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stiefkind

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stiefkind n.

Bd. 18, Sp. 2802
stiefkind, n. , nicht leibliches, vom gatten oder der gattin aus einer früheren ehe zugebrachtes kind. seit ahd. zeit bezeugt (s. u. 1); afries. steifkind (s. Richthofen 1049b); mndl. stiefkint, ndl. stiefkind, mnd. stēfkint. 11) in eigentlicher verwendung. 1@aa) zur bezeichnung des äuszeren verwandtschaftsverhältnisses zu dem nicht leiblichen elternteil: privigni stiufchindes (vitricus antevenit ... ortum privigni nondum geniti Prudentius contra Symm. 1, 260) ahd. gl. 2, 570, 45; wan ich von mein steufkindern ein chauf getan han (1396) privatbr. d. mittelalt. 1, 348 Steinhausen; (sie hatten) ein bösz mord angelegt mit der gräfin von Kiburg, hertzog Berchtolds von Zeringen eegemachel, demselben hertzogen sine sün, ire stüffkinder ze vergifften Tschudi chron. Helv. 1, 115; gift uns got kindere mit eynander, so scollen mine twey stiepkindere und öre muoder und unser beider kindere ... geliken diel nemen na mime dode geschichtsqu. d. prov. Sachsen 14, 357 Hertel; er war bereits vermählt gewesen und brachte ihr mehrere stiefkinder zu O. Jahn Mozart 1, 141; stiefkinder und stiefeltern können sich nicht heirathen Bernhardi hwb. z. bürgerl. gesetzb. (1899) 278b. wenn die mutter kinder auszerhalb der ehe zur welt bringt, so können diese im verhältnis zum ehegatten wie auch zum liebhaber scherzhaft als stiefkinder bezeichnet werden: swer sînem wîbe durch das jâr koufet guoter kleider vil, im selben niht enkoufet, dâ mac ein hôchvart von geschehen, daz sim ein stiefkint toufet minnes. trühling 23, 28; dat Reynke, de sulve loze deeff, myt der wulfynnen bolerye dreef ... he vant ere kynder und sprack in spot: 'guden morgen gheve yw god, myne alder levesten steffkynder!' Reinke de vos 1111 Pr.; und chäm er auf di muoter mein, er machet jung teufelein; so müsten chlagen al die teufel, di da sind, di würden all steufchind Erlauer spiele 104 Kummer. 1@bb) lieblose, harte behandlung von seiten der stiefeltern gilt, besonders insoweit es sich um unerwachsene kinder handelt, als typisch: ten sin stiefmuoter vilo willigo sougta, doh si anderiu iro stiefchint hazeti Notker 1, 800 Piper; ane twahen er im stralte zeberge uf der vil unguoter, alsam ein stiefmuoter strelte ir stiefkinde, der siu ze ingesinde zaller zit verdruzit Hugo v. Langenstein Martina 181, 63 Keller; ain witib, und die kinder hat und nimpt ain andern man drat, derselb hat kinder vom erstn beib, das sind nun schteuffkinder der frauen leib. darunder ist grosz underschaid: der frauen ist umb dy schteuffkinder nit laed, aber ire kinder zeucht sy zertlich und die steuffkinder gar hertiklich Sterzinger spiele 1, 175 Zingerle; es war ihr ... garnicht recht, dasz sie keine gelegenheit fand, schläge auszutheilen und das verhaszte stiefkind hungern zu lassen Langbein s. schr. 31, 13. vielfach weist das wort als solches den beisinn 'ungeliebtes, hart behandeltes kind' auf, z. b. den einzigen sohn behandelt die mutter härter als ein stiefkind; das Bäbele aber sasz mäuslestill wie ein stiefkind in einem winkel F. M. Felder Nümmamüllers (1863) 117. von hier aus zu verstehen: du schalt dut mit vlite leren: dine stefkint schaltu eren bei Wiggert scherflein 2, 14; sich verwunderten, dasz ein stieffmutter sich eines stieffkindts so hefftig anneme buch d. liebe (1587) 182b; o! du geliebtes weib, du muster frommer frauen, an dir wird einst die zeit ein seltnes beyspiel schauen, wenn sie zu deinem ruhm der welt die regel giebt: schaut, wie die H. .. ein stiefkind hat geliebt! Henrici ged. (1727) 2, 70. 22) häufig, mit starker hervorkehrung der pejorativen bedeutung (1 b), auf andere, auszerhalb der verwandtschaftssphäre stehende verhältnisse angewandt; vergleichsweise, bildlich oder übertragen. 2@aa) im sinne des lieblos behandelten, zurückgesetzten, vernachlässigten: nun ist die erde ein mutter alles gewächsz, die kreuter aber, so sie von sich selbst zeuget, das sind ir rechte kinder, was man aber in die erden pflantzt, das sind die stieffkinder Alberus fabeln 13 ndr. seit dem 17. jh. häufig auf grund der vorstellung einer kindschaft (vgl. teil 5, 723; 6, 2810) zu natur, glück u. ä.: dich blasser mond und euch erzürnten sterne ... beschwör ich bey der noth, wodurch ich fluchen lerne! sagt, weil doch euer licht in alle winkel fällt! sagt, ob euch die natur noch ein solch stieffkind hält! Günther ged. (1735) 935; trübselig stiefkind der natur! zur eule sagte dies der rabe L. H. v. Nicolai verm. ged. (1778) 1, 23; von einem verwachsenen: armer Zaches! — stiefkind der natur! E. T. A. Hoffmann s. w. 5, 91 Grisebach; die nicht gebähren wil, sol nicht gebohren werden, dieweil sie nichts nicht ist als ein last der erden, ein stieffkind der natur, ein garten ohne kraut Treuer dtsch. Dädalus 1, 412. Mithridates als ein stiefkind des glücks ... verrathen Lohenstein Arminius (1689) 1, 730; um diese mehr angenehme genüsse sind Fortunens günstlinge freilich reicher als ihre stiefkinder H. v. Kleist 4, 63 E. Schmidt; der auszwürffling der welt, er mag genennet werden ein stieffkind aller frewd, sein leben voller hohn Zinkgref auserl. ged. 65 ndr.; ich weisz nicht, ... ob du bemerkt hast, dasz ich ein armes stiefkind des lebens bin Gutzkow ges. w. 3, 142. — in neuerer zeit in breiter anwendung im sinne des zu unrecht vernachlässigten, zu wenig beachteten: ist uns denn die französische sprache so gar sehr am herzen gelegen, dasz wir diese allein nur versorgen und unsre eigne, als ein stiefkind, unbarmherziger weise hintansetzen wollen? Gottsched anmuth. gelehrsamkeit 7, 490; Afrika hat nach Australien immer als ein stiefkind der gesittungsgeschichte gegolten Peschel völkerkde 223; leider ist die mittelalterliche plastik bis jetzt das stiefkind unserer museen Scherer kl. schr. 2, 180; das stiefkind der gesetzgebung in den letzten jahrzehnten, die landwirtschaft und den grundbesitz Bismarck reden 11, 348 Kohl. auch mundartlich: du sollst net s stiefkind sein 'nicht schlechter dran sein als die andern' Fischer schwäb. 5, 1756. etwas, jemanden als stiefkind behandeln: die Elsässer ... als stiefkinder von den Franzosen behandelt und zurückgesetzt E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen 3, 155; wenn sie Augsburg und Ulm besucht haben, warum uns als stiefkinder behandeln? Hegel 19, 1, 202; sich von der literatur ausgestoszen und wie stiefkinder behandelt fühlen Gentz schr. 1, 10 Schles. 2@bb) seltener vom verhalten der stiefkinder gegen die stiefeltern ausgehend, mit der vorstellung des unkindlichen, entarteten, kaum über das 18. jh. hinausreichend: hat Noe seinem eygenen eelichen sun ... nit verschonet, wie kanstu (Deutschland) verschonen disem erlosen Luther, deiner unelichen stieffkind und abtrünnigen von aller zucht, eer, christlicher übung und christlichs glaubes aller deiner frommen fürfahr? J. Dietenberger ein christl. vermanunge (1523) d 1b; drum, Schleswig, lasz dir nur den eitlen kummer mindern! dein unbedachter trieb gleicht den verirrten kindern ... du wirst hinfort mit lust den alten zepter küssen und ihm zur hüterinn und brustwehr dienen müssen, um welche Fridrichs huld, als treuer vater, wacht, wenn dich der fremde zug nicht selbst zum stiefkind macht Weichmann poesie d. Nieders. 1, 62; zudem hätten die zu Antiochia dem apostel Christi ... alle ehre ... erwiesen ... Rom aber hätte Petrum ... alle schmach und schimpff ... angethan ... konten derowegen die Griechen mit allem recht söhne, die Römer aber nur stieffkinder genennet werden A. Olearius pers. reisebeschr. (1696) 170. so auch als scheltwort: nachdem er sie nun stieffkinder, verwerffliche, untüchtige, brandtmalige ... genennt hatte Zach. Müntzer bebstl. gesch. (1566) 470.
7642 Zeichen · 156 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stiefkind

