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schund

nhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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12 in 12 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schund m.

Bd. 15, Sp. 2000
schund, m. das schinden, der abfall beim schinden, unflat, wertloses zeug. eine junge, auf das nhd. beschränkte nominalbildung zu schinden, vgl. Grimm gramm. 2, 35. Weigand 2, 650. Kluge5 338b. daneben kennen das mhd. und das mnd. ein wort gleicher lautform in der bedeutung 'anreizung, verlockung zur sünde', das zu schünden gehört und sich mit obigem nicht vereinigen läszt: ledige, herre dîne knehte ... von tûvillîchen schunden, von grôʒir becorunge. litanîe 1356 bei Massmann d. ged. 1, 61b; daʒ si benêmen im den lûnt (leumund) mit valscheit und mit snôdem schunt. Johannes v. Frankenstein kreuziger 9124; unhôrsam is de êrste schunt, dâr mede sint wy all vorwunt ... sus schundet de duvel noch alle tît tô. sündenf. 49. für die erste stelle vermutet Lexer handwb. 2, 817 ein fem. schünde, schunde, doch läszt sich das angesichts der beiden andern stellen kaum aufrecht erhalten.das nhd. schund wird von den wörterbüchern erst seit ende des 17. jahrh. an aufgenommen, die litteraturbelege reichen bis in die mitte des 16. zurück. schund ist in heutigen mundarten weit verbreitet, doch bieten diese nirgends abweichende formen und nur selten besonderheiten der bedeutung, daher verzeichnen die meisten idiotiken das wort nicht. s. Hunziker 233. Seiler 265a. Schm. 2, 429. Hügel 145a. Albrecht 202b. auch die nd. mundarten haben es: Strodtmann 208. Danneil 189b. Stürenburg 238b. Woeste 234a. 11) selten als nomen actionis: schund, der, schinderey, die, et das schinden, variae significationis sunt: et quidem schund, propr. est ipse actus excoriandi, sive deglubendi Stieler 1799. 22) abfall beim schinden, das von den häuten abgeschabte fleisch, bei den gerbern Adelung. Avé - Lallemant 4, 605; sporchezza dello scorticare Kramer dict. 2, 532c; vgl.: deinde schund dicitur sorditudo, sive sordes, et retrimenta, quae inter deglubendum decidunt: atque postea ad quaslibet sordes, coenum, atque stercus extenditur. Stieler 1799. 33) von da aus übertragen auf andern schmutz und stinkenden unrat, mist, kot, excremente Adelung. Avé-Lallemant a. a. o., it. merda, stronzo, v. dreck Kramer dict. 2, 532c; baurenschund, excrementum rustici, sauschund, stercus porcinum Stieler 1799; schund, stercus, foria, stercora liquidiora Frisch 2, 233c; richtig ist der bedeutungsübergang bei Stieler angegeben (s. 2), noch deutlicher bei Frisch a. a. o.: die gerber nennen das von den häuten abgeschabte übrige fleisch, den schund. it. das weggeworfen wird, weil auch das geschundene aas den stinkenden koth gleich geachtet wird, die schinder dabey an vielen orten zugleich secret - feger sind; so scheint schund, das schinden, oder das geschundene, und schund, stercus, von einerley herkunfft zu seyn. — diese bedeutung, die auch manchen zusammensetzungen zu grunde liegt, scheint im 16.—18. jahrh. verbreitet gewesen zu sein, noch Adelung führt sie als die gewöhnliche an; jetzt ist sie kaum mehr bekannt. sie eignet selbstverständlich nur der niedern sprechweise, in die litteratur ist sie nur selten eingedrungen: der schmid .. hat inn die essze geschissen .. der schneyder hat ein schundt in ein küssz genähet, das man nit hat darauff ruowen künden. Lindener Katzip. 335; unndt findt allda .. ein groszen, gehäufften .. dreck, .. den .. eines bawren tochter .. hynter ir gelassen .. doch vermeint man ungefährlich .. bey zwey und viertzig pfundt, hab gehabt diser bawrn-schundt. 233. 44) eine andere entwicklung von 1 aus liegt vor in einer verwendung, die vereinzelt im 17. jahrh. begegnet: metaph. autem schund est turpe lucrum et usura, seu foeneratio impia, et foenus ingravescens .. geltschindung, sive schund, exactio pecuniaria, lucellum argentarium Stieler 1799; dasselbe liehe ich einzelich wieder aus auf gewisse mir übergebene pfand und hatte daher keinen geringen schund. Philand. (Leiden 1647) 6, 56. vgl. schinden 2, c (sp. 193), schinderei 2 (197 f.). 55) heute ist die herrschende bedeutung 'schlechtes, wertloses, unbrauchbares zeug, ausschusz, trödel, plunder, schlechte ware', von 3 aus übertragen. zuerst bei Adelung in diesem sinne bezeugt: sogleich nahmen sie die reisebündel vom rücken, schnürten sie auf und wühlten in dem unhabseligen schunde herum. Keller 8, 182. am häufigsten auf litterarischem gebiete gebraucht, schlechte lectüre u. s. w. (Seiler 265a): ist es erlaubt, weil Richardson und Fiedling ein gutes vorurtheil für die englischen romane erweckt haben, dasz man uns allen schund aus dieser sprache aufzudringen sucht? Lessing 5, 40; die abschrift des d'Achery kam in die hände des Martene und Durand; und diese, welche so viel historischen und theologischen schund dem untergange entrissen hatten, hatten eben so wenig das herz, noch ein bischen schund mehr der welt aufzubewahren; weil es doch nur philosophischer schund war! 10, 201; neuerungssucht unseres völkleins hatte nach den lauten einladungen den schund der Creuzerischen symbolik rein weggenascht. Voss antisymbolik 2, 277; so viele an allen wänden hinauf stroszende bücherreihn (die zwar später als alter schund einer ererbten pastorbibliothek sich ausweisen). briefe 1, 31; so auch: des gerüchtes blechtrompete abgenutzt und neu doch täglich, schund und trödelei unsäglich! Keller 9, 287. nach Avé - Lallemant auch für 'moralisch verworfenes, nichtswürdiges'. 66) noch mehr verblaszt in einigen mundartlichen gebrauchsweisen; so in Basel für dummes geschwätz, schund dribe, possen treiben Seiler 265a; in Leipzig schund mit einem treiben, ihn stark hänseln Albrecht 207b.
5538 Zeichen · 115 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schund

