr. oder mask., vgl. solche trübsal ... als sie nie gewesen sind bis her
Marc. 13, 19, alle trübsale diser welt Arigo
decam. 254
K., unsere trübsale Butschky
Pathmos (1677) 45, alle vorigen trübsale G. Forster
s. schr. (1843) 2, 345,
begegnen bis in neuere zeit hinein auch schwache formen: die trübsalln meyns hertzenn Luther 10, 2, 422
W., ungestümmigkeit der trübsaln Aegid. Albertinus
Lucifers königreich 4
nat.-lit., häufig im 18.
jh.: grund öffentlicher trübsalen Gottsched
d. neueste (1751) 8, 16; die alle würkliche trübsalen hinwegzaubernde phantasie Gleim
briefw. 1, 5
Körte; warum fliehe ich trübsalen (=
lat. mala), in die ich mich bereits geschickt? Lessing 6, 207
M.; die trübsalen der langenweile Zimmermann
über die einsamkeit (1784) 1, 25,
vgl. weitere belege bei Paul
dtsche gr. 2, 114
anm. 44)
das wort verbreitet sich besonders unter dem einflusz der Lutherbibel, vgl. dazu Fischer
schwäb. 2, 409: trübsal und vinsternis
Jes. 8, 22
gegenüber quale und vinsternisse Claus Cranc
prophetenübers. (
Ziesemer); wenn trübsal da ist, so suchet man dich
Jes. 26, 16
gegenüber in engsten Cranc; aus alle seinem trübsal
apostelgesch. 7, 10
gegenüber uz alle synen noten
ostdtsche apostelgesch. (
Ziesemer); in dem trübsal 11, 19
gegen van des kummers wegen der echtunge
ostdtsche apostelgesch.; bande und trübsal
apostelgesch. 20, 23,
aber bande und manchirleyde ungemach
ostdtsche apostelgesch. —
die frühnhd. bibeln des 15.
jhs. (
s. oben form 2)
verwenden das wort noch verhältnismäszig selten, erst Luther
zeigt eine besondere vorliebe für trübsal,
vgl. z. b. richter 11, 17,
Tobias 2, 12,
Phil. 1, 17,
Hebr. 11, 37
u. s. w. —
in der nd. Lübecker bibel v. 1533
tritt statt trübsal
das nd. dröffnisse
ein; droeffsal
und bedroeffsal
scheint erst aus Luthers trübsal
übernommen und verniederdeutscht: de uns troestet in allen unsen droeffsalen, dat wy trosten können de dar sint in allerley bedroeffsalen (1534) B. Rotmann
restitution 114
ndr. bedeutung und gebrauch. nur vereinzelt zu trübe I B 2
gehörig als '
trübheit, undurchsichtigkeit': alsam der erde swere und ir dunkil vinsterbere daz zuo des luftes truobsal tuot och zuo der helle val Hugo v. Langenstein
Martina 211, 51.
dagegen seit ahd. zeit entsprechend trübe II A-D
bzw. trüben B 1
u. 2
für äuszere und innere (
seelische)
zustände in gebrauch, die als trübe
gekennzeichnet werden. zufrühest ist trübsal
für den äuszeren zustand, der eine entsprechende seelenlage verursacht, bezeugt (
s. unten 1)
und wird noch in heutiger sprache (
im anschlusz an den biblischen gebrauch)
so verwendet; doch wird das wort seit dem mhd. auch als bezeichnung für den seelenzustand gebraucht und lebt ebenfalls in dieser verwendung weiter (
s. unten 2).
der hauptsächliche anwendungsbereich ist von anfang an die religiös-biblische sprache, aus der sich grösztenteils der gebrauch des wortes auch in neuerer literarischer verwendung herleitet. 11)
als meist kollektiv empfundene (
s.a)
bezeichnung für an den menschen herantretende drangsale, leiden, übel, plagen, anfechtungen u. dgl., die einen inneren zustand der trauer, sorge, furcht, verzweiflung u. s. w. verursachen, vgl. molestiae triebsali (15.
