laustern,
verb. speculari, auscultare, ein in der heutigen schriftsprache verschollenes wort. das ahd. hlûstrên
und lûstrên (lûstrentên ôron, zualuustrenteem ôron
attonitis auribus, hlûstrenti, hlûsterendi
inhians, intentus, umpihlûstrenti
conlustrare Graff 2, 293)
zeigt durch den theilweise erhaltenen anlaut hl,
dasz es etymologisch mit dem folgenden der bedeutung nach ganz nahe stehenden lauszen
nichts zu thun hat, sondern zunächst dem alts. altnord. hlust
auris, hlusta
auscultare, fries. hlest,
ags. hlyst
gehör, hlystan, hlestan
hören, horchen, für welches auch hlŷst, hlŷstan, hlêstan
angesetzt wird, zufällt. mhd. ist das verbum als lûstern
in nicht häufigem gebrauch, es heiszt wol auch mit kurzem vocal lustern,
denn noch jetzt zeigt sich in dem worte vocallänge und -kürze: bair. laustern Schm. 1, 1524
Fromm., alem. luustere
lauschen Seiler 197
a (
wogegen bei Stalder lustern 2, 187),
in Vorarlberg lûstera
und lsterla
lauschen, nachforschen Fromm. 3, 303,
niederl. luisteren;
gegen elsäss. lüstre
lauschen Fromm. 2, 562, 5, lustre
lauern, lauschen 4, 117, 4,
rheinfränkisch lusteren,
lauern, lauschen 4, 262,
niederrhein. lustern,
lauschen, horchen 5, 416, 23,
im westfälischen und sächsischen Hessen lüstern
und lüspern
lauschen, horchen Vilmar 256 (
vgl. zu der letztern form oben lauspern),
im niederdeutschen sprachgebiete als lustern
und lüstern
weit verbreitet, vgl. brem. wb. 3, 105. Schütze 3, 60. Schambach 128
u. m. laustern
heiszt 11)
aufhorchen, lauschen: auscultare lustern Dief. 62
c;
ausculto ich lauster, hör zu. Alberus; lausteren
occulte auscultare aut attendere Schottel 1355; drei ganzer stunden .. muste ich .. sitzen bleiben, eh einer herzu schlich und an dem riegel anfieng zu rappen. ich lausterte wie eine sau, die ins wasser harnt.
Simpl. 1, 115
Kurz; mit genitiv der sache: gar frolich dett ich stan und lüstert diser mer. Altswert 191, 34;
mit nach: das wildt auf grüner heiden steht, es laustert nach dem horne.
Ambr. liederb. no. 119, 10;
mit abhängigem satze: stampften und stieszen mit den spieszen, zu laustern wo es hol wer.
Garg. 202
b; ich stund ein weil gar tisem hinder einem büschlin clein und lüstert, was die zart, die rein mit worten sprach gar tougen. Altswert 131, 37; als sie nähst zu dir träten, erstarren sie zumal; sieht eins das ander an, und laustert, ob es auch ein iedes glauben kan, dasz du verschieden bist? Rompler 98.
vgl. auflaustern. 22)
auflauern, oft nahe an die vorige bedeutung rührend, andererseits in den begriff des folgenden lauszen
übergehend: insidiari lustern uff ein Dief. 300
c; mit listen auf einen laustern, aufsetzig sein,
insidiari Calepinus 735; welcher bei tag und nacht auf den andern uf wegen laustert (
ist der höchsten busze verfallen).
weisth. 1, 489; als er (
der hirsch) vor forcht eines nachjagenden wolfs auf einen hohen felsen entwiche, und der wolf .. auf jn laustert. Keisersb.
narrensch. 12
a; dan so lustert der wolf, und wann man am minsten meint, so ist er do und ergrift das arm thier. Schade
sat. u. pasqu. 3, 12, 37; ich laustert frühmorgens auf ire knechtlein. Bolz
Terenz (1544) 90
b; man sol für dem aufgang der sonnen fleiszig auf sie (
die maulwürfe) an dem ort, da sie das erdrich gar frisch auszwerfen, laustern. Sebiz
feldbau 293; wann man auf ein hasen laustert. 618; als uff ein zeit ein aff ersähen, wie ein söugamm ein kind in einem wäschbeckin badet, .. lausteret der aff und bildet jm eben ein, wohin sy das kind gelegt. Forer
thierb. 3
b; wie ein hungeriger wolf .. vor allen schafställen gelaustert und gesucht seinen bauch zu füllen. Kirchhof
wendunm. (1603) 7, 65; die feind thun stätigs auf uns laustern.
unlustvertreiber (
Straszb. 1655) 237; warummen er .. von stund an widerum so stil ist, als ob ein mausz in eim kram leg, oder ein katz auf die mäusz laustert. Fischart
bienk. 158
a; lag also lustren bis gegen tag. H. Salat 122, 39
Bächtold; kompt etwas guts so spitz dich drauf, das du erdapst die beste speisz, wie katzen laustern auf die meusz.
grobian. (1568) B 6
a (
b. 1,
cap. 4);
in der verblaszten bedeutung warten: auf die uneinigkeit und zwitracht des Teutschlandes laustern.
händel von 1617-1644
s. 81;
verborgen sein: der sulphur, welcher under der haut des menschen heimlich laustert und verborgentlich angezündet wird. Paracelsus
opp. 1, 344 B. 33) laustern,
raunen: item, was es bedeute, dasz er seine heimlichkeit und secret dem brot und wein also in die oren raumt und laustert, als wolt er ein heimliche losung geben. Fischart
bienk. 158
a,
ist wol dem niederländischen nachgebildet (iemant iets in't oor luisteren,
einem etwas heimlich ins ohr sagen);
aber auch alemannisch ist lustern
etwas ins ohr raunen Stalder 2, 187.