stehend,
adj. ,
stans; part. zu stehen,
v., s. das. (
zur form I, C, 2,
l, sp. 1461,
und die daselbst angezogenen stellen). 11)
von menschen, eigentlich: stehendt,
se tenant debout Hulsius 307
b; stehend,
particip. stehends,
adv. stando, in piedi Kramer
dict. 2, 929
a;
stans, erectus Steinbach 2, 672. 1@aa)
gern als prädicative bestimmung zu verben: stehend etwas thun,
far qualche cosa (
stando)
in piedi. stehend beten, stehend essen, trincken, schreiben Kramer
dict. 2, 929
a, etwas stehend oder
im stehen thun Campe (1),
schweiz. nebes stentna thue Tobler 408
a,
vgl.stehen,
v., 1,
e: er (
Vespasian) starb ... gehalten stehend, dann er sprach es gepürt einem keyser stehend ausz disem leben zuoscheiden S. Franck
chron. der Teutschen (1539) 24
a; Felix verzehrte sein frühstück stehend, im saal umher wandelnd Göthe 21, 176 (
wanderj. 1, 10); der chevalier Wyndham ... hat sich lassen vom Pompeo Battoni stehend malen Justi
Winckelmann 2, 1, 329. stehend schlaffen,
cantherino more somniare Corvinus
fons lat. 115
b; die elephanten, sagt man, schlafen stehend Kramer
dict. 2, 929
b; im sölcher schlaffe in daz haubt kam das er stend entschlieffe (
che stando ancora in piè s'addormentò) Arigo
decam. 220, 17
Keller (3, 8).
mit weiteren bestimmungen: und so ir bet: nichten wOelt werden als die trugener die do liebhabent stend zebetten in den synagogen
erste deutsche bibel 1, 22, 62
Kurrelmeyer; ich .. sang stehend im strome aus vollem herzen zum schöpfer aller dinge empor maler Müller 1, 80; er ... wollt geradstehend in den sack einschreiten Grimm
märchen 547 (
nr. 146). 1@bb)
seltner in attributiver fügung. substantiviert: als die speisen des ersten ganges verzehrt waren, standen wir alle auf, und nicht eher kam der stehende in den sessel, als bis ... jeder einen vollen becher wein ... austrank Freytag 17, 167. der stehende,
beiname von Johann-Adolph Zigeser in der fruchtbringenden gesellsch., s. Neumark
neuspross. palmb. s. 401 (679,
vgl. Goedeke
2 3, 13). 1@cc)
mit verschiebung der beziehung auf abstracta übertragen: dasz der stehende stand des Borghesischen fechters sich mit den worten des Nepos eben so wohl zusammen räumen lasse, als der kniende des miles Veles Lessing 8, 111 (
antiqu. br. 37); ich führe nicht ein sitzendes sondern stehendes leben J. v. Müller
s. werke 6, 33.
so auch: von seinem mühseligen, stehenden und lAehnenden begrebnusz Fischart 2, 11, 7
Hauffen (
Eulensp., abred; Eulenspiegel wird stehend begraben, s. cap 98).
von einer suppe, die im stehen verzehrt wird(?): wa het der kAempffer Milo ein lebendigen ochsen auff den achseln getragen, ... wann er nit auch ein solchen stier zu einer stehenden schneidersuppen het mOegen vermagen?
Garg. s. 57
neudr. (
vgl. stehsuppe). 1@dd)
besondere beachtung heischt die verbindung stehender fusz. 1@d@aα)
pes porrectus, est justa pedis mensura, ein stehender fusz Corvinus
fons lat. 483
b.
sonst nicht bekannt. — auf stehenden fusz setzen,
s. unten 5,
c, β. 1@d@bβ)
sonst in dem sehr gewöhnlichen adverbialen genitiv stehenden fuszes,
sofort, dem lat. stande pede
entsprechend, der auch in alterthümlicher und mundartlicher sprechweise als entlehnung vorkommt, s. stantepe(de),
sp. 842.
die übersetzung ist zuerst im 17.
jahrh. bezeugt: wiewol nun der h. reichs cantzler hierauff alsbald stehendes fusses ... repliciret Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653), 15
b;
in wörterbüchern: stehendes fuszes,
subito, in continenti, e vestigio, ex tempore, extemplo Stieler 2130,
stando in piedi, lat. stante pede Kramer
dict. 2, 929
b; stehendes fuszes etwas thun,
sogleich, auf der stelle Campe (1).
etwas früher findet sich dafür: so baldt das recht verbannet (
die gerichtssitzung feierlich eröffnet) ist, und die zwo partheien ... sollen dem schulthissen von stehendem fusz, jede partey eine marcel aufflegen dasz seindt zween batzen Reutter v. Speir
kriegsordn. (1594)
s. 38, 13.
ähnlich schon mhd.: ob ir die ganzen wârheit mir nicht an stênder stete enseit Heinr. v. Freiberg
Tristan 6142.
auch in mundarten eingedrungen: lothr., štónsfo(u)s Follmann 502
a,
ebenso luxemb. wb. 427;
in Köln sthns fosz Hönig
2 176
a;
nd. ostfries. staande foots, staan' foots Stürenburg 258
b. —
vgl. im allgem. Adelung umständl. lehrgeb. 2, 424. Sanders
wb. deutscher synonymen 678. 1@d@gγ)
die ältesten belege (
s. oben)
bieten die form stehen
des fuszes,
die noch bis ins 19.
jahrh. hinein vorkommt (
so bei Campe).
sie herrscht bei Wieland,
gilt bei Schiller neben dem heute allein üblichen stehen
den fuszes.
doch ist auch dieses schon im 17.
