steinbock,
m. ahd. mhd. steinboc. 1) '
capra ibex, ein vierfüszer, welcher zu dem geschlechte der ziegen gehört, aber von denselben wesentlich verschieden ist' Krünitz 172, 229; Brehm
3 3, 172; alpenbock; weibchen: stein- oder alpenziege; junges: steingeis Behlen
forst- u. jagdk. 5, 685,
neben ibex, das von alters her (
z. b. Diefenbach 283
b,
gemma gemm. [1508] m 1
c)
belegt ist, sind andere glosseme capricornus z. b. Diefenbach 74
a; Calepinus
XI ling. 198
b;
nomencl. lat. germ. (1634) 180;
aegoceros (
αἰγόκερως) Diefenbach 197
a, Decimator
thes. (1608) 18
b. a)
lebt auf hohen bergen und felsen, in Europa meist den Alpen: ein steinbock het sein läger in diesem gebirg vor euch hoch
Teuerdank 140
Göd.; steinböck und die gemsen ... die sach ich ausz klüfften und klemsen auff den stafligen felsen klebern H. Sachs 3, 149
K.; (
die gemsen) lieben zwar die felsichten gebürge, aber nicht die höchsten gübel und schroffen ... wie die steinböcke v. Hohberg
georg. cur. (1682) 2, 626; so beut auf steiler berge spitzen der steinbock jägern trutz J. A. Schlegel
verm. ged. 1, 205; oben auf den hohen felsen ... ein gewisser bezirk ..., wo die schönsten gemsen und steinböcke hausen br. Grimm
dtsche sagen 1, 200; der st. der Alpen Ritter
erdk. 1, 638; hier wohnt der bär, hier schwingt der steinbock sich von fels zu fels, mit geiern um die wette Raupach
dram. w. ernst. gatt. 8, 226.
[] übertragen und ironisch: wenn auf den starren felsen der albernheit die gedanken wie steinböck herumhupfen Nestroy 6, 21. b)
ein gewandtes und schnelles kletterthier: gebirge steic er unde tobel reht als ein wilder steinboc Konrad v. Würzb.
troj. kr. 5965
K.; er stîget manegen hôhen berc geswinder danne ein steinboc
ebda 13545; die steinböck aber sind einer ungleublichen ser geschwinden geradigkeit Heyden
Plinius (1565) 274; doch er klomm den abhang hinan wie ein st. Rückert 11, 419. c)
ein gern gejagtes wild: im land ob der Ens henget Maximilian im hohen gebirg aber den gembsen und sonderlich eim stainbock ... nach S. Franck
chron. Germ. (1538) 267; in den steilen gebürgen hat er sich nach gemsen und steinböcken offt ... verstiegen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 119
a; den steinbock hat er oft gehetzt, dem lämmergeier sich gesellt A. v. Droste-Hülshoff 2, 44. d)
daher scheu: vom wolfe fern! so wahrt der steinbock sich Fouqué
held des nord. 1, 23;
unruhig: dem steinbock gleichet sich ein weib, das niemals sitzt Pietsch
geb. schr. 134;
selten geworden: dankbar, dasz dir fürstenlaune zeiget manches seltne thier, selbst den steinbock Rückert 2, 533; man zeigte uns als eine seltenheit zwei steinböcke fürst Pückler
briefw. 2, 246;
in manchen gegenden schon ausgestorben: von ausgestorbenen tiertypen ist noch der st. zu verzeichnen Wimmer
gesch. d. dtsch. bod. 328. e)
seine hörner zur herstellung des bogens benutzt: seinen glatten bogen gemacht vom horn des steinbocks Bürger 157
Bohtz; wenn Homer uns ... erst auf die jagd des steinbocks führet, aus dessen hörnern der bogen (
des Pandarus) gemacht worden Herder 3, 146
S.; eine der ältesten waffen (
bogen), ... zuweilen von steinbockshörnern Vieth
encyclop. d. leibesübg. 1, 66;
daher wertgeschätzt: item wer pachhüeter in dem Häbach ist, der sol di stainpöckhorn von den erfallen und verdörben stainpöcken suechen ..., die unserm ... herrn von Salczburg
etc. gein hof zuesenden
österr. weisth. 1, 291.
