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kies

mhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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12 in 10 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kies m.

Bd. 11, Sp. 687
kies, m. und n., glarea, ahd. nicht gefunden (aber chisil kiesel), mhd. kis wb. 1, 821b (dat. kise im reim auf wise, rise troj. kr. 6913. 36871); der vocal wird im leben noch heute vorwiegend kurz gesprochen (kiss), aber kies hat schon Luther. was den geschlechtswechsel von m. und n. betrifft, so wiederholt er sich gerade bei den gleichbed. gries, sand, grien, s. gr. 3, 379. 552, im neutr. scheint das gefühl des stofflichen besser ausgedrückt, wie bei den metallnamen (gr. 3, 378). auch böhm. kyz. 11) grober, steiniger sand, stofflich gedacht, daher ohne pl.: sabulum kys Brack voc. rerum 1487, kisz Dasyp. 362d, als neutr. Maaler 244a, Schottel 1344; bei Stieler 958 kies und kisz m.; kiesz m. Rädlein 534a, kis 538a; einen weg mit kies beschütten Steinbach 1, 856; durch den kies waten; und dein same würde sein wie sand und das gewechse deines leibs wie des selbigen kies (so zahlreich). Jes. 48, 19, 'der kies des sandes'; denn dieselbe gotteslesterung ist eben der kis und grundfest, darauf des Mahomets ganze reich stehet. Melanchthon im corp. doctr. christ. Leipz. 1560 s. 999, wol sand als unsicherer grund; giengs fort in sausendem galopp, dasz ross und reiter schnoben und kies und funken stoben. Bürger Lenore; zweitens hatte der sonst weiche mann (der minister) von seinem verkehr mit der justiz einen gewissen kies angesetzt, eine gewisse grausamkeit angenommen. J. Paul Tit. 3, 147, etwa wie ein ackerrand an einem flusse 'kies ansetzt'? besonders kies in oder am flusse, bei quellen, bächen: nur das ruder plätschert im wasser und stochert im kies auf dem grunde. Bronner fischerged. (1787) 26; wie leis auf kies die wellchen rauschen. Voss (1825) 3, 179. mhd. heiszt eine quelle kisküele, kühl vom kiese: kisküele, stæte, reine, reht als die berle kleine sant und kis von grunde ûʒ wallent alle stunde. Mones anz. 8, 489. 22) daher ein kies (mit plural), eine mit kies bedeckte stelle, fläche, kiesstück, wie mhd. grien, grieʒ, sant, lat. arena, gr. ἄμμος: machte er mich auf einen flachen kies aufmerksam, der von unserer seite sich in den strom hinein erstreckte, das sei die schönste gelegenheit zu baden. Göthe 22, 194; indem er (der fährmeister, auf der Mosel) bald hier einen vorgeschobenen kies zu vermeiden, sogleich aber dort den an steiler felswand herfluthenden strom zu schnellerer fahrt kühn zu benutzen wuszte. 30, 176; die Etsch flieszt nun sanfter und macht an vielen orten breite kiese. 27, 35. s. auch kiesweidicht, kiesscherre, uferkies. 33) in allgemeinerem sinne von andern steinen, volksmäszig, bergmännisch und wissenschaftlich. 3@aa) volksmäszig scheint kies als quarz 'in einigen gegenden' nach Adelung. als feuerstein: das mit kies zum entzünden versehene feuerschlosz an gewehren wurde erst 1517 in Nürnberg erfunden. Fr. v. Soden gesch. des weilers Affaltersbach Nürnb. 1841 s. 32. ein voc. des 15. jh. gibt 'antimonium, kys vel spiglas' (so) Dief. 38b. man mochte längst farbig glänzende steine überhaupt so nennen, nach der ähnlichkeit des fluszkieses. 3@bb) von den bergleuten ward das aufgenommen und ausgebildet (dann auch von der mineralogie), sie nannten kies gestein das vorwiegend nicht metallischen gehalt hat, im gegensatz zu den gesuchten erzen: kis, pyrites, lapis aerarius, marchasita. Schönsleder (kisz glarea); 'kiesz, pyrites, ist eine bergart, so gelb, auch weisz; giebt im schmelzen rohstein und hält kupfer, schwefel und vitriol, und ist insgemein unflüssig und strenge zu schmelzen, daher die schmelzer sagen, 'er sei meister im ofen', u. s. w. bergwerkslex. Chemnitz 1743 327a; der bergmann theilet den kiesz folg. maszen ein: schwarzer kiesz, derber kiesz, silberfarbner kiesz, kupferkiesz. 327b. bei Mathesius ist oft davon die rede, z. b. wismut sihet einem weiszen kisz ehnlich. 100a; da der stein kisz bei sich hat .. musz man in zuvor brennen. das.; weiszer und grauer kisz raubet den stein. 99b; der giftige kisz, so beim zwitter bricht. das.; die Teutschen heiszen ihn vielleicht kisz, dasz er so fest oder hart ist wie ein kiszlingstein, welche die bergleut querze nennen. 110b; wasserkisz, kupferkisz. das. ein von kuxkränzlern betrogener erzählt u. a.: sie zeigten mir ein bunten kiesz (nach dem reim kis), das wer roth gülden erz gewisz. froschm. M 3a. er galt dem bergmann im gegensatz zum erz als 'wildes ding', taubes gestein: schlacken, kobelt, kisz, speise, und was des wilden dings mehr ist. Mathesius 108b; (mochten die erze) sich verstecken in tauben kiesz. Rückert 167. je nach ihrem vorwiegenden gehalt heiszen sie schwefelkies oder eisenkies, kupferkies, arsenik- oder giftkies, goldkies, silberkies; der schwefelkies heiszt auch schlechthin kies, böhm. kys, kyz. 3@cc) Adelung machte daraus ein vom vorigen kies verschiedenes, ihm nur stammverwandtes wort; daher wol Rückerts schreibung kiesz. J. Grimm gr. 3, 380 andrerseits gibt auch für das vorige als mhd. schreibung kieʒ glarea, worauf beruht das? in dem märe vom feldbauer 'kiez unde spât' Pfeiffer Germ. 1, 350a. 355, sie werden dem betrogenen als erze gebracht, wie oben bei Rollenhagen der kiesz; aber die beiden hss. haben vielmehr biez, und kiez ist nur vermutet. dagegen erscheint ein mhd. kis bei Berthold, das erz meinen musz; er sagt zu einem schmiede: du slehst ettewenne ein îsin an ein ros, daʒ ist îtel kis, unde gêt lîhte dar ûfe kûme eine mîle, unz daʒ eʒ zerbrichet. 147, 27 (42 Kl.), was soll das sein als bloszes eisenerz betrügerisch zum hufeisen verarbeitet? schon Stieler 958 machte eine unterscheidung zwischen kies glarea und kisz sabulum (er vermischt letzteres mit kitt, s. d.); auch das scheint nur willkürlich. 44) kies für geld in der gaunersprache. 55) die herkunft liegt im dunkel. das wort scheint ausschlieszlich deutsch, dennn. kiis, schwed. kis, auch in der bergm. bed., scheinen entlehnt, und als nd. find ichs nicht angegeben, aus Holstein wird mir sein fehlen bestimmt versichert, man sagt da grand. stammverwandt wird aber sein nl. kei m. kies, bei Kil. keye (auch kae), auch nrh. kei kieselstein in Aachen (Müller u. Weitz 103); engl. key sandbank. aber auch eine engl. spur von kis in chessom, eine art sandiger und kleiiger erde Halliwell 245a, vgl. unter kiesel, das von kies gebildet ist.
6272 Zeichen · 134 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    kiesstmn. stmn.

