Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
kippeln
kippeln
kippen Vb. ‘in schräge Stellung bringen, beinahe umstürzen’, ein nd. md. Wort ungeklärter Herkunft, in hd. Texten seit dem 17. Jh. belegt. Deutungsversuche bringen nd. md. kippen mit mnl. kippen ‘fangen’ (nl. kippen ‘umstürzen’ aus dem Dt.) und anord. kippa ‘reißen, rücken’ zusammen und stellen diese mit air. scibiud ‘rücken’, lett. šk̦eberēt ‘wanken, taumeln’ zur Wurzel ie. *gei- ‘drehen, biegen’. Oder man sieht, da die genannten verwandtschaftlichen Beziehungen problematisch sind, in dem Verb eine lautnachahmende Bildung. Auch Ableitung von md. nd. 1Kippe f. ‘Spitze, Kante’ (hd. Kipfe), vgl. nd. (mundartlich) kippen ‘die Spitze abschneiden, abhauen’, wird erwogen, ohne daß damit eine etymologische Zuordnung gegeben ist. Als Rückbildung aus dem Verb wird nd. md. Kippe literatursprachlich in den Wendungen auf der Kippe stehen, auf die Kippe stellen ‘so stehen oder stellen, daß das Gleichgewicht gefährdet ist’ (18. Jh.) und in der Turnersprache ‘Aufschwung in den Stütz’; dazu (im Bergbau) ‘Lagerstelle für Abraum’ (19. Jh.). Hierher wohl auch Kippe für ‘Endstück einer Zigarette, Zigarettenstummel’ (um 1920). 1Kipper m. ‘Münzverschlechterer’ (17. Jh.), besonders in der Fügung Kipper und Wipper (17. Jh.); vgl. Kippe ‘Goldwaage, waageartige Vorrichtung für Münzen’ (17. Jh.), kippen ‘Gold wiegen’, wippen ‘mit der Waage (Wippe) auswägen’ (15. Jh.). In der verstärkenden Doppelung vielleicht ‘wer schwere, vollwichtige Münzen auswägt, aussondert, um sie in leichtere umzuschmelzen’. Oder ‘wer beschnittene und daher nicht vollwichtige Münzen mit Schwung in die Waagschale wirft, damit diese schnell nach unten gedrückt wird und das volle Gewicht zu erbringen scheint’? Später wird kippen (im Anschluß an die oben genannte Bedeutung) jedenfalls im Sinne von ‘(den Münzrand) abzwacken’ und Kipper als ‘Münzbeschneider’ verstanden. 2Kipper m. ‘Transportfahrzeug mit kippbarem Laderaum’ (20. Jh.). kipp(e)lig Adj. ‘leicht umstürzbar, nicht fest stehend’ (19. Jh.); vgl. kippeln Vb. ‘hin und her wackeln’ (19. Jh.), Iterativbildung zu kippen.