Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
pfaffo
tel des 9. Jh.s in Gl., in OG und NBo: ‚Pries-
ter, Geistlicher; caelebs, clericus, matricula-
rius, papa?, sacerdos, scailo [lingua ignota,
Hildeg.]‘, pfaffôno gisamani ‚Gemeinschaft der
Geistlichen; clerus‘ <〈Var.: ph-, p-; -ph-, -f-; fá-
fo>〉. Das Wort ist vor dem Eintreten der 2. Laut-
verschiebung aus got. papa ‚Presbyter, Geist-
licher‘ entlehnt, das wiederum aus gr. (kirchen-
sprachlich) παπᾶς m. ,clericus minor; niede-
rer Geistlicher‘ übernommen ist. – Mhd. pfaf-
fe sw.m. ‚Geistlicher, Weltgeistlicher, Priester‘,
in der komplementären Paarformel pfaffen un-
de leien ‚Kleriker und Laien, Geistliche und
Nichtgeistliche, alle Leute‘, frühnhd. pfaffe m.
‚Geistlicher, Priester, Gelehrter‘, seit der Refor-
mation mit negativer Konnotation für den ka-
tholischen Geistlichen, übertragen auch als
Bez. für verschiedene Tiere wie Blässhuhn,
Gimpel, die durch die Ähnlichkeit mit der Klei-
dung des Pfaffen motiviert ist, nhd. Pfaffe m.
‚Geistlicher‘, nhd. mdartl. wie im Frühnhd. zur
Bez. von Tieren, aber auch Pflanzen: schweiz.
als Vogelbez., els., thür. ‚Libelle‘, bad. ‚Schwa-
benkäfer, Wasserhuhn, Blässhuhn; Wiesen-
bocksbart‘, schwäb. ‚Ackermohn‘, bair.-öster.
‚Klatschmohn, Feuerlilie‘, rhein., pfälz., süd-
hess., hess.-nassau. ‚Blässhuhn, Beerenwanze;
Klatschmohn‘, schles. ‚Blässhuhn, Ziegenmel-
ker [Vogel], Pfau‘, siebenbürg.-sächs. ‚Frucht
des Spindelbaums‘.