nachzuweisen: wofern er nicht dem geld-geitz desz podesta heimfallen wolte, solte er stehenden fusses nach dem rectore magnifico gehen Happel
akad. roman (1690) 299. 1@d@dδ)
belege: ich glaube, ich hätte stehenden fuszes einen andern zug pferde gekauft, wenn ich sie gleich hätte haben können J. E. Schlegel 3, 552 (
pracht zu Landh. 2, 9); auch baute der schlaue Timokrates ... stehendes fusses auf diese anlage ein kleines projekt Wieland 2, 344 (
Agath. 10, 4); es war an einem morgen, wo er stehnden fuszes vier bluturtheile unterschrieb Schiller 5, 2, 157 (
Don Karl. 1, 2). 1@d@eε)
zuweilen ist die ursprüngliche bedeutung noch deutlich: unweit davon zeichnete ein mann, stehenden fuszes, etwas in seine schreibtafel ein Börne
ges. schriften (1829) 5, 52; dasz er nahrung zu sich nahm, musz wohl vorausgesetzt werden ... vielleicht im gehen aus der tasche, oder stehenden fuszes beim nachbar kellermeister L. v. François
d. letzte Reckenburgerin 79; wir würben unsre botschaft lieber erst. lasz uns das steh'nden fuszes hier vollbringen Fouqué
altsächs. bildersaal 1, 142. 1@d@zζ)
ihr völliges verblasztsein zeigt besonders die sehr häufige verbindung mit gehen: 'stehendes fuszes hingehen,
im gemeinen leben, den augenblick, auf der stelle' Adelung (1),
vgl. Happel
unter γ; er ging also stehenden fuszes zu ihm hin Jung-Stilling
sämmtl. schr. 1, 212; ein kuriöser mann ... macht blosz deswegen, um das ding (
die haltbarkeit der stiefel) zu erproben, stehendes fuszes einen spaziergang nach Syrakus Tieck 5, 512; ich mache mich jetzt stehenden fuszes auf Holtei
erz. schr. 25, 140; nach Uri fahr' ich stehnden fuszes gleich Schiller 14, 287 (
Tell 1, 2),
s. auch 12, 229 (
Wallenst. tod 1, 7).
so freier: das wurmte meinen bruder und er ging stehenden fuszes unter die drachen E. T. A. Hoffmann 1, 191
Grisebach (
d. gold. topf 3). 1@d@hη)
die eigentliche bedeutung wirkt darin nach, dasz stehenden fuszes
nur mit persönlichem subject gebraucht wird, oder auf personen bezogen, wie: da ... er nicht einmal zu jenem berühmten lorberzweige seine zuflucht nehmen kann, der auch ungelehrte hirten, wenn sie nur an ihm riechen, stehendes fuszes zu poeten macht Wieland
Luk. 6, 136. 1@ee)
feste verbindungen mit verben finden sich in wörterbüchern des 17.
jahrh.: sisto ... stare facio, stehend machen, auffhalten Corvinus
fons lat. 608
b;
stator, ein häscher,
qui stare facit, der einen wol kan stehend machen
ebenda; stehend
ò stehen machen,
rizzare, Kramer
dict. 2, 929
b; stehend werden,
rizzarsi, arrizzarsi, ebenda. 22) stehend
von gegenständen, zum unterschiede von liegend: eifrig sammelte man reliquien ... alle verwahrt in ganzen stehenden figuren Ranke
s. werke 1, 163; ein groszer, weicher, stehender schrein, in dem kleider ... aufbewahrt wurden Stifter
sämmtl. werke 5, 1, 91; stehender kragen (
vgl. unten stehkragen): jeder schauspieler sah nun, wie er bald in helm und harnisch, jede schauspielerin, wie sie mit einem groszen stehenden kragen ihre deutschheit vor dem publico produciren werde Göthe 18, 198 (
Wilh. Meister 2, 10).
mit näherer bestimmung frei stehend (
vgl.stehen II, B, 8,
f, auch zusammengeschrieben, s. th. 4, 1, 122): Schiller baute ... ein kleines häuschen, wo zu einem einzigen zimmer im ersten stock eine frei stehende treppe führte
briefe 28, 34. 33) stehend
bes. häufig in festen, zumeist technischen gebrauchsweisen, zunächst im sinne der aufrechten, verticalen lage, als gegensatz zu liegend;
vgl.stehen II, B, 13. 3@aa) stehende säule Jacobsson 4, 270
b,
kaum üblich, weil pleonastisch. 3@bb)
häufig von gewächsen. stehendes korn,
das noch auf dem halme steht,
noch nicht gemäht oder geschnitten ist, vgl. stehen II, B, 12
a und 13,
a, sp. 1552
f.: und zndet also an die mandel, sampt dem stehenden korn
richter 15, 5. —
in der forstsprache stehendes holz '
sind alle jene bäume, stangen u. s. w., welche noch in der erde wurzeln, im gegensatze von liegendem holze,
worunter das gefällte verstanden wird' Behlen 5, 684;
vgl. Adelung (1), Jacobsson 4, 270
b;
dazu auch: 'stehender ort
heiszt der theil eines haubaren holzbestandes, welcher noch nicht angehauen ist, oder vor welchem die hauung aufgehört hat' Behlen 5, 683.
ferner: das stehendroden der waldbäume war vor 1825 wenig bekannt ... im Frankfurter stadtwalde rodete man schon um 1800 das holz stehend (
also im gegensatz zu dem gewöhnlichen ausroden der stümpfe) Bernhardt
gesch. des waldeigenthums 3, 188. — stehendt, auffrecht fünffingerkraut,
quinquefolium frugiferum erectum Henisch 1101, 53;
bryum mucronulatum stehendes knotenmoos
F. C. Dietrich
lex. der gärtnerei 2, 336. 3@cc)
im bergbau: stehender gang, ist wenn er gerade in die teuffe fält Junghans
gräublein ertz (1680) E 4
a; ein stehender gang ist, der dem compass und streichen nach, die stunde von 12. bisz 3. führet ... dem fallen nach, ist ein stehender gang, der entweder gerade nieder, oder bey 80. grad nach dem circul. bogen fället Herttwig
bergbuch2 (1734), 369
a, '
im gegensatze eines donlegen, flachen
und schwebenden ganges' Adelung (1),
vgl. Minerophilus
bergwercks-lex. 632, Jacobsson 4, 270
a (
filou droit), Veith 214
und 459: durch diese ganze masse nun schneiden stehende, seigere gänge durch (sie sprechen dasz es klingt wie stehniche), meistens sehr schmal Göthe 51, 109; stehende gänge oder flötze Scheuchenstuel 232; seigere
oder stehende, ständige markscheide '
eine durch eine vertikale ebene gebildete markscheide (
zweier)
neben einander liegenden grubenfelder' Veith 334; stehender stock,
auch gangstock '
ein sehr mächtiger gang von einer verhältnismäszig geringen ausdehnung in streichen' (
gegensatz: liegender stock) 464. 3@dd)
von allerlei maschinen oder maschinentheilen (
vgl. Stenzel 401
a): stehender
oder senkrechter bohrer Jacobsson 4, 270; so ist für die gröszten zylinder das bohren in aufrechter stellung — also mittelst einer vertikalen oder stehenden bohrmaschine — unbedingt vorzuziehen Prechtl
technol. encyclop. 21, 601. stehender haspel, '
wenn dessen welle senkrecht stehet' Jacobsson 4, 270
a. stehender stuhl
vom dachstuhl 270
b. stehende abrückwelle
der müller 7, 431
a. stehendes
oder aufrechtes steigerad
in den groszen stubenuhren 4, 274
a. stehender stiefel '
wenn der stiefel in einem druck- oder pumpenwerk senkrecht steht' 296
b. stehendes vorgelege
in der mühlenbaukunst, '
wenn eine welle perpendikulär steht' 7, 431
a.
