störer,
m. (
zu 2stören,
verb.): '
einer, der auf die stör (
s. oben)
geht',
überhaupt '
pfuscher, der unbefugt ein handwerk treibt'
; mhd. stœrære,
vgl. M. Heyne
altd. handwerk 162;
handwörterb. der staatswissensch.2 4, 373:
schon in deutlicher erkenntnisz der zugehörigkeit zu 1stören,
verb. störer,
turbator opificii '
einer, der gute handwerksordnung stört' Frisch 2, 340
c (
vgl. dazu noch unten zunft
zu ziemen,
verb.),
so auch in der zusammensetzung: handwerksstörer,
busbaccone Kramer
dict. 2 (1702), 985
b;
s. auch unten die wohl unter dem einflusz von storch
stehende form storger. —
unter den begrifflichen entsprechungen vgl. noch pfuscher (
th. 7
sp. 1815,
als fuscher,
th. 4, 1
sp. 961);
und nach Kramer
und Campe
in der Schweiz schübler (
th. 9
sp. 1821),
wozu der gaunerausdruck auf schub gehen,
einen hausdiebstahl begehen (
sp. 1812
unter 1,
g)
zu vergleichen ist, doch andererseits s. gegenüber der bedeutung schübler '
fresser'
die entsprechende entwicklung von schlucker
bis zum armen schlucker (
z. b. in einer kunst; sp. 805). —
dazu die durch reim wie begriff gleicherweis verbundenen hümpler (
th. 4, 2
sp. 1909
unter 2)
und stümpler (
s. unten). —
neben bönhase (
th. 2
sp. 237)
als nationalökonom. terminus: wie die zunftmeister gegen störer und bönhasen, so gingen sie (
die frauenhäuser) gegen den unlauteren wettbewerb der 'heimlichen' frauen vor K. Bücher
frauenfrage im ma.2 57 (
vgl. deutsch. buchhandel 93). aa)
einzelheiten: vornehmliches hervortreten im schneiderhandwerk: ouch wo man die störer (
des schneiderhandwerks) ankompt, dy sal man mit dem gewande in das gerichte antworten
Breslauer urkundenb. 228, 13 (
j. 1361);
vgl.: du hast den hencker hiemit eine feine kappen zugeschnitten, wenn nur einer were, der sie zusammennehen wollte. aber ich bilde mir einen solchen tüglichen schneider nicht ein: von aufschneiden der störer höre ich zwar Prätorius
glückstopf 80. — storer
neben dem nur kaldaunen verkaufenden kuttler (
th. 5
sp. 2907) Thurneisser
archidoxa 11;
neben hümpler (
s. darüber die einl.): die hümpler und störer ahmen nach den handwerken, wollen auch kunstreiche meister sein Luther
tischreden 203; tischer, zimmerleute, schmiede, töpfer, drechsler, wenn sie etwas gutes machen wollen, und gute meister werden, so müssen sie nur ein handwerk können, und demselben obliegen, sonst werden hümpler, störer, und endlich bettler draus, zumal wenn sie fünfzehn handwerke können wollen Mathesius
Syrach 2, 137
a;
und so sonst in der vergleichsrede: wenn ein buch oder predigt nicht in der apostel bley stehet, und das bleyscheid schlegt nicht recht ein, so soll uns lerer und schreiber als ein hümpler und störer, der nicht den rechten steinmetzengrusz kann, billig verdechtig sein
Sarepta 98
b; damit man nicht die öfen in der hütte gottes, mit störern, hümplern ... verdorben und faulen handwerksleuten bestelle 151
b. —
und pfuscher: wer nie ein schüler war, der gab auch nie keinen meister, sondern bleibet ein hümpler, störer oder pfuscher, er komme in die schuele oder kirche
Syrach 2, 136
a; dasz das ... seelenhandwerk das stärkste sey, welches die meisten fuscher und störer hat Prätorius
katzenveit G 2. —
neben stümpler (