jh., obd.) Diefenbach
gl. 365, trubsal
calumnia voc. theut. (1482) h h 2
b, trübsal
calamitas Alberus
nov. dict. (1540) x 4
a;
theologisch auch von erfahrungen des inneren lebens, die eine ähnliche wirkung haben. —
in älterer sprache vereinzelt aktiv als ausdruck einer schädigenden handlung, was jedoch stilistisch zu bewerten ist: (
ihr ritter) lât âne trüebesal diu gotes hiuser über al, daz iuwer sêle niht verlorn werden von dem gotes zorn
buch d. rügen 1101 (
zs. f. dt. altert. 2, 77).
sonst tritt das passive moment völlig in den vordergrund, vgl. alles truobisales wâga (
von den höllenqualen)
bei Steinmeyer
kl. ahd. sprachdkm. 154, 41; in demo tage des truobisalis (
in die tribulationis, Habac. 3, 16)
Wiener Notker in: Notker 3, 367
P.; ein helfære in den gezimelichen — gevellichlichen — in dem tribesale — in der note (
adjutor in opportunitatibus, in tribulatione)
psalm 9, 9
Windberger ps. 26
Graff. 1@aa)
als begriff der biblisch-christlichen vorstellungswelt kollektiv für die leiden des irdischen daseins, die oft als von gott verhängte prüfungen, anfechtungen oder züchtigungen aufgefaszt werden, sowie für die inneren bedrängnisse und nöte des glaubens und des sittlichen lebens. häufig neben sinnverwandten ausdrücken, vgl. crux peyn, kestigung, plag, trübsal Frisius
dict. (1556) 347
und ebenso verwendetes kreuz (
teil 5, 2177
ff.). 1@a@aα)
äuszere und innere leiden als ein ganzes zusammen gesehen und bewertet; swer van got getrostet ville werden, der sol ... liden uzene und innene drubesal und ungemach
d. heil. regel 56, 4
Priebsch; wildtu wissen ob du got liebest, so nym war, wenn bekümmernus, trübsal und leiden auf dich fellet Tauler
sermones (1508) 128
b; eya wie torlich sich die menschen erzaigen, die in irem laid u. trübsal von gott fliehen u. hilff u. trost allain suochen in
d. creaturen Geiler v. Keisersberg
granatapfel (1510) a 6
a; zum ersten sol man die leut leren, das alle trübsal, nicht allein geistliche, sondern auch leybliche als armut, kranckheit, fahr der kinder, fahr der güter, vihesterben, hunger uns von gott zugeschickt werden. umb der ursach willen, das uns gott damit vermane und zur busse reitze Luther 26, 212
W.; des geysts trübsal ist die sund und bösze gewissen, aber des fleyschs truobsal ist eusserlich ungemach, mühe und unlust
ebda 12, 137 (
nach 1. Cor. 7, 28); wer gott dienet, der wird nach der anfechtung (
probatio) getröst, und aus der trübsal (
tribulatio) erlöset
Tob. 3, 22; das gott ... seine kinder ... und ihren glauben prüfe mit vielerley anfechtung, trübsal, creutz und leiden Fischart
binencorb (1588) 102
b; so oft gott über seine kinder verhänget, dasz sie in angst und trübsal eingeführet werden, so ... Jac. Böhme
theosophia revel. (1715) 1, 1491; in trübsal ist der herr dem seinen nah, und in der prüfung wird er ihm erscheinen A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 2 (1878) 230.
gern gepaart mit kreuz (
vgl. teil 5, 2178): denn gleichwie ein irdischer baum in wind, regen, kälte und hitze wächset, also auch der baum der bildnisz gottes unter creutz und trübsal, in angst und quaal Jac. Böhme
theosophia revel. (1715) 1, 1492; in allem creutz und trübsal Schupp
schr. (1663) 130.
von innerer, religiöser zerknirschung: er ... vastet gar vil mit groszer trübsal
d. heyl. leben summerteil (1472) 103
a. 1@a@bβ)
besonders häufig von überwiegend äuszeren drangsalen, nöten, übeln: diu jæmerliche trüebesal in der werlt überall belîbet vierdehalp jâr
Antichrist 347 (
zs. f. dt. altert. 6, 379); esz lebet auch nymant auff erden der alwege rue und fride habe on trubsal und widerwärtigkeit
deutsch theologia 18
Uhl; die waisen und widwen in irem trübsal besuchen
Jacob. 1, 27; heut hat angesehen gott der herr seines volcks trübsal und beschwer
bei Bäumker
kirchenlied 1, 285; ... gott (
läszt) ihm seine kinder, wenn not und trübsal blitzen in seinem schoosze sitzen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 333
a; ach, sie sind nun auf immer der trübsal des sterblichen lebens, sind auf immer dem schmerz der staubbewohner entrissen! Klopstock
Messias (1780) 271.