im bergwesen: stehende zwillinge
an einem feldgestänge, die beiden aufrecht stehenden hölzer, worin das feldgestänge befestigt ist und sich bewegt Jacobsson 4, 272
a. Campe.
bei der älteren artillerie: 'stehende mörser
werden bey der artillerie die mörser genennet, deren zapfen, womit sie sonst auf den laffeten liegen, nicht in der mitte, sondern am boden, wie bey den block- und französischen mörsern sind' Eggers
kriegslex. 2, 986,
vgl. Chomel 8, 1594; Jacobsson 4, 270
a; stehende bolzen
beim geschütz, chevilles, im gegensatz zu den liegenden, boulons Hoyer
wb. der artillerie, suppl. 80.
in der weberei stehender (
vertikaler) scheer-
oder schweifrahmen,
zum unterschiede vom horizontalen, s. Prechtl
technol. encyclop. 20, 189; stehende spule,
s. 24, 412;
bei den strumpfwirkern stehende platinen '
dünne eisenbleche, die unbeweglich in der platinenbahn befestigt sind, im gegensatz zu den fallenden' Jacobsson 3, 262
b,
s. auch Prechtl
technolog. encyclop. 18, 183.
im seewesen: 'stehend,
in verbindung mit cylinder, kessel, welle u. dergl. bezeichnung dafür, dasz diese maschinentheile eine senkrechte lage haben' Stenzel 401
a; '
im schiffbaue sind stehende knie
solche, deren einer arm lothrecht also gerade stehend angeordnet ist', stechknie (
s. dieses, sp. 1279) Campe (1),
vgl. Bobrik 404
a; '
die beiden senkrechten leike (
taue zum einfassen des segels)
heiszen die stehenden leike' 464
a. 3@ee)
mit anderer nuance beim feldgestänge (
im bergw.): '
wird das obere ende der schwinge bewegt und ist das andere unterstützt, so heiszt die schwinge eine stehende
und das feldgestänge eines mit stehenden schwingen;
ist aber das obere ende unterstützt und das untere bewegt, so heiszt die schwinge eine hängende' Prechtl
technol. encyclop. 5, 597,
vgl. 596. 3@ff)
von der handschrift, im gegensatz zu einer schrägen, '
liegenden'
schrift: die titel der gedichte waren fractur, die verse selbst von einer stehenden sächsischen handschrift Göthe 25, 132 (
dicht. u. wahrh. 7). (
in anderem sinne 4,
d.) 3@gg) stehende eigen
s. 4,
e. 44)
in anderen fällen bezeichnet stehend
das, was am ort verharrt, im gegensatz zu dem, was sich bewegt oder beweglich ist; vgl. stehen II, B, 15.
so freier: wie der alte ewige ausbau des blättchens und dessen käfers eine stehende vorsehung ist: so ist die geschichte beider wesen und der völker eine wandelnde J. Paul 33 (
dämmerungen), 20. 4@aa)
sehr gewöhnlich stehendes wasser
im gegensatz zu flieszendem:
lacus ... staende wasser Diefenbach
gloss. 316
a;
stagnum ... ein staende, stand wasser (
Cöln 1507
u. Straszb. 1513), stant wasser 550
b; stehendt wasser,
u. eaue croupie, ou dormant, qui ne court pas, ains est morte Hulsius 307
b;
aqua reses, stagnans Corvinus
fons lat. 58
a; ein stehendes, stillstehendes wasser, stehender sumpf, pful,
acqua stante, stagnante, marazzo, stanzio, acqua morta Kramer
dict. 2, 929
b;
mundartlich im nd. bezeugt: stân wâter Schambach 321
a, stând water ten Doornkaat-Koolman 3, 300
a.
die belege reichen ins 14.
jahrh. hinauf: swaz danne steunder wazzer ist, di sullen di obgenanten unser prger von Newnburch marchthalb angehoren (
vorher: swaz durchrunziger wazzer ist)
urkundenbuch v. Klosterneuburg nr. 317 (
urk. herz. Albrechts II v. Öst., 1.
märz 1345). in einem see oder stehendem wasser wohneten drey fisch Kirchhof
wendunmut 1, 111
Österl. (1, 86); durch die gewalt des talismanns vertrocknete der strom, und es blieb nichts übrig, als ein faules stehendes wasser Rabener 5, 88; man weisz sehr gut, dasz der friede, wie das stehende wasser, solches ungeziefer hervorbringt Göthe
briefe 19, 518; die Tschuja flieszt hier sehr träge ... der abflusz ist zuweilen gar nicht bemerkbar, er gleicht stehendem wasser Ritter
erdkunde 2, 953.
sprichw.: stehend wasser wird bald stinkend Gottsched 555
b; gebrauchter pflug blinkt. stehend wasser stinkt Lüpkes
seemannsspr. s. 130.
daher im vergleich: ohne diese ubungen würde ... die jugend wie stehendes wasser faul und stinckend werden Lohenstein
Armin. 2, 517
a;
sonst im bilde: schwärmerisches herz! du treibst mit deinen fieberhaften schlägen freilich dein blut zu reiszend um ...; aber dein fehler ist doch schöner, als wenn du mit phlegmatischem getriebe aus dem stehenden wasser des blutes bloszen fett-schlamm anlegtest! J. Paul 2, 152 (
unsichtb. loge 2, 33).
