räuspern,
verb. schleim im halse gewaltsam und mit geräusch lösen: ructare ruespern, ruspern, ryspern, rispern, reuspern, reiszperen Dief. 502
b;
screare rusperen, ruwsperen, auszrüsperen 520
c;
eructare reiszperen 209
b; reuspern
ructuare, proprie est hominibus. voc. inc. theut. r 8
b; mit reuspern auswerfen, gragsen Calepin. 1312; rauspern
screatus, conatus ejiciendi sputum seu pituitam, sich räuspern
screare, tussire Schottel 1383; rausperen
et usitatius reusperen,
screare, tussire Stieler 1538. 11) räuspern
ist iterativbildung zu einem mhd. riuspen
derselben bedeutung: der riuspet, swenne er eʒʒen sol, und in daʒ tischlach sniuʒet sich, diu beide ziment niht gar wol.
des Tanhausers hofzucht, Haupts zeitschr. 6, 490, 57;
niederd. ût rûspen
eructare Schiller-Lübben 3, 534
b;
niederl. ruyspen
i. ruspen
ructare Kilian;
neben diesem riuspen
aber steht reupsen, reupzen
ructare Dief. 502
b, rüpczen, roepsen, ofreibzen, uffrübczen
eructare 209
b;
ructare rupsen
nov. gloss. 321
b; so bald er über tisch kam, fieng er seine faulen bossen an zu treiben mit reupsen, schreien und jauchzen. Wickram
rollw. 13, 11
Kurz, im gleichen verhältnisse wie wespe
zu wefse,
und auf das ahd. rôffazzan,
niederfränk. rôpizôn
eructare hinleitend, das sich mhd. als roffezen, ropzen, raubzen, raubsen
fortsetzt. es sind bildungen auf lautmalendem grunde, daher nicht in durchaus fester gestalt, neben räuspern
und den ihm nahen formen kommen auch solche mit innerem st
und verschiedener vocalgebung vor: ructare rustern, reustern, restern, ristern, rostern Dief. 502
b,
screare rusteren, rewsteren 520
c,
auch rasteln 1, rastern
sp. 152. 153
steht nicht völlig fern. das hoch- und niederdeutsch verbreitete räuspern
hatte nicht nur in alemannischen quellen ein rüsperen
und rüschperen,
mit wahrscheinlich kurzem stammvocal neben sich: rüspern, rüspelen,
durch räuspern winken, einem rüspern, rüspelen Stalder 2, 294; rüschpret sy sich hertigklich. Murner
geuchm. y
a;
sondern auch mitteldeutsch: wem es noth ist, der rusper sich.
schweinezunft 1494
bei Zarncke
univers. im ma. 1, 105, 3; rüsper dich, hie wils werden. Luther 8, 115
a;
und neben gewöhnlichem räuspern
steht räuschpern: herr Peter Squenz beginnet sich zu reuschpern. A. Gryphius (1698) 1, 732. 22) räuspern
steht 2@aa)
intransitiv: wie er räuspert, und wie er spuckt, das habt ihr ihm glücklich abgeguckt. Schiller
Wallenst. lager, 6.
auftr.; höhlen giebt es am meeresstrand, .. wo bläulich zuckt der fackeln brand, und kähne gleiten wie phantome. das ruder schläft, der schiffer legt die hand dir angstvoll auf die lippe, ein räuspern nur, ein fusz geregt, und donnernd überm haupte schlägt zusammen dir die riesenklippe. A. v. Droste-Hülshoff
gedichte 20;
in krankheit oder unfläterei: sy (
die säuische frau) grölzet, reispert, farzt und huest.
meisterl. fol. 23,
nr. 240; huesten, reispern, reuden und krecz und schwindsucht sint iczund mein schecz. H. Sachs
fastn. sp. 6, 77, 377; da war in summa summarum ein husten, reispern und ein kreisten, ein achizen, seufzen und feisten, als obs in einem spital wer.
dicht. 1, 269, 35
Gödeke; als vorbereitung zum reden oder singen: diser nun angelegter maszen ... ward der formular redner inn den mittelen saal geführt, da fieng er an in hustender und räusperender gestalt zu harangiren und narriren, wie folgt.
