lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

rusz

nur nhd. · 1 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
4 in 1 Wb.
Sprachstufen
1 von 16
Verweise rein
10
Verweise raus
7

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

rusz

Bd. 14, Sp. 1554
rusz , m. fuligo. II. Formales. ahd. ruoʒ, ruaʒ, roaʒ, roʒ, rouʒ. Graff 2, 563, mhd. ruoʒ; md. rûʒ; mnd. rôt, rût, nnd. rôt, raut; mnld. neunld. roet. lautlich entsprechen goth. altnord. hrôt, doch läszt ihre abweichende bedeutung, tectum, einen zusammenhang unsicher erscheinen. vgl. dazu J. Grimm vorr. zu Schulzes goth. gloss. vi. Lexer mhd. handwb. 2, 554. Kluge etym. wb.4 287b. das ags. hrot, mucus, an das man anknüpfen zu können glaubt (Kluge a. a. o.), gehört wol eher zu rotz (vgl. Bosworth-Toller 563a). auszerhalb des german. sind bis jetzt keine bezüge nachgewiesen. im älteren nhd. finden sich noch formen mit diphthong, besonders in oberdeutschen quellen: ruosz fuligo Dasypodius. Maaler 338b; wann der ruosz, oder hüttenrauch abzuokeren. Bechius übers. von Agricola de re metallica (1557) 331; nimb knoblach und ruesz, stosz under einander misch mit essig, schmirbs unnd streichs darauff, es hilfft (gegen den wurm an den backen des pferdes). Seuter rossarzn. (1599) 200. die heutigen mundarten des genannten sprachgebiets haben ihren lautgesetzen gemäsz das wort als ruesz erhalten. Schm. 2, 154 Fromm. Schöpf 567. Seiler 242b. Hunziker 212. Birlinger wb. z. volksthümlichen aus Schwaben 78. die nebenform ruost, mit unorganischem t, die sich zuerst aus der übergangszeit vom mhd. zum nhd. nachweisen läszt (Diefenb. gloss. 251a), begegnet auch später in der schriftsprache: was am camin (schornstein, feuermauer) sitzet, (ist) rust. Docemius güldene sprachenth. (1648) § 47; mundartlich lebt sie heute noch fort, so in der Wetterau Jecht 89b, in Leipzig Albrecht 194b, in Stiege am Harz Liesenberg 188. die umbildung des worts zu rousz, wie sie schon ahd. vorkommt (s. oben), ist ebenfalls noch in mundarten lebendig: oberpfälzisch rous Schm. 2, 154 Fromm., wetterauisch rouszt Weigand 2, 508. das geschlecht des worts ist durchgängig das m.; abweichungen davon scheinen sich nur mundartlich zu finden: aargauisch ruess, n. Hunziker 212; ebenso ist in Ostfriesland rot n. ten Doornkaat Koolman 3, 55a. eine diminutivbildung weist die Basler mundart auf, rüeszel Seiler 242b. IIII. Bedeutung und gebrauch. II@11) rusz ist die collective bezeichnung für die festen, wesentlich aus kohle bestehenden ausscheidungen, welche sich bei der unvollständigen verbrennung von organischen körpern bilden: koth zu kerene, rusz uszzutragene. Spittendorff 126, 32 Opel; da sprach der herr zu Mose und Aaron, nemet ewre feuste vol russ aus dem ofen, und Mose sprenge jn gegen himel fur Pharao. 2 Mos. 9, 8; die wände sind ganz schwarz vom rus. Stieler 1624; von rouche und von ruʒe ungemach er dicke leit (in der küche). passional 142, 68 Köpke. von den eigenschaften des ruszes wird besonders seine schwärze hervorgehoben: wenn's nun aber so ist: soll ich denn sprechen, der schnee ist schwarz, und der rus weis? Weisze kom. opern (1777) 3, 20; (die katze) viel in eine swerzen, daʒ si da von wart alsô swarz sam ruoʒ und gebrennet harz. Reinhart fuchs 365, 2012; swer noch den grânât jâchant wirfet in den swarzen ruoʒ, als im des dâ nâch wirdet buoʒ, erzeiget aber sîn rœte. Wolfr. v. Eschenbach Willehalm 188, 27; antlütze hant unde fuoʒ was im erswarzet als ein ruoʒ. Lamprecht v. Regensburg Franciscus 4587 Weinhold; mnd. einen anderen duuel dat se loet (litt), de was swarter wen ennich roet. quelle v. 1500 bei Schiller - Lübben 3, 512a. in Westfalen sagt man so bitter asse raut. Woeste 211b; in Nassau ruszegallebitter, bitter wie rusz und galle. Kehrein 1, 334. wie der schornsteinfeger, der schmied, der köhler, so sind auch die teufel, die das höllenfeuer schüren, mit rusz bedeckt: wenn schaaren vorausgesprengter kuriere unsere niederfahrt melden, dasz sich die satane festtäglich herauspuzen, sich den tausendjährigen rusz aus den wimpern stäuben. Schiller räuber schausp. 