im (
verschieden gebildeten)
plural: es zeigt sich nämlich der monoculus apus manchmal ... in stehenden wassern der Jenaischen gegend Göthe 32, 7 (
tag- u. jahresh. 1807); professores sind stehende wässer, die faul werden Hippel
lebensl. 1, 199; es war in der nacht so kalt gewesen, dasz sich die stehenden wässer mit einer eisdecke überzogen hatten Stifter
s. werke 2, 245; sie (
die flüsse) traten noch an vielen orten über und machten stehende gewässer Kant 1, 201
Berl. ak.; die stehenden gewässer sind immer noch viel besser, als jener bergstrom wild Arnim 22, 203.
bestimmtere ausdrücke, stehender see, teich
u. ähnl., eig. pleonastisch: auff den abend zu einem dorff Columna, an einer stehenden see liegend Olearius
reisebeschr. 15
a (1, 4); wo die herrlichste paläste gestanden, da waren ... stehende seen zu schauen Anton Ulrich v. Braunschweig
Octavia 1, 758; man findet diesen fisch in flieszenden wassern eher .., als in stehenden teichen und seen Göchhausen
notabilia venatoris (1741) 348; wenn man die sehr lange ... strecken betrachtet, die die flüsse auf dem festen lande durchlaufen, ohne dasz sie stehende pfützen oder seen unterwegens machen Kant 1, 451
Berl. ak.; flieszende bäche und stehende gräben Paulsen
aus m. leben 54; stehnde sümpfe werden faul, lüft' auch, die sich nicht bewegen Fleming 1, 81
Lappenb. (
poet. wälder 3, 6, 203); den hölzernen becher, aus der stehenden lache gefüllt Klopstock
Mess. 16, 281;
im vergleich: so thu' es noth, die dämme zu durchstechen, die uns, wie einen steh'nden see vom meer, von allen übrigen (
völkern) noch immer trennten Hebbel 2, 237 (
Her. u. Mar. 2. 1).
bildlich: es (
Ruszland) ward ein stehendes meer der verschiedensten völker Herder 23, 448.
besonders gern stehender sumpf
als vergleich oder bild: er vergiszt den niedrigen kummer, der ihm .. das herz drückte, wenn er den strom der zeit stockend, und sich in einen stehenden sumpf gesenkt glaubte 17, 5 (
human. br. 1, 1); die frische lebendige quelle stockt, und es wird alles zum todten stehenden sumpfe Bürger
briefe 1, 285 (
nr. 220); ihr leben rückt nur unmerklich fort, und wird aus einem reiszenden strome, den die ersten leidenschaften der jugend gebildet hatten, zu einem stehenden sumpf A. W. Schlegel
üb. dramat. kunst2 1, 31; es giebt so leute. deren angesicht sich überzieht (
später: gerinnt und starrt 4, 163) gleich einem steh'nden sumpf (
whose visages do cream and mantle, like a standing pond)
Shakesp. 4, 12 (
kaufm. v. Ven. 1, 1). stehende hauptfänge '
zum aufhalten des sägeblochholzes, sowie der trümme und des scheiterholzes beim flöszen' Behlen 5, 681. —
in anderem sinne, doch mit der gleichen grundbedeutung: stehend
oder stillstehend wasser '
der augenblick der höchsten fluth oder der niedrigsten ebbe, wo das wasser zehn bis fünfzehn minuten lang still steht' Bobrik 669. 4@bb)
sonst, vereinzelt, von mannigfachen anderen dingen: o wohl uns, dasz dem gebrause der flut wir glücklich entfliehn, und aus dem schwebenden hause in stehende wohnungen ziehn! Platen 166
b (
Math. v. Valois 2); an dem himmel streckten sich weisze, stehende wolken hin Stifter
s. werke 2, 302.
noch seltener prädicativ: dasz wir am ende eine festigkeit des blickes erhalten, der die ungewissen, flatternden gestalten fest und stehend werden läszt Tieck 6, 350.
so wohl auch: alles so herbststill, so stehend um ihn J. Paul 10 (
Hesp. 4), 150. 4@cc)
auch in diesem sinne in technischer sprache. stehende brücke (
im gegensatz zur zugbrücke),
pons immobilis, pont dormant Chomel 8, 1594: es genügt, dasz die übergänge zerstört werden können, und das ist bei stehenden brücken jedesmal der fall, wenn sie zur sprengung eingerichtet werden Moltke
ges. schriften 7, 32.
nd. (
ostfries.) gaand wark,
getriebe in einer maschine, z. b. einer uhr, mühle; im gegensatz dazu staand wark,
das gehäuse, die unbeweglichen theile Stürenburg 64
a.
bes. im seewesen: stehendes tauwerk '
auf den schiffen, welches fest angeschlagen ist, im gegensatze des laufenden' Adelung (1),
vgl. Jacobsson 4, 272
a; der stehende part
oder stander eines taues '
das feste und unbeweglich stehende ende eines laufenden tauwerks' Campe (1), Heinsius 4, 767
a, stehender
oder fester part,
standing part, dormant Bobrik 522
b;
zusammenfassend stehendes gut '
die starken taue, .. durch welche die masten und stengen, das bugspriet, der klüverbaum u. s. w. befestigung erhalten',
s. Kluge seemannsspr. 339, Goedel 459. —
hierher auch: item ein nache, der ein stende rudil (
stange zum aufstören der fische, s. zweites rudel 1,
th. 8, 1385) hat, (
giebt als zoll) i col. Böhmer
urkundenb. v. Frankf. 1, 505 (
vom. j. 1329)? 4@dd) mit stehenden schriften drucken '
mit schriften, welche nach dem abdruck nicht abgelegt werden, sondern gesetzt bleiben und bei seite gesetzt werden, bis man sie wieder braucht' Campe (1) (
wofür jetzt stereotypierung der platte üblich ist): die fülle, schärfe und feinheit der worthülfen, so als vorlinge, inlinge und endlinge gebraucht werden und wie stehende schriften der wortbildung anzusehen sind, geben den schlüssel zu dem unendlichen sprachschatz Jahn
werke 2, 11
Euler. auch (
bildlich): vorzüglich aber ist das buch Ruth darüber ein kommentar mit stehenden lettern Arndt
werke 1, 241
Rösch (
vgl. 3,
f.); das schild des Gianbengian, ... die feen im lande Ginistan: das alles sind gleichsam stehende typen der poesie, die dort noch vom ersten gusze sich erhalten haben Görres
bei Arnim
trösteinsamk. s. 121
Pfaff. 4@ee)
in der alten rechtssprache Norddeutschlands stehende eigen, erbe,
von gebäuden, im gegensatz zur varnden habe,
doch auch zum ligenden grunt: hat der man adir vrouwe ir angestorben erbe unde gut bynnen iar unde tage nicht gefurdert, daz ist en unschedelichen, is en sey denne stehende eygen und legende grunt
Magdeb. fragen 1, 6, 4 (
s. 87); her ... sal das erbe vorgewissen mit stendem eygen 1, 7, 4 (
s. 95); claget ... eyn burger uff den andirn uff gut, steende erbe adir varnde habe 2, 2, 3 a (
s. 156),
s. auch unter I, B, 2,
g, α (
sp. 1429)
und Kulmer recht 4, 28
unter I, B, 2,
f, β (
sp. 1417).