so vielfach auch auszerhalb der geistlich-religiösen sphäre, doch mehr oder minder deutlich von dieser beeinfluszt: die ander sach der vorcht ist die daz sich ain mensch von etleichem trüebsal mer fürchtet denn es sol Hans Vintler
pluemen d. tugent 4378
Z.; du (
die tote) hast gelassen alle trübsale diser welt Arigo
decam. 254, 33
Keller; lieber christ, ... nimb freud und trübsal (
sinnbildlich für '
jenseits'
und '
diesseits') gegen einander, besich sie eygentlich! Montanus
schwankbücher 43
Bolte; verknüpffe mit desz friedens bande der armen kirchen schwache schaar, nim weg von unserm vaterlande verfolgung, trübsal und gefahr Opitz
opera (1690) 3, 180; (
der dichter sang) von ... dem ende der trübsale, der verjüngung der natur und der wiederkehr eines ewigen goldenen zeitalters Novalis
schr. 4, 93
M.; er habe wohl gefühlt, wie Urbino ... durch den gedanken gelitten habe, ihn so alt und einsam in dieser verrätherischen welt der trübsal zurücklassen zu müssen Herman Grimm
Michelangelo (1890) 2, 383.
mit besonderer note bei Nietzsche,
der den begriff der trübsal
in seiner christlichen ausprägung als diesseitsfeindlich, weltverneinend bekämpft: Zarathustra (
sah) ... jemanden am wege sitzen, ... einen schwarzen langen mann ... wehe, sprach er ..., da sitzt vermummte trübsal, das dünkt mich von der art der priester
ges. w. 13, 326
Musarionausg.; wenn es auf erden auch ... dicke trübsal gibt: wer leichte füsze hat, ... tanzt wie auf gefegtem eise 13, 384. 1@a@gγ)
in fest gewordenen bildlichen wendungen, meist biblischen ursprungs oder gepräges, vielfach als umschreibung für ein höchstmasz irdischen leidens; meer (bad) der trübsal: (
gott,) der mich ... meyner sunden halber so wol ynn dem bade des trübsals weschet, das ich schyr meyn leben ausblass Karlstadt
bei Luther 18, 439
W., vgl. Sacharja 10, 11; wer das ruder muthig fast, macht der schiffahrt bald ein ende, welche man in dieser welt durch das meer der trübsal hält Joh. Chr. Günther
s. w. 2, 5
Krämer; edle frauen bewahren eine heilige geduld im erdulden zugefügten unrechtes, sie müssen so oft untertauchen im meere der trübsal Seb. Brunner
erzähl. u. schr. (1864) 2, 98. wasser und brot der trübsal (
vgl. 1. kön. 22, 27): denn da (
in der garnison) ist keiner anders als ein gefangener, der mit wasser und brod der trübsal sein armseelig leben verzögert Grimmelshausen
Simplicissimus 317
Scholte. nacht der trübsal,
wohl auf klagel. Jer. 1, 2
beruhend: (
gott brachte) durch dicken trübsals nacht mich an den schein der sonnen Weckherlin 2, 45
Fischer; ein lied, das meine seele reiszt urmächtig aus der trübsal nacht Arent
mod. dichterchar. (1885) 11; kelch der trübsal (
nach Hesek. 23, 33): den kelch der trübsal, den ihr anderen bereitet habt, mögt ihr nun selber trinken Raupach
dram. w. ernster gatt. (1835) 5, 165. schule der trübsal (
vgl.des kreuzes schule
teil 9, 1933
s. v. schule): die ehre des erlösers, die er sich in der schweren schule der trübsal durch leiden ... erworben
briefe, die neueste litt. betr. 17 (1764) 25; jene zeiten, wo der protestantismus eine schule der trübsal durchmachen muszte Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 3, 25. sturm (ungewitter) der trübsal (
wohl nach Jes. 54, 11): wie wann der Thetis zaum durch Aeols macht zerreiszt, ... so werd ich durch den sturm der trübsal umgeführt Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 2, 6; das ungewitter der trübsal und anfechtung Scriver
seelenschatz (1737) 1, 381
b. feuer (ofen) der trübsal (
nach Sir. 2, 5): schicke ihnen viel feuer der trübsalen zu G. Arnold
