störer,
m. , zu
1stören,
verb., mhd. stœrære, stœrer. —
ostfries. als störder (
neben störer) Doornkaat Koolman 3, 329
a,
eine auswucherung, die unten in storger
ein nicht ganz entsprechendes hat. —
über den nicht ernstlich zu bezweifelnden zusammenhang von 2störer,
m., mit unserem wort s. d. —
s. noch unten verstörer (
th. 12, 1
sp. 1777)
und zerstörer. 11)
eine person, welche stört; turbator Frisch 2, 340
c. 1@aa)
gewöhnlich durch einen genit. erläutert: einen stôrâre dises rîches
specul. eccles. 61; Lucifer, an di gnad gotes storer der heiligen christenheit, guter siten und dugenden Schade
satiren und pasquille 2, 99; welcher
auch diesse artickel eynen adir mehir obirtreten wurde, ... der sol als eyn störer gemeynes notczes gehalten (
werden)
lehnsurkunden u. besitzurk. Schlesiens 1, 35 (
j. 1490); (
die) störer seiner brutbauten Jean Paul 40, 37
Hempel; bald mehr vollkommenheit in thieren zu entdecken, der vögel feind zu seyn und störer aller hecken Lessing 1, 245;
der gedanke vom frieden(s)störer (
th. 4, 1, 1
sp. 193),
welcher sich hier vordrängt und in dem imperativ störenfried (
s. oben)
seine besondere ausprägung erfahren hat: als ein brecher und stöhrer des landfriedens Buchholz
Herkuliskus 999; die stöhrer des friedens
M. I. Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 437 (Laube 10, 40); da die hohenstaufischen brüder nicht darauf (
auf die verordnung) achteten, so erklärte er (
Lothar) sie zu störern des öffentlichen friedens, und liesz einen reichskrieg gegen sie beschlieszen Schiller 9, 242; störer des weltfriedens, eroberer, tyrannen Grabbe
werke 3, 132;
auch: gegen jeden störer seines friedens mit unerschrockenem muth beseelt W. v. Humboldt 1, 118. —
demnächst der ruhestörer (
th. 8
sp. 1435): (
sie) stellten ihn für ein gerichte, das ihn als einen aufwiegler und störer der gemeinen ruh zum feuer verdammte Lohenstein
Arminius 1, 988
b; (
das medische reich,) welches ihren könig als einen störer der allgemeinen ruh verfluchte 1, 228
a; (
der kaiser) befahl den mönchen ..., die stadt in drey tagen zu verlassen, oder zu erwarten, dasz man sie als störer der öffentlichen ruhe ... bestrafe Zimmermann
über die einsamkeit 2, 447 (Forster
schr. 3, 219); Napoleon als störer der öffentlichen ruhe Fr. v. Gentz
schr. 2, 394 (Klinger
werke 1, 321). —
in diesem auf das allgemeine gewendeten sinne: die schnellgalgen mit stricken bespannt, damit die störer der ruhe sogleich geschaukelt werden können Archenholz
England u. Italien 2, 330; man bestimme die gesetze gegen die übertreter der sittlichkeit, gegen die störer der ruhe nach den bedürfnissen des augenblicks Göthe
jahrbuch 19, 22; ob man den seltnen mann nicht für einen störer der ruhe halten würde? (
von einem, der eine kunst erfindet, um die menschen tugendhaft zu machen) Klinger
werke 12, 25. —
mehr im persönlichen mikrokosmus des einzelnen: die störer eurer ruh Pfeffel
poet. versuche 9, 198 (Cronegk
schr. 1, 62; Gerstenberg
Ugolino 222
nat. lit.); bin ich endlich ... dieser störer meiner ruhe entlediget?
theater der Deutschen 7, 296 (Denis
lieder Sineds des barden 151); zu diesem hüpft das herz, mit innrer wallung zu und flieht, voll scheuer furcht, die störer seiner ruh Wieland
natur der dinge 2, 476; dich treff ich hier, verruchter, verhaszter mörder, störer meiner ruh Heine 2, 343
Elster; sie trägt ihre klage über die stöhrer ihrer ruhe mit solchem eifer vor, dasz man ihren ernstlichen hasz gegen diese lasterhafte mit vergnügen wahrnehmen kann
die vernünft. tadlerinnen 2, 322 (Gottschedin
briefe 1, 128
Runkel); gegen einen solchen ungestümen stöhrer unserer ruhe
insel Felsenburg 1, 61; (
er) nahm durch grosze versprechungen mich ein, und ward hernach einer der schändlichsten störer meiner ruhe Bahrdt
gesch. s. lebens 3, 88;
auch: stöhrer deiner eignen ruh E. v. Kleist
werke 1, 71
Sauer; du selbst bist störer deiner ruh
Mildheim. liederb. 92; (
von einem) störer seiner gewissensruhe bedroht Holtei
erz. schr. 20, 114; wenn ehrgeiz, furcht und eigenwille die störer meiner ruhe sind Schwabe
belustigungen 1, 312;
als freudenstörer (
th. 4, 1, 1
sp. 156); disen ... störer der freuden Schaidenraisser
Odyssea 74
b; ich will kein störer eurer freuden sein Tieck 4, 279; in mir nur den störer ihrer unschuldigen freuden sehen Deinhardstein
dram. werke 1, 27; nun fahr hin, mordbringend leiden, furcht, bekümmern, zweifelzagen weichet! hin! ihr störer meiner freuden!
