strützel ,
auch striezel,
m., demin. zum vorigen wort, bereits ahd. belegt: strucel
lolifa (?)
ahd. gl. 3, 617, 32;
mhd. struzel,
nhd. strützel,
die herrschende form jedoch ist striezel,
daneben vereinzelt strötzel Stieler (1691) 2214; strotzel Diefenbach
nov. gl. xxiii; strotczel (1431)
cod. dipl. Lus. sup. 2, 246; sträzel Kramer
Bistritz. 127.
schriftsprachlich selten belegt, um so mehr der umgangssprache und den maa. eigen. obd. anscheinend der Schweiz und dem Elsasz unbekannt, mitteldeutsch und niederdeutsch für die gebiete östlich der Elbe verzeichnet, stets in entrundeter form, für Thüringen Hertel 238,
in Hessen bereits '
gänzlich unbekannt' Vilmar 445.
das genus meistens m., selten n. oder f. das wort bedeutet ursprünglich wohl nur einen länglich geformten körper schlechthin, war also formbezeichnung, zu der jeweils die inhaltliche bestimmung treten muszte. historisch betrachtet liegen aber die verhältnisse so, das strützel
von jeher schon inhaltlich bestimmt ist:
es bedeutet den länglich geformten kuchen (
vgl. das synonyme wecke,
mit dem es als übertragung von lat. cuneus in glossaren erscheint, s. u.).
andere anwendungsmöglichkeiten treten dagegen zurück. 11)
die längliche form des kuchens: nim hin min swert unde setze iz einem becken umb struzel und umb wecken
mhd. erz. 30, 74
Rosenhagen; daz ich fürbaz iemen duzel ein semel, einen struzel næm ich dar umbe niht ze miet
Helbling 199, 440
Seemüller. lexikalisch bereits im 15.
jahrh. cuneus strüczel ... strotzel ader wecke Dief.
nov. gl. xxiii; strutzel
torta Dief.
gl. 589
b;
cuneus strüczel 162
c; morsellel zeltel, strützel und dergleichen Roth
dict. (1572) K iv
b;
in neuerer zeit gewöhnlich in der form striezel: de panibus octo, quos strützel vocant
acta boruss. 2, 770; auf der heiligen drei könig tag verehren die becker den fleischhauern eine grosse strützel oder weck, von dreien scheffeln weitzen mehls gebacken C. Hennenberger
preusz. landtaf. (1595) 11; nimmt man auf ein achtel mehl, acht eyer ... knettet ihn (
den teig) gar wol ... macht nach gefallen strützel daraus, so grosz man will Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 202; strietzel, bretzeln und kringel Lichtenberg
verm. schr. 342; sie lief zum bäcker, kaufte strözel und butterkringel Musäus
volksmärchen 1, 48
Hempel. in südlichen maa. vereinzelt als bezeichnung des länglichen brotlaibs, so in Tirol, Kärnten, Steiermark, wo noch strutz (
s. o.)
in dieser bedeutung daneben besteht, selten auch von anderem backwerk. als festgebäck unterschieden: christstriezel Campe 4, 716, allerheiligen-
und frauenstr. Lexer
kärnt. 244;
nach der herstellung: mohnstriezel Albrecht
Leipz. 219, butterstriezel
th. 2, 586, zuckerstriezel
th. 16, 312.
dazu striezelchen, n.: ich werde schon ein kleines striezelchen bleiben, so grosz und geschlank ... werd' ich mein' lebtage nicht Holtei
erz. schr. 14, 192. 22)
häufig in der sprache der älteren medicin, vgl. die benennung des arztes her doctor Strützel
fastnachtssp. 306, 18
Keller; man nimbt ein teil klein geribes schönes brots, viertail zuckers und macht strüczel darausz nach der apodeckerkunst Birlinger 413
b handschriftlich; den zerlasz in rosen- und lavendelwasser, siede in hart, mach zeltlin oder strützel Wirsung
arzneib. (1588) 42
b;
vgl. Schmeller 2, 822; Fischer
schwäb. 5, 1888
und strützlein
sp. 154.
als maszangabe noch heute ein strüzel teig, butter, taback, ocker Fischer
schwäb. 5, 1888; Schmeller 2, 822; nimb hirschhorn, rettichsamen, jedes drei untz, sinopidis pontici drey strützel Seuter
roszarznei (1599) 186; kauff ein stritzel schwefel, der eines fingers lang sei
ders. nach Fischer
schwäb. 5, 1888.
vereinzelt als wulstförmiger blutstreifen Westenrieder
gloss. (1816) 566.
compp. strützelbäcker: strözelbecker Stieler (1691) 76;
mundartlich noch heute strützelbäck Unger-Khull 585
b; denen brodt- und strizlböcken (1749)
österr. weisthümer 6, 286;