strohmann,
m. ,
vir stramineus Stieler (1691) 1237.
nl. strooman,
fries. strieman,
engl. strawman,
dän. straamand. 11)
wie strohmeier (
s. d.): ein mair, ein widemann, der strohmann oder der auf dem ampthof zu
M. sitzt (1381)
weist. 6, 208
Gr. 22)
strohpuppe. 2@aa)
meist bei kampfspielen und volksbräuchen verwendet: sage mir, sollen die herrn (
fürsten) allein in jrer person kriegen oder stromenner flechten wider die feinde? Luther 50, 533
W.; dasz man jährlichen gebrauch nach, etliche, nicht eben gar zu künstlich zugerichte bilder oder strohmänner, in koth oder in die sumpffe hinein schmeist Hilscher
den todt austreiben (1701) 13; sie machen sich einen strohmann, setzen ihm eine Jakobinermütze auf, geben ihm eine pike, und ziehen nun gegen diesen strohmann zu felde Rebmann
das neue graue ungeheuer (1795) 1, 82; in Böhmen ziehen die kinder mit einem strohmann, der den tod vorstellen soll, ans ende des dorfs J. Grimm
dt. mythol. (1876) 2, 642.
als spottfigur: schon schleppte man strohmänner mit dem daran befestigten namen 'kreishauptmann' durch die straszen und verbrannte sie auf öffentlichem markte J. G. Forster
s. schr. (1843) 3, 193.
als schandzeichen (
vgl.strohkranz): '
dergleichen (strohmänner)
müssen an etlichen orten öffentliche huren als eine strafe auf dem rücken ... tragen',
Noel Chomel, öcon.-phys. lex. (1750) 8, 1733; dasjenige mädchen, dessen ruf nicht ganz rein war, erhielt einen strohmann hingesetzt Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 152.
bildlich für '
phantom, trugbild': er schrie und stritt mit luftgespenstern und strohmännern, bis ihm der tod die kehle so gewaltig zudrückte, dasz er kein wort mehr sagen konnte Wetzel
Tobias Knaut (1775) 3, 148.
in anlehnung an den metaphorischen gebrauch (
s. 4): wann wir von lauter wachs vnd nur stromänner wehren, und er (
Roland) gantz fewr, so möcht er können vns verzehren Dietrich v.
d. Werder
ras. Roland (1636) 4, 67; die krone scheine sich auf ihrem haupte zu betrüben, man glaube nur einen gekleideten strohmann zu sehen Göthe I 43, 270
W.; er ist ein ausgestopfter strohmann, und sie ist ein weiblicher satan in fleischfarbenen tricots Holtei
erz. schr. (1861) 11, 141. 2@bb)
als vogelscheuche: ein furchtsamer förcht sich vor allen butzen, Aerger als die spatzen vorm strohmann Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 252; dohlen, krähen, ... geben sich um die wette mit der plünderung ab und können kaum durch strohmänner ... zurecht gewiesen werden Schwerz
prakt. ackerbau 2 (1825) 289.
bildlich (
in anlehnung an 3
u. 4): wofür binn ich kayser? soll ich nur strohmann seyn, und die vögel von euren gärten scheuchen, keinen eignen willen haben Göthe I 39, 79
W.; du kannst dich ohne gefahr ärgern, mein hölzerner thürpfosten. stelle dich in die erbsen, mein lieber strohmann, und scheuche die vögel weg Kotzebue
s. dram. w. (1828) 8, 191.
vgl. auch die dim.-bildung: die lappen von dem rock und hembde hiengen ihm natrlich an der seite wie einem strohmAennlein, das man zum schrecken der hirsche in die rubenæcker stellet Zendorius
winternächte (1682) 79. 33)
vorgeschobene person, die dem eigentlich handelnden als deckung dient; vgl. frz. homme de paille '
prêtenom' (1598)
bei Wartburg
frz. etym. wb. 4, 454.
in diesem sinne zunächst an die vorstellung einer (
statt eines menschen)
vorgeschobenen strohpuppe (
s. 1)
anknüpfend, vgl.: Friedrich liesz einen strohmann zimmern und gleich einem menschen bewaffnen, den warf er ... dem löwen vor Grimm
dt. sagen (1891) 2, 170; der Heiner stellte eine leiter ans fenster, ... schiebt ... einen ausgestopften strohmann vor sich her, der aussah wie ein mensch Hebel
w. 2, 177
Behaghel. im bilde: sagen sie mir ..., was er darunter suchen mag, dass ihm gerade mein name gut genug ist, unter demselben sich einen strohmann aufzustellen, an dem er seine fechterstreiche zeigen könne? Lessing 10, 245
L.-M.; Constantin ... sah wohl, dasz er fürs erste nur als strohmann gebraucht worden, welchen Leonore vorschob, um hinter ihm wie hinter einem schilde zu grollen Holtei
erz. schr. (1861) 6, 12.
