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selbwaltîg

ahd. bis nhd. · 4 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

EWA
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Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)

selbwaltîg

selbnamoAWB m. n-St., nur Npg: ‚Eigen-
name, Nomen; nomen, nominativus‘. Komp.
aus selb (s.d.) und namo (s.d.). – selbselboAWB
pron.-adj., in Gl. seit der 2. Hälfte des 10. Jh.s
und Npg: ‚sich selbst gleich; idem ipse, itidem,
unus atque idem‘ (mhd. sëlpsëlp ‚eben der-
selbe‘). Verdoppelung des Pron.-Adj. selb, wie
auch in venet. dat.sg.m. sselboisselboi ‚sich
selbst, für ihn selbst‘, s. selb. – selbskônîAWB f. īn-
St., nur NMC: ‚eigene, natürliche Schönheit;
simplex comitas (i. venustas)‘. Komp. aus selb
(s.d.) und skônî (s.d.). – selbskozAWB n. a-St., in
Gl. seit ca. 1000: ‚Schleuder(geschütz), Arm-
brust, Pfeil; ballista, catapulta, falarica, pe-
dica, sagitta‘ (mhd. sëlpschôz st.n. ‚Schleu-
der[geschütz]‘, ähnlich nhd. Selbstschuss m.
‚ein Gewehr, das sich von selbst entlädt, eine
Vorrichtung, bei deren Berührung ein Schuss
ausgelöst wird‘; as. selfskot n. a-St. ‚Wurfma-
schine‘, mndd. sülfschot ‚Schleudermaschine‘;
vgl. aisl. sjálfskot n. ‚Selbstschuss‘). Komp. aus
selb (s.d.) und skoz (s.d.). – selbskuzzoAWB m. n-
St., nur Gl. 3,396,55 (Anfang des 13. Jh.s,
frk.): ‚Bogenschütze; sagittarius‘ (vgl. afries.
selfsketta, selsketta ‚Armbrustschütze‘). Komp.
aus selb (s.d.) und skuzzo (s.d.). – selbsuonaAWB f.
ō-St., in B und GB: ‚(eigenes) Ermessen, Ent-
scheidung; arbitrium‘. Komp. aus selb (s.d.)
und suona ‚Urteil, Entscheidung‘ (s.d.). –
selbsuonari m. ja-St., nur Gl. 1,271,34 und 35
(beide Beginn des 9. Jh.s, alem.): ‚Schiedsrich-
ter; arbiter, iudex‘. Komp. aus selb (s.d.) und
suonari (s.d.). – selbtuomAWB m./n. a-St., nur Sam
(1,51,22): ‚freies Ermessen, Belieben; arbit-
rium‘. Abstraktum aus selb (s.d.) und tuom
(s.d.), das sich von einem KHG zum Suff. ent-
wickelt. Mit ne. selfdom ‚das Selbst, das eigene
Wesen‘ besteht kein Zusammenhang, denn dieses
Wort ist erst im 19. Jh. neu gebildet worden. –
selbwagaAWB f. ō-St., nur NBo: ‚selbstständige
Bewegung‘ (ähnlich as. selfwâgi f. īn-St. ‚Ei-
genbewegung‘). Komp. aus selb (s.d.) und
waga (s.d.). – selbwahsanAWB adj., in Gl. seit dem
11. Jh. und bei Ni: ‚von selbst entstanden, aus
sich entstanden, natürlich; naturalis, natus, vi-
vus‘ (mhd. sëlpwahsen ‚von selbst gewachsen,
entstanden‘, frühnhd. selbwachsen ‚selbst-
gewachsen‘ [Dt. Wb. 16, 502 f.]; mndd. sulf-,
sülfwassen ‚natürlich, eigenmächtig‘; mndl.
selfwassen adj. ‚natürlich, natur-‘). Komp. aus
selb (s.d.) und einem Verbaladj. zum st. V. VI
wahsan (vgl. das Part.Prät. giwahsan). – selbwahstselb
wahstAWB
f. i-St., nur bei Ni: ‚Entstehung aus sich‘,
in der Verbindung fona selbwahsti ‚von seiner
eigenen Entstehung her; per se‘. Komp. aus
selb (s.d.) und wahst (s.d.). – selbwalaAWB f. ō-
St., nur Gl. 2,77,64 (10./11. Jh.), NBo und
Npg: ‚freier Wille; liberum arbitrium, libertas
arbitrii‘ (mhd. sëlpwahl st.f. ‚freie Wahl‘).
Komp. aus selb (s.d.) und wala (s.d.). – selbwaltselb
waltAWB
f. i-St., in Gl. seit Mitte des 9. Jh.s und
Npg: ‚Vorrecht, Privileg, freie Entscheidung;
arbitrium, liberum arbitrium, privilegium
(frühnhd. selbwalt f./m. ‚eigenmächtige Ge-
walt, Selbsthilfe, Frevel‘ [Dt. Wb. 16, 508];
mndd. sülfwolt, silfwold m./f. ‚eigenmächti-
ges Gesetz, Verbrechen‘). Komp. aus selb
(s.d.) und einem fem. Abstraktum zum red.
V. waltan; vgl. giwalt. Mhd. sëlpwalt ist nach
Lexer 2, 871 ein Adj. ‚eigenmächtig‘, s. jedoch
Bedenken gegen adj. Geltung im Dt. Wb. 16,
508. – selbwaltidaAWB f. ō-St., nur in Gl. ab ca.
800: ‚Vorrecht, Privileg, freie Entscheidung;
arbitrium, deliberatio, libertas arbitrii, privi-
legium, singularis potestas‘. Ableitungs-
komp. aus der Fügung selb waltan ‚eigenstän-
dig walten‘ (s. selb und waltan). – selbwaltîgAWB
adj., nur bei N: ‚frei, vom freien Willen be-
stimmt; absolutus, liber, voluntarius‘ (mhd.
sëlpwaltic adj. ‚eigenmächtig‘; mndd. sülf-
woldich adj. ‚eigenmächtig, verbrecherisch‘).
Ableitung von selbwalt (s.d.) mit dem adj.
bildenden Suff. -îg (s.d.). – Splett, Ahd. Wb. 1,
656
. 804 f. 851. 854. 968. 1054. 1057. 1058.
1089. 1097; eKöbler, Ahd. Wb. s. vv. selbnamo,
selbselbo, selbskōnī, selbskoz, selbskuzzo,
selbsuona, selbsuonāri, selbtuom, selbwaga,
selbwahsan, selbwahst, selbwala, selbwalt,
selbwaltida, selbwaltīg; Schützeichel⁷ 276;
Starck-Wells 515; Schützeichel, Glossenwort-
schatz 8, 151 f.
4396 Zeichen · 235 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    selbwaltîg

