ritterlich,
adj. und adv. 11)
im weiteren sinne einem ritter gemäsz, in seinem stande, seinem wesen gegründet, equestris Maaler 334
b. Stieler 1602.
mhd. adj. ritter-, riter-, rîterlich,
wozu das adv. ritter-, riter-, rîterlîche(n). 1@aa)
in prädicativer stellung und als adv.: und wann es ie nit besser würd, so wölt ich doch lieber vor Dordon ritterlich, dann in dem wald hungers ersterben.
Aimon bog. g iiij
c; derhalben furten sie die zaichen der ritterschaft etliche jar nur auf der ainen seiten, bis under die regierung konig Ruprechtens, haben sie die ritterschaft baide ritterlichen, wie hernach gesagt wurdt, erworben.
Zimmer. chron. 1, 212, 23; ritterlich strahlten die blicke muthiges leben. Benzel-Sternau
Titania 151; das sie mit tugent, ehr und ruhm hand an sich bracht das keyserthum, sich gar offt ritterlich beweyszt. B. Waldis
lobspr. 41; brüll wie ein ochs, schrey wie ein khuo, so thon sie all jr meuler zuo, dasz niemandt etwas hören mag, als wer dein stimm ein donnerschlag, und werden dann all loben dich, dasz du dich heltst so ritterlich, und sagen dasz du edel bist, ob dir schon wol ein pfundt dran brist.
Grob. 2328; do aber ewer held so viel nicht wird vermögen, dasz er die zehen nicht kan ritterlich erlegen. ja, oder, dasz er nicht verricht die andre prob'; alsdann bleibt sklaven ihr, und er musz sterben drob. Dietr. v.
d. Werder 19, 56;
[] sie allesampt sind ritterlich geübet. Opitz 3, 15; sie lagern beide sich halb sitzend um den tisch, und schmausen ritterlich. Wieland 22, 127; doch, Idris ist ein held — und sich zu tode grämen, was auch die ursach' sey, ist niemahls ritterlich! 17, 288; feigherziger, ruft Hüon, schäme dich, vergebens bettelst du! stirb, oder, wenn du leben verdienst, verdien' es ritterlich. 22, 116; was irgend nur in einem guten krieg recht ist und ritterlich, das darf ich üben. Schiller 12, 439.
in anderm sinne ritterlich,
nach ritterweise, zu pferde: dann hob er freudig sie auf's ross, und vor ihr setzt' er sich, sie schlang die weiszen arm' um ihn; fort ging's nun ritterlich. Stolberg 1, 69. 1@bb)
attributiv: allen rittermäszigen, gewaltigen und regenten, so sich in tugendt, mannheyt, oder ritterlichen thaten understehen zuo üben.
Livius von Rihel, titelbl. (1562); er hat sich auch am selben hof zugleich wie zu Haidelberg mit rennen, stechen, und aller ritterlicher iebung dermassen gehalten, das er bei meniglichem am hof in sonderm hohen ansehn gewest.
Zimm. chron. 2, 147, 30; dann so die ritterlichen zaichen er nit gefuert, so were er ehe fur ain alten raisigen knecht geschetzt worden. 3, 210, 1; kenn- und ehrenzeichen ritterlicher leuth in Ungern. Kirchhof
wendunm. 5, 177; denn es wär dessen (
don Galaor's) art und gantzes verhalten recht ritterlich und löblich.
Harnisch 19; ihren kindern hatten ihn (
Egmont) die mütter bei ritterlichen spielen gezeigt. Schiller 7, 86; manche geschlechter, die ursprünglich zum hohen adel gehört hatten, mögen im laufe der zeit diesen vorzug eingebüszt haben und haben sich nur als ritterliche geschlechter des niedern adels erhalten. v. Kobbe
Bremen u. Verden 1, 282; theils erwarben auch wirklich einzelne denselben (
den alten adel) durch erlangung eines ritterlichen gutes. 1, 282; so erfreute man sich eines verspäteten minne- und liederwesens ritterlicher art, nachdem dessen blüthezeit schon vorüber war. Keller
Zür. nov. 1, 28; der künig wolt nicht weichen zurück, er liesz abgan all sein hauptstück, wolt nit erlangen ehr und glück, wie gepüret nach ritterlichen sachen. Liliencron
hist. volksl. 3, 561
a; ach stünd' uns menschen frey des todes tyranney durch strenge faust im streit zu wiederstehen, so hett' aus tapfferm muth dies ritterliche blut zu solchem kampff mit frewden sollen gehen.