kirchen- u. ketzerhist. (1699) 44; da ist christenthum, geprüft im ofen des trübsals J. G. Möller
aus d. Herderschen hause (1881) 99. 1@a@dδ)
häufig in sprichwörtern und sinnsprüchen biblischer herkunft und prägung, namentlich im älteren nhd.: also gebirt trübsal geduld (
nach Röm. 5, 3) Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 120
a; dieweil die welt trübsal vol, sol ein jeder das seine gedüldig tragen Fr. Wilhelms
sprichwörterreg. (1577); trübsal macht gleubig Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 23
b; das creutz ist schwer, das end ist gut, trübsal die crone bringen thut Petri
d. Teutschen weish. (1604) 1, a 6
b; trübsal ist die rechte werckstat der hoffnung
ebda 1, f 2
b; trübsal lehrt auffs wort mercken
ebda; die tisch- und glücksfreunde in der zeit der trübsal sich entziehen (
nach Sir. 6, 10) Harsdörffer
teutsche secret. (1656) 1, 13; so bald es aber anfängt kahl herzugehen ..., die trübsal beim fenster ausschaut, ... so fliehen diese freund wie die schwalben Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 92,
vgl. auch Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 255
a;
auf anderer linie, an B
anklingend: smêr di med geduld und deck di med dräufsal tau Woeste-Nörrenberg
westf. 57
a. 1@a@eε) zeit, tag der trübsal: gott, der mich erhöret hat zur zeit meines trübsals
1. Mose 35, 3,
ebenso richter 10, 14,
Jes. 33, 2; weil ich eben zu der zeit irer trübsal (
sterbestunde) ... (
mit) ir ... gewesen bin Casp. Scheit
fröl. heimfart 4
Strauch; selbst in zeiten der mühe und trübsal Herder 24, 541
S.; sammelt euch in frohen und gesunden tagen ... einen schatz ... auf die zeit der trübsal und der krankheit! Miller
pred. fürs landvolk (1776) 1, 37; ein tag des trübsals
Jes. 37, 3; (
schulmeister:) o du tag der trübsale! erschrecklicher tag! Meisl
theatr. quodlibet (1820) 6, 194. 1@bb)
ohne die christlich-theologische note mehr mit betonung der widrigen äuszeren umstände und oft auf einzelne geschehnisse bezogen, daher objektiv '
unglück, übel, unfall, miszgeschick, gefahrvolle lage'
; heute in dieser anwendung kaum mehr gängig, da der biblische gebrauch das wort für sich gewonnen hat: als iemen leit und ungemach oder ein trüebesal ouch geschach, den half sî (
Maria) mit triuwen klagen bruder Philipp
Marienleben 8839
Rückert; das holczwercke von dem schiffe, segel, grosze paume, taffeln, als sich in sölcher trübsal (
schiffbruch) gern begibt, in dem grausamen mere hin und her swummen Arigo
decam. 75, 33
Keller, vgl. 78, 17; und hast mich in diesem trübsal verlassen (
me in his deseruisti malis) Boltz
Terenz deutsch (1539) 67
a; ein unbeschreibliche trübsal ware anno 1381 zu Prag, dasz ... auff einen tag tausend einhundert und sechszehen menschen begraben worden Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 27; (
Ulysses zu Achilles:) ist diese trübsal denn (
windstille bei der ausfahrt der Griechen) die angenehmste zeit zu deiner hochzeitslust? Gottsched
dt. schaubühne (1741) 2, 8; in trübsalen ist nichts besser als ein guter muth ('
in re mala animo si bono utare, adiuvat'
Plautus, captivi ii 1) Lessing 4, 93
M.; in jüngerer sprache oft mit stärker subjektivem gehalt von 2
her beeinfluszt für dinge und ereignisse, die betrübnis, verdrusz u. s. w. verursachen: mit der aussicht auf die trübsal (
verdrieszlichkeiten) der Salzburger verhältnisse wurde in ihm (
Mozart) die besorgnisz wach, dasz ... O. Jahn
Mozart 2, 337; weil die postwagenreisen mit so vielen trübsalen (
unbequemlichkeiten) verbunden sind Lichtenberg
