ruszig,
adj. fuligineus, fuliginosus. ahd. ruozaga,
fuliginosi Steinmeyer-Sievers 2, 449, 55,
mhd. ruoʒec, ruoʒic.
der diphthong hält sich in oberdeutschen quellen des älteren nhd.: ruossig Dasypodius. Maaler 338
b: sie setzt sich auch nit zum ofen, damit sie nit ruoszig wurde. Frölich
Stobäus 383,
in mundarten des gleichen sprachgebiets bis heute als ue. Schm. 2, 154
Frommann. Schöpf 567. Hunziker 212.
umlaut begegnet besonders im 16.
jh.: ir (
der welt) schöne farb ist gar verblichen, ist rostrig, schimlig, seyger, kamig, unfletig, schwartz, rüssig und ramig. B. Waldis
Esop. 4, 100, 168
Kurz; ey, wie retstu so gar vermessen; du resig gschmirter kuechen racz? H. Sachs
fastn. sp. 6, 50, 281
neudruck. die schreibung mit einfachem s,
wie sie die aus H. Sachs
angeführte stelle zeigt, findet sich bei demselben auch sonst: der hausrath ist rusig und schnödt.
fastn. sp. 2, 144, 84
neudruck; ebenso heiszt es bei Fischart: wann man ein sechtzigjärigen bader find, der nie geschwitzt hat, .. einen koler der nie ist rüsig worden.
groszm. 8
neudruck, und auch Stieler
schreibt rusig 1624.
das bei Diefenbach
gl. 251
a aufgeführte ruestich
kommt, fuliginosus glossierend, in einem vocabular von 1420
vor, das als nd. bezeichnet wird. jedenfalls wird sich wie rust
neben rusz auch hier schon in dieser zeit eine nebenform mit st
finden, die aus heutigen mundarten zu erweisen ist. Albrecht 194.
eine bildung mit nasaliertem suffix, ruszing,
gehört der übergangszeit vom mhd. zum nhd. an: was ich bringen wil, das ist gut: ain alten ruszing schaubhut und zwen alt stumpf sporn und ain alte kesporn.
fastn. sp. 575, 10.
auf falscher analogie beruht ruszerig Dief.
gl. 251
a,
dem das westfäl. rauterig
entspricht. Woeste 211
b (
vgl. gramm. 2, 305
e).
Bedeutung. 11)
voll ruszes oder voll ruszartigen schmutzes, staubes: wo er dir nicht ein solcher wird wie den, so heisse mich für Rosemunde ein rostige rusige Rozemunda. Fischart
klag des ehestandes (1614) 255; du hast dir das maul ganz rusig gemacht,
os tibi oblitum est fuligine. Stieler 1624; kerl, lasz mir die ruszigen finger von der brust oder ich hau dir eins über. Fr. Müller 2, 97; rusziges silbererz,
die aus einem schwarzen, silberhaltigen staube bestehende silberschwärze. Jacobsson 3, 472
a;
sprichwörtlich: an einem ruszigen kessel kann man sich nicht sauber reiben. Simrock 465; eyn rusigen dieb fahen
wird Garg. 165
b unter den dort aufgezählten spielen erwähnt; ruszige
heiszen in der Nürnberger volkssprache die metallarbeiter. Schmeller 2, 154
Fromm. Frommanns
zeitschr. 6, 265, 2;
die gleiche bedeutung hat nach Diefenbach
die alte glosse rosziger,
alchimista. gl. 21
b; der rueszige freitag
ist in Baiern der freitag vor fastnacht, an dem man sich mit rusz zu bestreichen pflegt. Schm.
a. a. o., vergl.
oben ruszen,
verb. 1; und in (
den ritter) diu minneclîche so ruoʒig (
vom ritterlichen kampfe) under ougen sach.
Reinfr. v. Braunschweig 2075; dô alrêrst kroch er her vür gar ruoʒic ûʒ des ovens tür.
schretel u. wasserbär 284; got gebe, daʒ ein ruoʒige grelle noch durch in werde gestochen, so würde ich an im gerochen.
märe vom feldbauer 492; so will ich meiner tochter geben, das sie wol dester pas mag geleben, ain altsz ruszigs hülltuch.
fastn. sp. 574, 13; ich würd mich zu dem pfarrer machen, wan du (
bauer) pist ruszig und schwarz. 614, 24; wir hand der ruoszigen puren vil erschlagen und erschoszen. Liliencron 82, 3; ach, lieber herr, ich hab gedacht, von dir ich mit verspottet wer, weil sie (
die kinder) schlüchtisch gehen daher, hogricht, schüchtet, zotet und kusig, zapfet, zerrissen, bschlept und rusig. H. Sachs
fastn. sp. 5, 25, 268; als Vulkanus der gotte, welcher schmiedet den donnerstral, wart schwarz und ruszig überal.
ders. meisterl. 317, 3
Gödeke; voll ungeduld zu wirken, zündet er schon die gluth auf hohlem herdraum werkaufregend wieder an? und ruft zu mächt'ger arbeitslust die ruszige, mit gusz und schlag, erz auszubilden kräft'ge schaar? Göthe 40, 376; und dort der mann im rusz'gen kleid, ... wie er die flamme dämpft und facht und hält den eisenblock bereit! Droste-Hülshoff 1, 122; die kohle knallt, und drüber dicht, mit augen wie pyropen, beugt sich das grimmige gesicht des ruszigen cyclopen. 231.
in bildlicher anwendung, fehlerhaft, sündhaft (
vgl. der sünden rusz
unter rusz 1): es ist ain alter spruch: alle menschen sein lügner, will ain ietlicher wol frum sein, aber wir sein all ruessig, sein all prechenhafftig und voller tadels, und die laster bleiben, dieweil die menschen weren. Aventinus 1, 682, 1. 22)
ruszähnlich, ruszartig: das (
thier) war langleibig und vierfüssig, ir gesprengt farb gelb, graw, braun, rüssig. B. Waldis
Esop. 4, 99, 69
Kurz. 33)
vom getreide, mit dem ruszbrand behaftet (
vgl.rusz 2): am tage Mauritii soll man keinen weitzen säen, er wird sonst ruszig.
gestriegelte rockenphilosophie (1706) 4.
hundert, cap. 22; dieweil aber Mauritius ein schwartzer heist, so wird der sinnreiche halbgelahrte bauer stracks geschlossen haben, dasz um des schwartzen Moritzens willen der weitzen sey schwartz oder russig worden.
ebenda.