Königsb. dichterkreis 273; gleichwohl fragt der pfaffe den ritter nie, die sache sei auch noch so ritterlich. Lessing
Nathan 4, 1; er rafft in dieser noth die letzte kraft zusammen und ruft, so laut er nur vor kurzem athem kann, den gegenstand von seinen keuschen flammen, nach ritterlichem brauch, um schnellen beystand
an. Wieland 17, 32; er folgt den unbekannten dreyen mit ritterlicher höflichkeit. 277; der paladin, der nun sein ritterliches amt in diesem schlosz verbracht zu haben glaubet, läszt alle übrigen der wirksamkeit beraubet. 110; und wenn ihr geist den lehren edler männer, sich stufenweis entwickelnd, friedlich horcht: so mangelt übung ritterlicher tugend dem wohlgebauten festen körper nicht. Göthe 9, 254; da kehrt er ja, da kehrt er schon vom festlichen turnei, der ritterliche königssohn, mein buhle wundertreu. Uhland
ged. 205; nun schliesz dich fest zusammen, du ritterliche schar! 364; 'jene dame kenn' ich wohl', spricht der ritterliche jäger und entreiszt die goldne urne hastig dem erschrocknen träger. 274. 22)
in engerem sinne tapfer, wie es rittern eigen und geziemend: ritterlich,
strenuus, fortis, fortissime, perfortiter. Maaler 334
c. 2@aa)
prädicativ und adverbial, in letzterer stellung im 16.
jh. auch noch ritterlichen (ritterlichen .. weren.
Aimon bog. c 4; ihr habt ritterlichen gefochten.
buch der liebe 31
a); denn er und seine brüder haben sich ritterlich gehalten, und Israel geschützt, und die feinde vertrieben. 1
Macc. 14, 26; wie viel sie feinde in schlachten, scharmützeln oder kämpffen, da mann gegen mann gefochten, ritterlich bestanden, überwunden und umbbracht haben. Kirchhof
wendunm. 5, 177; von wegen
[] das sie sich fur andere ritterlich und wol in bemelter schlacht vor Brixen gehalten.
Zimm. chron. 1, 230, 25; o du treuer und küner helt, von got, dem herren, selb erwelt, für mich so ritterlich zu kempfen. H. Sachs
spruchged. 14, 33; frid sey und iderman verziegen, weil ich thet riterlich gesiegen und den preis hie erfochten han.
hürn. Seufr. v. 984; und wie sie ritterlich gefochten. B. Waldis
lobspr. v. 53.
in freierem sinne, von geistlichem kampfe: hilf kämpfen ritterlich, damit wir überwinden und ja zum dienst der sünden kein christ ergebe sich. P. Gerhardt 114; sey getrost, o meine seele, und bestreitte ritterlich dieses schwachen leibes höhle, die erlösung nahet sich, da du aller angst und pein selig wirst entbunden seyn!
Königsb. dichterkreis 233.
von einem knaben: das rohrdach dessen nester ich ritterlich verfocht, die bank wo meine schwester cyanenkränze flocht. Matthisson 20.
in obscönem scherze: dieweil wir den kauf mit einander machten und auch einander ritterlich bezahlten.
Simpl. 3, 81
Kurz. 2@bb)
attributiv: und zogen auff ire feindt mit ritterlichem mut.
b. d. liebe 269
a; laut der kräfftigen und eydfesten wort, die ausz seinem warhafften, almächtigen, ritterlichen mund geflossen. Schuppius 679; pit für die ritterlichen rott, so mag in wol gelingen! Liliencron
volksl. 1, 278
b; willkommen, sohn des ritterlichen, frommen, preiswerthen herrn. Wieland 22, 18.
das beiwort wird in dieser bedeutung auch auf thiere übertragen: von allen unsern edeln oder eszbaren thieren kommt keins an muth und tapferkeit den säuen bei, daher es von den jägern mit dem namen eines ritterlichen thieres belegt wird, sowie sie den hirsch, seiner schönen gestalt und guten eigenschaften wegen edel nennen. Heppe
jagdlust 1, 194; die sau aus der höhern jagd, das sogenannte ritterliche thier, das sich mit seinen hauern viel näher an thron und szepter schlieszt. J. Paul
leben Fibels 88. 33)
mit bezug auf die pflicht des ritters, schwache und frauen zu schützen und zu ehren (
vgl. ritter 2,
c),
und feine art zu pflegen, die deutsche bezeichnung für das fremde chevaleresk, edel und weltgewandt; erst in neuerer sprache recht gebräuchlich: dasz in dem grenzlande, an den höfen und in den familien der landbesitzer ritterliches wesen recht heimisch wurde. Freytag
ges. aufs. 2, 458; auch war sie seit etwa einer stunde in sichtlich zufriedener laune, was der fürst der vollkommen ritterlichen weise zuschrieb, mit welcher der junge graf sich um sie bethat. G. Keller
Züricher nov. 1, 138; die schönen tage ritterlich verbracht. Platen 317
a; er bot ihr ritterlich den arm; er war mit ritterlicher galanterie um sie beschäftigt.