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Intĕrim

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Meyers
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12 in 11 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Intĕrim

Bd. 9, Sp. 885
Intĕrim (lat., »einstweilen«), Bezeichnung für die einstweilige Regelung irgend welcher Zustände. Insbesondere versteht man darunter drei Versuche einer einstweiligen Ausgleichung in Religionssachen, die unter Kaiser Karl V. in Deutschland zwischen Katholiken und Protestanten bis zum Entscheid einer allgemeinen Kirchenversammlung gemacht wurden. Der erste dieser Versuche war das Regensburger I. von 1541: der wahrscheinlich von Bucer lateinisch abgefaßte Entwurf einer Vereinbarung über die kirchlichen Streitfragen, der dem Regensburger Religionsgespräch und auch dem Reichsabschied zugrunde lag, bestimmte, daß die Evangelischen bis zum Zusammentritt des Konzils nicht über die verglichenen Artikel hinausgehen sollten; die wesentlichsten Punkte der Reformation waren in den Artikeln zugestanden. Durch das zweite, das Augsburger I. von 1548, suchte Karl V. die damals im Schmalkaldischen Kriege besiegten Protestanten zur Unterwerfung unter die alte Kirche zu bewegen; eine Glaubensnorm, nach der sie einstweilen sich zu richten hätten, mit einigen Konzessionen an ihre kirchliche Einrichtung sollte ihnen die Rückkehr zur katholischen Kirche erleichtern. Zur Formulierung dieser einstweiligen Norm berief Kaiser Karl V. den Naumburger Bischof Johann v. Pflugk, den Mainzer Weihbischof Michael Helding (Sidonius) und den Brandenburger Hofprediger Johann Agricola, die in 26 Artikeln das zweite I. verfaßten. Im wesentlichen enthielt es die katholische Lehre und berücksichtigte die Forderung der Protestanten nur insofern, als es einige Feiertage abschaffte, die Einziehung der Kirchengüter stillschweigend gestattete, die Ehe den Geistlichen bis zur Entscheidung durch ein allgemeines Konzil erlaubte und den Genuß des Abendmahls in beiderlei Gestalt unter der Bedingung zugestand, daß der Genuß des Abendmahls unter Einer Gestalt weder Tadel noch Mißbilligung erlitt (vgl. Beutel, Über den Ursprung des Augsburger Interims, Dresd. 1888). Zwar wurde es 15. Mai 1548 als Reichsgesetz verkündigt, aber die Mehrzahl der katholischen Stände wollte von Zugeständnissen nichts wissen, und in den evangelischen Landen mißachtete man, wo man nur konnte, seine Vorschriften. Die Annahme des Interims verweigerten rund der gefangene Kurfürst Johann Friedrich, der junge hessische Landgraf, die protestantischen Stände und Städte Niedersachsens, Pfalz-Zweibrücken, das Herzogtum Preußen und Markgraf Hans von Brandenburg-Küstrin. Ja, selbst der dem Kaiser gegenüber so willfährige Kurfürst Joachim II. konnte die Anerkennung des Interims in seinem Lande nicht durchführen. Nur Württemberg und die Kurpfalz fügten sich dem Kaiser; die widerspenstigen Geistlichen wurden ihrer Stellen entsetzt und verfolgt, einige sogar getötet, sowie zu nachsichtige Magistrate abgesetzt. Zwar verbot der Kaiser, etwas gegen das I. zu schreiben, zu predigen oder zu drucken; allein bald erschienen Flugschriften dagegen in Menge. Magdeburg war der Sammelplatz der wegen des Interims Vertriebenen und die Schmiede der Flugschriften und hieß spottweise die »Kanzel Gottes«, während die Gegner des Interims letzteres die »Sphinx Augustana«, »des Papstes Unterhemd« etc. titulierten. Auch Spottlieder darauf zirkulierten in Menge. Eine Modifikation erfuhr das I. in Sachsen. Kurfürst Moritz hatte zwar für seine Person dasselbe angenommen, wagte aber nicht, es dem Lande unverändert aufzudrängen, und ließ mit Hilfe Melanchthons auf einer Reihe von Konferenzen und Religionsgesprächen in gewundenen, vieldeutigen und unbestimmten Worten eine Kirchenagende ausarbeiten, die das kleine I. zum Unterschied von dem großen genannt wurde und 22. Dez. 1548 bei den Landstädten Sachsens Annahme fand; da die Beratung zu Leipzig erfolgt war, kam dafür auch der Name Leipziger I. auf. Von seiten der Regierung im Juli 1549 als Landesgesetz eingeführt, erklärte es die äußerlichen Dinge, die Formen des Kultus, für Adiaphora und wahrte bloß hinsichtlich des Glaubens im ganzen den evangelischen Standpunkt. Dennoch bekämpften und schmähten nicht wenige Theologen den Urheber und die Anhänger desselben als Interimisten oder Adiaphoristen. Das Haupt jener Theologen war Matthias Flacius (s. d.), der, als er von den Leipziger Versammlungen und Beratungen hörte, sogleich seine Professur zu Wittenberg niederlegte und aus der Oppositionsstadt Magdeburg eine Unzahl von Schmähschriften gegen das I. und seine Anhänger veröffentlichte. Das Leipziger I. verlor seine Geltung schon 1552, als Kurfürst Moritz sich gegen den Kaiser erhob und dem Protestantismus in Sachsen wieder freie Bahn ließ (vgl. Herrmann, Das I. in Hessen, Marburg 1901). – Über das am 30. Sept. 1849 mit Geltung bis 1. Nov. 1850 zwischen Preußen und Österreich vereinbarte I. s. Deutschland, S. 823.
4735 Zeichen · 52 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    interimN.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    interim , N. nhd. Interim, Zwischenzeit, Übergangslösung I.: Lw. lat. interim E.: s. lat. interim, Adv., unterdessen, mi…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Interimn.

    Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer) · +1 Parallelbeleg

    Interim n. ‘Zwischenzeit, Zwischenlösung, einstweilige Regelung’. Das Adverb lat. interim ‘unterdessen, mittlerweile, in…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Interim

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Interim neutr Zwischenzustand, vorübergehende, unentschiedene Situation im politisch-gesellschaftlichen od persönlichen …

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Interim

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Interim , lat., unterdessen; dann bei Streitigkeiten zwischen religiösen Parteien oder zwischen Kirche u. Staat die vorl…

  5. Sprichwörter
    Interim

    Wander (Sprichwörter)

    Interim Das Interim hat den Schalck hinter jhm. – Herberger, I, 2, 825; Pistor., V, 58; Eiselein, 342; Simrock, 5243. »D…

  6. Latein
    interim

    Mittellateinisches Wb.

    interim adv. script.: -rem: Conc. Merov. p. 195 b ,6. intirim: MLW l. 56 . intrim: Geneal. Franc. (MGScript. II p. 308 a…

  7. Spezial
    interim

    Ladinisch-Deutsch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    interim [in·te·rim] (lat.) m. 1 Interim n., Zwischenzeit f. , (inciaria) vorläufige Verwaltung 2 Notlösung f ., Übergang…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit interim

53 Bildungen · 53 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von interim 2 Komponenten

inte+rim

interim setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

interim‑ als Erstglied (30 von 53)

interimal

LDWB1

interimal [in·te·ri·māl] adj. (-ai, -a) einstweilig, interimistisch, ad interim ◆ comisciun interimala Interimskommission f.

Interim aliquid fit

Meyers

Interim aliquid fit (lat.), »inzwischen geschieht etwas«, etwa soviel wie: »Kommt Zeit, kommt Rat«, Zitat aus Terenz' » Andria « (Akt 2, Sze…

interimisch

KöblerMnd

interim·isch

interimisch , Adj. nhd. interimistisch, dem Interim zugeneigt, dem Kompromiss zugeneigt E.: s. interim, isch L.: MndHwb 2, 458 (interimsch)

interimiste

MNWB

interim·iste

° interimiste , m. , Anhänger des Interim (Nd. Jb. 23, 124 = Lib. Hoppe 79).

interimistich

LDWB1

interimistich [in·te·ri·mị·stich] adj. (-cs, -ca) interimistisch, ad interim.

