stängeln,
verb. 11)
gewächse mit stangen (2,
i)
als stützen versehen: stängeln, mit stangen auffrichten,
dresser sur des pieux. Hulsius 306
b; stängeln, gestängelt,
statuminare, palare, perticâ firmare. Stieler 2133; ich stängele,
stare facio, erigo, fulcio. Steinbach 2, 683; stängeln,
donner des échalas aux vignes; des perches aux houblons. Rondeau 553; '
als ein activum, wo es ein factitivum von stange
ist, mit stangen
oder stänglein
versehen, den hopfen, die bohnen, die erbsen stängeln;
im oberd. stäbeln.' Adelung (2),
im niederd. dafür stiefeln (
vgl. das.) Campe;
vgl. Weigand 2, 796.
weniger gut ist in diesem sinne die schreibung stengeln,
vgl. das. dazu auch die zusammensetzungen anstengeln,
s. theil 1, 484, aufstengeln,
theil 1, 745, beistängeln,
theil 1, 1397, bestengeln,
theil 1, 1676.
vgl.: abstängeln ...
per perticas ordinare. anstängeln,
ad palum alligare, dicitur etiam aufstängeln,
et be-,
sive bey-
et nebenstängeln. Stieler 2133.
belegt seit anfang des 18.
jahrh.: wenn der hopffen zu stängeln. im majo musz man den hopffen stängeln und anweisen. Becher
hausvater (1714) 236; nach dem stängeln oder anleiten, musz man auch das blaten oder belauben (
des hopfens) nicht unterlassen. Zincke
öcon. lex.2 1234; wir waren bey dem wackern Kymon vorbey, der eben beschäftigt war einige rankengewächse zu stängeln. Wieland 32, 45 (
Agathod. 1, 6); frühmorgens pfropfen wir, stängeln hopfen.
F. W. A. Schmidt (v. Werneuchen)
bei Kurz 3, 138
a.
freier, im bilde: zum glück nahm ich unweit Münchberg neben den groszen gerüsten der natur, welche die seele wie reben stängeln,
noch eines wahr, das sie zur krieg- (
besser kriech-) und zwergbohne eindrückt. J. Paul 4 (
Qu. Fixlein), 7; gern lassen sich fürsten herunter ..; sie schätzen das gute dumme volk und wollen die armen kriech- und zwergbohnen — denn sie wissen wol, wie wenig daran ist — dadurch etwas heben und so zu sagen stängeln und stiefeln, durch das fürstenstuhlbein. 23 (
Tit. 3), 196;
reflexiv: auch im kleinsten gehe der tochter nichts willkürliches straflos hin. zu allem diesem gehört wenigstens irgend ein mann, an dessen holze sich diese flatternden weichen blumensträuche stängeln. 37 (
Lev. 2), 71.
so auch: sie hatte ihn nur als eine wilde ranke betrachtet, die sich nach jedem nahgelegenen stäudchen hinbreitet, um sich daran hinauf zu stängeln. Musäus
volksm. 2, 63
Hempel (
stumme liebe).
vgl. noch ungestengelter lümmel
unter klapperbeinig,
theil 5, 966. 22)
andre vereinzelte bedeutungen scheinen zum theil mit der vorigen bezw. mit stange
zusammenzuhängen. 2@aa)
thür. (
obst)
mit der stange abschlagen. Hertel
sprachsch. 233.
so auch bair. stángeln,
mit einer stange zu thun haben. nuss', zwéspm stángln, àbə' stángln. Schm.
2 2, 770. 2@bb) gestängelt
vom vogel, der auf einer stange (2,
e)
sitzt, vereinzelt dichterisch: einer sitzt auch wohl gestängelt auf den ästen der cypresse. Göthe 5, 225 (
westöstl. divan 9).
wol bewuszte neubildung, vgl.: so haben zum beyspiel die Franzosen das wort
perche, stange, davon das verbum
percher. sie bezeugen dadurch, dasz die hühner, die vögel sich auf eine stange, einen zweig setzen. im deutschen haben wir das wort
stängeln. man sagt:
ich stängle die bohnen, das heiszt, ich gebe den bohnen stangen, eben so gut kann man sagen:
die bohnen stängeln, sie winden sich an den stangen hinauf, und warum sollten wir uns nicht des ausdrucks bedienen:
die hühner stängeln, sie setzen sich auf die stangen.
briefe 23, 375. 2@cc)
der ältern sprache ist eigenthümlich: stängeln, die
leimstange tragen,
estre un sot. Hulsius 306
b; stängelen, leimstange tragen,
stultum esse. Schottel 1421. (
vgl. leimstange, -stänger,
theil 6, 701.) 2@dd)
oberlausitz. einen stängeln, '
einen zum stehen bringen, ihn unterstützen, ihm unter die arme zu greifen, z. b. einen schlafenden aufrecht erhalten. besonders wird es von kleinen kindern gesagt, die man zum stehen bringt.' Anton 4, 12. ein kind stängeln,
auf dem arm herumtragen. Albrecht
Leipz. mundart 216
a,
vgl.stängelchen 2. 2@ee)
refl. sich stengeln,
auflegen, aufstützen. Campe. 2@ff)
dagegen südhannov. sek stangeln, stengeln, '
arme und beine wiederholt steif machen, um so einen passiven widerstand zu leisten.' Schambach 208
a;
ebenso hess. sich stengeln '
sich sträuben, sich ungeberdig anstellen; auch: hoffärtige geberden und minen machen. in ganz Hessen, wie weiterhin in Niederdeutschland'. Vilmar 395. 33) für stengeln
s. dieses.