1, 2. den hexen haftet rusz an von ihrer fahrt durch den schornstein: dem rusz der hexen zu entgehen, musz unser wimpel südwärts wehen. Göthe 14, 309 (Weim. ausgabe). den rusz abmachen Stieler 1624, abkehren, abfegen; den schornstein vom rusz säubern: da wolten die kuchenbuben den schornstein ausbrennen und von dem ruste gegen die heiligen tage saubern. Schütz beschreibung der lande Preuszen (1599) 73. als zeichen nahenden regens gilt es, wenn der rusz von selber aus dem schornstein herabfällt, herabrieselt: wann auch ein regen - wetter kommen solle, seyen dieses nicht ungewisse vorboten: wann das gemäuer in den gemächern anfängt zu schwitzen; wann der rusz aus den caminen und rauchfängen von freyen stucken sich ablediget und herabfällt. Hohberg 1, 103a; pächter. aber mein Soldan rupfete gras auf dem weg', auch schöpfet die sonne sich wasser. frau. auch weissagte der hahn, und es rieselte russ in dem schornstein. Voss 2, 210. so heiszt es auch: wenn der rusz an der pfanne brennt, so giebt's regen Simrock 12387. andere sprichwörtliche wendungen: wirfft einer mit russ, so wirfft der ander mit koth. Wander 3, 1777; fremder rusz macht niemand weisz. ebenda; sihe für dich, dass du nicht russ fangest. ebenda; falle nicht auf schimpf- und schmähworte, böses mit bösem zu vergelten, nimmermehr wird man russ mit kohlen waschen. ebenda. westfälisch: et is raut in der küeke, der herr oder die frau des hauses ist übel gelaunt. Woeste 211b; schweiz.: ain mitt ruesz und salz app-im baum abe jage, mit tüchtigen vorwürfen und schlägen. Seiler 242b. wie in diesen redensarten, so erscheint das wort auch sonst in bildlicher anwendung: des neides gesinde siht man sleichen bei der straʒʒen, uf den steigen, snudern, smollen und sweigen, innen ruʒ und auʒʒen kreiden. Hugo v. Trimberg renner 14118. der sünden rusz befleckt die seele: mit reu und leit er sich bereit und würket busz der sünden rusz, von got tet gnad erwerben. H. Sachs meisterl. 127, 37 Gödeke; ihm (dem gottesfürchtigen), weil durch wahre rew und busz er rein von aller sünden rusz, wirt kein unrecht mehr zu gemessen. Weckherlin 146; wan aber stärcker ist, dan der strom unsrer thränen, der sünden dicker rusz. 325. md. begegnet die zusammensetzung sündenrusz: in minem herzen ich nicht sehe mich haben an sundenrûʒe. pass. 523, 39 Köpke. ähnlich mhd. sunder wandels (makels, fehlers) ruoʒ: ir (der heiligen) lere .. und ir leben, daran si bilde uns han gegeben, wie wir sunder wandels ruʒ wol mugen erwerben gotes gruʒ. pass. 578, 69 Köpke. II@22) übertragen auf ruszähnliches: es war ein um den berg laufender zauberkreis vom buschwerk aus der weiszen nessel (urtica nivea), deren blätter mit ihrer schwarz angelaufenen obern seite, und einer blendend weisz geschminkten untern, einen blutrothen blattstiel und drei rothe adern prächtig grundieren. der wind wühlte dieses blut und diesen schnee und diesen rusz untereinander. J. Paul biogr. belust. 1, 25. besonders von einer krankheit des getreides, bei der die blütentheile zerstört werden und sich in einen braungrünen staub verwandeln. Nemnich: aus übermäsziger klugheit aber wird der halbgelehrte bauer haben nach dem tage gesehen, wenn der weitzen ist ausgesäet worden, ob irgend etwas an solchem tage zu finden sey, das eine ursach des brandes oder ruszes geben könte. gestriegelte rockenphilosophie (1706) 4. hundert, cap. 22; ei, wer hat in diesem jahre all den wust ins korn gebracht, ... raden, rusz, am meisten aber schwindelhaber, dippelhaber? Uhland (1864) 94. rusz, ruszthau, ein auf den blättern vieler pflanzen, besonders der bäume vorkommender schmarotzerpilz, fumago vagans. Pritzel-Jessen 460a.
7518 Zeichen · 150 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    rusz

