stöszel,
m. ,
spätahd. stôʒil Graff 6, 736;
mhd. stœʒel;
mndd. stôtel, stœtele Diefenbach
gloss. 152
b. —
auch in den frühnhd. wb. belegen noch oft ohne umlaut, so bei Trochus, Junius
und noch neben stöszel Orsaeus (1623);
für ô
steht anch ein wohl auf mittelrhein. glossare zurückgehendes oy, oi.
vgl.stoszel (
auch morselstoszel), stoiszel,
pisellum Diefenbach
gloss. 438
a; stoyszel,
tritillum 598
a (
voc. v. Eltwil 1472)
und unter '
tudes' 601
a;
bei Brack
als steszel Diefenbach
gloss. 148
b (
contus),
vgl. elsäss. stésl Martin-Lienhart 2, 617
b und weiterhin sogar sächs. stieszel Müller - Fraureuth 2, 565
a,
das in der scheltensphäre gängig, sich über den ursprünglichen dialect. geltungsbereich selbständig verbreitet hat, vgl. götting.-grubenhag. stiesel (
s. unten II 2). II.
als nom. instrument. I@11)
als werkzeug I@1@aa)
zum zerkleinern durch wiederholten stosz. —
einfacher von holz: stoszel
vel stutzen,
palus Diefenbach
gloss. 408
b; nim die wurtzel von den wilden disteln ... und stosz sie mit einem hültznen stöszel Dryander (1542) 81
a (mit einem höltzin stöszel Ryff 60
b); zerstosze sie (
die wurzel) in einem steinin mörser oder hültzin napf mit einem hültzin stöszel zu einem musz Gäbelkower
artzneybuch 1, 200;
auch mit einem hültzin stüszel (
umrühren) Wirsung (1588) 33
b; (
den quittensaft) von einem starken menschen mit einem höltzernen stöszel wol rühren lassen Hohberg
georgica 1, 222;
nicht weniger alterthümlich von stein, vgl. stöszel,
pistillum, ein steyn Alberus (1540) Bb 2
a (
vgl. Ratzel
völkerkunde 2, 586). —
doch seit dem ma. fast gewöhnlicher aus metall, wenn auch die folgenden belege diesen punkt zumeist dunkel lassen: das reinst öl von den ölbaumen und gestoszen mit eim stöszel (
piloque contusum)
bibel 1483 (
2. Mos. 27, 20); mit einem stöszel zu stücklinen gestoszen Frölich
offenbarung der natur (1591) 500.
wie: wann der mörser bleyin were, desgleichen auch der stöszel darzu, so würde die salben noch besser Gäbelkower (1595) 295;
neben stampfer (
th. 10, 2
sp. 680
unter 4), stämpfel
u. s. w.; stôʒil
vel stemphil,
pilum Diefenbach
gloss. 435
b; ein stöszel, stamper,
pistillum, pilum Orsaeus (1623) 251; ein stöszel oder stämpfel im mörser,
pistillum Corvinus
fons lat. (1646) 630. —
in ergänzender zusammenstellung mit dem mörser (
th. 6
sp. 2592): ein morser und ain stoszel Zingerle
invent. 4, 26; mit guten morszeln und stöszeln Fronsperger
kriegsbuch 1, N 2
b; bleyende mörsel und stöszel daraus (
gieszen) Mathesius
Sarepta 106
b; vor alters stieszen sie es (
das mehl) allein mit stöszeln in dem mörsel,
pistillis tundebant Comenius (1644) 114; der mörselstöszer oder stöszel, damit man etwas im mörser zerstöszet Ludwig (1716) 1883; einen kupfernen mörser mit seinem stöszel Lindenborn
Diogenes 2, 795;
vgl.: den mörser hing er ... mit dem einen henkel an den kleinen finger, und hub mit dem stöszel ein schönes geläute an, wie mit einer glocke G. Keller 4, 231. —
neben stampfe 3 (
th. 10, 2
sp. 677): (
das getreide) mit groben stöszeln in der stampe zu zerstoszen Hohberg
georgica 3, 67
a. —
unentbehrliches geräth in der küche zur gewürzigen herstellung der speisen Pincianus (1516) D 6
c;
als charakterisches geräth des apothekers: (
schau) die männer an, wie sie sich nöthen müssen ... der apotheker bei dem stöszel? Abr. a S. Clara
etwas für alle 2, 623; (
es singt) der bierbräuer bey dem kessel, der apotheker bey dem steszel
Judas 3, 93. —
in der landwirthschaft ein zirkelförmiges eisen an mannshohem stiel (
zum zerkleinern des viehfutters) Schmeller
2 2, 789. — eiserne stöszel
als das wesentliche an der reibmaschine in der chokoladenfabrication Karmarsch-Heeren
3 2, 335. I@1@bb)
zum feststampfen, so des bodens (Martin-Lienhart 2, 617
b),
einer salzladung: item der gesworn zueburger soll in dem pfannhaus mit vleisz aufsehen, damit die fueder wol purt, und mit dem stöszel gestoszen werden
[] Lori 124 (
sudordnung v. 1489);
und sonst: stosz die (
asche) mit einem hültzern stöszel ... nider Ercker
