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kiefel

nhd. bis sprichw. · 3 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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4 in 3 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kiefel m.

Bd. 11, Sp. 665
kiefel, kifel, kiffel, m. gleich kiefer, maxilla, mala, mentum, gingiva, branchia. s. kiefe gleicher bed., von dem sich kiefel und kiefer als fortbildungen darstellen, obwol mit anderm geschlecht. mhd. ist kivel zu erwarten nach kiver kiefer. 11) kinnbacken: des kiefels oder kinbackens. Würtz wundarzn. 108; mit einem kiffel eines esels erschlug (Simson) tausend man. Keisersberg seelenpar. 50a; beweg die zung, den kiffel und dergleichen. 60a; von ringer unachtbarer ursachen bluotet inen die nas, der kyfel, zanfleisch oder kynback. Gersdorf wundarzn. 86, die zwei letzten worte scheinen als erklärung des oberd. kifel zugesetzt, wie man das damals schon machte, um allgemeiner verständlich zu sein; die zwen groszen zeen (zähne des elephanten), die man in unser land bringt, steend im in dem obern kiffel schlecht für sich (gerade vorwärts) zum maul herausz. Frank weltb. 197b (1567 201a kifel); der under kiffel gehet und schleuszt sich ein in den obern. Forer fischb. 57b; am haupt des menschs die zamenhaltend glider, am kifel, mund u. s. w. Thurneisser archid. 111; zerspielt ihnen die apfelwangen und kifel (plural). Garg. 205b (381); dem einen (reiter) brach es (das pferd) die schenkel, dem andern das hirnbecken, dem dritten den kifel sampt der weinstrasz (hals). 139b (255); wenn die Norweger feinde erschrecken wöllen, so stecken sie einen rosskopf an einen zaunstecken, sperren im den bloszen kiffel auf und wenden ihn nach dem läger. Rivander exempelbuch 2, 113 (vgl. myth. 625), wenn nicht maul gemeint ist, denn so ist keu, kinnlade, zugleich 'faux' sp. 305, s. auch kinn 4. Es ist noch schweiz., kifel Stalder 2, 99, vorarlb. Fromm. 3, 301 (untere kinnlade): der kinnbacken oder die kinnlade, der kiffel. Lavater von der phys. (1772) 2, 128. ebenso mrh. küwel (s. 7, a), nrh. kiewel m. Schmitz Eifel 227a, nl. kevel m. und f., also das ganze Rheingebiet entlang, und so wol von jeher. Es haben sich daraus aber weitere bedeutungen entwickelt: 22) backen, wange: eine gute und fruchtbare kuh soll .. haben .. harichte oren, zusammengefallene küfel, grosz preit maul. Sebiz feldb. 98, deutlich die backen, natürlich mit einschlusz der 'kinnbacken', die wange ist ja nichts als die bekleidete kinnlade. Maaler 258c erklärt kyfel nur mit mala, aber mala ist selbst sowol kinnlade, als wange (malae). 33) auch das kinn heiszt der kifel, in Vorarlberg Fromm. 3, 301, St. Gallen Tobler 101b, es wird sich älter finden. so hat käu auch die bed. kinn gewonnen, und kinn selbst ist auch kiefer und wange. 44) zahnfleisch, gingiva geben Altenstaig 55b, Denzler (Basel 1716) als bed. von kiefel; s. auch Gersdorf unter 1. so bedeutet nl. kevels pl. jetzt das zahnfleisch ohne zähne (den zahnlosen kiefer), hij moet met de kevels bijten. Weiland. vgl. 'mandibula, biler' (zahnfleisch) Dief. 346b. 55) kieme des fisches, s. kiefe 2: branchia, kyffel. Dief. 80c aus einem mittelrh. voc.; senecia, kyfel vel wang von dem fisch. gemma Straszb. 1518 z 1d (Dief. 526b); erwüsch in (den fisch) bei dem küffel bhend. Wickram Tobias G 8a. 66) ein sprichwort mit wortspiel zwischen kifel und kifen nagen: der kifel ist der alten stütz .. da künnen sie den ganzen tag nagen und kifen. Frank spr. 1, 30a, der kiffel ist der alten stutz, viro seni maxillae baculus, die alten halten sich mit den zähnen auf, dasz sie ihr alter trösten mit ihrem mümpfelen. Schottel 1124a. das wortspiel trifft das rechte, der kifel ist urspr. das kifende, kauende werkzeug, s. kafeln 1. 77) noch einiges von form und verwandtschaft. 7@aa) auffallend wiederholt sich hier, wie bei kiefe sp. 663 (und nachher bei kiefeln nagen) die schreibung mit ü, s. Wickram u. 6, Sebiz u. 2, und so öfter: so aim der küffel oder kinbach zerbrochen ist. Braunschweig chir. 91; selbst in 'kyfel' kann y hie und da ü meinen. bei Braunschweig steht auf derselben seite sogar kuffel: da aim der kinback oder die kuffel (pl.) zerbrochen seind. das kann freilich druckf. für küffel sein, und das ü nur ausartung der aussprache, wie unter kiefe schote küfe sp. 664. aber aus Nassau gibt noch Kehrein 252, nachtr. 32 küwelchen n. kinnbacken. s. kiefen 3, a. 7@bb) diesem küwelchen mit seinem w entspricht älteres kiebel: [] intus sonat guttur, sonat maxilla ... der hals schnarcht, der kiebel tönt auch mit. Th. Garzoni allg. schauplatz Frankf. 1619 593b, 1641 352b. 881a. das ist wie kibe, kiwe für kiefe sp. 664, wie md. kabe kaff sp. 20. 7@cc) wirklichen ablaut (i a u?) offenbart die alts. form kafl m. (vom fischkiefer Hel. 98, 19. 24), ags. ceafl, gerade wie kifen, kifeln nagen kafeln neben sich hat, engl. chavel. noch engl. dial. chavel kinnbacken, auch noch chaff, daher chaffbone backenknochen, welches chaff sich zu ceafl verhält, wie kiff (kiefe) sp. 664 zu kifel. im auslaut anders gestaltet altn. kiaftr, kiaptr, schwed. käft, n. kjäft, auch engl. schott. chaft, altengl. chafte. s. auch kirbel kiefer.
4978 Zeichen · 139 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    kiefelm.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    kiefel , kifel , kiffel , m. gleich kiefer, maxilla, mala, mentum, gingiva, branchia. s. kiefe gleicher bed., von dem si…

