selbsteigen,
adj. ,
verstärktes eigen,
eigentlich nicht wirkliche zusammensetzung, sondern blosze zusammenrückung, daher noch oft getrennt geschrieben; eine verbindung der ältern ausdrucksweise, z. b. mit meiner selbs(t) hand,
mit der jüngeren: mit meiner eignen hand,
vgl.selb II, 4,
und Kehrein
gr. 3, § 116. 11)
der ursprung zeigt sich am deutlichsten in der form selbs eigen, die im 15.—16.
jahrh. begegnet: ist er nu an einem ort, als in der jungfrawen leib wesentlich mit selbs eigener person. Luther 3, 353
a; ain ieder pfarrer zu Müls ist schuldig und verbunden, ... den nachpeern ... zu irem heertvih ain gueten nutzperen stier auf seinen selbsaignen kosten zu erhalten.
tirol. weisth. 1, 198, 14 (
vom j. 1592); der kaiser selbs aigner person sprach seine büchsenmaister
an. Soltau
hist. volksl. 1, 370, 36 (
vom j. 1547). 22)
die gewöhnliche form selbsteigen ist lexikalisch gebucht: sein selbsteigen haus, der selbsteigenen verpflichtung nach. Schottel 544; selbst eigener herr,
qui est à soy. Hulsius 296
a;
selb ò selbst-eigen,
adj. proprio, tutto proprio à se stesso v. eigen. sein selbst eigener herr seyn,
esser padrone assoluto ò sovrano. selbsteigener wille, selbsteigene worte. Kramer
dict. 2, 764
a.
ferner bei Adelung
und Campe.
belege: und liehen mir meines gnädigsten fürsten und herrn ... räthe ihre selbst eigene leib-pferde. Götz v. Berl. 61; die brieff dem herrn zu selbsteignen handen zu uberlieffern. Kirchhof
milit. discipl. 91; fals aber ein oder das andere kint sich etwo verheiraten, mithin ein selbstaignes hauswesen anstöllen wurde.
tirol. weisth. 2, 94, 20 (
vom j. 1741); wofern ich sie nicht mit selbst eigener lebens-gefahr gerettet hätte.
Felsenb. 1, 284; des herrn mag. Schmeltzers religieuse anordnung und selbst eigenes andächtiges bezeigen beym altar. 2, 169; wenn ich ... auch die sünden und thörichten streiche meiner selbst eigenen jugend nicht heuchlerischer weise zu vermänteln suche. 240; seinen selbsteigenen lebenswandel in druck geben.
avantur. vorr.; ich armer in selbst eigner person habe nie klärer begriffen. Wieland
bei Merck
briefs. 2, 77; (
der knabe,) den er, ohne selbsteigenes bemühen, so erwünscht heraufgebildet gesehn. Göthe 21, 129; wenn man auch ihren autoren bei selbsteignen productionen irgend eine seltsamliche kühnheit vorwerfen möchte. 46, 322; was ist unsre selbsteigne kraft? Tieck
ges. nov. 9, 96; mit sorgen und mit grämen und mit selbsteigner pein (
selbstquälerei) läszt gott ihm gar nichts nehmen. P. Gerhardt
s. 185, 14
Gödeke; das heyl der deutschen christen und dein selbst eigner nutz gebeut uns ferner auff. Fleming
ged. 101; weyrauch, blut, gold, weitzen, öl und vieh ist sein (
gottes) selbsteigen gut. Lohenstein
Arm. 1, 8
b; hat Chach sich so vergriffen? und sein selbst eigen hertz durch deine qual zurissen? A. Gryphius 1, 174 (
Cath. v. Georg. 5, 350); in diesem büchelchen steht vorn und hinten, ... mit des herrn selbsteigner hand, die angehörigen von ihm und ihr geschrieben. Lessing 2, 327 (
Nathan 4, 7); der andre (
diamant) trägt an dessen stelle sein urlicht in selbsteignem schoosz. Bürger 110
b; in meiner königin selbsteigne hand befahl sie mir, den brief zu übergeben. Schiller
M. Stuart 2, 4. 33)
am deutlichsten liegt zusammensetzung vor in der seltnen form selbeigen, vgl. Kramer
unter 2: in derselben sach' is auch der leut' urteil gar verschieden, denn da schaut jeder mit selbeigene augen. Anzengruber
3 2, 291.