Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
lantman stM.
1.1 ‘Einheimischer, Einwohner’
1.2 ‘(jmds.) Landsmann’ (z.T. mit Poss.-Pron.)
1.3 als Mitglied des Gerichts ‘Dinggenosse, Urteilsmann’ (vgl. DRW 8,505f. [I.3] mit weiteren jüngeren Belegen)
1.4 regional terminologisch ‘Landsmann’ einer Schweizer Landsgemeinde (zur Sache vgl. 2 HRG 3,591ff.)
2 ‘Mann vom Lande, Landbewohner, Bauer’ (z.T. in betontem Ggs. zur Stadt)
1 ‘Bewohner eines Landes, Mann aus einem Land’ (vgl. lantgeselle , lantgenôʒ , lantvrouwe , lantwîp ) 1.1 ‘Einheimischer, Einwohner’ patriota: lantman SummHeinr 1:305,527. 2:25,518 (vgl. AWB 5,633 mit weiteren Belegen aus dem 12.–14. Jh.); der lantman mit dem gaste / von strite liten groz arbeit Rennew 30062. – nicht immer scharf abgrenzbar sind Aspekte von ständischer Zuordnung und Gefolgschaft: gezimirt was der lantman mîn, / daz nie kein ritter umb den Rîn / gezimirt wart für wâr nie baz UvLFrd 208,29; jst aber, daz ich oder mein erben [...] den benanten dinst nicht dienent, so sol mir [...] wandel vnd pvezz dar avf gen als ainem ainvaltign lantmann UrkCorp (WMU) 2544,38. – in Verbindung mit mâc ‘Gefolgsmann/ Landsmann oder Verwandter’ (hierher oder zu 1.2 , vgl. man 4): dô im nieman kunde gesagen, / weder lantman noch der mâc, / wâ Lanzelet del lac / in der welte wære UvZLanz 5577; ez wære lantman oder mâc Parz 434,14; RvEAlex 1535; unde vindet man niht irs vater mâge, so gebe man in einen ir muoter mâge oder einen getriuwen lantman SpdtL 127,5; StRAugsb 129,21 1.2 ‘(jmds.) Landsmann’ (z.T. mit Poss.-Pron.): lieber lantman, sprach er, / [...] / ir sît mir liep durch daz lant / danne wir beide sîn geborn StrAmis 1665; diu bat in ie genôte, / daz er im êre bære, / wan er ir lantman wære Tr 13152. 3935; gein Bactrâ / dar dehein dîn lantman / künde nie hin gewan RvEAlex 11463. 1075; verwirfet der Swâp des Sahsen urteile oder der Sahse des Swâbes, die sullen si für den künic ziehen; alsô tuo ein ieglîch lantman dem anderm SpdtL 199,25 1.3 als Mitglied des Gerichts ‘Dinggenosse, Urteilsmann’ (vgl. DRW 8,505f. [I.3] mit weiteren jüngeren Belegen): swer sîn kint niht ziehen kan, / daz ziuht vil lîhte der lantman Freid 108,14; homines iudiciales [...] vulgariter dicitur lantmanne DRW 8,505 (PublRhG. 38,1; a. 1332); vur deme lantmanne und deme gerichte UrkGerKöln 390 (a. 1349) 1.4 regional terminologisch ‘Landsmann’ einer Schweizer Landsgemeinde (zur Sache vgl. 2HRG 3,591ff.): dc enkeiner vͥnser [des Kantons Schwyz] lantman sinem wibe mache me danne halbes sin gvͦt UrkCorp (WMU) N613,38 2 ‘Mann vom Lande, Landbewohner, Bauer’ (z.T. in betontem Ggs. zur Stadt): do macht er [der verlorene Sohn] sich zu ainem der da lantman waz, der sant in auf ainen sinen hof, daz er siner swin huͤt PrOberalt 64,34; dem keiser er warten solde / und solde sîne hulde hân, / er wær bürger oder lantman ErnstD 1418; Rennew 6154; wer es ouch das dehein lantman deheinem unsserm ingesessenen oder ussgesessenen burger soliche dinge verschribe UrkStraßb 4,2:143,36 (a. 1322) u.ö.; UrkCorp (WMU) 1100A,43. 1671,6; Ernsten saget ein lantman, / daz grôzer walt und vinster tan / an irem wege wære / und ungeverte swære ErnstD 4193. – phras.: ein altez sprichwort, / der lantman sî der wege wîs Ottok 22278
MWB 3,3 876,28; Bearbeiter: Diehl