    Findebuch (Mhd. Wortschatz)

    kies stmn. s. kis stmn.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    2. Kies

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    2. Der Kies , des -es, plur. gleichfalls nur von mehrern Arten, die -e, ein Wort, welches ursprünglich einen jeden Stein…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kies

    Goethe-Wörterbuch

    Kies -ß A(FfA I 27,133,23) 1 grobkörniger Sand, aus kleinen, meist runden Steinen bestehendes Erosionsgestein Verwüstung…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kies

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Kies , Haufwerke von unverbundenen, lose auf- und nebeneinander liegenden Geröllen und Geschieben, die teils Strandbildu…

  5. modern
    Dialekt
    Kiesm.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Kies 1 m. : 1. wie schd., Kiß (kis) [vereinzelt WPf PfId. 75 (FR-Colgst)], Kies (kīs) [vereinzelt VPf]; vgl. Kiesel 1. I…

  6. Sprichwörter
    Kies

    Wander (Sprichwörter)

    Kies 1. Der Kiss ist Meister im Ofen. – Petri, II, 98. 2. Der Kiss macht offt vngewiss. – Petri, II, 98. 3. Es ês Kis, d…

  7. Spezial
    Kies

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Kies m. (-es,-e) 1 (kleine Steinchen) giara f. 2 (grobkörnig) giarun m. 3 (feinkörnig) giarin m. 4 ‹fig, umor› (Geld) sc…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kies

287 Bildungen · 268 Erstglied · 12 Zweitglied · 7 Ableitungen

kies‑ als Erstglied (30 von 268)