geharnschte Venus 105
neudr.; winter, störer solcher freuden, die der warme sommer kennt Knittel
poet. sinnenfrüchte 20; der mond ging auf, der störer unsrer freuden, der Amorn oft die zeit zu lange macht: uns kam er stets zu früh — er kam, um uns zu scheiden! Wieland 10, 124; o stehet uns abermal dieser störer unserer glückseligkeit, der leib, im wege, und bietet uns seine schatten, statt der wahrheit, an Mendelssohn
ges. schr. 2, 116 (
neue schauspiele 12, 1, 96); ich steche ... den störer meines ganzen glückes nieder Ayrenhoff
werke 4, 300 (J. A. Schlegel
verm. ged. 2, 176); er ist der störer seines ruhigen glücks, störer der ursprünglichen ... seligkeit Schelling
werke 2/4, 260; jeden anderen störer dieser heiligen abendfeierstunde würde der neue gutsherr hart angelassen ... haben Holtei
erz. schr. 12, 191; die narren haben sich verschworen, die störer unsrer lust zu seyn J. A. Ebert
episteln 270; der gewaltige störer der liebe, der tod Hermes
Sophiens reise 5, 407; wo sind doch die verruchten lehrer, der lautern freundschaftstriebe störer?
neuestes aus d. anmuthigen gelehrsamkeit 2, 831;
als ordnungsstörer (
th. 7
sp. 1337): wenn ichs dachte — wenn ichs im mark der seele fühlte, welch ein störer der ordnung ich war! Schubart
leben und gesinnungen 2, 107; (
man) liefert alles, was eine meinung hat, ... an den nächsten wachtposten als störer der öffentlichen ordnung aus Gutzkow
werke 7, 445 (Gaudy 13, 44); all die störer der friedlichen ordnung Mommsen
röm. geschichte 3, 135. — einzelne bösewichter und störer der öffentlichen sicherheit G. Forster
schr. 2, 138; als stöhrer der allgemeinen sicherheit Laukhard
leben u. schicksale 3, 236. — dich selbst nöthigt die wuth der störer deiner gesetze, wenn sie das zögern der strafe zu neuen empörungen anreizt, oftmals von der entheiligten erde dein antlitz zu wenden Wieland 26, 375; ein störer des glaubens
vgl. Frankfurter reichscorrespondenz hrsg. v. J. Janssen 1, 240 (
j. 1411); die mich einen valschen störer der heiligen schrift kundent
erste deutsche bibel 2, 411; weder falschheit noch liebe zur abwechselnden veränderung musz ein stöhrer unserer selbstgelassenheit werden
Leipziger avanturieur 1, 255; ich fliehe die fremden, da die mehresten gecken und narren sind, als störer meiner zeit und räuber meiner ruhe Winckelmann
werke 10, 484; wenn doch Thanatos diesen stöhrer unsrer wünsche wegräumen wollte Ayrenhoff
werke 4, 367; leider ist auch hier das leidige spiel, der störer der guten gesellschaft, eingerissen Klinger
werke 1, 122; jeder andersdenkende als ein störer des ruhigen ... fortschreitens Schleiermacher
reden über die religion 97; (
einen) als einen störer ihres geschäfts (
verwünschen) Hebbel
tagebücher 2, 412; die störer ihrer abgöttischen feier (
strafen) G. Freytag 9, 133. —
entsprechend 1stören 2,
a, γ: das wird der frieden lösen, der gutesbringer der, der störer alles bösen Treuer
deutscher Dädalus 1, 579;
vgl. noch: dann Jesus ist dem todt ein gall, der hellen störer überall Christoph Schwommann
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 2, 352;
als übergang zum folgenden (
interpellator, s. unter 1,
b, β): sey nicht der störer unsrer letzten rede Platen
dramat. nachl. 21, 116
lit.-denkm.; aber horch! was rauschet herauf im schwarzen gebüsche? bleibe ferne! störer des sängers! Hölderlin 1, 45
Litzmann. 1@bb)
seltener ohne solche bestimmung: 1@b@aα)
im stärkeren sinne: der störer,
turbator Frisch 2, 340
c;
vgl. ostfries. störder (
neben störer),
person, die etwas stört od. beunruhigt, hemmt und hindert Doornkaat Koolman 3, 329
a. —
