nirgend,
adv. verneintes irgend
theil 4
2, 2156,
altniederfränkisch nie wergin (
aus nio hwargin
gramm. 3, 36. 220),
zusammengezogen niergin (
gloss. Lips. 711, 713),
mnd. nergene, nerne, neren, nergende, nergent (Schiller-Lübben 3, 174
a),
md. niergen, nirgen, nergen,
mit ausfall des g nieren, nirne, nêren,
dann auch als niergen, niergent, nirgen (
statt niener, niender, niendert)
übergegangen in mhd. denkmäler (Lexer 2, 77
und nachtr. 331);
nhd. im 16.
jahrh. noch niergen,
verkürzt nirgen (nergen), nieren, nirn,
gewöhnlich aber mit schlieszender dentalis niergend,
verkürzt nirgend (nirget Spee),
welche form in der schriftsprache neben der weiterbildung nirgends (
s. dasselbe)
durchgedrungen ist. 11)
local, an keinem orte, an keiner stelle, wobei manchmal auch der temporale oder modale begriff (
zu keiner zeit, auf keine weise)
mitverstanden sein kann: niergen, nirgen, nergent, nernt,
nullibi, nuspiam Dief. 384
c. 385
c; niergent,
nullibi gemma gemm. r 3
b; wer sich selber also gaxet, den helt man niern für. Keisersberg
sünden des munds 56
b; da sie ihn niergen kunt sehen. Murner
Eulensp. 10; er wol niergen bleiben, wa kinder waren. 28; ein gott, des gleichen nirgend ist.
Jes. 46, 9; ein prophet gilt nirgend weniger denn in seinem vaterland und in seinem hause.
Matth. 13, 57; ein münch ist nirgend besser dann im kloster. Agricola
sprichw. nr. 319; dasz nirgend ires bleibens war. Ulenberg
ps., Kehrein kirchenl. 2, 161, 12; nirgend war drocken land. 229, 5; es ist mancher so gar rhumretig, sich selb zu preisen wunderthetig, fehrt oben ausz, sich nergn anstöszt. Waldis
Es. 3, 79, 23;
elliptisch oben aus und nirgend an: denn der selbigen (
eigensinnigen köpfe) spott mann, das sie sich des understeen, das in schedlich ist, hui oben usz und nirgent an, wer oben usz feret mit dem kopff, der stöszet sich gewiszlich. Frank
sprichw. nr. 104
Latend. Agricola
nr. 217. Simrock 411; hui oben hinaus und nirgend an!
oder wol aus und an, stosz nirgend an
galt als ausfahrformel der hexen, s. myth.4 906; doch in felden noch in wälden (
ich) nirget meinen knaben find. Spee
trutzn. 202
B.; weil den Daphnis sie nun nirget (: birget) auf dem feld und wiesen sieht. 207; und kont nirgend fortkommen. Schuppius 16; nirgend sah man (
an seinem schlafrocke) einen risz. Stilling
jug. (1780) 16; ich bin nirgend wohl und überall wohl. Göthe 16, 154; nirgend sah ich ein gedränge. 12, 291; er konnt ihn nirgend entdecken. 40, 81; das will aber doch nirgend greifen und fassen. 47, 249; nirgend noch spuren von einem wege, nirgend noch fluren. Tieck 10, 232; nirgend! — nirgend eine kohle!
ges. novellen 5, 265; was er auszutheilen vermochte, wollte nirgend reichen. Freytag
ahnen 3, 142; nirgend hin,
an keinen ort hin, nirgendwohin: der amechtige teufel wil nirgend hin denn an unser ort. Luther 3, 46
b; und wissen nirgent hin zu fliehen. Frank
sprichw. nr. 479
Latend.; ich wuste nirgendhin. Weise
erzn. 45
neudruck; in verbindung mit einer andern negation, um nachdrücklicher zu verneinen: als nun kein liecht niergendt gesehen ward.
buch d. liebe 213
c; maszen er nirgend keine lebens-mittel mehr sahe.
pers. rosenth. 3, 27,
oft nur (
wie im mnd. nergen nein Schiller-Lübben 3, 174
b)
zur verstärkung des kein
dienend, durchaus (
nach ort, zeit und weise)
keiner: so dunkt mich niergen kein besser huofschlag sein dan von silber und von golt. Murner
Eulensp. 31; dann er mehr auff die flucht eilet, dann der andern gest niergendt keiner.
Amadis 130.
vergl. 3. 22)
modal, auf keine weise, durchaus nicht, doch wieder mit beimischung des localen oder temporalen begriffs: der dieb man nirn basz warten kan, man henck sie dann an galgen nan. Eyring 2, 406; dir .. ein grab-lied ietz zu bringen, geht hart und sauer her, mein spil will niergend klingen, der kummer ist zu gros. Rompler 75. 33)
mit nachgestellter (
selten vorangestellter)
präposition dient es wie im nd. (Schiller - Lübben 3, 174
b. Kramer 1, 217
a)
und wie niener
zum ausdrucke eines starken, von einer präposition abhängigen nichts: nirgend an
u. s. w. durchaus (
nach ort, zeit und weise)
an nichts, mit nachfolgendem dann (denn), als,
durchaus an nichts anderes als u. s. w.: wiewol Amadis niergend an gedacht, denn wie er mittel und weg erdenken möcht, dasz er.
Amadis 153
K.; dasz er nirgendt denn an streit gedacht. 148; darumb er niergent durch, dann mit ritterlicher hand und gewalt errett werden können. 120; nirgend für halten,
flacci pendere Denzler 213
b; dann ich niergend umb (
aus keinem anderen grunde) hieher kommen, dann dasz ich dises streits auszgang beschawen möcht.
Amadis 128
K.; ich wunder mich fürwar, warumb ir sagt, das man euch diese wort .. fürwerffe nirgend umb, denn das ir sagt .. Luther 4, 379
a; ich bin nun alt und ich sie anderst niern umb halt, denn das sie mein im alter pflegen. Waldis
Es. 4, 17, 76; dasz er nirgend von wüszte. Stumpf
chron. 343
b; das zipperlein kommt nirgend anders her als von unmäszigen affecten und passionen. Ludwig 1332; das sein leichte nachgültige menschen und sein niergen zu guot. Keisersberg
evang. (1517) 222
b; mensch, der nirgent zu nütze ist. Frank
sprichw. nr. 160
Latend.; die nirgend zu dienen, dann dasz sie. E. Alberus vi; sie dienen nirgend zu als zur armuth. Schuppius 199; es dienet nirgend zu. Stieler 2653;
mit vorangestellter präposition: mangel doch an nirgend es find. Corner,
Kehrein kirchenl. 1, 38, 3.