schlechts,
adv. genitivischer bildung (
vgl. gramm. 3, 91),
nur der älteren sprache angehörig und den bedeutungen des adv. schlecht
folgend, mhd. slehtes
mhd. wb. 2, 2, 395
a. Lexer
mhd. handwb. 2, 968;
mnd. slichtes
und slechtes Schiller-Lübben 4, 237
b,
nachtr. 263
a;
nld. slechts Kilian.
mundartlich bewahrt, vgl. Schm. 2, 503,
nd. slichts,
ohne umschweife und bedingungen. Dähnert 430
a. ten Doornkaat Koolman 3, 198
a.
formelhaft verbunden schlechts und rechts (
wie schlecht und recht): so hat sie schlechts und rechts darausz beschlossen. Fischart
bienenk. 110
a. 11)
in sinnlicher anwendung, gradezu, gradeaus: dem gêt wol sîn schîbe enzelt slehtes unde krumbes. Neidhart 91, 14; ûf sîn strâʒe er sich wande vil slehtes gein Micholde.
krone 27189; den phîl si von dem bogen lie, daʒ er ze râme fluges gie, slehtes gegen dem künige hin, und traf in zuo dem herzen in. L. v. Regensburg
tochter Syon 3613; doch must du auffmerckung haben ob der stich schlechts oder schlimsz eingat. Braunschweig
chir. (1539) 9
c; darumb sehet schlechts für euch, wolt jhr aber je auff ein seit sehen.
buch d. liebe 286
b; das holz schlechts, nicht twerhes in die schiff legen.
quelle bei Schm. 2, 503.
unter deutlicher nachwirkung der sinnlichen bedeutung: sie solten schlechts an berührts meers gestad hinstreichen (
ipsam oram maris). Tacius
Frontin. 1, 4, 7.
mnd. slichtes
begegnet ebenfalls in dieser sinnlichen bedeutung. Schiller-Lübben 4, 237
b. 22)
übertragen in mannigfacher abstufung, simpliciter, aperte von rede und gesinnung: sagt ime slechts, wie der kunig dar ûf wêre gefallen.
quelle bei Lexer
mhd. handwb. 2, 968; slehtes diute ich wol diu wort, diu ir latîn hie hât gehôrt. L. v. Regensburg
S. Franc. leben 4941;
nd. slichtes antworden,
einfach, ohne winkelzüge. Schiller-Lübben 4, 238
a.
einfach, ohne umstände, ohne weiteres: do wider sagt der selb pischoff von Swarcburc der stat zu Wirceburg darumb, daʒ si in niht slechtz fur ain herren haben wolten.
d. städtechron. 1, 33, 4; in einer rinnen, die schlechtz in den vels also gehawen ist. Tucher
baumeisterb. 186, 4; erstlich, werden liegende güter, als häuszer, gärten, wiesen
etc. schlechts verliehen auf ein, zwey oder mehr jar umb einen benannten zinsz, ohn sonderbarliche nebengeding. Lennep
landsiedelr. 2, 3 (
von 1571); wenn ich nur hab kleider und schu, lauff ich schlechts meinen meistern zu. Ayrer 1868, 26
Keller; kurz gesagt, summatim: drum schlechts wer nit glaubt, ist verdampt. Schade
sat. u. pasqu. 2, 224, 1038;
geradezu: daʒ si (
die gabe) im slehtes uʒ der hant gêt.
Schwabensp. cap. 22
Gengler; ja er enterbte schlechts den abgefallnen sohn, und gab der jüngsten frucht, dem David reich und cron. A. Gryphius 1, 137.
lediglich, einzig, nur, blosz: aber wenn das ist, das die tagloner bei den maurrern oder an andere arbeit geschickt werden, dann do sie slechtz mit der schauffel am schusz arbeitten. Tucher
baumeisterb. 45, 7; sprich schlechts, ich gloub was dye heilig christlich kilch gloubt. Keisersberg
bilgersch. 55
b; zu den andern thieren spricht er schlechts, wachset und mehret euch, und stehet nicht geschrieben, das er das weib zu dem man bringt (
wie beim menschen). Luther 1, 170
a; warumb spricht denn S. Paulus nicht schlechts, das brot, das wir brechen, ist der leib des herrn, sondern thut hinzu. 3, 73
b; als lereten wir schlechts das sacrament empfahen, on wort und glauben. 82
b; was were aber jener orden Bernhardi anders, denn schlechts ein dienst, uber und wider das, welchs gott befolhen hat. 5, 118
b; schlechts umb unser sünden willen (
ist Christus gestorben). 7, 24
b; sonder spricht schlechts (
einfach).