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Das Stiefkind , des -es, plur. die -er, durch eine zweyte Heurath der Ältern oder Eines Theils derselben zugebrachte Kin…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Stiefkind

    Goethe-Wörterbuch

    Stiefkind [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Stiefkind

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Stiefkind , eigentlich Waisenkind, denn die althochdeutschen Worte stiufen, irstiufen, bistiufen bedeuteten: jemand elte…

  4. modern
    Dialekt
    Stiefkindn.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Stief-kind n. : 1. 'nicht leibliches und nicht adoptiertes Kind', -kind [verbr.], -kend [ BZ-Stein ]; Pl. -kinn [mancher…

  5. Sprichwörter
    Stiefkind

    Wander (Sprichwörter)

    Stiefkind 1. Das gerade Stiefkind ist doch schiefer als das buckeliche rechte. 2. Die Stiefkinder bekommen nicht das grö…

  6. Spezial
    Stiefkind

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Stief|kind n. (-[e]s,-er) fi de lëgn m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stiefkind

2 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von stiefkind 2 Komponenten

stief+kind

stiefkind setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

stiefkind‑ als Erstglied (2 von 2)

stiefkindchen

DWB

stief·kindchen

stiefkindchen , n. , deminutivbildung zu stiefkind 1 a: Reinecke trat in die wohnung der frauen und fand sie nicht heimisch. grüsz euch gott…

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APA
Cotta, M. (2026). „stiefkind". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/stiefkind/dwb?formid=S46785
MLA
Cotta, Marcel. „stiefkind". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/stiefkind/dwb?formid=S46785. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „stiefkind". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/stiefkind/dwb?formid=S46785.
BibTeX
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