f)
übertragen von einem halsstarrigen menschen gebraucht: du wirst doch kein st. seyn Meisl
theatr. quodl. 4, 221; dise starcken und wolgegründten meinungen soltestu, o starcker st. (dann also heissestu gern) bestritten ... haben (
gemeint ist Emser) L. Jud
v. war. u. valsch. gl. (1526) 8
b; im vorbeigehen stutzt mir den alten berlinischen steinbock (
Nicolai) Schiller 11, 108
G. g)
bild des st.
als wappenthier: er führte einen st. im wappen Steub
drei sommer 1, 347;
münzbild: auff seiner müntz stehet ein st. Menius
chronica Carionis (1562) 2, 26
a; die vorbereitungen zur anfertigung dieser nach ihrem münzbild steinböcke genannten pfennige Luschin v. Ebengreuth
münzk. 232;
wirtshauszeichen: das hus an der mordergassen, genant zu dem stainbock Richental
Constanzer conzil 46
lit. ver. h)
mundartliches: štêbock '
unfruchtbare ziege'
luxemb. 420; st. '
name einer dem aussatze ähnlichen krankheit' Unger-Khull 572
b. 2) '
in der sternwissenschaft eins der sternbilder des thierkreises, in welches die sonne zur zeit der wintersonnenwende tritt' Heinsius 4, 776
a;
das entgegengesetzte sternbild ist der krebs: indess die sonne im st. wäre und mein herz im krebs Jean Paul 7/10, 157
H.; in disem jar erzeigt sich ein comet im st. gegen mitternacht 18 tag lang Stumpf
Schweizerchron. (1606) 112
b. a)
daher oft in beziehung zu winterszeit und kälte gesetzt: wie lang der tag im krebs sich streckt, wie lang die naht den steynbock deckt Seb. Brant
narr. 115
Z.; [] (12.
dezember) sonn in st.
der ewig. wissheit betbüchl. (1518) b 5
a; der kalte st. hat zweymahl überzogen mit eiss Israels land und den Jordan bezogen Treuer
dtsch. Dädalus 1, 891; december heisz ich und den steinbock führ ich Brentano 2, 599. b)
allerlei astrologischer aberglaube: anfenglich heb an zu graben und zu suchen ..., wann der mond geht in stier, st. Paracelsus
op. 2, 294
Hus.; wenn Saturnus und der mon zusammen kommen in dem st., würt der lufft fast kalt J. Dryander
arzen. gem. inh. (1542) 27
a; im wolffmonat würd der st. die sonn aufferwecken und so ungestümm sein, dasz er dem jar den boden gar würt ausstossen Fischart
prakt. 23
ndr.; wenn der mond im widder, jungfrau, st., wassermann und fischen ist, sols nicht gut seyn Prätorius
glückstopf 219; was für ein kunst in allen menschlichen glidmassen, welche von dem obern gestirn, planeten und himmelszaichen geherrschet werden ..., der st. (
hat) die knye und schinbain Abr. a
s. Clara
Judas (1686-95) 1, 482; (
scherzhaft) mein gehirn, wegen der einstrahlung des steinbocks und wassermanns, etwas kalt und feucht Göthe IV 1, 189
W. c) '
ein durch den anfangspunkt dieses sternbildes mit dem gleichen gleichlaufend gedachter kreis (
wird)
der wendekreis des steinbocks
oder steinbockskreis
genannt' Heinsius 4, 776
a (
der parallelkreis 23½°
südlich des äquators); noch ärger irret Cleanthes, wenn ihm ... die sonne desshalben nicht den krebs- und steinbockskreis überschreiten kann Lohenstein
Arminius 1, 567
b; inseln ..., welche innerhalb des steinbockskreises liegen J. G. Forster
s. schr. 5, 80;
andere ausdrücke: die steinbockslini
tropicus capricorni Schottel
haubtspr. 436, 7; Harsdörfer
frauenz. 3, 32; welche magnetnadell beständig auf den polarstern zuschauet, auch jenseit der steinbockswende Knorr v. Rosenroth
pseudologia (1680) 164; steinbockscirckel S. Münster
cosmogr. 18; Kramer 2, 950
b; J. G. Forster
s. schr. 1, 15; wendezirkel des steinbocks 1, 14. —