nd.: men mach den frowen wol stande eigen edder liggende grunt to oreme lyve (
lebensunterhalt) geven
qu. bei Homeyer
Sachsensp. 2, 1, 364,
vgl. Schiller Lübben 4, 359
a.
so noch im brem. wb. 4, 992: staande arve, '
erbeigenthümliche gebäude, in entgegenstellung der liegenden gründe'. 4@ff)
in neuerer zeit als ausdruck der volkswirthschaftslehre stehendes kapital (festes, anlagekapital),
im gegensatz zu dem umlaufenden (flüssigen, betriebs-) kapital,
als gesamtheit der produktionsmittel, die eine wiederholte verwendung zulassen, s. handwb. der staatswissensch.3 5, 780
b: nicht ganz so frei und unbeschränkt wie seine (
des käufers) herrschaft über den arbeitsstoff ist diejenige über die arbeitsmittel und -instrumente, das sogenannte stehende kapital (der gebräuchlichen nationalökonomischen nomenklatur) Doren
Florentiner wol lentuchindustrie 451. 4@gg)
mit anderer nuance, vom festen aggregatzustand im gegensatz zum flüssigen (
vgl.stehen II, B, 17): hier wird auf strenger glut geschiedner zieger dicke, und dort gerinnt die milch und wird ein stehend öl Haller
ged. 30
Hirzel (
die Alpen 244). 4@hh) stehender wind '
fester wind, welcher schon mehrere tage einerlei richtung gehabt hat und von welchem zu vermuthen ist, dasz er diese richtung noch einige zeit behalten wird' Campe (1),
settled wind, it. vento stante Bobrik 661
b,
vgl. Stenzel 401
a: wie die Dantzker vernamen das die brücke schier fertig war, ... haben sie ... ein boyert ... mit vollem segel durch stehenden wind, auff die brücken lauffen lassen Hennenberger
preusz. landtaffel 102; wallonisches frischen ... erfordert ein kleines, heiszes und trockenes frischfeuer, einen stehenden wind und lebhaftes gebläse Lampadius
handwb. d. hüttenk. (1817) 215. —
ähnlich vom blick: gang und stellung waren unverändert, ... aber der blick war oft zu flatternd, oft zu stehend J. Paul 8, 208 (
Hesperus 24). 4@ii)
von handlungen, die keinen fortschritt machen, vgl. stehen II, B, 15,
f, sp. 1558: ob schon beyde vorwürfe .. der eigentlichen mahlerey gleich fähig sind; so findet sich doch dieser wesentliche unterschied unter ihnen, dasz jener eine sichtbare fortschreitende handlung ist ..., dieser hingegen eine sichtbare stehende handlung, deren verschiedene theile sich neben einander im raume entwickeln Lessing 6, 463 (
Laok. XV).
bes. vom kampf, der noch unentschieden ist (
vgl.stehen II, B, 15,
g): Blücher liesz demnach das noch stehende gefecht abbrechen Varnhagen von Ense
biogr. denkm. 3, 267; im groszen war auf dem rechten flügel das gefecht ein stehendes geworden Moltke
ges. schriften 3, 42.
ähnlich schon mnd.: strydden se do eynen starken standen stryd Korner
bei Schiller-Lübben 4, 359
b. 55)
die letzte gruppe zeigt den übergang in den begriff der zeitdauer, der bei stehend
am häufigsten begegnet. 5@aa)
so am reinsten in verbindung mit zustandsbezeichnungen in wendungen wie in stehender ehe,
so lange die ehe besteht, zumeist im älteren nhd.: in ansehung das ... des mannes unnd der frawen gütter in stehender ehe gemein sein
verordn. des Hadelerschen landtgerichts (1584) d 4
a (2, 3); wasz dar zu ihro ld. von unsz vor oder in stehender ehe ... geschenckt were
Sonderburger urk. v. 1634
bei Diefenbach-Wülcker 863; was mann und weib in stehender ehe erwerben, das sollen sie mit einander theilen Schuppius 610;
s. ferner Simpl. schr. 3, 38, 20
Kurz (
Courage 7); bey eingehung der ehe, wurden der frau gewisse güter .. ausgesezt, welche dazu dienen sollten ihr nach getrennter ehe eine wittwenversorgung zu verschaffen, deren besiz sie daher auch während stehender ehe nicht erhielt Eichhorn
deutsche staats- u. rechtsgesch.3 (1821) 1, 186.
von rechtsverhältnissen: welche wir uns, weil doctor Martinus seinem erbieten nach unüberwunden in stehender appellation, nicht versehen
qu. bei Luther 1, 134
b; auff klage und gegenantwort ... ist einhelliglich im stehenden standtrecht erkent worden Reutter v. Speir
kriegsordn. (1594) 70;
ferner: in stehenden rechten 72.