mineral ertz (1580) 30
b,
vgl. auch Agricola-Bech (1621) 126
u. 382; stöszel, handramme,
vectis Rode
Vitruv 70
anh. — stöszel,
die horizontal liegenden nadeln der jacquardmaschine Bucher
kunstgewerbe 387
b. I@1@b@aα)
in der schraubenfabrication die senkrecht sich bewegenden stöszel
der schmiedepresse Karmarsch-Heeren
3 8, 3. I@1@b@bβ)
eine begriffliche vermischung von a
und b: Brahmas rat musz befolgt werden; doch, wo finden den stöszel wir, grosz genug, um das meerwasser gar zu quirlen? das fragt sich hier Gjellerup
das weib des vollendeten 37. I@1@cc)
als strafwerkzeug: und da er wie ein ärbisz mit einem stöszel gestoszen ward, sprach er zuo dem hencker oder züchtiger ... Burleus
de libera vita (1450) 107
a; jener dort, welchen der grausame tyrann ... in einem mörser mit eysern stöszeln zerstoszen lassen, ist der vortreffliche philosophus Anaxarchus Moscherosch
gesichte 576;
hierher wohl die elsäss. redensart: dem brucht merr doch sunst au nit mit em steesel un mit em schleejel druf ze dyte Martin-Lienhart 2, 617
b,
d. h. ihm mit einem gröblichen hinweis zu kommen. I@1@dd)
kolben einer wasserspritze (
aus hollunder) Martin-Lienhart 2, 618
a. I@1@ee)
als ein landwirthschaftliches geräth(?) stoszel
vel roch,
tribula Diefenbach
gloss. 595
a. I@1@ff)
als eine begriffserweiterung etwa in dem sinne von stampfe 3 (
th. 10, 2
sp. 677) stoeszel,
pulsatorium 472
c. I@22)
zum einstoszen, so am pfluggrendel wie stosz II, 1,
e Schmeller
2 2, 788; Martin-Lienhart 2, 618
a; Müller-Fraureuth 2, 565
a: '
den nagel, den man vor die grengelwiedte am grengel in die löcher fürstecket, darnach man seichte oder tief arbeiten will, nennet man den stöszel' Mart. Grosser
landwirtschaft (1550) N 4
b (
vgl. Zinck 2827). I@33)
in einem jagdzeuginventar von 1658: 5 stöszel mit eiserner spitze zum wolfszeug Schwappach 2, 631
anm. I@44)
hierher auch: stöszel eines geschirrtaues Hoyer-Kreuter 1, 739 (
vgl. Alten
handb. 4, 170). I@55)
entsprechend stosz II, 1,
b: an den füszen zwen stöszel oder holtzschuoch einer spannen dick oder hoch S. Franck
weltbuch 202
b. I@66)
entsprechend oben stosz II, 6
und steisz: siedet die hüner, dasz sie schön weisz bleiben, löset dann die hintern viertel samt den stöszl darvon hinweg Hohberg
georgica 3, 3, 2
a. IIII.
als nom. agent. II@11)
elsäss. wie unten stoszfalke,
der hühnerhabicht Martin-Lienhart 2, 618
a (
auch in der zusammensetzung lerche
nstöszel '
lerchenfalke'
und wohl wie tubenstöszel,
der sperber). —
in ahd. stôʒil
mit Suolahti (340)
Salomonische gl. diholzi '
alchion' (
clm. 22201, 8
b)
zu bessern, auch im hinblick auf distoʒl wigil '
alciones, aves marinos'
der version C (stoʒil, stoʒilwigil
wohl eine bezeichnung des fischadlers; s. oben stoszadler). II@22) (
stoszender)
ochs oder schafbock: sächs. als stieszel Müller-Fraureuth 2, 565
a;
ndd. en stotel, stoetele,
cornupeta Diefenbach
gloss. 152
b (
auch die lebendig gedachte belagerungsmaschine, der stoszbaum,
sturmwidder: schickten die von Zürych ein fänlein knecht gen Baden, mit einem groszen stöszel auf rederen, im fürsatz, morgens vor tag in einem näbel die porten der statt damit aufzuostoszen Stumpf
Schweytzerchron. 506
a). —
hierher die von Sachsen ihren ausgang nehmende personenschelte stieszel,
einfältiger, beschränkter, tölpelhafter mensch Müller - Fraureuth
a. a. o. (
nach Albrecht '
der überall anstöszt')
und so weiter verbreitet, vgl. götting.-grubenhag. stiesel '
ungeschickter mensch'. II@33)
von berufsthätiger person: II@3@aa)
der salzstöszel,
welcher salz im kleinen verkauft. Schmeller
2 2, 790 (
vgl.stosz II, 3). II@3@bb)
welcher bei pflasterarbeiten die steine feststampft: auch so mussen die pflasterer haben einen gesellen, der inen nachstöszt ... einem solichen stöszel hat man bisher geben und gibet ims noch, wenn er steest, von sant Gallentag bis auf sant Peters tag stulfeier zwelf pfenning Tucher
baumeisterb. 49. —
hierher oder zum vorigen der familienname Stöszel (
wie der verteidiger von Port Arthur).