verm. schr. (1800) 1, 90; es gehört zu meinen trübsalen hier nur die Allgemeine Zeitung zu lesen Hebbel
tageb. 4, 77
Werner. 1@cc)
folgende fälle stehen auf der grenze zwischen a
und b,
da sie zwar sachlich und in der bewertung des wortes nicht mehr dem bereich biblischer ausdrucksweise zugehören, aber doch ohne diese tradition kaum möglich erscheinen: (
Priamus,) welchen der vater Kronion ... vertilgt im herbesten trübsal Bürger
w. 235
Bohtz; ihr beiden, die ihr mir so oft, in not und trübsal, beigestanden Göthe 14, 9
W. (
Faust 34); folgt mir durch kampf, durch trübsal und beschwerde Bauernfeld
ges. schr. (1871) 6, 46; aus trübsal und gefahren steigt ein neues leben empor Freytag
ges. w. (1886) 13, 60; o trübsal die ich hier erlitt! o bittrer tod den ich erstritt! in flämschem sand streck ich mich aus und mit mir fällt mein ganzes haus A. Miegel
ged. u. spiele (1920) 8; sie erkannten, dasz sie in besondere trübsal geraten seien Hans Grimm
volk ohne raum 2, 520;
mit erläuternder bestimmung: Persien ... sucht er ... mit dem neuen trübsal einer überschwemmung heim J. D. Falk
satiren (1800) 2, 14; nach so langen trübsalen theologischer streitigkeiten und des dreiszigjährigen krieges Herder 18, 127
S.; poetisch vereinzelt '
freudloses leben': (
Talbot:) in Woodstock wars und in des Towers nacht, wo dich der gnädge vater dieses landes zur ernsten pflicht durch trübsal auferzog Schiller 12, 457
G 22)
für die seelische verfassung, den inneren zustand, der durch schmerzliche geschehnisse hervorgerufen wird; also sinnverwandten ausdrücken wie etwa trauer, betrübnis, trostlosigkeit, trübsinn entsprechend, doch im allgemeinen als besonders heftige gemütsbewegung dieser art empfunden. 2@aa) '
traurigkeit, betrübnis': da von si (
Elisabeth) drubesal gewan
Elisabeth 6892
Rieger; etelîche unwîse liute, so in der trüebesal vergên wil, den sie habent mit einem smæhen worte ..., sô habent sie sich wider unde bindent ez ze herzen
mystiker 1, 317
Pf.; so fürcht ich dasz du ..., nach sitt der menschen, mit etlicher trübseli dins gemüts bewegt werdest
N. v. Wyle
transl. 104, 25
Keller; das ich laider u.
f. g. min bekumernus, trubsall und herzlaid des abgangs miner liben gemachell, ... nitt verhalten kan (
v. j. 1496)
privatbriefe d. mittelalters 1, 318
Steinhausen; da kam ich ... aus freuden in trübsal und jammer H. v. Schweinichen
denkwürd. 219
Österley; so in einem anligen des gemühts und trübsal stecken Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 106; es schien, dasz die nymphe viel trübsal in ihrer seele verschlösse maler Müller
w. (1811) 1, 153; sie versetzt euch in solch trübsal und leid, dasz ihr gefahr lauft, darüber den verstand zu verlieren E. T. A. Hoffmann 12, 77
Gr.; während die armen frauen in trübsal und trauer zu hause säszen Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 186; in der trübsal trösten
tritt häufig in fester verbindung auf: zuo Abrahams diern Agar kam ir engel und hat sy in irem trebsal getrOesst Berth. v. Chiemsee
t. theol. 159
Reithm.; wilt mich trösten in meinem trübsal Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 19
a.
in negativem ausdruck ohne trübsal '
in freude': du hast mit ihm (
deinem gemahl) gelebt ohn trübsal ohn schmertz Morhof
unterricht v. d. dt. sprache (1682) 2, 227;
für die laute äuszerung der trauer, '
klage': do er in die puerkch cham und die trübsal (
wegen Philipps tod) do vernam die in seins vaters landt was Seierit
Alexander 1142
Ger. 2@bb)
seit dem mhd. auch in anderen bedeutungsabarten verwendet; '
furcht': er (
der engel) sprach: habe dehæin trüebsal!