anderes: niemandt der in stehender acht, wider die stadt gethan zubeklagen zuhaben
d. städtechr. 27, 35, 22 (
Magdeb. 1550);
ebenso 83, 13; vor dieser zeit ... hatten die thumbpfaffen ... ein ausschreiben wider die stadt Magdb. ausgehen lassen und solchs in stehender unser belagerungk 53, 20; in solcher meiner stehenden krankheit ward auch mein söhnlein Hanns George krank Schweinichen 2, 184; der sitz des landesältesten ist unter dem grenzadel, mit ihm trägt er die last und erntet er die erträge dieses stehenden kriegs Nitzsch
deutsche studien 211. 5@bb)
ein eigenthümlicher ausdruck ist die stehenden jahre,
eigentlich wohl, wo das wachsthum zum stehen gekommen ist, dann scherzhaft umgedeutet: wer hat Ihnen denn gesagt, mein herr, dasz ich damals acht und zwanzig jahre alt war? um diese zeit sind die frauenzimmer in ihren stehenden jahren ('
wo ihr alter gleichsam einen stillstand macht' Adelung 1), und ich war seit fünf jahren beständig drey und zwanzig jahre alt gewesen Rabener 3, 174; Emerentia, die seit dem eintritte in die stehenden jahre so sehr an fülle zunahm, wie die mittel abnahmen Immermann
Münchh. 1, 69 (1, 4). 5@cc)
so besonders stehendes heer,
das nicht nur für den vorliegenden krieg ausgehoben oder angeworben wird, sondern auch im frieden bestehen bleibt, u. ähnl. diese ungemein häufige verwendung ist in den wörterbüchern (
bis Campe, Heinsius
einschl.)
noch nicht beachtet. in der litteratur seit Haller, Möser, Kant, Wieland. 5@c@aα)
zunächst: die nöthige beschützung eines so weitläufigen reiches erforderte nicht weniger als ein stehendes heer von zweymahl hundert tausend mann Wieland 7, 295 (
d. gold. spiegel 2, 12); der staat geht unter der wache stehender heere maschinenmäszig seinen gang Möser
üb. d. deutsche spr. u. litt. (1781)
s. 9; stehende heere litt England nicht Herder 23, 156; der landsturm und die landwehr ... haben manche jahrhunderte bestanden, bis die groszen stehenden heere mehr und mehr eingeführt wurden E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen 1, 291; militärpolitik. mit besonderer beziehung auf die widerstandskraft der Schweiz und den kampf eines milizheeres gegen stehende heere Varnhagen v. Ense
tageb. 12, 308; durch die einführung eines stehendes heeres hat der adel die waffen aus der hand gelegt Moltke
ges. schriften 1, 111; salbungsvolle flugschriften erörterten schon die frage: 'sind stehende heere in friedenszeiten nöthig?' Treitschke
d. gesch. 1, 153; dafür eröffnete das system des stehenden heeres ... auch den unbedeutendsten fürsten die möglichkeit kriegerischer .. unternehmungen Nitzsch
deutsche studien 101.
übertragen: die mönche wurden das stehende heer, das die geistliche macht der groszlamas stützte Ritter
erdkunde 4, 282; dasz die zolllinien im innern aufhören, durch welche jede provinz zu einem staate für sich wird, von einem stehenden heere von zöllnern umstellt Dahlmann
franz. revol. 39; trotz des stehenden heeres von gensdarmen Hebbel 9, 423. —
dafür: doch sehe ich lieber als eine stehende armee, das volk selbst in waffen Chamisso 5, 224 (
an Fouqué 7.
jan. 1809); die mönche und geistlichen, vorzüglich die jesuiten, die in jedem lande eine art von stehender armee des pabsts abgaben, wurden aus dem venetianischen gebiete verbannt Schiller 4, 115; die stehenden kriegsheere
M. J. Schmidt
gesch. der Deutschen 4, 527; er selbst befehdete, wen er befehden konnte, und hatte dazu die erste stehende kriegsmacht in Europa, ein unzählbares heer von mönchen und geistlichen in allen ländern Herder 14, 543; er (
d. könig) meinte durch die herstellung des friedens die ursachen, aus denen man sich den druck einer so starken stehenden macht gefallen lasse, hinwegzuräumen Ranke
werke 16, 319; da hat er (
Nicolaus v. Kus) ... die ansicht: um friede und recht ernstlich handhaben ... zu können, müsse man eine stehende truppe halten 1, 70; die stehenden truppen sind bis auf zwei drittel entlassen worden Gutzkow
ges. werke 5, 195 (
Blasedow u. s. s. 1, 17);
veraltet: das innere des reiches beschwere weder mit schanzen, noch mit stehenden völkern Haller
Usong 384. 5@c@bβ)
sonst militärisch: da die Römer keine stehende flotte hatten, war das einzige mittel dem seeraub wirksam zu steuern die besetzung der kusten Mommsen
röm. gesch.8 2, 133,
anm. — der östliche theil des Attalidenreiches ward den clientelkönigen überwiesen, um die Römer von dem grenzschutz und damit von der nothwendigkeit einer stehenden besatzung in Asien zu befreien 55. —
ungewöhnlicher von den einzelnen soldaten: die persischen könige hatten eine legion, welche die unsterbliche hiesz ... sie ... scheinen ihren namen wahrscheinlich davon zu haben, weil sie stehende soldaten waren, die auch zu friedenszeiten dienste thun muszten Schiller 9, 210.
so ferner: nach heftigen ... gefechten (
ward) dieser theil des gebirges (
der Alpen) gezwungen den Massalioten fortan stehende geiseln zu geben Mommsen
röm. gesch. 2, 160. —
auf den dienst übertragen: als sodann in folge der besetzung Spaniens der dienst anfing stehend zu werden 107.
so dann auch: da die fortrückende cultur der staaten ... durch immer ... vermehrte, auf stehendem fusz und in disciplin erhaltene ... heere immer höhere kosten verursachen musz Kant 8, 311 (
üb. d. gemeinspr. usw. III); Karl
V. scheint der erste gewesen zu sein, der die artilleristen in ordentliche kompagnien formirte, und sie auf einen stehenden fusz sezte Hoyer
allg. wb. der artillerie 1, 25. 5@c@gγ)
sonst von allerlei collegien und körperschaften: dasz die allgemeinen stände durch einen stehenden ausschusz ersetzt wurden Schlosser
weltgesch. 14, 281; ein stehendes gericht sollte eingerichtet werden, nach dem muster des parlaments zu Paris Ranke
werke 1, 71; es ist auffallend, welch ungemeine wirkungen die errichtung einer stehenden nuntiatur ... nach sich zog 38, 103; die meisten prozesse ... wurden ... von theils stehenden, theils ausserordentlichen commissionen entschieden Mommsen
röm. gesch. 2, 111.