s. einl.): die alten kalmäuser ... seyen nit besser als die kesselflicker, welche zu Altzey in der Churpfaltz der kupfer- und kaltschmidzunft nicht fähig wären, dieweil sie nur vor stümpler und störer gehalten würden Grimmelshausen
traumgeschicht 44. —
ihr herumziehen im flachen land: vielweiniger sollen die storer aufm lande, in flecken und dörfern zu arbeiten gelitten werden
cod. dipl. Brandenb. I 4, 383 (
privileg für d. kürschner in Neuruppin v. 1589). —
sie haben am orte kein meisterrecht: es sol auch den störern so flickwerck treyben und haussässig sind, obgleich derselben ainer im handwerck nit zugelassen wär, dannach gestatt werden, den armen leuten und inwonern des lands ire klayder, sättl, commet, und anders zu pessern und zu flicken
landpot in Ober- und Nider-Bayern (1516) 52
b; sie (
die frau) setzt keinen stöhrer auf ihres mannes werkstatt Lehmann 173,
zumeist handwerksgeselle ohne meisterstück, und nur zunftrechtlich kann der fremde meister (
wie im folgenden)
ihm gleichgestellt werden: das sich die unterthanen im purkfridt und urbar frembter maister und störer in allen handwerchern bei obgesetzter straff enthalten
niederösterr. weist. 3, 798, 22;
deshalb wegwerfend: er ist nur ein störer,
egli non è che busbaccone Kramer
dict. 2, 985
b. bb)
im bereich der anspruchsvollen kauf- und bescheidneren kramergilde '
der im lande herumziehende hausierer' ('
der von haus zu haus zieht',
s. hausierer
th. 4, 2
sp. 674
unter 3): hausirer, landstreicher und stöhrer, werden insgemein diejenigen crähmer und auswärtigen kaufleute genennet, welche allerhand fremde waaren von hause zu hause tragen und verkaufen
allgem. haushalt. lexic. 2, 511
a; (
so mit begrifflichem einschlusz von a:) städter hassen stöhrer heftig, die im lande rumher streifen Logau 411, 15.
übernommen in den bereich der medicin '
der quacksalber, salbenkrämer, pfuscher' (
auch hier die wirthschaftliche schädigung der zünftigen, ortsangesessenen ärzte von unserem wort in den vordergrund gestellt): dorftrumpeln, störer, schlagfluszmacher Fischart
groszmutter 94; und such ten immer new heylstett und unterschleif, bis sie endlich mit schanden, wie die störer, auf und ausgetriben Mathesius
werke 3, 268; denn wie kann ein gemeiner mann, oder sonsten ein störer die artzneien nicht gebrauchen, wenn er weder der krankheit oder der artzneien natur und eigenschaft weis J. Knobloch
kurtzer bericht von dem podagra (1606) 82; also ist machina mundi in ihrer wirkung, die dann der artzt wissen soll, er sey dann ein arszkratzer oder dergleichen störer Paracelsus
opera 1, 1063; von fuschern und störrern
seitenüberschrift über dem gedicht '
von der löblichen chirurgie'
bei Gg. Schober
reimbuch 314 (
um 1690;
landesbibl. Kassel, ms. poet. fol. 17); darüber klagn die medici, wie andr störer sich unterstehn, das sie wolln zum kranken gehn Herlicius
musicomastix D 7;
neben stationierer,
dem bettelmönch, welcher mit reliquien zum zweck der wunderheilung im lande herumzieht (
s. th. 10, 2
sp. 944): farende schüler, landsknechte, störer, stationierer, starke mönch und pfaffen S. Franck
sprichw. (1541) 2, 76
b. —
im 18.
jahrh. schon unverstanden, noch einmal hervorgesucht: allgem. haushalt. lexic. 2, 598
b f. cc) störer (
als volkswitz)
der einem ehemann ins gehege kommt (
ins handwerk pfuscht) Schmeller
2 2, 780.