in übertragenem gebrauch: dadurch liess sich Voltaire hinreissen, mit vorschiebung eines strohmannes zwar, aber von jedermann erkannt ..., eine streitschrift drucken zu lassen D. Fr. Strausz
ges. schr. (1876) 11, 76; man wird mir diesz übel deuten, was ich mir lieber gefallen lasse, als mich zum strohmann für andere herzugeben Böhmer
bei Janssen
Böhmers leben (1868) 2, 432.
eine vorgeschobene person, die bei geschäftlichen abmachungen ihren namen hergibt oder bürgschaft leistet, s. Schirmer kaufmannsspr. 185 (
auch in diesem sinne auf ähnliche frz. wendungen zurückgehend, vgl.: on appelle un homme de neant, un fort vestu qui se presente pour caution, un homme de paille Furetiere
dict. univ. [1690] 3, A 2
d): es ist erwiesen, dasz sie ihre gläubiger und klienten betrogen haben. da kann ihr englischer strohmann hundertmal für sie bürgen Werfel
geschw. v. Neapel (1931) 440.
besonders von dem, '
der nach auszen hin als inhaber bestimmter rechte und pflichten erscheint, während die wirtschaftl. und sachl. auswirkung zu gunsten und zu lasten anderer personen eintreten soll'
gr. Brockhaus 15 18, 270: in einem jahr vielleicht schon kann man dann gemeinsam mit postmeister C. und einigen strohmännern eine 'kurgesellschaft' von Lourdes gründen und aktien ausgeben Werfel
Bernadette (1948) 250. der wirt war in Lievens pacht- und mietsverträge als strohmann eingesprungen A. Seghers
d. toten bl. jung (1950) 497.
im politischen leben: Manteuffels sturz heiszt in diesem augenblick rückkehr des Radowitz'schen prinzips, vertreten durch strohmänner, die er lenkt (1850) Bismarck
br. an s. braut u. gattin 214
H. v. Bism. 44)
unvermögender mensch, anknüpfend an übertragene verwendungen von stroh (
s. d. 3 d
und vgl. strohen 2, strohern 3);
ein einfältiger, an geist und körper schwacher mann Campe 4 (1810) 718: weil denn unser feind und widersacher, der leidige teuffel ... nicht ein schwacher, ohnmechtiger strohman ... ist Suevus
spiegel d. menschl. lebens (1588) 175
a; sehet Christum an als peiniger ..., was frchtet ihr euch für den armen schweinsblasen und strohmAennern, den menschen, die zwar den leib tOedten, aber der seele nicht schaden kOennen Dannhawer
catech milch (1657) 6, 735.
hölzerner, impotenter mann: marito impotente Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1015
b; denn er hat sich allezeit bey mir aufgeführt nicht als ein liebhaber, sondern als ein verschnippelter strohmann Schnabel
insel Felsenburg (1746) 3, 450; keuscher ehrgeiz im kampf mit der liebe ist immer eine widerliche gruppe, zumal wenn der held, wie hier, für keinen funken lust empfänglich, ein mittelding zwischen göttern und menschen, oder eigentlicher, ein strohmann ist Sturz
schr. (1779) 1, 88; ein artiges kind zu zwingen, dasz es mit einem strohmanne zu bette gehen soll, das musz ja vor der ganzen ehrbaren welt unbillig heiszen Gottsched
dt. schaubühne (1740) 5, 264.
in neuerer zeit oft von menschen ohne macht und geltung (
z. t. in anlehnung an 3): die weltliche behörde ... zur bloszen assistenz, ja zum stimm- und willenlosen strohmann herabzudrücken, war nun das ... bestreben Roms Kürnberger
siegelringe (1874) 499; wenn dann ... T. ... zur regierung komme, so sei
V. ein strohmann dagegen und mister
M. eine schillingspuppe Fontane
ges. w. (1905) I 6, 186; dieses testament ... machte ... ihn (
den herzog) aber in wirklichkeit zu einem strohmann Döllinger
akad. vortr. (1888) 1, 415; man wandte ein, dasz ein künftiger protector ohne die armee ein strohmann sein würde Ranke
s. w. 17 (1870) 129.
lebensfremder, verknöcherter mensch: collegien und ämter scheinen ihm (
Werther) den menschen zu vernichten und an seiner stelle nur philister und strohmänner zu bilden Gervinus
dt. dichtung (1853) 4, 476.
in hinsicht auf das geistige unvermögen (
vgl.strohkopf): wenn er nur nachher so klug gewesen wär', und mir den vorfall gemeldet hätte, so würde ich doch, um so einen dummen strohmann nicht stecken zu lassen ..., irgend eine entschuldigung gefunden haben Göthe I 43, 301
W. 55)
beim whistspiel die person, welche die partie des blosz fingierten partners (
des '
blinden')
übernimmt; (
whist) kann auch unter drei teilnehmern mit strohmann gespielt werden
gr. Brockhaus 1520, 282: sie (
die gutsfrau) ... spielte mit dem ersten verwalter, dem pastor und dem strohmann whist W. Raabe
hungerpastor (1864) 2, 4; wer mich ... mit der fürstin whist à deux spielen sähe, wo fräulein Lucie und Billy strohmänner dazu agiren Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 3, 416; dasz sie täglich ... zur whistpartie mit dem strohmann geladen sei
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 3, 231.