Servatius 1965
Fr. Wilhelm; von schwermütiger, elegischer gemütshaltung, ähnlich wie trübsinn 1: welt rühme, was du wilst! ich musz die trübsal preisen, die trübsal, die uns lehrt voll sanffter sinnen seyn A. Gryphius
ged. 91
Palm; (
Meyer an Göthe:) wollen sie meine trübsal lindern, mein gemüth erheitern so schencken sie mir zuweilen eine ... zeile
schr. d. Götheges. 5, 201. 2@cc) trübsal blasen '
trüben gedanken nachhängen, miszmutig sein, und diesen gefühlen durch klagen und jammern ausdruck geben',
auch '
traurig dasitzen',
ist eine auch mundartlich verbreitete redensart, die wohl wie die variante trauer blasen (Fischer
schwäb. 1, 1159)
auf die einen trauerfall anzeigende blasmusik vom turm zurückgeführt werden kann (
gegensatz: freud blasen
schweiz. id. 1, 1274),
vgl. etwa: 2 turnergesellen (
türmer) zu pferd, welche mit sortindln in den trompeten mitleidigst blasen (
alter brauch bei der karfreitagsprozession) Schmeller-Fr. 2, 623
s. v. turn
und die syntaktisch analoge wendung feind blasen
städtechron. 2, 281;
die redensart ginge demnach von trübsal 1 b
aus, wird aber seit ihrem auftreten für den gemütszustand und dessen äuszerungen gebraucht; Heyne
dt. wb. 3, 1059
hält sie für eine erinnerung an das lied ich schell mein horn in jammers ton Forster
fr. teutsche liedlein 176
ndr., vgl. 118.
gern mit erweiterungen: tr. bl. und elend geigen Fischer
schwäb. 2, 409, langweil geigen und tr. bl. Schöpf
tirol. 761
u. 43, tr. bl. und demuet chöuen
schweiz. id. 5, 143;
anders abgewandelt: bləist tribsal op nugden (
noten)
rhein. wb. 1, 749,
vgl. lux. ma. 70
a u. 72
a und unten Görres.
literarisch seit dem 18.
jh. vielfach bezeugt und variiert: man sihet, was für saiten die herren jesuiten gegen den päpstlichen stuhl ... aufzeuhen wurden, wann die herren päpste nicht weltlich-gescheid wären ... und die Jansenisten trübsal blasen lieszen (
v. j. 1741)
schweiz. id. 5, 143; ich armselige (
Eva König) habe so lange in Wien trübsal geblasen, und nun ich gerne da seyn wollte, sitze ich hier (
in Heidelberg)
brief v. 1775
an Lessing in: Lessing 21, 72
M.; das (
allerhand dichterische einfälle) ist aber alles in haferschleim untergegangen, und ich habe, wie gesagt, statt poesie trübsal blasen müssen A. v. Droste-Hülshoff
briefe an L. Schücking 297; während sie zu bette liegend trübsal auf noten blasen muszten Görres
ges. briefe 3, 633; dann legten wir uns ermüdet an einem rasenhügel nieder und bliesen trübsal um fingerlein und füszlein (
jammerten über schmerzen) Gust. Gerok
Karl Gerok (1892) 201; am heiligabend 1881 sasz ich an diesem stammtisch einsam und allein und blies trübsal G. Steinhausen
aus d. tagebuch e. unbedeutenden 5;
in den maa. oft objektiver im sinne '
in not sein, bedürftig sein, ein trauriges dasein führen' Albrecht
Leipz. 225
b, Martin-Lienhart
elsäss. 2, 740
b, Fischer
schwäb. 2, 409. trübsal spinnen
trübe gedanken und gefühle hegen, vgl. Dornseiff
d. dtsche wortschatz nach sachgruppen (1934) 301.