Interimisticum

Herder

Interimisticum , lat., so viel als Provisorium, nämlich jede Maßregel, welche in irgend einer Angelegenheit vorläufig getroffen wird; dann j…

Interimistĭkum

Meyers

Interimistĭkum (neulat., auch Provisorium , s. d.), vorläufige amtliche Anordnung, vorläufige Verwaltung eines Amtes; gerichtliche Verfügung…

interimistisch

Pfeifer_etym

Interim n. ‘Zwischenzeit, Zwischenlösung, einstweilige Regelung’. Das Adverb lat. interim ‘unterdessen, mittlerweile, inzwischen’ (zum erste…

Interimsakte

GWB

interim·s·akte

Interimsakte zwischenzeitlich eingeschaltetes (nicht endgültiges) Aktenstück Briefe und Billete für morgen vorbereitet. Rubriken zu Interims…

Interimsaufstellung

GWB

interim·s·aufstellung

Interimsaufstellung Bindestrichschr vorläufige, provisorische Aufstellung, Plazierung; mBez auf zu restaurierende Kunstwerke A(Vogel 422) Be…

Interimsaufwand

GWB

interim·s·aufwand

Interimsaufwand [ Wiederaufbau des Weimarer Schlosses ] was die Rinnen betrifft .. daß man keinen I. weiter machen wolle, und sich lieber ..…

interimsch

MNWB

interim·sch

interimsch , adj. , i.e herten hebben dem Interim, dem Kompromiß zugeneigt sein.

Interimsdachung

GWB

interim·s·dachung

Interimsdachung Bindestrichschr provisorische Bedachung; mBez auf Brandruine des Weimarer Schlosses A(FfA I 27,61,32) Protokoll 4.4.89 Stefa…

Interimsdamm

GWB

interim·s·damm

Interimsdamm Bindestrichschr provisorischer Schutzwall; iZshg mit Wasserbauplanung in einer Dorfflur (bei Ringleben) A1,132,31 Promem 15.1.8…

Interimsdirektor

GWB

interim·s·direktor

Interimsdirektor für eine best, begrenzte Zeit gewählter (Schauspiel-)Leiter [ Demokratisierungsforderungen in der Schauspieltruppe ] das Am…

Interimsfenster

GWB

interim·s·fenster

Interimsfenster Getrenntschr provisorisch errichtetes Fenster; iZshg des Wiederaufbaus des Weimarer Schlosses A(FfA I 27,96,18) Aufstellg üb…

Interimsgage

GWB

interim·s·gage

Interimsgage Getrenntschr vorläufige, Abschlagsgage (für den nach Weimar engagierten Schauspieler Vohs) B9,299,5 Jacobi 16.4.92 Stefan Elit …

Interimsgehalt

GWB

interim·s·gehalt

Interimsgehalt mask vorläufige, Abschlagszahlung Ein [ Bibliotheks- ]Diener, namens Römhild, ist provisorisch angestellt .. auch er mag sich…

Interimsgehülfe

GWB

interim·s·gehuelfe

Interimsgehülfe Schmellern [ JJSchmeller, Zeichenlehrer in Weimar ] auf einige Zeit nach Jena .. Wie machen wir es hier mit der Zeichenstund…

Interimshoffnung

GWB

interim·s·hoffnung

Interimshoffnung zeitweilig (u wiederholt) aufkeimende Hoffnung [ mBez auf die friedliche Situation in Weimar vor der preußischen Kriegserkl…

Interimskunstzeug

GWB

interim·s·kunstzeug

Interimskunstzeug fast nur Bindestrichschr; ‘Interims K.Zeug’ B8,339,27 bergm: provisorisch, als Notbehelf eingesetzte Wasserhebemaschine zu…