Garg. 152
b; räuspere nur zum gesang! frisch Hedewig! Voss 2, 244;
[] in verlegenheit oder erwartung: (
er) liest mir (himmel hilf! ietzt hat mein ohr gefahr!) ein krankes carmen vor, und schielt bei ieder zeile, und raüspert, bisz ich ihr ein falsches lob ertheile. Günther 389;
in freierem sinne: Fiesko. die worte, die du mir hinterbracht hast, sind gut, lassen sich thaten daraus schlieszen.
mohr. wie aus des himmels räuspern der ausbrechende sturm. Schiller
Fiesko 2, 4. 2@bb)
häufiger reflexiv: dasz er sich so oft reuspert, das kann man nicht gut halten. Luther
tischr. 180
b;
nachtwächter (stellt die laterne nieder und bläszt) ... wer räuspert sich dort? Fr. Müller 2, 152;
als unfläterei: huost, farz, niesz, schrei und reusper dich.
Grobian. K 4
a (
v. 2571);
als vorbereitung zu rede oder gesang seitens des redners oder der zuhörer: noch sint drei staffeln da, die man abgat, rüspern euch (
sagt der prediger zu der gemeinde), so will ich sie euch auch sagen. Keisersberg
brösaml. 1, 42
a; nun rüspern euch, so will ich euch sagen, das ir es bas verstont. 2, 83
a; er reuspert sich noch vester (
vor dem gesang des benedictus) und hustet, fiengs darauf zum dritten und darnach zum vierten mal wider
an. Zimm. chron. 2, 541, 33; der pfarrer kümpt mit einem pengel, reispert sich und spricht. H. Sachs
fastn. sp. 6, 31, 104; ein rahtsherr, reuspert sich, eh er spricht.
Garg. 52
b; hierauf nahm sie platz, räusperte sich etlichemal, und eröffnete ihm endlich .. ihr gedoppeltes vorhaben. Wieland 11, 117; der erste abgesandte, nachdem er sich den bart gestrichen und dreimahl geräuspert hatte, öffnete eben einen ziemlich groszen mund, um eine schöne anrede herzusagen. 12, 171; so zupfte er sich wechselsweise bald an der nase, bald am bart, hustete, reusperte sich, und erwiederte endlich dem oberpriester. 20, 239; eingänge, womit der redner die zeit verweilet, bis die zuhörer sich gereuspert oder verpaustet und die ohren gespitzt haben. Möser
patr. phant. 4, 100; der amtmann setzte sich in fassung, sah ihn an, räusperte sich, und fragte das arme kind, wie ihr name heisze. Göthe 18, 72; ich ruschpart mich und lieʒ mich horn. Altswert 133, 17;
um aufmerksamkeit zu erregen: darumb reuspert sich der herr auf der gassen, das man an die schlapp greif und weich aus der straszen.
Garg. 45
a; reusper dich rosztreck, der herr will reuten. 48
a; o mein Johannes reisper dich, das dis gespenst wis eigentlich, das ein manspild sei pei mir hinen. da reispert sich Johannes innen.
meisterl. fol. 23
nr. 211;
in erregung, verlegenheit: aber ein nonn dörft sich hierüber schier räuspern, als ob es gescherzt wer. Fischart
bienk. 78
b; in diesem augenblicke liesz sich ein lustiges wiehern aus dem pferdestalle gegenüber vernehmen. der pferdehändler räusperte sich, spuckte aus, schlug sich feuer an, blies dem receptor eine starke dampfwolke in das gesicht, sah sehnsüchtig nach dem stalle und dann gedankenvoll vor sich nieder. Immermann
Münchh. 1, 129; dabei begegnete auch ihm, dasz er sich einige mal herzhaft räusperte, um seiner freudigen bewegung herr zu werden. Freytag
handschr. 2, 5; er (
Gottsched) räuspert sich, reibt bart und stirne, gleich zeugt sein schaffendes gehirne der oden treflichste.
ragout à la mode (1755)
s. 22. 2@cc)
transitiv: die buben flüstern leise, sie räuspern ihre kehlen, und alte haideweisen verzittern durch die schmehlen. A. v. Droste-Hülshoff
gedichte s. 54. 33) sich räuspern,
verhüllend: dieweil er aber ganz ungelenke mit dem hindern bogen war, der roten ruhr halben, kam er auf eine wiesen, da muste er sich reuspern, und als er ein schermesser, oder wie mans nennet, suchet, so findet er ohnegefehr ein säcklein voll edelgesteins. Frey
gartenges. 14
b (
cap. 11); sagte der pfarrherr: reuspert euch noch einmal, der (
wind) ist heraus. Kirchhof
wendunm. (1602) 2, 186. 44) räuspern,
das licht schnäuzen: reuspern dem liecht,
mungere, videlicet lumen, vel emungere. voc. inc. theut. r 8
b.