tranchieren ,
auch trenchieren, trinchieren, trincieren,
vb., speisen, bes. braten in mundgerechte stücke zerlegen, vorschneiden. der stamm trinch-,
aus ital. trinciare, ist auf das 17.
jh. beschränkt; neben ihm von anfang an tranch-, trench-
aus frz. trancher,
älter trencher;
dasselbe gilt für die zusammensetzungen und ableitungen, s. u. die entlehnung erfolgt wohl schon vor 1600,
vgl. Germania 28, 406,
doch bezieht sich der nachweis von Kluge
et. wb.10 493
aus der zimmer. chron. auf die sache, nicht auf das wort. bes. lebendig im 17.
jh. (
vgl. auch die zuss. u. ableitungen),
ist tranchieren
auch heute noch in literatur- und umgangssprache in brauch, mundartlich für die obd. und die äuszeren westdeutschen dialekte verzeichnet: Hügel
Wiener dial. 166; Fischer
schwäb. 2, 317; Ch. Schmidt
Straszb. ma. 27 (dranschiere); Seiler
Basl. ma. 83; Gangler
Lux. umgangsspr. 453; Leithäuser
Barmer ma. 159.
im obd. ist es besonders heimisch, s. unter 2
und vgl. ableitungen wie: auf dem ersten tipp macht man nur ganz kleine, dünne transchli (
schnitten vom rindfleisch) Gotthelf
schuldenbauer 142. 11)
eigentlich: kommet etwas geflügel auff den tisch, da saget einer zu dem andern, er solle es tranchiern. mich (als ich dieses wort zum erstenmahl hörete) nam es sehr wunder, was man mit dem geflügel anfangen würde, wann man es tranchieren, ich wartete lang, aber sahe doch endlich nichts, als dasz es zerschnitten und zerlegt, eigendlich mit zehen fingern zerzerret worden
d. unartig teutscher sprachverderber (1643) 11; ja wer auch ein messen (
den hasen) zu trinchiren darbey hette und eine gute kanne wein zu trincken Prätorius
philos. colus (1662) 26.
in der zweiten hälfte des 17.
und am anfang des 18.
jh. setzt das wort vereinzelt zu einer bedeutungserweiterung an: wer das brod allemahl hüpsch trinschiret und mathematice gleich schneidet Prätorius
philos. colus 41; der junge kerle selbst trenschirte die kirschen und machte lauter affengesichter darausz Chr. Weise
erznarren 69
ndr., vgl. auch tranchierer.
doch geht im übrigen die ursprüngliche bedeutung des bratenzerlegens bis heute durch: anders tranchirt würde seine (
des spanferkels) haut ungenieszbar werden
almanach für leckermäuler (1804) 155; gespickt mit der nadel, gespieszt und rotiert, heraus mit dem bratel, nun wird es tranchirt Cl. Brentano
ges. schr. 7, 329; wie weit Eduard ... mit dem schlecht tranchirten braten gelangt sein mag, läszt sich nicht genau nachweisen Holtei
erz. schr. 21, 143; ich kann ... einen kapaun tranchieren Fontane
ges. w. I 5, 222;
infolge der allgemeinheit dieser bedeutung auch ohne object so verstanden: der reiche prasser ... läszt sich tapfer transchieren Abr. a
s. Clara
etw. f. alle 1, 606; ich soll bey der tafel trenchiren Stoppe
Parnasz (1735) 499; da thun wir uns delectiren, auch Barthel thut tranchiren, Joseph thut uns legen vor Göthe 38, 500
W. das beherschen der tranchierkunst (
s. d. sowie -buch, -meister)
gehört bis ins 19.
jh. zur gesellschaftlichen erziehung: das trenchiren oder ordentliche vorlegen und zugliedern der speisen ist eine einem jungen vom adel höchstnötige und anständige übung v. Fleming
soldat (1726) 29; im vortanz macht er alle kammerherrn zu schanden, tranchiren konnt er auch — wer hätt ihm widerstanden Kotzebue
s. dram. w. (1827) 3, 295,
vgl. auch W. H. Riehl
naturgesch. d. volkes 2, 168,
in der hausherrnpflicht des bratenzerlegens bei tisch wirkt dies bis heute nach: auch hier erwies er sich brauchbar, indem er mit leichter hand eine gans und zwei hasen zerlegte, ... (
weil) papa sich an einem schwärmer die hand verbrannt hatte und daher nicht selbst tranchierte G. Keller
w. 6, 218. 22)
der bildliche und übertragene gebrauch bleibt im ursprünglichen bereich: man transchiert nicht allein die speisen, sondern auch manchen ehrlichen namen Abr. a
s. Clara
etw. f. alle 2 (1711) 594: (
er) tranchirte ... meinen inneren menschen mit wahrem hochgenusz und legte mich gleichsam mir selber vor Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 149;
dem eigentlichen näher: sonsten weysz man wol, was trenchiren und vorschneiden ist: im kriege aber trenchiret man anders, dasz die köpfe zuweilen abspringen Stieler
zeitungslust und nutz (1695) 671;
fester in dieser anwendung '
in stücke hauen': (
der verräterische officier) verdient kein mitleid! meinethalben mögen sie ihn degradiren und arquebusiren und trenschiren! Kretschmann
s. w. 3, 2, 146; und als ich nun vom leder zog, die hexe zu trenchiren Blumauer
ged. (1782) 208; laufen sie, was sie können, ehe Strahl kömmt, der trenchirt sie sonst — in 10 000 stücke Heinr. Beck
die quälgeister (1806) 110.
eine selbständige bedeutung hat sich hier nur auf bairischem boden entwickelt als '
durchhecheln, kritisieren': schalksnarren, die ihren eigenen herrn transchieren und dessen imperfection auf die bahn bringen P. Gansler
bei Schmeller-Fr.
bair. 1, 671; wenn lang der prediger in der fruh die leuth ein paarmal lachend macht, wenn er die stadtleuth transchiert und ihnen brav klamperln anhängt
Portiunculabüchl., s. ebda. —