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Pöbel

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Eintrag · Wander (Sprichwörter)

Pöbel

Bd. 3, Sp. 1363
Pöbel 1. Böser Pöbel braucht viel Ruthen und Hirten. – Sutor, 896. Er soll schwer zu ziehen und zu regieren sein. Was die Erziehung betrifft, so sagt ein tamulisches Sprichwort: »Auch wenn man den Pöbel zieht beim Ohr, er wird doch kein Zuckerrohr.« – Die Sprichwörter unter »Pöbel« rühren meist aus einer Zeit her, in welcher das Wort eine weitere Bedeutung hatte als jetzt; es wird damit die ganze Masse des Volks, im Gegensatze zu den regierenden und vornehmen Klassen der Gesellschaft bezeichnet, während wir jetzt unter Pöbel nur den ungebildeten rohen Haufen begreifen. Von diesem Gesichtspunkte aus sind diese Sprichwörter aufzufassen. Mag also auch der einzelne dem Pöbel aus dem Wege gehen, so doch nicht das Volk selbst, welches die Aufgabe hat, den Pöbel durch seine Regierung und seine Bildungsanstalten allmählich zu bewältigen. 2. Dem böfel kan niemand recht thun. – Franck, II, 171a; Gruter, I, 12; Petri, II, 75; Henisch, 445, 15. 3. Dem böfel weich, thus jm aber nit gleich. – Franck, I, 60a; Henisch, 445, 16; Lehmann, 876, 15; Körte, 4820. 4. Dem böfel weicht auch der teuffel. – Franck, II, 100b; Eyering, I, 369; Petri, II, 76; Sutor, 45; Lehmann, II, 59, 56; Simrock, 7953; Körte, 4822; Braun, I, 3335. 5. Dem Pöbel muss man weichen, will man ihm nicht gleichen. – Simrock, 7951. Lat.: Cedendum multitudini. (Eiselein, 514.) 6. Dem Pöbel und den weisen Leuten gefallen, ist unmöglich. »Der Beifall des Pöbels schändet seine Lieblinge, aber der Beifall der Edeln ist die schönste Bürgerkrone.« 7. Der böfel ist der teuffel. – Franck, I, 85a; Henisch, 445, 17. 8. Der Pöbel ist ein Thier mit viel Füssen ohne Haupt. n.: Almuen er et dyr med mange hoveder. (Prov. dan., 26.) It.: Non è bestia piû pazza che quella del popolo. (Pazzaglia, 296, 2.) 9. Der Pöbel ist wie Sand, darauf nichts zu bauen, er wird vom Winde zerstreut. Lat.: Nihil est incertius vulgo. (Philippi, II, 22.) – Vulgus imperitum et mutabile. (Seybold, 663.) 10. Der Pöbel ist wie Wasser, leichte Dinge trägt's, schwere sinken unter. 11. Der Pöbel kann's nicht ertragen, so er vom Regiment ausgeschlossen ist. 12. Der Pöbel macht die Herren weise. – Simrock, 7950; Körte, 4819; Graf, 18, 216; Braun, I, 3333. 13. Der Pöfel misset die freundschafft am nutz wie tuch an einer elen. – Henisch, 818, 64; Petri, II, 104. Lat.: Vulgus amicitias utilitate probat. (Seybold, 663.) 14. Der Pöfel sucht neuerung. – Lehmann, 586, 2. D.h. stets den Umsturz des Bestehenden, weil er nichts zu verlieren hat, wol aber bei jeder Unordnung gewinnen kann. 15. Der Pöfel will mit gewalt regiert sein. – Henisch, 1592, 28; Petri, II, 104. Ein tamulisches Sprichwort deutet aber an, dass damit auch noch nicht viel gewonnen sei. Es heisst: Man kann die Pöbelseele klopfen, es fliessen keine Honigtropfen. 16. Der Pöfel will stets die Hand mit im teig haben, wenn man im Regiment Brodt backen will, dass es jhnen schmäcklich sey. – Lehmann, 588, 20. 17. Des böfels lob helt nit die prob. – Franck, I, 133a; Lehmann, II, 69, 10; Simrock, 6545; Mayer, II, 710; Körte, 3928; Braun, I, 2373. 18. Des Pöbels Verdruss mit Kinderklappern man stillen muss. 19. Des Pöfels vntrew macht die Herren weiss. – Petri, II, 120. 20. Dess Pöfels böse (schlechte) Sitten machen gute Gesetze. – Petri, II, 120; Lehmann, II, 69, 9; Körte, 4818; Braun, I, 3332. 21. Es ist nicht lobs wert, das der böfel hoch ehrt. – Henisch, 445, 18. 22. Es ist nit gar nicht, was der böfel spricht. – Franck, II, 52a; Gruter, I, 36; Petri, II, 274. 23. Je bösser Pöffel, je besser Obrigkeit. – Petri, II, 390. Je böser der Pöbel, desto schärfer die Obrigkeit. (Graf, 524, 302.) 24. Kommt einer dem Pöfel in die Zähn, so wird er vernagt vnd zerbissen. – Lehmann, 301, 21. 25. Man darff dem Pöffel nicht viel pfeiffen, er tollet sonst gern. – Petri, II, 444. 26. Pöbel sitzt gern mit am Bret. Vielleicht ist damit die Neigung des Volks zur Selbstregierung gemeint. 27. Volg nit dem gemainen pöfel. – Hauer, Ki. Lat.: Per publicam viam ne ambules. (Henisch, 445, 14.) 28. Was der Pöbel spricht, ist nicht ganz und gar erdicht't. – Körte, 4817; Masson, 361. 29. Wenn man den Pöbel erschreckt, so thut er Gutes. In Aegypten sagt man: Wer den Pöbel regieren will, muss sich ihm widersetzen. (Burckhardt, 333.) Man geht dort von der Ansicht aus, der Pöbel lasse sich nur so regieren, dass man seinen Neigungen schnurstracks entgegenhandle. 30. Wer dem Pöbel dient, hat einen schlimmen Herrn. – Petri, II, 690; Simrock, 7952; Körte, 4821; Venedey, 167; Masson, 282; Braun, I, 3334. »Der hat ein bösen herrn erkorn, wer dient dem püfel vnerfarn.« Alle Empfindungen des Pöbels vereinigen sich in seinem Beutel oder in seinem Magen. Der Pöbel, wie ihn Tacitus in Rom schildert, ist auf dem Miste geboren, aus Koth zusammengesetzt; und man findet ihn heute noch bestehend aus denselben Elementen in allen grossen Städten. Lat.: Prauo seruit hero, qui uulgo seruit iniquo. (Loci comm., 183.) 31. Wer dem Pöffel gefallen will, der muss sich jhme gleich halten. – Lehmann, 327, 40. 32. Wer dient dem Pöbel et similibus horum, der hat vndanck in fine laborum. – Lehmann, 587, 10. 33. Wer sich an den Pöbel hängt, der hängt ärger als an einem Baum. 34. Wer sich an den Pöbel hängt, ist übel logirt. – Simrock, 7948. 35. Wer vom Pöbel abhängt, muss entweder Hammer oder Amboss sein. Lat.: Fallitur, aut fallit, qui vulgi pendet ab ore. (Binder II, 1085; Buchler, 405.) [Zusätze und Ergänzungen] 36. Der Pöbel ist so bestendig als das Aprillenwetter. – Monatsblätter, V, 94, 13. 37. Man soll dem Pöbel ausweichen, aber nicht weichen. D.h. gehorchen, sich ihm unterwerfen. Lat.: Populo cede, non pare. (Sailer, Sprüche, 120, 89.) 38. Er hält's mit dem süssen Pöbel.
5723 Zeichen · 157 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Pöbel