theatr. diab. (1569) 321
a; solten ebendieselbige frembdling und mietling sein, die nur schlechts die schaffswoll suchen. Fischart
bienenk. 9
a; was? es darff nicht vil wesens, der himmel gehört jhnen zu .. wan sie nur schlechts die fasten wol halten. 148
a; dasz schlechts siben todtsünden seien .. die anderen alle uber ein hauffen, sint leicht, täglich unnd vergebliche sünden, die er mit keinem todt, sonder schlechts mit eim kinderrütlein mag züchtigen. 104
a; allein das er schlechts begert. 220
a; sie (
die hummeln) haben kein angel, wöllen
auch nicht wercken, sonder leben schlechts von der andern arbeyt. 238
b; das ich auff das nechste gericht, schlechts mündtlich beschliesze. Ayrer
proc. jur. 1, 14; gedencket ihr nur schlechts dahin, wie ihr eueren krancken leibern .. gütlich thun, und wol pflegen möget.
Simpl. 1, 60, 5
Kurz, vgl Schm. 2, 503;
ebenso nd. schlichts: he hadde schlichts den koninglichen titel.
quelle bei Schiller-Lübben
nachtr. 263
a.
nld. slechts,
simpliciter, et tantum, tantummodo, solum, solummodo. Kilian. schlechts
im sinne von schlechterdings, gänzlich, vollständig: sie heten slehtes sich bewegen, alle die Dietrîches degen, lîbes unde guotes.
Dietrichs flucht 9593; die bete sult ir slehtes lân, wande des mac niht gesî
n. Rabenschlacht 344; daʒ halt slehtes dâ von verderbent alle die dar inne sint. Berth. v. Regensburg 1, 213, 20; unde swerest dû dar über, sô bist dû slehtes meineide. 283, 10; dencken schlechts nichts anders, denn das sie frey seien. Luther 4, 463
a; sondern schlechts zu verderben stund jre meinunge. 4, 242
b; wie es bisher .. schlechts nirgend fort gewolt, was sie fürgenomen haben. 261
b; weil er denn ein zornig und grober man ist, und wil schlechts gefürchtet sein von aller welt. 6, 14
b; sie sind im blut ersoffen, und wollen uns schlechts ermorden. 17
a; und verwerfen schlechts die leibliche taufe im wasser.
briefe 2, 545; sy weltind im aber schlechts kein holtz geben. Hotz
Züricher urkundenb. 1, 58; wann ein christ ein todfeindt hat, der keine theding wil eingehen, den angebotten frieden abschlecht, und schlechts mit der schneide daran wil. Franck
kriegsb. des fried. 69
b; (
dasz man) schlechts ohn alles widersetzen, bey dem auszspruch bleibe. Ayrer
proc. jur. 3, 1; dan er laszt schlechts sein mausen nit. Schade
sat. u. pasqu. 2, 215, 672; so hat sie mir mein herz besessen, das ich ir schlechts nicht kan vergessen. Rebhun
Sus. 1, 66 (
schausp. aus dem 16. jh. 1, 33); ich wil dir schlechts der red nit gstehn: kom, lasz uns vor den richter gehn. Waldis
Esop. 4, 99, 127
Kurz; weil aber ich nicht seine seit begreiff mit diesen händen breit, so wil ichs schlechts nicht gleuben. Ringwaldt
evang. (1646) Q 4
a; sie wil uns schlechts vertilgen gar. K 1
a.
vergl. auch die belege bei Schm. 2, 503.
in gleichem sinne nd. slichtes Schiller-Lübben 4, 238
a. 33)
eigenthümlich im sinne von schief: do die sonne schlechts steet.
quelle des 16.
jahrh. bei Schmeller
a. a. o. hier ist vermutlich die sinnliche bedeutung von schlimm
wirksam gewesen.