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)

    selbnamoAWB m. n-St., nur Npg: ‚Eigen- name, Nomen; nomen, nominativus‘. Komp. aus selb (s. d.) und namo (s. d.). – selb…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Selbwaltigadj, adv

    Campe (1807–1813) · +3 Parallelbelege

    Selbwaltig , adj . u. adv . selbst, in eigener Person waltend oder herrschend, selbstherrschend. Der Selbwaltige , einer…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit selbwaltig

2 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von selbwaltig

selbwalt + -ig

selbwaltig leitet sich vom Lemma selbwalt ab mit Suffix -ig.

Zerlegung von selbwaltig 2 Komponenten

selb+waltig

selbwaltig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

selbwaltig‑ als Erstglied (1 von 1)

selbwaltiglich

DRW

selbwalt·iglich

selbwaltiglich, selbwältiglich, adv. auf eigenmächtige, unbotmäßige Weise, in bewusster Missachtung des Rechts; gewaltsam, rücksichtslos, sc…

Ableitungen von selbwaltig (1 von 1)

Selbwaltige

DRW

Selbwaltige, 1(Selbwältige), m. subst. adj. wie Selbherr (V) und das der selbwaldige spricht, her weilde seyne burgin freyen domethe, das he…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „selbwaltig". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/selbwaltig/ewa?formid=EWA204670
MLA
Cotta, Marcel. „selbwaltig". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/selbwaltig/ewa?formid=EWA204670. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „selbwaltig". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/selbwaltig/ewa?formid=EWA204670.
BibTeX
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  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„selbwaltig"},
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