rammeln,
verb. wiederholt stoszen. 11)
zufrühest ist das wort aus viehzüchter- und jägerkreisen bekannt, wo es die begattung von thieren bezeichnet: ahd. rammilôton,
ascendebantur, rammilôntemo,
capro emissario, rammalôd,
coitus, rammilunga,
admissura Graff 2, 505;
in welcher bedeutung es namentlich bei jägern auch später und bis heute gebraucht wird: rammelen,
quo congressus leporum et nonnullorum aliorum animalium indicatur. Schottel 1382;
auch niederd. rammeln,
niederl. rammelen;
gewöhnlich von hasen: im jenner, hornung und merzen ramlen sie und pflegen den weiblin auf ganzer sieben oder acht meilen nachzulaufen und aufzusuchen. Feyerabend
jagd- u. weidwerkb. (1582) 85
a; der hasen vermischung heiszet rammlen. Döbel
jägerpract. (1746) 31; es rammeln sich die hasen, wenn sie sich junge machen. Jacobsson 7, 30
b;
auch von anderem wild, wolf, fuchs (
von denen es sonst ranzen
heiszt): die hirschen und eberschweine in der brunst, und hunde und füchse, wenn sie laufen oder rammeln. Luther 8, 22
b; der tag darin sich die wölf rammelen, seind im ganzen jar nit mer dann XII. Eppendorffs
Plinius 8, 22
s. 59;
von schweinen: die schweine rammeln,
sues subant. Steinbach 2, 215;
ebenso tirolisch Schöpf 531;
subare, rühlen, rammeln, wie ein schwein nach dem eber. Kirsch
cornuc.; endlich von katzen: ohn wenn mein (
des katers) verwanten gemein, zu nacht sich an eim ort versamlen, daselbst zu tanzen und zu ramlen, da kom ich auch zu zeiten hin.
froschmäus. J 6
b (1, 2, 6); dasz sie (
die katzen auf dem lande) mehr auf den äckern und feldern, als in ihres herrn behausung liegen, zumahlen, wenn sie rammlen, welches im frühjahr geschiehet.
öcon. lex. 1184. 22)
als bergmannswort ist rammeln
die übertragung der vorigen bedeutungen auf '
sich gattende'
gänge: von mehreren gängen, welche das gebürge durchsetzen, und wo sie einander durchkreuzen, viel gang und erzarten zusammen führen, saget man, das sie sich an einer solchen stelle rammeln und nester von gangarten, zuweilen auch von erzen machen.
bericht vom bergbau (
Freiberg 1769) 14; ramlen heist, wenn viel gänge zusammen fallen, dasz man ihr streichen und saalband nicht erkennen kan. Hertwig
bergbuch (1734) 305; wenn ein gang oder geschick das andere veredlet und sie ramlen und begadten sich mit einander oder wie die bergleut noch natürlicher hievon pflegen zu reden, da wird der gang besamet und sein frucht wechset und nimpt zu. Mathes.
Sar. 37
b; denn das gibt die erfarung, das ein gang allein, wo sich nicht ander mit jhm schleppen, ramlen oder gadten, selten erz füret. 31
b. 33)
baumzüchter brauchen rammeln
vom schieszen der knospen eines baumes: schwäbisch rammeln,
treiben der bäume in knospen, wenn es des winters windet, so rammeln die bäume gern (
schwäbische bauernregel). Schmid 423; ja wenn der wind nicht wehet in den zwölf nächten, damit sich die bäume ramlen, so tragen sie auch nichts. Mathes.
Syrach 3, 10
b. 44)
in gewöhnlicher sprache, von der bedeutung 1
aus, in gröberem oder milderem sinne. 4@aa)
lasciviosi ludi, schentlich mit einander rammeln. Dief. 319
c; rammen
et rammeln,
subare, coire, congredi, salire, insilire, et quidem congressum animalium designat: transfertur tamen etiam ad alias lascivias, in verbis et gestibus, imprimis autem quae cubando fiunt: auf dem stroh rammeln,
in stramento inquietum jacere, volutare se in stratis. Stieler 1520; so lang sie mit jren jungen mägden ramlen. Fischart
bienk. 226
b; mitler weil het des frölins saugamma zue Mösskirch ein solchs ramlen und prunsten mit dem koch und andern, dardurch ir die milch verderpt und das guet kindt todemlich anfieng krank zu werden.
Zimm. chron. 3, 539, 35; auf die feiertäg bekomme ich einen neuen rock; alsdann wirds rammlen rechtschaffen angehen.