  2. modern
    Dialekt
    Kiefel

    Rheinisches Wb.

    Kiefel = Maikäfer s. Käfer;

  3. Sprichwörter
    Kiefel

    Wander (Sprichwörter)

    Kiefel Der kifel ist der alten stütz. – Franck, I, 30 a ; Eyering, I, 503; Petri, II, 97; Gruter, I, 16; Gaal, 37; Schot…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kiefel

13 Bildungen · 11 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

kiefel‑ als Erstglied (11 von 11)

Kiefelarbeit

Wander

kiefel·arbeit

Kiefelarbeit 1. Einem Kiefelarbeit auftragen. Von einer zänkischen Frau heisst es: »Sie gibt jhrem Manne alle Tage Kifelarbeit zu essen.« ( …

kiefelbeil

DWB

kiefel·beil

kiefelbeil , n. ein fürs sprichwort erfundenes beil als werkzeug einer bösen frau: er musz ihr stracks sein unterthan .. und schweigen, wenn…

kiefelei

DWB

kiefe·lei

kiefelei , f. gekeife u. ä.; kebely garrulitas Dief. 258 a .

kiefeleisen

DWB

kiefel·eisen

kiefeleisen , n. zänkisches weib: ( eine böse frau ist ) ein stetes kifeleisen. A. Hosemann verantw. der ehelichen liebe Magd. 1613 D 3 b . …

kiefeler

DWB

kiefe·ler

kiefeler , kifeler , kiffeler , m. zänker, keifer. md. kefeler, nd. keveler disceptator. Dief. 184 a .

kiefelich

DWB

kiefe·lich

kiefelich , wie folg.: kifflich, contentiosus. voc. opt. Lpz. 1501 G 4 b . adv. kiffelichen rixanter Dief. 499 b . unsicher ob von kiefen od…

kiefelig

DWB

kiefelig , zänkisch: garrulus kiefelig Dief. 258 a . s. auch kiefelich, kiefelkeit.

kiefelkeit

DWB

kiefel·keit

kiefelkeit , f. kiffelkeit, garrulitas. voc. 1482 q 4 b , für kifeligheit, s. sp. 501.

kiefelung

DWB

kiefe·lung

kiefelung , f. rixa, kyfelung. voc. 1482 q 4 a , kivelunge, kiffelunge, chiflunge Dief. 499 b .

kiefelzahn

DWB

kiefel·zahn

kiefelzahn , m. dens rosor, anterior. Frisch 1, 513 b , nach Maaler 243 b : kifelzän, die vier vordersten zän, damit man keüwet oder malet, …

kiefel als Zweitglied (1 von 1)

zahnkiefel

DWB

zahn·kiefel

zahnkiefel , m. , frühnhd., bezeugt als zahnkiffel, wohl der theil des kiefers, worin die zähne sitzen oder das zahnfleisch ( vgl. kiefel ob…

Ableitungen von kiefel (1 von 1)