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Schund , des -es, plur. car. nur in den niedrigen Sprecharten, den Unflath in einer Cloak zu bezeichnen; daher die Z…

  2. modern
    Dialekt
    Schund

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Schund [ʿSûnt Ndhsn. ] m. menschliche Exkremente. Pass uf, du tritts t dene S. us! — DWB. 9, 2001 .

  3. Spezial
    Schund

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Schund m. (-[e]s) pestaria (-ies) f. , rofl m. , grafl m. , plunder m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schund

34 Bildungen · 31 Erstglied · 0 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von schund 2 Komponenten

sch+und

schund setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schund‑ als Erstglied (30 von 31)

Schundware

SHW

Schund-ware Band 5, Spalte 819-820

Schundzeug

SHW

Schund-zeug Band 5, Spalte 819-820

Schundarbeit

RhWB

schund·arbeit

Schund-arbeit (s. S.) Verbr. f.: verächtl. A., nachlässig u. unsachgemäß hergestellt.

schundelkint

KöblerMnd

schundel·kint

schundelkint , N. nhd. Leichtgläubiger E.: s. schundel, kint L.: Lü 338b (schundelkint)

Schundeln

Campe

schund·eln

≠ Schundeln , v. intrs . u. trs . in Augsburg, wühlen; ausschundeln , auswühlen. I C. Schmid.

schunder

DWB

schun·der

schunder , m. 1 1) in der ältern sprache schünder antreiber, verführer, s. schünden . 2 2) pips, eine vogelkrankheit: man musz sie ( die fas…

schunderer

DWB

schun·derer

schunderer , m. , entstellt aus scholderer, wol in hinblick auf schund 4. Simpl. 1, 185, 26 Kurz, s. sp. 1451.

schundern

DWB

schund·ern

schundern , verb. auf dem eise gleiten Bernd 278 . Avé-Lallemant 4, 605 . könnte eine alte iterativbildung zu schünden ( bez. dem zu grunde …

schundeⁿ

Idiotikon

schundeⁿ Band 8, Spalte 925 schundeⁿ 8,925

schundfeger

DWB

schund·feger

schundfeger , m. der die abtritte fegt, reinigt Campe, foricarius Frisch 2, 233 c , auch schundkönig, vgl. schund 3.

schundgrube

DWB

schund·grube

schundgrube , f. forica, cloaca Frisch 2, 233 c ; senkgrube, entstellt zu schwindgrube Albrecht 207 b : davon ein gestanck entstehet, als wä…

Schundheft

PfWB

schund·heft

Schund-heft n. : ' Groschenroman, Comicheft ', Schundhefdscher Dim. Pl. [ Hussong Kirkel 153].

schundig

DWB

schun·dig

schundig , adj. , in oberd. mundarten, 1) geizig, knickerig, schmutzig, verächtlich, 2) abgenutzt, abgetragen bez. abgetragen gekleidet, auc…

schundkönig

DWB

schund·koenig

schundkönig , m. , vulgär für schundfeger ( s. daselbst ), coprophorus, purgator cloacarum Frisch 2, 233 c ; s. auch Albrecht 207 b ; im bil…

Schundlappen

PfWB

schund·lappen

Schund-lappen m. : 'unehrenwerter Mensch'. Der Schonndlabbe vonn doo driwwe hadd schunn willer sinn Mähle (Mädchen) hucke gelass! [IB-Ensh (…

schundrian

DWB

schundrian , m. , scherzhafte bildung, vgl. Schundian unter schundig: dem Schludrian und Schlendrian, samt ihrem vater lobesan ist noch ein …

schundsig

RhWB

schund·sig

schundsig šo·n.zəχ Sieg-Ägid Adj.: wie Schund seiend, schlecht hergestellt, wertlos.

Schundware

PfWB

schund·ware

Schund-ware f. : = Schund , Schundwaʳ [ LU-Böhl NW-Elmst ]; Syn. s. Lumpenzeug 1. Südhess. V 819 .

Ableitungen von schund (3 von 3)

beschunden

DWB

beschunden , inquinare, concacare. s. schund .

geschunden

KöblerMhd

geschunden , sw. V. Vw.: s. geschünden

verschunden

KöblerMhd

verschunden , sw. V. Vw.: s. verschünden

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „schund". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schund/dwb?formid=S19168
MLA
Cotta, Marcel. „schund". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schund/dwb?formid=S19168. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schund". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schund/dwb?formid=S19168.
BibTeX
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