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Pöbel , des -s, plur. inus. 1. Das gemeine Volk, der größte und niedrigste Haufe in einem Staate, der große Hause. E…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Pöbel

    Goethe-Wörterbuch

    Pöbel a kollektivierend für die unter(st)e Gesellschaftsschicht, das gemeine Volk bzw deren/dessen (zufällig) anwesende …

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Pöbel

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Pöbel (v. lat. populus , franz. peuple ), die niedrigste Klasse eines Volkes, insofern sie sich durch Mangel an Bildung …

  4. modern
    Dialekt
    Pöbelm.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Pöbel m. : ' Gesindel ', Pewel (pēwəl) [KU-Schmittw/O KL-Gimsb. u. Umg.]. Syn. s. Gesindel . — Zu frz. peuple. — Südhess…

  5. Sprichwörter
    Pöbel

    Wander (Sprichwörter)

    Pöbel 1. Böser Pöbel braucht viel Ruthen und Hirten. – Sutor, 896. Er soll schwer zu ziehen und zu regieren sein. Was di…

  6. Spezial
    Pöbel

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Pö|bel m. (-s) jentöm (-s) m. , massa (masses) f. , ciamercia (-ces) f. , jentaia (-ies) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit poebel

79 Bildungen · 78 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von poebel 2 Komponenten

poe+bel

poebel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

poebel‑ als Erstglied (30 von 78)

pöbelandrang

DWB

poebel·andrang

pöbelandrang , m. : dieses ( das judenquartier ) war mit starken mauern versehen, auch mit eisernen ketten vor den thoren, um sie gegen pöbe…

Pöbelanführer

Campe

poebel·anfuehrer

◎ Der Pöbelanführer , — s, Mz . gl. der Anführer des Pöbels, bei verschiedenen Gelegenheiten, z. B. in einem Aufstande oder während einer Pö…

pöbelart

DWB

poebel·art

pöbelart , f. : ich zeige mich in pöbelart versunken. H. Heine buch der lieder 53 neudruck.

pöbelaufstand

DWB

poebel·aufstand

pöbelaufstand , m. : auf die massen gestützt, hoffte er ( Danton ) sich seiner gegner .. durch einen pöbelaufstand .. entledigen zu können. …