dann auch von einzelpersonen: ein collegium von drei männern, die als ordentliche und stehende beamte der gemeinde angesehen und jährlich von der volksversammlung gewählt wurden 86; auch Frankreich hat seine stehenden kunstrezensenten, die nach alten vorgefaszten regeln jedes neue werk bekritteln Heine 4, 42
Elster. abstract: in den pandekten kommt dieser name (
defensores) ... für solche personen vor, welche einzelne vorübergehende städtische geschäfte besorgen, nicht als stehendes amt Savigny
gesch. d. röm. rechts 1, 64.
von andern beziehungen: in zukunft müssen Sie sich also diese guten leutchen auf dem alten Steinwege denken und Marie Scheffer als stehendes familienglied Droste-Hülshoff
br. an L. Schücking s. 146. 5@dd)
diese bedeutung verbindet sich mit der räumlichen des dauernden verweilens an einem orte (
s.stehen II, C, 10)
in der anwendung auf schauspielergesellschaften: eine stehende truppe
im gegensatz sowohl zu den wandertruppen, die von ort zu ort ziehen und in jedem nur kurze zeit spielen, wie zu liebhabergesellschaften, die sich für einzelne aufführungen zusammenfinden: dasz die beste truppe in Italien ... nicht mit der schlechtesten von den stehenden theatergesellschaften in Deutschland verglichen werden kann Archenholz
England u. Italien 2, 17.
so gewöhnlich stehende bühne, stehendes theater (
wobei zugleich an das gebäude gedacht werden kann): die stadt hat ihre stehende bühne, '
welche sich immer daselbst befindet, eine bleibende' Campe (1); als die Abderiten beschlossen hatten, ein stehendes theater zu haben Wieland 19, 262 (
Abderit. 3, 2); was kann eine gute stehende schaubühne eigentlich wirken? Schiller 3, 509 (
überschr.); eine gute stehende bühne 522; (
wortspielend:) die Chinesen hingegen haben ihr stehendes national-theater; vermuthlich in jeder hinsicht stehend: ich zweifle nicht, dasz sie in der ... beobachtung unbedeutender convenienzen die correctesten Europäer weit hinter sich lassen A. W. Schlegel
dramat. kunst2 1, 38; weil von einem stehenden theater in den damaligen Schweizerstädten nicht die rede war, so entschlossen sie sich ... kurz und spielten selbst komödie Keller 1, 25; es war das ganz im geiste der scheinheiligen politik dieser zeit, dass man ... die erbauung eines stehenden theaters verhinderte Mommsen
röm. gesch. 2, 442. —
ähnlich weiterhin: auch dürfte zu erwägen sein, dasz zeitweise kunstausstellungen ... nicht stehende kunstsammlungen sind Stifter
s. werke 14, 145. 5@ee)
sonst von den mannigfachsten abstracten, dauernd. so vereinzelt schon früh: die .iiij. ausslegung, sagt von steenden und von fliessenden hindernussen die den menschen tuond verbleiben das er die frucht nit entpfaht Tauler
sermon. (1508)
reg. 3
d; denselben mit disem briflein zu behelligen, treibet mich di immerstehende schuldigkeit, damit ich seiner gunst danknehmig verhaftet bleibe Butschky
hochd. kanz. s. 34; bei solch einer stehenden kriegsverfassung muszte es den Deutschen nothwendig an manchen andern tugenden fehlen Herder 14, 273 (
idem 16, 3, 3); jeder gelehrte müsse im besitze dieser (
der vernunft-) wissenschaft seyn: sey es auch nur darum, um jedesmal den gegenwärtigen stehenden zustand des ganzen wissenschaft lichen wesens zu erkennen Fichte
grundz. des gegenw. zeitalters 233; ob das vorgetragene auf das handeln sich beziehe ..., oder ob auf eine stehende, und ruhende beschaffenheit der dinge 260; wenn man seine stehenden diplomatischen beziehungen ... danach (
nach sympathie u. antip.) zuschneiden will, so hört man
m. e. auf, politik zu treiben Bismarck
ged. u. erinn. 1, 157 (
br. vom 2.
mai 1857); die räuberwirthschaft war daselbst ... ein stehendes übel Mommsen
röm. gesch. 2, 78; zwar war diese amtsverlängerung jetzt stehend geworden 357.
so auch: griechische hofmeister und lehrer der philosophie ... wurden jetzt stehend (
eine dauernde einrichtung) in den palästen Roms 425. 5@ff)
concreter und sinnlicher: die läufer (
beim singen) glückten ihr nie ganz, aber desto mehr die stehenden, und schwellenden töne Schubart
ästhetik der tonk. 156; das feine sardonische lächeln, das bei August eben so stehend und bleibend gewesen sein musz, als man es immer auf den lippen Bonapartes sieht Reichardt
bei Campe; das stehende lächeln um das runde näschen versicherte unaufhörlich ... Ludwig 2, 307. 5@gg)
in philosoph. sprache: das bewusztsein seiner selbst ... ist .. jederzeit wandelbar, es kann kein stehendes oder bleibendes selbst in diesem flusse innrer erscheinungen geben Kant 4, 81
Berl. ak. (
kr. der r. vern.1 107); das stehende und bleibende ich (der reinen apperception) macht das correlatum aller unserer vorstellungen aus 91 (123).
ganz allgemein im substantivierten neutrum: das stehende in der zeit, dessen zugleichseyn mit dem wechselnden den begriff der veränderung hervorbringt 3, 25 (
kr. der r. vern.2 s. XLI); unendlich ist nur die empirie; sowohl die des stehenden, der natur, in der physik; als die des flieszenden, der zeit-erscheinungen des menschengeschlechts, in der geschichte Fichte
grundz. des gegenw. zeitalters 231.