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +3 Parallelbelege

    rusz , m. fuligo. I I. Formales. ahd. ruoʒ, ruaʒ, roaʒ, roʒ, rouʒ. Graff 2, 563 , mhd. ruoʒ; md. rûʒ; mnd. rôt, rût, nnd…

Verweisungsnetz

14 Knoten, 10 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 1 Kompositum 10 Sackgasse 3

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit rusz

53 Bildungen · 52 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

rusz‑ als Erstglied (30 von 52)

ruszartig

DWB

ruszartig , adj. wie rusz geartet. Jacobsson 7, 124 b .

Rusz (auch Ruos), Wolfg

DWBQVZ

--- waher die bilder oder götzen mit jrem gepreng, beid der haiden vnd genanten christen kummen. o. o. 1532 . ---

ruszbaum

DWB

ruszbaum , m. in der Oberpfalz ist rueszbâum ein balken, auf dem die decke der stube ruht. Schmeller 2, 154 Fromm. wol nicht zu rusz fuligo …

ruszbrand

DWB

ruszbrand , m. ein schmarotzerpilz, der die blütentheile des getreides in kienruszähnliches pulver verwandelt, ustilago segetum. Oken 3, 49 …

ruszbraun

DWB

ruszbraun , n. eine aus rusz bereitete braune farbe. Schedel waarenlex. 2, 301 b .

ruszbüttchen

DWB

ruszbüttchen , n. , dimin. zum folgenden: pech ward gesotten, der rusz aufgefangen, die ruszbüttchen künstlichst und kümmerlichst verfertigt…

ruszbutte

DWB

ruszbutte , -bütte , f. eine bütte zur aufbewahrung von kienrusz: ruszbutte Jacobsson 3, 471 b , -bütte Schedel waarenlex. 2, 301 b .

ruszchen

DWB

ruszchen , n. und f. eine ruszfarbige ente, anas fuligula: ruoszgen (die), ruossen. Maaler 338 b ; anas fuligula bei den Meisnern (als G. Fa…

ruszdürr

DWB

ruszdürr , adj. : bey dem stund ein ruszdürrer bader, der dem bawern schlagen solt ein ader. H. Sachs 1, 529 a .

ruszeln

DWB

rus·zeln

ruszeln , verb. , iterativ zum folg. 1 1) mit rusz schwärzen, tirol. Schöpf 568 . in übertragenem sinne, einen anruesslen, anschwärzen, verl…

ruszen

DWB

rus·zen

ruszen , verb. , schweiz. ruesze, prügeln. Seiler 242 b . vergl. rossen oben sp. 1258.

ruszente

DWB

rus·zente

ruszente , f. anas fuligula, cristata. Oken 7, 447 . vergl. oben ruszchen.

ruszfänger

DWB

ruszfänger , m. eine vorrichtung zum auffangen des ruszes an schornsteinen.

ruszfarb

DWB

ruszfarb , adj. die farbe von rusz habend, aus mhd. ruoʒvar, flectiert ruoʒvarw, entstanden durch den einflusz der obliquen casus ( vgl. ros…

ruszfarbe

DWB

ruszfarbe , f. 1) die schwarze farbe des ruszes. Campe. 2) eine aus rusz bereitete schwarze farbe. ebenda.

ruszfarbig

DWB

ruszfarbig , adj. dasselbe wie ruszfarb, fuliginosus, furvus. Nemnich.

ruszfasz

DWB

ruszfasz , n. dasselbe wie ruszbutte. Campe.

ruszflügel

DWB

ruszflügel , m. von den dunklen flügeln der fledermaus: die ruszflügel spannend. Benzel - Sternau bei Campe.

ruszgelb

DWB

ruszgelb , n. dasselbe wie rauschgelb, welches man sehe. Jacobsson 3, 472 a .

ruszhammel

DWB

ruszhammel , m. scheltwort für eine schmutzige, unreinliche person, besonders für einen koch, eine köchin dieser art. Campe. vergl. ruszkübe…

ruszhütte

DWB

ruszhütte , f. tuguriolum pro conficienda fuligine. Stieler 869 . Jacobsson 3, 472 a . im bilde: sobald er statt des schattenrisses nichts s…

ruszicht

DWB

rus·zicht

ruszicht , adj. von rusz, fuligo. in gleichem gebrauche wie das folgende, jedoch seltener. bei Luther mit umlaut: was suche ich rüssichter a…

ruszig

DWB

rus·zig

ruszig , adj. fuligineus, fuliginosus. ahd. ruozaga, fuliginosi Steinmeyer-Sievers 2, 449, 55 , mhd. ruoʒec, ruoʒic. der diphthong hält sich…

ruszigen

DWB

ruszigen , verb. mit rusz beschmutzen, übertragen: an der ehre beflecken. landschaftlich: o heil. jungfrau Cäcilia .. müsztest du auf der er…

Ruszkabánya

Meyers

Ruszkabánya (spr. rúßkăbānja, Ruskberg ), Bergwerksort im ungar. Komitat Krassó-Szörény, nordöstlich von Karánsebes, mit bedeutendem Kupferb…

Ruszkagebirge

Meyers

Ruszkagebirge (auch Pojana-Ruszka ), westlicher Zweig der Südkarpathen, zwischen der Maros und dem Eisernen Torpaß, in den ungar. Komitaten …

ruszkammer

DWB

ruszkammer , f. kammer einer ruszhütte, zum auffangen und aufbewahren des ruszes. Adelung.

Ruszkica

Meyers

Ruszkica , s. Ruszkabánya .

Ableitungen von rusz (1 von 1)

beruszen

DWB

beruszen , wäre mhd. beruoʒen, fuligine obducere, contaminare, mit rusz schwärzen, besudeln: soltestu dich halt mit schanden beruszen. fastn…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „rusz". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/rusz/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „rusz". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/rusz/dwb. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „rusz". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/rusz/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_rusz_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„rusz"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/rusz/dwb},
  urldate      = {2026-05-19},
}