von hier ausgegangen, doch durch die sonderentwickelung seiner bedeutung weiter abgezweigt: 2 störer,
m. (
s. unten). — immer neue stöhrer, die die pläne verderben müssen, an denen wir so mühsam arbeiten L. A. Hoffmann
Wertherfieber 61; der künstler stand zürnend von seiner arbeit auf, und schritt mit geschwungenem, glührothem hammer dem stöhrer entgegen Fouqué
zauberring 2, 46; wird der besitzer ... im besitz gestört, so kann er von dem störer die beseitigung der störung verlangen
bürgerl. gesetzbuch § 862. —
für ruhestörer (
th. 8
sp. 1435): ein beiszend scharfer spott wird seines meisters pein, und ist so strafenswerth, als stöhrer auf den gassen Schwabe
belustigungen 3, 4; noch steht mein (
der eintracht) sitz in Hamburg unverrückt; die tapferkeit wird noch nicht müde, dasz sie ihr schwerdt auf meine störer zückt Weichmann
poesie der Niedersachsen 1, 96; wie wenig fürsten sind, die, so wie du auf erden, der ehen schutzherrn sind, nicht ihre störer werden! Gottsched
deutsche schaubühne 5, 14; er kömt und nahet sich, wie du, in stillen wettern dich fluchbeladnen städten nahst, den tausenden, die wider ihn der störer ins feld des krieges rief Herder 12, 281;
vgl. die räuber, störer, aufwiegler und verwüster aller welt zu werden 18, 223. —
im übergang zum folgenden: wo keusche lieb ihr nestchen bauet, und sich dem schatten anvertrauet; wo nicht ein störer uns erschauet, vor welchem meiner seele grauet! Stolberg 2, 17. 1@b@bβ)
abgeschwächt, entsprechend 1stören,
verb. 2,
b, γ; vgl. störer,
interpellator Frisch 2, 340
c. — unzufrieden über ... den störer Fouqué
jahreszeiten 1, 102; (
er) rief dem störer lustig zu: 'immer herein, herr inspizient!' H. Schmid
geschichten aus Bayern 78. — da (
beim wiedersehen mit frau und kind) kann man keine störer brauchen G. Keller 8, 14; er (
Samuel Freudenstein) wollte keinen zeugen, keinen störer haben, als er seine geheimen kasten und fächer ... öffnete W. Raabe
hungerpastor 1, 173; wenn jemand das wort an ihn richten wollte, winkte er den störer unwillig mit der hand hinweg Is. Kurz
lebensfluten 117 (Holtei
erz. schr. 24, 268; Immermann
w. 6, 73); ich lasse sie allein. ihr Lewson suchet sie; ich will kein stöhrer seyn
sammlung v. schauspielen 8, 53; 1@b@gγ)
entsprechend 1stören,
verb. 2,
a, η: stifter und störer,
der das verfügungsrecht über ein lehen hat u. s. w., belehnen und das lehen wieder entziehen kann (
stiftungsbuch des klosters st. Bernhard, hrsg. v. Zeibig 198, 99); daʒ der erber man her Fridreich, hern Wolfgers sun von Awe, und sein hausvrow vrow Elspet mit guetem willen und gunst aller irer erben, und mit gesampter hant ze den zeiten, do si eʒ wol getuen mochten, und mit meiner hant verchauft habent iren weingarten ze Utelnhof, der do leit an dem perige, ... des ich rechter stifter und storer pin
urkb. des stiftes Klosterneuburg 144 (
z. j. 1312)
Zeibig; des wir alles rechter purchherre sein, stifter und störer 214 (
z. j. 1325); des vorgenanten lehens und weingarten stifter und storer und rechte lenherren
urkb. der benedictinerabtei z. hl. Lambert in Altenburg 226 (
z. j. 1347)
Burger. 22)
als geräthname: 2@aa)
dasselbe wie unten störstange,
f., lange stange, von den fischern benutzt, um die fische ins netz zu scheuchen: der störer, damit man die fische in hamen jaget Luther
tischreden 330
b,
sonst auch plümperstange (
th. 7
sp. 1943), plumpstange (
sp. 1944). 2@bb) '
schmale lange eiserne haue zum auslangen der kohlen aus den abgebrannten kohlenmeilern' Schmeller
2 2, 780. 2@cc)
wie oben stocher (
sp. 7
unter 2),
geräth zum reinigen der zähne, s. auch unten zahnstörer,
dentiscalpium Frisius 389
b.