Pöbelauftritt

GWB

poebel·auftritt

Pöbelauftritt ‘Straßen-, Markt- und Pöbel-Auftritt’ für: öffentliches Erscheinen vor heterogenem, eher ungebildetem Zufallspublikum 33,266,2…

pöbelblendwerk

DWB

poebel·blendwerk

pöbelblendwerk , n. : alles leere pöbelblendwerk ward verworfen und wir wandelten in lauter leben. Heinse Ardingh. 2, 279 .

pöbelblut

DWB

poebel·blut

pöbelblut , n. : nimmermehr, dasz solche für dich aus argem pöbelblut aufwuchs ( de scelesta plebe dilectam )! die so treu dich liebet, ... …

pöbelei

DWB

pöbelei , f. etwas pöbelhaftes: auch die alten hatten ihre pöbeleien im drama, in der satire, wenn es zweck und eigenheit foderte. Sturz 1, …

pöbeler

DWB

pöbeler , m. plebejer, plebicola, ein pöfeler Stieler 2389 .

pöbelfreund

DWB

poebel·freund

pöbelfreund , m. freund des pöbels: dasz nicht mein pöbelfreund ... mich reisze herschweis weg. Schottel 1007, 53 .

pöbelfrucht

DWB

poebel·frucht

pöbelfrucht , f. : der kornwucherer. ewig sei von mir verflucht du verhaszte pöbelfrucht ( kartoffel ). Langbein (1852) 2, 366 .

pöbelfurcht

DWB

poebel·furcht

pöbelfurcht , f. : Daniel. gott sei euch gnädig! Franz. pöbel - weisheit, pöbelfurcht! — es ist ja noch nicht ausgemacht, ob das vergangene …

pöbelgefolge

DWB

poebel·gefolge

pöbelgefolge , n. : jeder ( der drei geächteten ) mit wildem, groszem pöbelgefolg. Grabbe 2, 150 .

pöbelgeiz

DWB

poebel·geiz

pöbelgeiz , m. : und pöbelgeiz und schwindel spornte jeden, den geist der nation zu tödten. Seume ges. schriften 4, 393 Zimmermann.

pöbelgesinde

DWB

poebel·gesinde

pöbelgesinde , n. : denn ob wol ein raht und die väter oder die guten darwider weren, so wird doch das pöfelgesind an uns miszbrauchen und v…

pöbelglaube

DWB

poebel·glaube

pöbelglaube , m. , vgl. pöbelwahn : dieser pöbelglaube der unwissenden. Herder bei Campe.

pöbelgriff

DWB

poebel·griff

pöbelgriff , m. griff nach dem pöbel, nach pöbelhaften ausdrücken: dem seine stümpelei nach pöbelgriffen glükket. Schottel 1009, 79 .

pöbelhaft

DWB

poebel·haft

pöbelhaft , adj. und adv. dem pöbel eigen und gemäsz, in der art und weise desselben, roh, gemein. vgl. pöbelmäszig . 1 1) adjectiv: seine t…

pöbelhaftig

DWB

poebel·haftig

pöbelhaftig , adj. was pöbelhaft: von pöbelhaftigen begierden würd ich und du befreit. Pyra u. Lange lied. 35 neudruck. davon die pöbelhafti…

pöbelhasz

DWB

pöbelhasz , m. : das blut ist deines herzens der liebe heiszer quell, wiewohl er sich am gletscher des pöbelhasses bricht. Platen 2, 31 ; we…

pöbelhauch

DWB

poebel·hauch

pöbelhauch , m. : alles flieht uns! ist entronnen — ehre, der pöbelhauch! er hauche weg! Herder bei Campe.

pöbelhaufe

DWB

poebel·haufe

pöbelhaufe , m. : mit verlust desz guten namens einen guten freund erkauffen, eignet nicht den weisen leuten, nur dem blinden pöfel-hauffen.…

pöbelheer

DWB

poebel·heer

pöbelheer , n. : Haman. du weiszt wieviel es uns mühe gemacht bis wir es haben so weit gebracht an herrn Christum nicht zu glauben mehr, wie…

pöbelherrschaft

DWB

poebel·herrschaft

pöbelherrschaft , f. : gewöhnlich sagt man, dasz die regierungsform Roms von August an monarchisch gewesen sei. dagegen möchte wol mit grösz…

Pöbelherrscher

Campe

poebel·herrscher

◎ Der Pöbelherrscher , — s, Mz . gl. derjenige Herrscher, der bei Pöbel beliebt und in Ansehen ist, durch denselben herrscht (Ochlocrat ). C…

Ableitungen von poebel (1 von 1)

gepöbel

DWB

gepöbel , n. das niedere volk, gesindel, s. pöbel : gepüfel, gepoffel, gebufels Dief.-Wülcker 612 ; gepöfel Stieler 2389 . Holtei Lammfell 1…

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Cotta, M. (2026). „poebel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/poebel/wander
MLA
Cotta, Marcel. „poebel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/poebel/wander. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „poebel". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/poebel/wander.
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