naue,
nau;
nave,
nafe,
naffe,
näffe,
f. und m. navis. spätahd. aus dem summarium Heinrici nâwa Graff 2, 1109;
mhd. nâwe, næwe Lexer 2, 42;
bair. nau, nauen
und naven, nafen
f. Schm. 1, 1708. 1729
Fromm.; schwäb. nau
f. Schmid 402;
schweiz. nauen, nauwe
f. und m. Stalder 2, 232.
die alten vocabulare haben: navis, ratis, schif
vel nau
voc. opt. 29, 9; nawe,
phaselus Dasyp. K 7
b;
navis, die nauen Dief.
nov. gl. 262
a (
vom j. 1516); der nauwen,
aphractum Maaler 303
d; nawen,
corbita Denzler 210
b. —
von Grimm
kl. schriften 3, 124
und von Curtius
3 292
wird naue
mit nachen
und altn. naust (
wol aus älterem navist Weinh.
altn. leben 135
anm. 5)
in urverwandtschaft gestellt zu griech.-lat. nau (
ναῦς, navis, nau-fragium
u. s. w.),
doch ist wol eher mit Fick
2 112, Wackernagel, Weigand
u. a. eine entlehnung aus lat. navis,
it. nave
anzunehmen mit diphthongisierung von av (
mhd. âw),
wobei das deutsche nau (
s.nau adv.)
mit eingewirkt haben mag. keinem zweifel unterliegt die entlehnung in den nicht diphthongisierten formen nave, nafe, naffe, näffe (
vgl. auch navill
und navilio
aus ital. naviglio L. Rem
anh. 136,
und mit dem nave navigiren 169);
auch bei Kantzow
pomm. chron. 2, 231
heiszt es deutlich genug: neun schiff ..., darunter zwei grosze naven, wie sie die Walen (
Wälschen) heiszen. 11)
schon das lat. navis
musz im mittelalter eine bestimmte bedeutung angenommen haben, indem im 12.
und 13.
jahrh. die schlechthin naves
genannten fahrzeuge in ähnlicher weise wie in den späteren deutschen quellen die nauen
neben den galeen und andern schiffen als bestandtheile der flotten erwähnt und öfters an erster stelle und mit bestimmten namen angeführt werden (
s. die nachweise bei Schultz
höf. leben 2, 280).
auch in Rožmitals reisebeschreibung vom j. 1465—67
werden als navigia maritima
die naves, galeones et cochae (
kocken)
genannt und hinzugefügt (
s. 38): navis dicitur, quae ventis et solis (velis?) agitur, galeon est, qui remigio ducitur
etc., so dasz wir also wol auch unter naue
zunächst ein gröszeres segelschiff (
kriegs-, handels-, fracht-, lastschiff)
zu verstehen haben: wie sich der veind mit 20 galeen, 8 nauen und bei 100 kleinen schiffen auf dem mer für
s. Veit geslagen haben. Chmel
urkk. .. zur gesch. Maxim. I. 236; der groszen naf ist nit mer dann zwo .. der nafen ein ist in den port .. durch den windt getriben.
ebend.; unser näff wardt sandt Nicla genannt; so fuern noch zwo nauen mit.
font. rer. austr. 1, 183; also bestellet mein herr ein naffen (
später das grosz schiff) .. des nachts kam ein wind, das wir varen mochten.
Rožmital 153; und bestalten ein andern naffen.
ebend.; do ist ein naffen mit aufgeworfen segel auf dem mer hergangen. do haben die rauberschiff die naffen ersehen. 168; zwu grosz raubers naffen. 159; zwu näffen und zwu galein. 179; galleen, füst, krack, nawen, parck, kiel, weidling, hornach, rennschiff starck. Brant
narrensch. vorr. 15; fuor ich ... aus in ainem bisgayer nave. L. Rem
tagebuch (1494—1541) 12; begeret .., das er mit einem nave sicher navigiren und handlen müge.
anh. 169; nachmalen fuoren sy wider auf ire nave. 170; sind also alle funf nave bei und mit einander. 167; die naven, so eingefaren ist .. mit der ladung. 132; und will setzen auf dise reis 40 naven.
ebend. u. ö.; mit sieben gallein, nauen oder lastschiffen. S.
Frank weltb. 51; hat er den anschlag bald fürkommen und hat die groszen naf (
ein groszes kriegs- und handelsschiff der Rhodiser) armiert. Liliencron
volksl. 261, 41 (
v. j. 1510)
u. anm.; es kummen ausz Frankreich zwölff naue euch zu hilff geleich. H. Sachs 12, 539, 16; wann ich hab .. vernummen, es sei nechten ein naue kummen mit aller kauffmans-wahr hieher. 13, 267, 3; mit dreizehen nauen abfuhr Ulysses. 5, 370
c; der tyrann Nabis hatte auch ein kleine anzahl schiff zugericht, drei gedeckte nauen und etlich weid- und rennschiff. Rihel
Liv. 503
u. ö.; im syrischen mör werd ir neun tausent vierzehen groszer nauen (naven
ausg. v. 1617) mit bestem wein geladen haben. Fischart
Garg. 222
b; es waren grosze nauen do; sachen die Engellender do wein laden.
F. Platter 282
B.; nauwen, grosze kornschiff, darinn man korn fuort oder sunst kauffmanschatz. Maaler 303
d; nauen, nauwe
m. f. last- oder frachtschiff von 40—60
schuhen länge. Stalder 2, 232. —
in dem einzigen spätahd. belege wird das compositum vernâwa
durch lat. calo
wiedergegeben: vernâwn
vel karrodin,
calones, naves quae ligna portant, also ein holzschiff. Graff 2, 1109.
mhd. belege stehen nicht zu gebote. 22)
ein fährschiff. mhd. nâwe
und næwe,
md. nêwe,
woraus mit wechsel von w
zu h nähe
entstanden ist (
sp. 289): ûʒ der nêwen er do trat, den vergenlôn er ime geben bat.
krone 20277; schier kam er an daʒ übervar, daʒ was nû brücke und nêwen bar. 21320;
navis, quae dicitur nêwe. Baur
hess. urk. 2, 87 (
vom j. 1241); das wir han ein fare in R. gemarke, und wan wir da selbs han ein newe
gen. weisth. 4, 634 (
mrh. aus dem 14.
jahrh.);
alem. nâwe
Zürcher richtebrief 53.
habsb. urbar 187, 4. 5; ein ferr (
ferge) soll han ein nawen. Wurstisen
Basler chron. 414; nowe Mone
quellen 3, 505;
elsäsz. noge Königsh. 689, 15 (
vgl. Weinh.
alem. gr. § 216). 33)
schweiz. auch ein kleineres schiff, ein fischerboot, kahn: und leitent in (
Tell) die knecht also gebunden in einen nauwen oder schifflin uff das hinder gepiet. Etterlin
chron. der eidgenossen in Wackern. leseb. 3, 72, 14; do schwang er mit gewalt .. den nauwen oder das schifflin hinden zuo der blatten ... und sprang usz dem nauwen uff die blatten, stiesz den nauwen von im. 73, 9
ff.; mach hurtig, Jenny, zieh die naue ein. Schiller 14, 273 (
Tell 1, 1).