hier scheint zumeist die eigentliche bedeutung (4)
deutlich durch. 5@hh) stehende einnahmen,
regelmäszige, im gegensatz zu auszerordentlichen, einmaligen oder gelegentlichen, wechselnden: 'stehende hebungen eines gutes,
gewisse einkünfte, im gegensatze der ungewissen' Adelung (1),
zu bestimmten zeiten eingehende Campe; durch diese (
dienstleute) fielen dem könige, der bisher von seinem erbgute, einem freiwilligen geschenke seines volks und von der beute gelebt ... hatte, beträchtliche stehende einkünfte zu Eichhorn
deutsche staats- u. rechtsgesch.3 1, 93.
fixum, der stehende gehalt, das gewisse einkommen Kinderling
reinigk. der d. spr. (1795) 268; von den dreihundert dukaten stehenden gehaltes sind wir bis auf hundertundfünfzig einig geworden Lenz 1, 332
Blei (
hofm. 1, 3). (stehender lohn
in anderm sinne s. stehen II, D, 13,
a, α,
sp. 1697.) wie der grosze kurfürst ... seine krone stützte auf die beiden säulen monarchischer vollgewalt, den miles perpetuus und die stehende steuer Treitschke
d. gesch. 1, 35; von stehenden geschenken der gemeindebürger an den könig wird nichts berichtet Mommsen
röm. gesch. 1, 71.
dagegen stehender fonds,
bleibender (
wie e, f);
bildlich: es ist gut, dasz der gemeine mann seine sprache behalte, damit ein stehender fond bleibe, der die zu grosze wandelbarkeit lebender sprachen aufstütze, und ihr einheimisches gepräge dauerhaft erhalte
br. üb. merkwürdigk. der litt. s. 284, 11
neudr. 5@ii)
sonst im sinne des regelmäszig oder häufig wiederkehrenden. stehende rede, redensart
u. ähnl.: die stehende formel zur lösung all' dieser unergründlichen fragen blieb immer der ausruf: ihn bin ich los ... Holtei
erzähl. schr. 3, 109; 'benebelt heraufgekommen und benebelt hinuntergegangen!' ist ein stehender witz (
im Brockenbuche) Heine 3, 68
Elster; einer jener gemachten unwissenheitsfragen, wie sie in diesem (
dem 4.) evangelium stehend sind D.
F. Strausz
leb. Jesu 1, 287; die stehende rede derselben (
der nassauischen unterthanen) war: 'schütze Se uns vor dem fürste und sei' jagdknechte' Bismarck
ged. u. erinn. 2, 72; auf die stehende frage erfolgte die stehende antwort: 'ich weisz es noch nicht genau' Ebner-Eschenbach 2, 40; als der freund schlagfertig entgegnete: 'ausnahmen bestätigen die regel', sprach er gereizt: 'stehende redensart' 8, 111. — und so werd ich fortfahren, Ihr interesse zum stehenden artikel meiner hefte zu machen Goethe
briefe 37, 279 (
an Boisserée 13.
dec. 23),
vgl. s. 9,
ebenso Tieck 15, 294; auch wäre zu wünschen dasz kein christlicher regent es duldete ..., dasz sein und der seinigen persönliches wohlergehen ... zu einem stehenden sonntäglichen gebetsartikel gemacht würde Schleiermacher
sämtl. werke I 5, 117.
so auch: auch die stehenden veröffentlichungen der akademischen arbeiten sind ... nicht überflüssig Mommsen
reden u. aufs. 43. — wo aber die arbeit an eine gewisse schule gebunden ist, da wird sie sich auch in stehenden formen ... dieser schule bewegen und nur sehr langsam ... zu neuen gebilden vorschreiten Riehl
d. deutsche arb. 37; der stehende zuschnitt aller ouvertüren ... ging auf eine ... einleitung im langsamen tempo ... R. Wagner
ges. schr. 5, 113. — diese geistlose vetterschaft von stehenden rollen (
auf maskenbällen), die läufer, die fleischer, die mohren, die altvordern ... J. Paul 22, 101 (
Titan 2, 50); dasz man vielleicht in den mimen und atellanen den ersten keim der commedia dell' arte, der improvisirten posse mit stehenden masken, zu suchen hat A. W. Schlegel
üb. dram. kunst2 2, 9; eine von den stehenden italienischen masken Bonaventura
nachtwachen 38, 31
Michel; dasz ich den herren theaterdichtern ... erlauben will, meinen namen Tieck zu einem stehenden, wiederkehrenden charakter zu machen Tieck
nachl. 2, 87; ich (
d. teufel) war bei diesen leuten eine stehende figur, die, wenn auch etwas anders aufgeputzt, doch immer wieder die hörner herausstreckte Hauff 2, i, 104
Bobert.: immer noch waren es in diesen stücken die stehenden figuren des dummen und des pfiffigen dieners, des guten alten, des weisen mannes, die das publicum ergötzten Mommsen
röm. gesch. 2, 441;
s. auch L. v. François
d. letzte Reckenburgerin 26. — diese sitte war in Ulm so stehend geworden Hauff 1, 25
Bobertag; bereits war es zur stehenden gewohnheit Noltens geworden Mörike 3, 28; verwandtenmord (
war bei den Achämeniden) so häufig, dasz, nach dem ausdruck des Justinus, vater- und brudermord in diesem geschlechte zum stehenden brauch geworden war Döllinger
akad. vortr. 1, 3. bei schilderung deutscher gastmähler erwähnt der berichterstatter (
Tacitus) gerade nicht die stehende festfreude der Deutschen, den vortrag des sängers Freytag 17, 31; im schlosse wurde nicht bescheert, das dienstpersonal erhielt sein ausbedungenes geldgeschenk und ein stehendes festgericht L. v. François
d. letzte Reckenb. 337. — so geräth man in einen widerspruch des staatsrechts mit den realitäten des menschlichen lebens, der praktisch zu stehenden frictionen und schlieszlich zu explosionen führt Bismarck
ged. u. erinn. 2, 59. —
von personen: die bei herrn Engel vormittags stehende gäste waren Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen 4, 380. 5@kk)
medizinisch: stehende fieber.
stationariae febres Nemnich
lex. n. solog. polygl. 17
a (
dass. wie anhaltendes fieber,
febris continua, im gegensatz zum wechselfieber,
febris intermittens?).