Simpl. 3, 311
Kurz; gestalten es ihnen nimmermehr an leichtfertigen dirnen und leierhuren mangelt, mit welchen sie sich bei tag und nacht im heu und stroh herum rammlen.
Simpl. (1684) 3, 138; das rammeln gefiehl der losen möhre (
einer bauerntochter) so schändlich wol. Schoch
stud. leb. D 4; sich müde rammeln, sich abrammeln: nachdem .. alle diese hengste sich müd gerammelt hatten.
Simpl. 3, 59
Kurz; als ich mich nun die nacht hindurch genugsam abgeramlet. 4, 120. 4@bb)
in abgeschwächterer bedeutung, wie noch jetzt tirol. rammeln, remmlen, römmlen,
im scherze raufen, schäckern, spielen. Schöpf 531,
in Appenzell rammla,
mutwillig schäkern, einander im scherze herumjagen und die kräfte messen. Tobler 358
b: mein meinung ist, das man die knaben des tags ein stund oder zwo lasse zu solcher schule gehen .. bringen sie doch sonst wol zehen mal so viel zeit zu, mit keulichen schieszen, balspielen, laufen und ramlen. Luther 2, 478
a; nach dem mittaganbisz, da man genug kutteln geweschen hat, zog die obgedacht erfordert gesellschaft haufenweisz ordenlich, wie die säw zum thor einlaufen, hinausz under die linden, ... da danzten, schupften, hupften, lupften, .. rammelten, hammelten (
sie).
Garg. 82
b. 4@cc)
auch balgen, ohne dasz der begriff des scherzes oder spielens hervortritt, raufen, sich stoszen oder schlagen: sich rammeln,
balgen, raufen Albrecht 190
a; wer mit einem dreck rammelt, er gewinne oder verliere, so gehet er beschissen davon. Luther 5, 272
b; bestreut sich den kopf mit poultre de Cypre, dasz er so grau wird als wenn er mit eseln gerammlet hätte. Reinhold
reime dich 3; raich mir ein sper in mein hant und tuo das so zu hant, ich wil im rameln in sein glider und wil in stechen nider.
Erlauer spiele 5, 408
Kummer; einen
oder etwas herum rammeln: hui nun annen, lasset uns die reimen herumb rammelen und rommelen, dummelen und trummelen.
Garg. 137
b.
in Schwaben heiszt rammelen
sich wälzen, wie kinder im bette. Schmid 423; darnach wann er erwacht, gumpet, blitzet, strabelt, geilet, rammelt und hammelt er ein weil im bett herumb.
Garg. 159
b;
und sonst von unruhigen und stoszenden bewegungen: ich nem des goszlarischen jungherrn gaul Ramel darfür, der kont am berg angebunden, also rammeln und stampfen, dasz er mit den wolgescherften hufeisennegeln ein goldader entblöset.
Garg. 133
a; die fremden affen gewöhnten sich stark dahin, rammelten darinnen (
in den saatfeldern) herum, und machten vieles zu schanden.
Felsenb. 1, 245.
selbst nur lärmendes zanken tritt hervor: in Appenzell rammlen,
worte wechseln. Tobler 358
b,
wozu sich das niederl. vergleicht: rammelen,
tumultuari, perstrepere, murmurare, den buyck rammelt,
crepant vel crepitant viscera, intestina latrant. Kilian. 55)
transitives rammeln,
an ramme
sp. 76
angeschlossen, kommt später erst auf, es heiszt mit einer ramme oder wie mit einer ramme einschlagen, fest stoszen (
vergl. auch einrammeln, verrammeln): rammelen
et einrammelen,
pangere et constipare tali festuca (
nämlich mit einem rammel) Stieler 1512;
obersächs. rammeln, rammen Albrecht 190
a; pfähle in den boden rammeln; die steinsetzer rammeln das straszenpflaster; wenn pastor Schmidtmit schwerem schritt die strasze tritt: gott segn euch, herr!schrein um ihn her die pflasterer, und sehn in ruh dem rammeln zu. Voss 6, 266;
bergmännisch rammeln,
ein bohrloch nach erfolgter ladung fest einstampfen: wirft der bergmann nach und nach ... lauter letten in das schieszloch und rammelt solches recht terb und voll. Beyer
bei Veith
bergwb. 373; lieb herz, er (
ein kleiner junge) rammelt erbsen sich ins ohr! Freiligrath
werke 2, 212; dinge, die sie jedem, der es anhören mochte, mit der unbarmherzigsten gewiszheit in die ohren rammelten. Wieland 32, 363; von können kommt die kunst, die schönheit kommt vom schein. so wird erst nach und nach die sprache fest gerammelt. Göthe 56, 31.