Kies I

SHW

Kies I Band 3, Spalte 1283-1284

Kies II

SHW

Kies II Band 3, Spalte 1283-1284

Kiesacker

SHW

Kies-acker Band 3, Spalte 1283-1284

Kiesader

SHW

Kies-ader Band 3, Spalte 1283-1284

Kiesberg

SHW

Kies-berg Band 3, Spalte 1283-1284

Kiesbeton

SHW

Kies-beton Band 3, Spalte 1283-1284

Kiesbodem

SHW

Kies-bodem Band 3, Spalte 1283-1284

Kiesboden

SHW

Kies-boden Band 3, Spalte 1283-1284

Kiesborn

SHW

Kies-born Band 3, Spalte 1283-1284

Kiesbrocken

SHW

Kies-brocken Band 3, Spalte 1283-1284

Kiesbuckel

SHW

Kies-buckel Band 3, Spalte 1283-1284

Kiesgarten

SHW

Kies-garten Band 3, Spalte 1287-1288

Kiesgewann

SHW

Kies-gewann Band 3, Spalte 1287-1288

Kiesgrube

SHW

Kies-grube Band 3, Spalte 1287-1288

Kieshohl

SHW

Kies-hohl Band 3, Spalte 1287-1288

Kieskaute

SHW

Kies-kaute Band 3, Spalte 1287-1288

Kiesloch

SHW

Kies-loch Band 3, Spalte 1287-1288

Kiessand

SHW

Kies-sand Band 3, Spalte 1287-1288

Kiessieb

SHW

Kies-sieb Band 3, Spalte 1287-1288

Kiesweg

SHW

Kies-weg Band 3, Spalte 1287-1288

Kiesweide

SHW

Kies-weide Band 3, Spalte 1287-1288

Kieswein

SHW

Kies-wein Band 3, Spalte 1287-1288

Kieswingert

SHW

Kies-wingert Band 3, Spalte 1287-1288

Kieswurf

SHW

Kies-wurf Band 3, Spalte 1287-1288

Kiesabbrände

Meyers

kies·abbraende

Kiesabbrände , die beim Rösten des Schwefelkieses in der Schwefelsäurefabrikation bleibenden Rückstände, bestehen im wesentlichen aus Eiseno…

Kiesacker

PfWB

kies·acker

Kies-acker m. : FlN in LU-Opp, Kiesacker ; in NW-Mußb, amtl. Kiesäcker. Benennung wegen des kieshaltigen Bodens. Südhess. III 1284 ; Bad. II…

kiesader

DWB

kies·ader

kiesader , f. bergmännisch, ader welche kies, schwefelkies enthält. Adelung.

kiesäätsch

MeckWB

kiesäätsch kiesätig s. kisäätsch .

kies als Zweitglied (12 von 12)

Alaunkies

Adelung

alaun·kies

Der Alaunkies , des -es, plur. die -e, ein Schwefel- oder Vitriolkies, welcher zugleich Alaun in sich enthält.

Arsenik-Kies

Adelung

arsenik·kies

Der Arsenik-Kies , des -es, plur. die -e, ein weißer, glänzender, schwerer Kies, welcher zuweilen ein blätteriges Gewebe hat, und Arsenik en…

Atlaß-Kies

Adelung

atlass·kies

Das Atlaß-Kies , des -es, plur. die -e, ein Nahme, der in Nassau-Dillenburg einer Art Kupfererze beygeleget wird.

giftkies

DWB

gift·kies

giftkies , m. , arsenhaltiges mineral, erz, s. Chomel 4, 1087; Minerophilus (1730) 300 b ; bergmänn. wb. (1774) 227. —

goldkies

DWB

gold·kies

goldkies , m. , mineral, das gold enthält, vgl. kies 3 b, teil 5, sp. 687: so werden auch viel goldkiesz gefunden, welche nicht allein golt,…

kupferkies

DWB

kupfer·kies

kupferkies , m. bergm., kupferichter kies, s. kies 3, b; kupferkiesz, gelb wie ein messing, braun und blau. Erker 4 a ; kupferkisz z. b. Hen…

schwefelkies

DWB

schwefel·kies

schwefelkies , m. kies, der schwefel enthält, im plur. von mehreren arten, pyrites sulphureus Nemnich, pyrites sulphur continens Frisch 2, 2…

silberkies

DWB

silber·kies

silberkies , m. silberhaltiger und silberähnlicher kies, pyrites coloris argenti argentum non continens, silberkiesz. Frisch 2, 277 b , silb…

Wasserkies

Adelung

wasser·kies

Der Wasserkies , des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ein weißer arsenikalischer Kies, von einer glänzenden F…

Ableitungen von kies (7 von 7)

bekiesen

DWB

bekiesen , glarea sternere: die wege sind frisch zu bekiesen

erkiesen

DWB

erkiesen , eligere, goth. uskiusan, ahd. archiosan, mhd. erkiesen, alts. âkiasan, ags. âceosan. kiesen hiesz eigentlich sehen, erkiesen also…

erkiesung

DWB

erkiesung , f. electio, erwählung: ihr fürsten, graven, herren und gewaltige, seit ihr so unbedachtsam in erkiesung des hofpredigers und hof…

gekiesen

Lexer

ge-kiesen stv. III. BMZ sehen, wahrnehmen Wig.

unkieslich

Idiotikon

unkieslich Band 3, Spalte 525 unkieslich 3,525

verkiesen

DWB

verkiesen , verb. zu kies machen. verkieset, in pyritem mutatus. Frisch 1, 514 .

verkiesung

DWB

verkiesung , f. verwerfung: verkesung repudium Dief. 495 c . daneben im anschlusse an die oben erwähnte ausschlieszlich nd. nebenbedeutung d…