scheisze,
f. diarrhoea, proluvies alvi, merda (
mundartlich als m.: der scheiszen Spiess 209),
vom verb. scheiszen
gebildet (
s. dieses),
mhd. schîʒe,
mnd. schîte Schiller-Lübben 4, 104
a,
mnld. schijte Kilian,
mit häufiger apokope im md. und nd. älter bezeugt ist die mundartlich in Oberdeutschland bewahrte verbalableitung die scheiszet (Schm. 2, 475,
als n. bei Schöpf 598),
ahd. scîʒata Graff 6, 560,
im altnord. ist ein starkes m. skítr
belegt. 11)
in älterer sprache vorwiegend und ohne vulgären klang im sinne von durchfall: diarrhoea, die schisse Dief.
nov. gloss. 133
b; der die scheisz hat,
foriolus Dasypodius;
so noch mundartlich, s. Sartorius 106. Lexer 216. Schöpf 598; da mancher die scheisz und ruhr an den halsz gefressen. Philander 1, 389; und hütt euch vor dem neuen pier, daran trinkt man die scheiszen schier.
fastn. sp. 168, 18; und welliche frau irem mann ist undertan, der wünsch ich, dasz si ir lebtag müesz die scheisze han. 490, 11.
deutlicher die dünne scheisze: dunnscheisz, dünnschysz,
diarrhoea Dief. 179
c; die dunne schisz
nov. gl. 133
b;
mnd. dunne schite,
diaria, fluxus ventris Schiller-Lübben 4, 104
a; die dünne scheisze haben,
profluvio ventris ... laborare. Frisch 2, 171
c; das wolt sich nit zuosammen reimen in meinem bauch, und bekam ... die dünne scheisze. Lindener
Katzipor. 145; wenn ein ochs, kuhe oder kalb die dysenteriam oder dünne scheisze hat. Coler.
hausb. (1640) 286;
characteristisch: ob mich auch schon ein angstscheiszige leibsnot bestund, oder ein träppelende scheisz anstiesz. Fischart
Garg. 286
b. 22)
der menschliche oder thierische koth: scheisze,
stercus humanum, merda Frisch 2, 171
c; schît is schît, söa de dreckfäger, un wenn't ôk van'n eddelmann is.
Wander 4, 122;
dann gemildert zur bezeichnung von schmutz überhaupt: unde beklickeden mit schite de breve an deme rathuse.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 104
a; dat man idt (
das alte, verschlissene kleid) kopen schold vör ein gantz nie habit, wen twe daeg sindt vörby, so faldt idt weg als schiedt. Lauremberg 1, 186
neudruck; in dieser anwendung verliert das wort im nd. fast seinen unanständigen klang (
vergl. theil 1,
sp. 1560, bescheiszen 2): schite,
straszenkoth Woeste 229
b; suupschite,
dünner schlamm brem. wb. 4, 663; de slôt sitt ful schîte. ten Doornkaat Koolman 3, 128
a. 33)
wie scheisz (
s. dieses 2)
zur bezeichnung einer verächtlichen kleinigkeit, eines nichts, auf nd. sprachgebiete gebräuchlich, meist in festen wendungen: dat is schite,
das ist schlecht und nichts wert. Dähnert 409
a; 'tis all't schîte, söa Salomo. Wander 4, 122; nicht ein schite mochte mi schaden, mochte ik leven.
des dodes danz 1175; soven unde soventich henssen hebben soven unde soventich genssen. wen my de genssen nicht en byten, de henssen vraghe yk nicht eyne schyten
schrieb könig Waldemar IV. den hansestädten (
s. Schiller-Lübben 4, 104
a).
besonders zur derben abfertigung und abweisung: schyt! sprack Reynke, ysset anders nicht, dat is wol eyner bonen werd.
Reinke de vos 3578; ja, schyth, men secht vuste van citeren — dat gelt ysset al, dat se begheren. 4161; schite ôk! ik wil dî wat niksen. ten Doornkaat Koolman 3, 128
a.
hd. scheisze, sagte Cicero und verschwand im nebel. Simrock 8918
a,
vgl. Wander
a. a. o.; jo schîsse Hunziker 221. 44)
in mannichfachen kräftigen redensarten: er hat die scheisze, ...
quo se vertat, nescit (
s. unter 1). Stieler 1758; einen in die scheisze treiben,
ihn in die enge treiben, ängstigen. Schm. 2, 474; auf d' scheiszen!
auf die seite. 475; hê is'n kerel as'n stük schite,
ein erbärmlicher kerl. ten Doornkaat Koolman 3, 128
a; schite up scheet is'n dubbelt fort,
sagt man von leuten, die keinen widerspruch leiden wollen. Dähnert 409
a;
zur characterisierung eines argen filzes heiszt es: he freet wol sine egene schite.
ebenda; he scholl wol schite freten.
brem. wb. 4, 662;
einen solchen schmutzigen geizkragen nennt man daher einen schitenfreter.
brem. wb. 4, 663 (
bei Woeste 229
b der mistkäfer); schitenbiter Dähnert
a. a. o.