Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Niedlichkeit
Niedlichkeit
niedlich Adj. ‘zierlich, nett, angenehm anzusehen’. Zu einem im Nhd. untergegangenen ahd. niot ‘Verlangen, Begierde, Sehnsucht’ (9. Jh.), mhd. gegenniet ‘das Gegenanstreben’ stellt sich das Adverb niederrhein. nītlīche (12. Jh.), md. niethlīchen ‘eifrig, freudig’ (um 1400) und das Adjektiv niedlich ‘Verlangen erweckend, angenehm’ (16. Jh.); dem Adverb entspricht asächs. niudlīko, aengl. nēodlīce ‘eifrig, sorgfältig’. Der lich-Ableitung voraus geht ahd. niotsam ‘wünschenswert’ (11. Jh., vgl. auch asächs. niudsam ‘erwünscht, angenehm’), das jedoch nicht durchdringt. Ahd. niot, asächs. niud, aengl. nēod (westgerm. *neuda- m. ‘Wunsch, Verlangen’) ist vergleichbar mit lit. (pa)nū́sti ‘verlangen, gelüsten’, so daß ie. *neudh- ‘begehren, gelüsten’ erschlossen werden kann. Nhd. niedlich geht in der Gestaltung der ersten Silbe (mit unverschobenem d) vom Nd. und Omd. aus, bedeutet zunächst ‘Eifer, Lust erweckend’, wird vor allem im 16. Jh. (Luther) und noch von Wieland im Sinne von ‘appetitlich, lecker’ auf Speisen bezogen und erst seit dem 18. Jh. vorwiegend in der Bedeutung ‘zierlich, fein, klein’ verwendet. – Niedlichkeit f. ‘Zartheit, Feinheit’ (17. Jh.), anfangs auch im Sinne von ‘Leckerei, Delikatesse’. verniedlichen Vb. ‘verharmlosen, verkleinern’ (um 1800).